LOGINGlücklicherweise schien es, als hätte die Mondgöttin Mitleid mit ihr gehabt und ihre Gebete erhört. Xena und Alpha Kael begegneten sich kaum.
Wenn er nicht in einer seiner unzähligen Besprechungen saß, war er damit beschäftigt, die neuen Unternehmensrichtlinien durchzusetzen.
Seit seiner Rückkehr hatte er sich außerdem geweigert, das Rudel zu besuchen. Seine gesamte Aufmerksamkeit galt Sterling Inc., und die Nächte verbrachte er im Familienhotel.
Seine lange Abwesenheit hatte dazu geführt, dass viele aus den benachbarten Rudeln und sogar die meisten Mitglieder seines eigenen Rudels vergessen hatten, wie er aussah. Nur wenige erinnerten sich noch an ihn.
Jeden Abend machte sich Xena unter den schwachen Lichtern der Stadt auf den Heimweg. Die Erschöpfung klebte an ihr wie eine zweite Haut.
Ihre Absätze drückten schmerzhaft, ihr Mantel roch schwach nach altem Kaffee, und die Neonreklamen über ihr flackerten, als würden sie sich über ihre Müdigkeit lustig machen.
An diesem Abend schien es nicht anders zu sein – zumindest glaubte sie das.
Sie trat aus dem Gebäude, zog ihren Mantel enger um sich und ließ den Blick über die belebte Straße schweifen, auf der Suche nach einem Taxi.
Ihre Wohnung war eigentlich nicht weit entfernt, doch für einen Fußweg war es viel zu kalt.
Da vibrierte plötzlich ihr Handy. Ohne zu zögern sah sie nach.
Es war eine dringende Nachricht des Arztes.
Der Zustand ihrer Mutter verschlechterte sich rapide, und sie musste sofort handeln.
Sie hatte bereits so viel verloren. Den einzigen Menschen, der sie bedingungslos liebte, durfte sie nicht auch noch verlieren.
Sofort hielt sie ein Taxi an und fuhr zum Krankenhaus.
Die grellen Neonlampen summten wie ein Schwarm wütender Wespen, als Xena im kleinen Sprechzimmer saß. Ihre Hände waren so fest ineinander verschlungen, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten.
Dr. Chen rückte seine Brille zurecht und sah sie mit genau diesem Blick an – dem Blick, den Ärzte aufsetzen, kurz bevor sie deine Welt in tausend Stücke zerbrechen.
„Miss Winters, ich werde nichts beschönigen. Der Zustand Ihrer Mutter verschlechtert sich von Tag zu Tag.
Die Infektion hat sich ausgebreitet. Wir müssen innerhalb der nächsten zweiundsiebzig Stunden eine Notoperation durchführen.“
„Zweiundsiebzig Stunden?“ Xenas Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flüstern. „Aber... letzte Woche haben Sie doch gesagt, ihr Zustand sei stabil.“
„Das weiß ich. Leider können sich solche Dinge sehr schnell ändern. Die gute Nachricht ist: Wenn wir jetzt operieren, stehen ihre Chancen auf eine vollständige Genesung sehr gut. Aber wir brauchen Ihre Einwilligung und...“ Er räusperte sich. „Die Operation, die Medikamente und die anschließende Intensivbehandlung werden ungefähr vierzigtausend Dollar kosten.“
Die Zahl traf sie wie ein Schlag.
„Vierzig... Ich habe dieses Geld nicht, Dr. Chen. Niemals.“
„Ich verstehe. Haben Sie eine Krankenversicherung?“
Heiße Scham kroch Xena den Hals hinauf.
„Gibt es keinen Zahlungsplan? Irgendeine Möglichkeit?“
„Für Notoperationen dieser Größenordnung verlangen wir mindestens fünfundsiebzig Prozent im Voraus. Das wären dreißigtausend Dollar.“
„Und... was passiert, wenn... wenn wir die Operation nicht durchführen?“
Xena stellte die Frage kaum hörbar, als hätte sie Angst vor der Antwort.
Dr. Chens Gesichtsausdruck wurde von aufrichtiger Anteilnahme erfüllt.
„Miss Xena... ohne einen Eingriff sprechen wir wahrscheinlich nur noch von wenigen Tagen. Vielleicht sogar nur noch zweiundsiebzig Stunden.“
Zweiundsiebzig Stunden...
Ihre Mutter hatte nur noch wenige Tage.
„Entschuldigen Sie mich.“
Leise verließ Dr. Chen den Raum und ließ Xena allein mit ihren Gedanken zurück.
Benommen taumelte sie auf den Flur hinaus. Ihr Handy lag bereits zitternd in ihren Händen.
Es gab nur einen Menschen, den sie anrufen konnte.
Kate.
Doch selbst das Geld, das Kate und sie gemeinsam zusammentragen konnten, reichte nicht einmal für die Hälfte der geforderten Summe.
Dann fiel ihr plötzlich ihr Chef ein.
Vielleicht konnte er helfen.
Er war ihre letzte Hoffnung.
Schnell suchte sie nach Kaels Nummer und rief ihn immer wieder an.
Doch keiner ihrer Anrufe wurde beantwortet.
Ohne einen weiteren Moment zu verlieren, eilte sie zum Hotel. Seit sie für ihn arbeitete, wusste sie genau, dass er dort übernachtete.
Kaum hob sie jedoch die Hand, um an seine Tür zu klopfen, trat sein Beta ihr in den Weg.
„Haben Sie einen Termin?“
Xena zögerte einen Moment.
„Ähm... nein.“
„Es... es tut mir leid. Aber es ist wirklich wichtig. Können Sie meinem Chef bitte sagen, dass Xena ihn sprechen muss? Glauben Sie mir, er wird mich nicht abweisen.“
Beta Zach musterte sie einen Augenblick schweigend, bevor er wortlos hinter der Tür verschwand.
Xenas Nerven lagen blank.
Ihre Handflächen waren schweißnass, sie wippte ununterbrochen mit dem Fuß, während ihr Herz gegen ihre Brust hämmerte.
Es war dasselbe Hotel, in dem sie in jener Nacht beinahe...
...eine Grenze mit ihm überschritten hätte.
Allein die Erinnerung daran jagte ihr einen Schauer über den Rücken.
Als Beta Zach wenige Augenblicke später zurückkehrte, richtete sie sich sofort auf.
Nervös drückte Xena die Tür auf.
Ihr Blick fiel auf Alpha Kael.
In einem schwarzen Seidenbademantel wirkte er gleichzeitig mühelos elegant und einschüchternd.
Gelassen stand er am Fenster und trank eine Tasse schwarzen Kaffee.
Als sein scharfer, durchdringender Blick auf ihr ruhte, zwang sie sich zu einem unsicheren Lächeln.
„Es... es tut mir leid. Ich weiß, dass ich Sie am falschen Ort und zur falschen Zeit störe. Aber es ist wirklich dringend.“
Ohne seine Antwort abzuwarten, sprudelten die Worte aus ihr heraus.
„Ich brauche einen Kredit von der Firma“, sagte sie flehend. „Der Betrag kann jeden Monat von meinem Gehalt abgezogen werden.“
Als sie seine ausdruckslose Miene sah, sprach sie hastig weiter.
„Es geht um meine Mutter. Der Arzt sagt, sie hat nur noch zweiundsiebzig Stunden. Wenn ich das Geld für ihre Operation nicht aufbringe... ich kann sie nicht verlieren.“
Mittlerweile liefen ihr unaufhaltsam Tränen über das Gesicht.
Mit bebender Stimme flüsterte sie:
„Bitte...“
„Ich werde alles tun, was Sie verlangen.“
Kaels Augenbrauen zogen sich für einen kurzen Moment zusammen, ehe sein Gesicht wieder die gewohnte, emotionslose Ruhe annahm.
„Sie arbeiten noch nicht lange genug für dieses Unternehmen, um sich ein solches Vertrauen verdient zu haben.“
Seine Stimme klang ruhig und ernst.
„Es sei denn... Sie haben etwas anzubieten.“
„Bitte... ich tue alles“, flehte Xena unter Tränen.
„Dann heiraten Sie mich.“
Alpha Kaels Worte schnitten ihr abrupt das Wort ab.
„Was?“
Xena starrte ihn fassungslos an.
„Ich rede davon, dass das Leben meiner Mutter in Gefahr ist, und Sie sprechen von einer Heirat? Ist das irgendein schlechter Scherz? Sehe ich etwa so aus, als wäre das hier ein Witz? Meinen Sie das wirklich ernst?“
Ihre Stimme war lauter geworden, als sie beabsichtigt hatte.
Xena erwachte mit einem pochenden Schmerz im Kopf. Sie versuchte, sich aufzurichten, doch Kael hielt sie davon ab.Sie ließ den Blick durch den Raum wandern und stellte fest, dass sie nicht im Red-Moon-Rudel war.„Pssst.“ Kael hob einen Finger an die Lippen und brachte sie zum Schweigen, noch bevor sie ein Wort sagen konnte.Sie nickte und gehorchte. Doch in ihrem Kopf herrschte völlige Verwirrung. Sie hatte keine Ahnung, wie sie in einem Krankenbett gelandet war – unter Kaels Aufsicht und an einem völlig fremden Ort.Das Einzige, woran sie sich erinnerte, war, dass Beta Zach und Sarian mit ihr über etwas gesprochen hatten. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, worum es gegangen war. Sie hatte versucht, es zu verstehen, bevor ihr plötzlich schwindelig geworden war.Erneut wollte sie etwas sagen, doch Kael legte ihr die Hand auf den Mund und flüsterte ihr etwas ins Ohr.Als Xena ihn hörte, nickte sie schnell und zeigte ihm damit, dass sie verstanden hatte. Trotzdem nahm Kael seine
Für einen kurzen Moment hatte Xena das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Sie konnte ihren Augen nicht trauen.Der Ausdruck auf ihrem Gesicht bereitete Darius sichtliche Genugtuung. Kael hingegen zögerte keine Sekunde. Er öffnete den Umschlag, um herauszufinden, was darin war und was Xena so aus der Fassung gebracht hatte.In dem Moment, in dem Kael die Bilder von ihm und Xena sah, wie sie den Vertrag unterschrieben, ballte er die Fäuste.Er ging auf Darius zu.„Wie kannst du es wagen?“Seine Stimme war eiskalt. Er packte Darius am Hemd und hielt ihn so fest, als würde er ihn jeden Moment erwürgen.Darius rang noch immer nach Luft.„Ich habe noch viel mehr“, sagte er mit brüchiger Stimme. Seine Augen waren bereits blutunterlaufen. „Wenn du mich umbringst, sterbe ich mit all den Informationen, die du brauchst. Außerdem wirst du Fragen beantworten müssen. Und ich bin mir sicher, dass du keinen weiteren Skandal gebrauchen kannst.“Darius’ Brust hob und senkte sich unregelmäßig, während
Schnell ließ Kael Xena auf das Sofa sinken.Verlegen räusperte sich Xena, während sie ihr Shirt wieder anzog. Kael schnallte sich derweil seinen Gürtel um.„Ich schlafe nicht mit Jungfrauen“, murmelte Kael kalt und durchbrach damit die peinliche Stille. Doch sein Adamsapfel verriet etwas anderes. Er war noch angespannter als wenige Augenblicke zuvor.Sein Blick war dunkler geworden, seine Schultern angespannt. Während er sich bewegte, glitt sein Blick immer wieder über ihre Lippen und ihre vollen Brüste.Als Xena die plötzliche Veränderung in Kaels Verhalten bemerkte, wurde sie nur noch verlegener.Vor einer Minute hatte er noch so gewirkt, als würde er sie am liebsten verschlingen, und jetzt tat er so, als wäre zwischen ihnen überhaupt nichts geschehen.Sie räusperte sich erneut, nahm die Akte, die er ihr zum Bearbeiten gegeben hatte, und wollte gehen. Doch Kael hielt sie an der Hand fest.„Es regnet noch“, sagte er schlicht.Dann nahm er seinen Mantel und legte ihn über Xenas zierli
Es waren bereits Monate vergangen, und Xena sollte endlich wieder ihre Arbeit aufnehmen. Nach einer so langen Pause fühlte sie sich wie ein Vogel, der endlich aus seinem Käfig befreit worden war.Sie trug einen schlichten braunen Rock, ihr braunes Haar zu einem ordentlichen Pferdeschwanz gebunden. Eine Brille saß auf ihrer Nase und verlieh ihr ein sanftes, etwas streberhaftes Aussehen.Seit dem Vorfall in der Halle vor zwei Tagen hatte Xena weder Kael noch Sarian gesehen. Sie war heute Morgen lediglich mit einer Nachricht aufgewacht, die Kael auf dem Sofa hinterlassen hatte. Er sei zu einem Meeting gegangen. Seitdem hatte sie nichts mehr von ihm gehört.Heute war ihr erster Arbeitstag, und sie brauchte ihre ganze Energie, wenn sie den Tag überstehen wollte.Auf dem Weg zum Eingang des Büros stieß sie plötzlich auf Sarian und Darius. Als Xena die beiden zusammen sah, setzte ihr Herz für einen Moment aus.Sie hatte keine Ahnung, was sie zu Brian Inc. geführt hatte, aber angesichts ihrer
Kaels Blick bohrte sich voller Abscheu in Martins, bevor er sich abwandte, als würde Martins überhaupt nicht mehr existieren.Martins ließ seine Hand hastig sinken.„Lass uns gehen“, sagte Kael plötzlich, ohne auf Martins Begrüßung zu reagieren.Xena hingegen sah Kael nur wortlos und finster an.Als Kael bemerkte, dass sie ihn ignorierte, schoss seine Hand vor und schloss sich um ihr Handgelenk. Nicht grob genug, um ihr wehzutun, aber fest genug, um sie an Ort und Stelle zu halten.Die plötzliche Bewegung überraschte sie.Seine Dominanz legte sich schwer und unbestreitbar über sie.„Du kommst mit mir, Xena“, sagte er durch zusammengebissene Zähne. Seine Augen glühten gefährlich.Für einen Herzschlag sah es aus, als würde er jeden Moment aufbrüllen. Stattdessen beugte er sich zu ihr und sprach mit leiser, ruhiger, aber gefährlich schneidender Stimme.„Du gehst mit mir. Jetzt.“Als sie spürte, wie sein Griff sich verstärkte, ließ er sie wieder los und wandte sich ab.„Steig ins Auto“, b
„Du hättest mir vorher Bescheid sagen sollen, bevor du irgendetwas tust“, sagte sie wütend.Das brachte ihm einen scharfen Blick von ihr ein.„Du glaubst, ich hätte es genossen?“, fragte er. „Wenn du willst, kann ich die Spur wieder beseitigen.“„Aber nur, wenn du mich dafür bezahlst.“Xena schnaubte bei seinen Worten. „Du glaubst tatsächlich, du kannst mich bedrohen?“, fragte sie und hob eine Augenbraue.„Wie wäre es, wenn ich dem Ältestenrat einfach den Vertragsnachweis zeige?“ Ein hinterlistiges Lächeln bildete sich an ihrem Mundwinkel.Kael richtete sich auf und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. In seinen Augen flackerte Zorn.„Das würdest du nicht wagen“, murmelte er kalt.Seine Augen waren gerötet, während sein Wolf beinahe die Kontrolle übernahm.Xena hatte ihn schon zuvor herausgefordert – auf eine Weise, wie es sich sonst niemand je gewagt hatte. Damals hatte er nicht viel darauf gegeben. Er hatte angenommen, dass es an ihrer schwierigen Situation lag, und desha







