LOGIN„Du solltest nicht hier sein, Miss Wren“, wiederholte er.
Die Teller glitten mir aus den Fingern und zerschellten auf dem Boden, Porzellansplitter lagen überall verstreut. Alaric zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er trat nur näher, die zerbrochenen Stücke knirschten unter seinen polierten Schuhen. Er war so nah, dass ich die Hitze seines Körpers stärker spürte als das warme Küchenlicht. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Aber es kam kein Laut heraus. Seine Augen wanderten zu meinen Lippen, verweilten dort eine Weile und kehrten dann zu meinen Augen zurück. „Ich sagte, du solltest nicht hier sein“, wiederholte er, diesmal weicher und zärtlicher. „Aber hier bist du.“ Hinter uns hörten wir Gelächter von der Terrasse. Elias’ Stimme war die lauteste und hellste. Sie war lauter als die aller anderen dort. Alaric biss die Zähne zusammen. Er ging an mir vorbei, um den Stapel Teller auf die Arbeitsplatte zu stellen. Sein Arm streifte meine Taille – es war absichtlich, ein langsames Entlanggleiten, das meinen Atem stocken ließ. „Ich kann erklären…“, begann ich. „Nein.“ Er hielt mein Handgelenk fest, sein Daumen drückte genau auf die Stelle, an der Elias’ Griff in der vergangenen Woche einen schwachen Bluterguss hinterlassen hatte. Seine Berührung war leicht und entschuldigend. Als würde er Mitleid mit mir haben. „Tu es nicht. Noch nicht.“ Dann wanderten seine Finger nach oben, streiften den Ärmel meines blauen Kleides, bis sie meine bloße Haut berührten. Ich bekam eine Gänsehaut. Dann drehte er meine Handfläche um und betrachtete die Lebenslinie, als hätte sie Antworten auf das, was ihm durch den Kopf ging. „Tut er dir oft weh?“ Die Frage war so sanft, dass ich mich vor ihm geöffnet fühlte. Tränen stachen in meinen Augen, plötzlich und demütigend. Ich schüttelte den Kopf, wahrscheinlich zu schnell. „Es ist nicht…“ „Isola.“ Er sagte meinen Namen warnend, aber es klang wie ein Wiegenlied. „Sieh mich an.“ Ich tat es. Seine Augen waren glühend, er wirkte scheu. Er hob meine Hand und drückte einen Kuss auf mein Handgelenk. Er war warm, verweilend und genau über der verblassenden gelben Spur. Meine Knie gaben nach. „Vorsicht“, murmelte er, „ich halte dich.“ Schritte näherten sich. Es waren weibliche Schritte, denn ich hörte Absätze auf dem harten Boden klacken. Alaric ließ mich sofort los und trat zurück, als Mariel mit einer leeren Weinflasche hereinkam. Der Blick meiner besten Freundin wanderte von den zerbrochenen Tellern zu Alarics unlesbarem Gesicht und dann zu meinen erröteten Wangen. „Ist hier alles in Ordnung?“ fragte Mariel und zog eine Augenbraue hoch. „Ungeschickte Gästin“, sagte Alaric glatt, schon dabei, sich hinzuknien, um die Splitter aufzusammeln. Seine Stimme verriet nichts, aber als er aufstand, schob er ein Stück Porzellan in meine Hand. Es war klein, scharf und warm von seiner Haut. Ein Geheimnis. Mariel schnaubte. „Ich hole den Besen.“ Sie verschwand. In dem Moment, als sie fort war, beugte sich Alaric vor, sein Atem streifte mein Ohr. „Nachuntersuchung. Montag. Fünfzehn Uhr. Verschiebe sie nicht.“ Dann sagte er lauter, für alle, die zuhören könnten: „Pass auf das Glas auf, Miss Wren.“ Er ging weg, die Schultern gerade, und ließ mich mit dem Splitter zurück, den ich wie einen Liebesbrief umklammerte. Der Rest des Abends verging. Elias führte mich von Gruppe zu Gruppe, seine Finger hielten meinen Rücken besitzergreifend fest. Jedes Mal, wenn ich aufblickte, beobachtete Alaric mich still. Er war ein Leuchtturm im Sturm des Smalltalks. Einmal trafen sich unsere Blicke quer durch den Raum, und er hob sein Glas zu einem winzigen Salut. Mein Herz stolperte. Um Mitternacht küsste Elias meine Schläfe. „Bleib über Nacht.“ „Ich habe einen frühen Anruf“, log ich. Er schmollte, ließ mich aber gehen, abgelenkt von dem Händedruck eines Investors. Im Aufzug nach unten öffnete ich meine Faust. Das Porzellanstück hatte eine dünne Linie über meine Handfläche geschnitten, winzige Blutströpfchen lagen darauf. Ich lächelte, absurderweise glücklich. Montag, 14:57 Uhr. Ich saß im selben Untersuchungsraum, mein Herz schlug schnell. Der Kittel fühlte sich heute dünner an, oder vielleicht brannte ich von innen heraus. Als die Tür aufging, trat Alaric herein. „Miss Wren.“ Er schloss die Tür und schloss sie ab. Das Klicken hallte nach. Er sprach erst wieder, als er nah genug war, dass ich die silbernen Fäden in seinem Haar zählen konnte. „Die Laborwerte sind perfekt“, sagte er mit gedämpfter Stimme. „Aber du schläfst nicht.“ „Woher wissen Sie…“ „Deine Augen.“ Er nahm mein Gesicht in beide Hände, seine Daumen strichen unter meinen Wimpern entlang. „Lass mich mich um dich kümmern.“ Und dann, wie im Film, küsste er mich. Langsam, süß, als hätte er alle Zeit der Welt. Sein Mund schmeckte nach Kaffee. Ich schmolz in ihn hinein, meine Hände ballten sich in seinem Kittel. Als er sich zurückzog, atmeten wir beide schwer. „Ich kann das hier nicht“, flüsterte er, aber seine Hände glitten zu meiner Taille und hoben mich auf den Tisch. Papier riss unter uns. „Gott helfe mir, ich kann nicht aufhören.“ Seine Lippen fanden meinen Hals, er gab mir diese offenen Küsse, die mich dazu brachten, mich zu wölben. Ich spürte ihn hart an meinem Oberschenkel und wimmerte. Er besänftigte den Laut mit einem weiteren Kuss, sanfter und entschuldigend. „Montagnächte“, sagte er gegen mein Schlüsselbein. „Bei mir. Keine Akten. Keine Kittel. Nur du.“ Ich nickte, schwindelig. „Ja.“ Er half mir herunter und hielt mich fest, als meine Beine zitterten. An der Tür drückte er den Porzellansplitter, der nun in Gaze gewickelt war, in meine Handfläche. „Halte daran fest. Eine Erinnerung daran, dass manche Dinge zerbrechen, damit bessere hineinpassen können.“ Ich verließ das Krankenhaus. In jener Nacht, als ich nach Hause kam, kochte Elias – selten und romantisch. Er stellte auch Kerzenlicht auf, seine Hände waren ausnahmsweise sanft an mir. Ich lächelte, lachte und ließ mich von ihm mit Erdbeeren füttern. Aber jeder Bissen schmeckte nach Alarics Kuss. Später im Bett zeichnete Elias den winzigen Schnitt auf meiner Handfläche nach. „Was ist das?“ „Papierschnitt“, log ich. Er küsste ihn, ahnungslos. Ich starrte an die Decke und zählte die Stunden bis Montag. Die Woche kroch vorbei. Einmal schrieb Alaric von einer privaten Nummer: Denke an dich. Pass auf dich auf. Ich speicherte es, las es unter der Dusche wieder und wieder, meine Finger glitten zwischen meine Beine im Rhythmus seiner getippten Worte. Es war endlich Montag, 18:00 Uhr. Ich ging zu seiner Wohnung. Seine Wohnung war ganz dunkles Holz und Stadtlichter, eine einzige Lampe leuchtete. Er öffnete die Tür in Jeans und einem weichen Pullover, barfuß. Der Anblick von ihm, so ungebunden, ließ mich fast umknicken. „Hi“, sagte er, plötzlich scheu. „Hi.“ Er nahm meinen Mantel, die Finger verweilten an meinem Körper. Dann küsste er mich langsam wie beim ersten Mal, aber diesmal tiefer. Wir schafften es bis zum Sofa, bevor wir einander die Kleider auszogen. Sein Mund kartierte jeden Zentimeter von mir, andächtig. Als er in mich eindrang, war es mit einem Stöhnen, das eher nach einer Kapitulation klang. Er machte auf die süßeste, sinnlichste Weise Liebe mit mir – so hatte ich es mit Elias noch nie empfunden. Seine Stöße waren zuerst langsam, dann beschleunigte er das Tempo. Er trieb intensiv in mich hinein. Ich wimmerte und gab mich ihm hin. Ich ließ ihn die Kontrolle übernehmen. Das ist so gut, dachte ich. Danach hielt er mich an seine Brust und zeichnete träge Kreise auf meinen Rücken. „Bleib“, flüsterte er. „Ich kann nicht.“ „Ich weiß.“ Wir zogen uns schweigend an. An der Tür strich er eine Haarsträhne hinter mein Ohr. „Mittwoch. Die Klinik schließt früher. Ich lasse die Seitentür für dich unverschlossen.“ Ich nickte, die Kehle eng. An jenem Mittwoch, um 16:15 Uhr. Der Klinikflur war dämmrig, leer. Ich schlich durch die unmarkierte Tür herein. Alaric wartete in einem Bereitschaftsraum mit einem schmalen Bett. Ohne Zeit zu verlieren, zog er mich hinein und küsste mich atemlos. Wir hatten zwanzig Minuten. Er nahm neunzehn, die Hände sanft, der Mund ehrfürchtig. Als ich kam, schluckte er meinen Schrei mit einem Kuss. Danach glättete er meinen Rock und ordnete mein Haar. „Du strahlst“, sagte er, ehrfürchtig. Ich lachte, zitternd. „Du bist Ärger.“ „Nur für dich.“ Am Donnerstagabend schlug Elias einen Wochenendausflug vor. „Nur wir. Keine Ablenkungen.“ Mein Magen sank. „Ich habe eine Arbeitssache…“ „Die kann warten.“ Sein Ton wurde schärfer. „Du warst abwesend.“ Ich versprach, umzuplanen. Ich log ihn wieder an. Am Freitag schrieb ich Alaric: Ich schaffe es am Montag nicht. Tut mir leid. Seine Antwort kam sofort: Was immer du brauchst. Ich bin da. In jener Nacht packte Elias für uns beide. Ich sah zu, wie er meine Kleidung faltete – die, die er selbst ausgesucht hatte. Er kontrollierte. Am Samstagmorgen vibrierte mein Handy. Es war eine unbekannte Nummer, es war ein Foto. Ein Foto des Porzellansplitters, der nun in einem zarten silbernen Anhänger an einer dünnen Kette gefasst war. Darunter stand eine Notiz in Alarics Handschrift: Trag das unter dem blauen Kleid. Damit du dich erinnerst, wer dich sieht. Ich legte ihn an, das kühle Metall legte sich zwischen meine Brüste. Elias klopfte. „Das Auto ist da.“ Ich lächelte, mein Herz raste. „Ich komme.“ Als wir in den Aufzug stiegen, vibrierte mein Handy erneut. Es war Alaric: Wenn du mich brauchst, schreib 911. Ich komme. Ich drückte den Anhänger an meine Haut und zählte die Herzschläge. Am Sonntagabend war ich in einer Hotelsuite mit Blick auf den Ozean, als Elias Champagner einschenkte. „Auf uns“, stieß er an. Ich stieß an, und wir tranken den Champagner. Der Anhänger war unter meinem Kleid verborgen. Mein Handy vibrierte auf dem Nachttisch, es war eine unbekannte Nummer. Ich wusste, dass es Alaric war. Ich drehte es um. Ich konnte es nicht riskieren. Elias küsste mich, seine Hände wanderten über meinen ganzen Körper. Ich schloss die Augen, genoss den Moment und tat so, als wäre es Montag. Später, als er schlief, schlich ich auf Zehenspitzen ins Bad, schloss die Tür ab und öffnete die Nachricht. Es war eine Videonachricht. Alaric in seiner Klinik, der weiße Kittel aufgeknöpft, mit leiser Stimme: „Ich vermisse dich. Komm nach Hause zu mir.“ Der Bildschirm wurde schwarz. Eine weitere Nachricht folgte: Schau auf den Balkon. Mein Körper zitterte schon, als ich nach draußen schlich. Ein winziger Umschlag war am Geländer festgeklebt. Ich nahm ihn und öffnete ihn. Darin war eine Schlüsselkarte und eine Notiz. Zimmer 412. Mitternacht. Wenn du raus willst, benutze sie. Ich starrte auf den Ozean, der Wind peitschte mein Haar. Elias’ Schnarchen drang durch die offene Tür. Der Anhänger auf meiner Haut. Mitternacht war nur noch drei Stunden entfernt. Ich spielte ein riskantes Spiel.Das Feuer war zu einem Nest aus Glut heruntergebrannt, das sich in Purpur und Gold verwandelte, und war das einzige Licht, das im Raum übrig blieb. Es machte unsere Haut warm; ich konnte Alarics Schatten sehen, während er mich gegen die Kabinentür drückte. Seine Lippen folgten dem Puls an meinem Hals, meine Lippen öffneten sich. Seine Zunge strich über meinen Nacken, biss hinein und hinterließ einen Knutschfleck. Er küsste mich langsam, jeder Kuss fühlte sich an wie Vergebung für alles, was der Tag uns zu nehmen versucht hatte. Wir sprachen nicht. Wir brauchten es auch überhaupt nicht. Mein Hoodie glitt von meinen Schultern; sein Hemd folgte, die Knöpfe verstreuten sich wie winzige Funken. Mein Rücken traf das kühle Holz der Tür, und dann waren seine Hände überall, seine schwieligen Handflächen glitten unter meine Rippen hinauf, seine Daumen strichen an den Unterseiten meiner Brüste entlang, bis ich wimmerte. Seine Jeans wurden entfernt und achtlos fortgetreten, all unsere
Um 8:03 Uhr morgens landete das Gerücht in meinem Posteingang, eine firmenweite BCC mit dem Titel „Integrität in der Führung – Eine Erinnerung“. In dem Moment, als ich es sah, sank mein Herz.Unter all dem üblichen HR-Gerede steckte eine Zeile, die härter traf als der Rest:„Aktuelle Berichte über unprofessionelles Verhalten, an dem ein Senior-Stratege und externes medizinisches Personal beteiligt sind, sind zu unserer Kenntnis gelangt.“Mein Name stand nicht in der E-Mail. Das musste er auch nicht. Aber ich wusste, dass das Gerücht von mir sprach.Bis 8:17 Uhr war der Slack-Kanal bereits explodiert.Hast du die E-Mail gesehen?Rate mal, wer Doktor gespielt hat?Hoffentlich hat sie die Belege behalten.Ich starrte auf meinen Bildschirm, der Kaffee, den ich vor wenigen Augenblicken getrunken hatte, gerann in meinem Magen. Elias. Nur er konnte den Klatsch des Vorstands so schnell zu einer Waffe machen.Dieser Elias ist einfach eine Waffe, die gegen mich geschmiedet wurde. Es sind noch k
Morningssonnenlicht schlich sich durch die Vorhänge, blass und hell. Ich lag bequem auf Alaric, seine Arme um mich geschlungen.Mein Körper fühlte sich immer noch warm an, empfindlich, ein wenig zittrig von der letzten Nacht, der Dusche, dem Teppich, der Art, wie er sich verlangsamt und mein Gesicht gehalten hatte, als er meinen Namen sagte, dem leidenschaftlichen Sex.Es fühlte sich einfach real an. Und das erschreckte mich mehr als alles andere.„Ich muss gehen“, flüsterte ich, obwohl ich mich nicht bewegte und immer noch bequem auf seiner Brust lag.Er hielt sanft mein Handgelenk, sein Daumen strich über die Prellung dort, und dann drückte er einen langsamen Kuss darauf.Sein Mund blieb eine Sekunde zu lange, als wolle er nicht loslassen.„Mariel wartet“, sagte ich leise.„Schreib mir, wenn du ankommst. Wenn du in Sicherheit bist.“Und etwas in meiner Brust erblühte, weil er es ernst meinte.Ich stand träge von seiner Brust auf, putzte mir die Zähne mit der Ersatzzahnbürste im Bade
Er drehte mich mit einem Knurren auf den Bauch, das mir Schauer über den Rücken jagte. Meine Wange lag auf dem weichen Kissen, die Bettlaken um uns verschlungen. Seine starken Hände hielten meine Hüften und spreizten meine Schenkel weit. Ich fühlte mich entblößt und verwundbar und schmerzhaft bereit. Sein Schwanz stieß an meinen Eingang, dick und hart, bevor er mich von hinten in einem langsamen, süßen Stoß eindrang. Er füllte mich vollständig, dehnte mich bis an den Rand von Schmerz und Lust, seine Körperhitze passte zu meiner. Ich stöhnte in das Kissen, der Laut gedämpft, als er begann, tief in mich zu stoßen. Jeder Stoß traf diese süße perfekte Stelle in mir. Eine seiner Hände war in meinem Haar geballt und zog meinen Kopf gerade so weit zurück, dass sich meine Wirbelsäule wölbte. Während seine andere Hand sich herumschlang, um meinen Kitzler in engen, neckenden Kreisen zu reiben. Der Winkel war gut, und jeder Stoß sandte Funken durch meinen Kern. „Du fühlst d
An jenem Abend, als Mariel von der Arbeit zurückkam, fühlte sich die Wohnung wieder fast normal an. Wir kochten Pasta, saßen im Schneidersitz auf der Couch und redeten über alles, von ihrem unmöglichen Chef bis zu dem neuen Praktikanten, der keine Berichte ablegen konnte. Es waren die kleinen Siege, die den Tag erträglich machten. Eine Zeit lang war es leicht, den Rest zu vergessen. Und leicht zu lachen. Doch als ich aufstand, um zu gehen, bewegte sich Mariel, bevor ich die Tür erreichte, und blockierte sie mit verschränkten Armen vor der Brust und scharfen Augen. „Du gehst schon wieder?“ fragte sie. „Es ist ein Kundendinner“, log ich und richtete den Saum meines Kleides. Es ist schwarze Seide und schlicht, bemüht, wie Kontrolle auszusehen. Kein Anhänger, keine Spur von ihm. Mariels Blick wanderte zu meinem Handgelenk. Der Bluterguss war zu Gelb und Violett verblasst, stach aber immer noch, wenn ich ihn berührte. Ich zog den Ärmel herunter und richtete mich zurecht.
Ich bin spät aufgewacht, die Wohnung war still, abgesehen vom Summen von Mariels Kühlschrank. Der Bluterguss hatte sich über Nacht verdunkelt, violett und hässlich, der sich an meinem Handgelenk wie eine Art hässliches Stammeszeichen ausbreitete.Ich stand vor ihrem Badezimmerspiegel, das Eis längst geschmolzen, und starrte nur auf mein Handgelenk.Es sah nicht mehr nach meiner Haut aus.Als ich ausatmete, hatte ich bereits den Termin unter einem falschen Namen gebucht, W. Daniels, um 14 Uhr, für eine routinemäßige Nachuntersuchung. Kein Elias. Keine Fragen.Mariel war bereits zur Arbeit gegangen. Ich hinterließ eine Notiz auf der Theke: Besorgungen. Zurück bis fünf. Meine Handschrift zitterte, aber ich machte mir nicht die Mühe, sie zu korrigieren.Die U-Bahn war voll, als ich ankam, aber die Menge spürte ich kaum. Mit hochgezogener Kapuze und gesenktem Kopf.Jedes Quietschen der Schienen klang wie das Schlagen meines Herzens.Das St.-Lucia-Krankenhaus erhob sich vor mir, hoch und gr







