MasukSchnell antwortete Xena auf die E-Mail. Es dauerte nicht lange, bis eine Antwort zurückkam.
„Kommen Sie zum Vorstellungsgespräch.“
22.07.
Vor Erleichterung hätte sie beinahe geweint.
Endlich lief wenigstens etwas in ihrem Leben richtig. Ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Alpha Kael hielt sich seit seiner Rückkehr in der Lounge auf. Er hielt es nicht für nötig, sofort zum Red-Moon-Pack zurückzukehren. Im Moment wollte er sich erst um Sterling Inc. kümmern – auf seine ganz eigene Art.
Er hatte nahezu alle Angestellten entlassen und begann, neue Mitarbeiter einzustellen. Zu vieles war aus dem Ruder gelaufen. Seit er das Rudel mit neunzehn Jahren verlassen hatte, hatte sich alles verändert. Jetzt, da er zurück war, würde er sowohl Sterling Inc. als auch das Red-Moon-Pack nach seinen eigenen Regeln führen.
Die gläserne Fassade von Sterling Inc. ragte wie ein Symbol für Macht und Reichtum in den Himmel.
Xenas Hände zitterten leicht, als sie ihren Rock glatt strich und versuchte, den Sturm aus Nervosität in ihrem Inneren zu beruhigen.
In der Nacht hatte sie kaum geschlafen. Immer wieder war sie im Kopf durchgegangen, wie sie sich beim Vorstellungsgespräch präsentieren wollte. Doch die Demütigungen der vergangenen Woche ließen sie einfach nicht los.
Helens triumphierendes Lächeln, als sie stolz ihren Verlobungsring zeigte. Darius' grausame Zurückweisung. Sein abscheuliches Angebot. Und dann... er. Der Fremde, mit dem sie in der Hotellounge beinahe geschlafen hätte.
Sie stieß einen tiefen Seufzer aus und schob die Gedanken entschlossen beiseite.
Jetzt durfte sie sich nicht ablenken lassen. Sie musste sich konzentrieren.
Sie richtete die Schultern auf und betrat das Gebäude. Das Klacken ihrer Absätze hallte durch die elegante Lobby aus weißem Marmor.
„Guten Morgen“, begrüßte sie die Empfangsdame mit einem freundlichen Lächeln. „Sie müssen Miss Winters sein.“
„Bitte nehmen Sie den Aufzug in die oberste Etage. Alpha Kael erwartet Sie.“
„Er hat ausdrücklich darum gebeten, Sie persönlich zu interviewen.“
Xena nickte und erwiderte das Lächeln höflich, obwohl sich ihr Magen vor Nervosität zusammenzog.
Die Fahrt mit dem Aufzug schien endlos zu dauern. Selbst die sanfte Hintergrundmusik konnte das heftige Klopfen ihres Herzens nicht beruhigen.
Sie umklammerte ihre Handtasche fester und ging im Kopf immer wieder durch, was sie sagen wollte.
Mit einem leisen Klingeln glitten die Aufzugstüren auseinander.
Und ihre Welt blieb stehen.
Selbst wenn sie sich nicht mehr genau an sein Gesicht erinnerte, erkannte sie seinen Duft sofort.
Derselbe berauschende, unvergessliche Duft wie in jener Nacht.
Alpha Kael saß hinter einem riesigen Schreibtisch aus Glas. Sein dunkler Maßanzug saß perfekt, und seine sturmgrauen Augen ruhten auf ihr, sobald sie den Raum vollständig betreten hatte.
„Das... das kann nicht sein“, murmelte sie, während ihre Handflächen feucht wurden.
Der Mann, mit dem sie beinahe geschlafen hatte... war ihr neuer Chef?
„Schließen Sie die Tür.“
Alpha Kaels Stimme war rau und befehlend.
Xenas Beine fühlten sich schwer wie Blei an, als sie gehorchte und die Tür leise hinter sich schloss.
„Setzen Sie sich“, sagte er und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Xena schluckte schwer und ging langsam nach vorn. Jeder Schritt fühlte sich schwer an, während ihr Puls in den Ohren hämmerte.
„Setzen Sie sich“, wiederholte er, ohne ihr auch nur einen Blick zu schenken.
Sein unbewegter Gesichtsausdruck unterschied sich völlig von dem Mann, der sie vor wenigen Tagen noch so sanft berührt hatte.
Sie wollte ihm erklären, was damals passiert war. Sie wollte ihm sagen, dass sie nicht zu den Frauen gehörte, die wahllos mit Fremden schliefen.
Aber welchen Sinn hätte das?
Sie hatte längst jede Hoffnung verloren. Wahrscheinlich musste sie sich ohnehin nach einer anderen Arbeit umsehen. Niemand würde eine Frau einstellen wollen, die als „schamlos“ und aufsässig galt.
Still setzte sie sich, wie er es verlangt hatte. Ihre Handflächen waren schweißnass.
Xena zwang sich, Alpha Kael in die Augen zu sehen und professionell zu wirken.
Doch diese Augen...
Sie schienen direkt durch sie hindurchzusehen und Dinge zu erkennen, die sie um jeden Preis verborgen halten wollte.
„Miss Winters“, sagte er langsam mit ruhiger, tiefer Stimme. „Ich sehe, dass Sie als meine Sekretärin eingestellt wurden.“
„J-ja, Sir“, brachte sie kaum hörbar hervor.
Innerlich wartete sie bereits auf die Worte:
Es tut mir leid, aber Sie sind nicht qualifiziert.
Kaels Lippen verzogen sich leicht. Es war kein richtiges Lächeln, eher ein Ausdruck stiller Belustigung über etwas, das nur er verstand.
„Sagen Sie mir, Miss Winters“, murmelte er und lehnte sich entspannt zurück. „Sind Sie immer so nervös... oder liegt es nur an mir?“
Hitze schoss ihr ins Gesicht.
„Ich... nein... also... es ist mein erster Tag. Ich bin nur... etwas überwältigt.“
Sie stotterte jedes Wort.
Alpha Kaels Blick blieb scharf und unerbittlich auf ihr ruhen, als könne er jede ihrer Lügen mühelos durchschauen.
„Überwältigt“, wiederholte er leise.
„Das ist wohl eine Möglichkeit, es auszudrücken.“
„Sir“, sagte sie hastig und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. „Ich verspreche, mein Bestes zu geben. Ich... ich bin sehr dankbar für diese Chance.“
„Das sollten Sie auch sein“, erwiderte er ruhig.
„Aber Dankbarkeit allein wird nicht genügen.“
„Ich erwarte Perfektion.“
Für einen Moment legte sich bedrückendes Schweigen über den Raum.
Seine dominante Ausstrahlung schien ihr regelrecht die Luft zum Atmen zu nehmen.
Dann beugte er sich leicht nach vorne, stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch und sah ihr direkt in die Augen.
„Miss Xena“, sagte er ruhig.
„Ich vermische Berufliches nicht mit meinem Privatleben.“
Er lehnte sich wieder in seinen Stuhl zurück, ohne den Blick von ihr abzuwenden.
Sein Gesicht wurde kühl und ausdruckslos.
„Ich erwarte, dass Sie jeden Morgen um Punkt acht Uhr hier sind“, sagte er in sachlichem Ton. „Sie verwalten meinen Terminkalender und kümmern sich um meine Korrespondenz.“
„Sie werden schnell feststellen, dass die Arbeit für mich... absolute Loyalität verlangt.“
„Ja, Sir“, antwortete sie leise und bemühte sich, ihre Stimme ruhig zu halten.
„Gut.“
Er schloss die Akte und legte sie zur Seite.
„Sie können jetzt gehen.“
Xena stand sofort auf. Sie wollte nur noch seinem durchdringenden Blick und seiner einschüchternden Präsenz entkommen.
Kael lehnte sich zurück und arbeitete bereits weiter an seinem Laptop, ohne ihr diesmal auch nur einen einzigen Blick zu schenken.
So schnell sie konnte, ohne zu rennen, verließ sie das Büro.
Kaum hatten sich die Aufzugstüren hinter ihr geschlossen, ließ sie endlich den Atem entweichen, den sie die ganze Zeit angehalten hatte.
Ihr ganzer Körper stand noch immer unter Spannung.
Sie legte eine Hand auf ihr rasendes Herz.
Dieser Job sollte ihre Rettung sein.
Doch jetzt fühlte es sich an, als wäre sie freiwillig in die Höhle eines Löwen getreten.
Er hatte sie nicht einmal richtig interviewt und ihr trotzdem die Stelle gegeben.
Es wirkte weniger wie eine Anstellung...
...und mehr wie eine Falle.
Die Wochen verschwammen zu einem endlosen Kreislauf aus langen Arbeitstagen, aufgesetzten Lächeln und dem ständigen Versuch, so zu tun, als wäre alles in Ordnung.
Jeden Morgen wachte Xena mit einem unangenehmen Knoten im Magen auf.
Allein der Gedanke, dass sie dasselbe Gebäude wie Alpha Kael betreten musste, ließ ihr Herz schwer werden.
Er war nicht nur ihr Chef.
Er war der Mann, dem sie vor Scham kaum noch ins Gesicht sehen konnte.
Und der Mann, dem sie um jeden Preis aus dem Weg gehen wollte.
Schon bald wurde es zu einem festen Ritual.
Sie erschien jeden Morgen besonders früh im Büro, oft noch bevor die meisten Kollegen ihre erste Tasse Kaffee getrunken hatten, und ging erst spät am Abend, wenn die Flure längst still geworden waren.
Mit der Präzision einer Strategin lernte sie seinen Tagesablauf auswendig.
Sie wusste, welche Aufzüge er bevorzugte, welche Flure er gewöhnlich benutzte und zu welchen Uhrzeiten die Wahrscheinlichkeit am geringsten war, ihm zu begegnen.
Und es funktionierte.
Wochenlang bewegte sie sich wie ein Geist durch das Gebäude – lautlos, unauffällig und nahezu unsichtbar.
Sie stürzte sich vollständig in ihre Arbeit, als könnte Fleiß allein die Last ihrer Erinnerungen auslöschen.
Xena erwachte mit einem pochenden Schmerz im Kopf. Sie versuchte, sich aufzurichten, doch Kael hielt sie davon ab.Sie ließ den Blick durch den Raum wandern und stellte fest, dass sie nicht im Red-Moon-Rudel war.„Pssst.“ Kael hob einen Finger an die Lippen und brachte sie zum Schweigen, noch bevor sie ein Wort sagen konnte.Sie nickte und gehorchte. Doch in ihrem Kopf herrschte völlige Verwirrung. Sie hatte keine Ahnung, wie sie in einem Krankenbett gelandet war – unter Kaels Aufsicht und an einem völlig fremden Ort.Das Einzige, woran sie sich erinnerte, war, dass Beta Zach und Sarian mit ihr über etwas gesprochen hatten. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, worum es gegangen war. Sie hatte versucht, es zu verstehen, bevor ihr plötzlich schwindelig geworden war.Erneut wollte sie etwas sagen, doch Kael legte ihr die Hand auf den Mund und flüsterte ihr etwas ins Ohr.Als Xena ihn hörte, nickte sie schnell und zeigte ihm damit, dass sie verstanden hatte. Trotzdem nahm Kael seine
Für einen kurzen Moment hatte Xena das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Sie konnte ihren Augen nicht trauen.Der Ausdruck auf ihrem Gesicht bereitete Darius sichtliche Genugtuung. Kael hingegen zögerte keine Sekunde. Er öffnete den Umschlag, um herauszufinden, was darin war und was Xena so aus der Fassung gebracht hatte.In dem Moment, in dem Kael die Bilder von ihm und Xena sah, wie sie den Vertrag unterschrieben, ballte er die Fäuste.Er ging auf Darius zu.„Wie kannst du es wagen?“Seine Stimme war eiskalt. Er packte Darius am Hemd und hielt ihn so fest, als würde er ihn jeden Moment erwürgen.Darius rang noch immer nach Luft.„Ich habe noch viel mehr“, sagte er mit brüchiger Stimme. Seine Augen waren bereits blutunterlaufen. „Wenn du mich umbringst, sterbe ich mit all den Informationen, die du brauchst. Außerdem wirst du Fragen beantworten müssen. Und ich bin mir sicher, dass du keinen weiteren Skandal gebrauchen kannst.“Darius’ Brust hob und senkte sich unregelmäßig, während
Schnell ließ Kael Xena auf das Sofa sinken.Verlegen räusperte sich Xena, während sie ihr Shirt wieder anzog. Kael schnallte sich derweil seinen Gürtel um.„Ich schlafe nicht mit Jungfrauen“, murmelte Kael kalt und durchbrach damit die peinliche Stille. Doch sein Adamsapfel verriet etwas anderes. Er war noch angespannter als wenige Augenblicke zuvor.Sein Blick war dunkler geworden, seine Schultern angespannt. Während er sich bewegte, glitt sein Blick immer wieder über ihre Lippen und ihre vollen Brüste.Als Xena die plötzliche Veränderung in Kaels Verhalten bemerkte, wurde sie nur noch verlegener.Vor einer Minute hatte er noch so gewirkt, als würde er sie am liebsten verschlingen, und jetzt tat er so, als wäre zwischen ihnen überhaupt nichts geschehen.Sie räusperte sich erneut, nahm die Akte, die er ihr zum Bearbeiten gegeben hatte, und wollte gehen. Doch Kael hielt sie an der Hand fest.„Es regnet noch“, sagte er schlicht.Dann nahm er seinen Mantel und legte ihn über Xenas zierli
Es waren bereits Monate vergangen, und Xena sollte endlich wieder ihre Arbeit aufnehmen. Nach einer so langen Pause fühlte sie sich wie ein Vogel, der endlich aus seinem Käfig befreit worden war.Sie trug einen schlichten braunen Rock, ihr braunes Haar zu einem ordentlichen Pferdeschwanz gebunden. Eine Brille saß auf ihrer Nase und verlieh ihr ein sanftes, etwas streberhaftes Aussehen.Seit dem Vorfall in der Halle vor zwei Tagen hatte Xena weder Kael noch Sarian gesehen. Sie war heute Morgen lediglich mit einer Nachricht aufgewacht, die Kael auf dem Sofa hinterlassen hatte. Er sei zu einem Meeting gegangen. Seitdem hatte sie nichts mehr von ihm gehört.Heute war ihr erster Arbeitstag, und sie brauchte ihre ganze Energie, wenn sie den Tag überstehen wollte.Auf dem Weg zum Eingang des Büros stieß sie plötzlich auf Sarian und Darius. Als Xena die beiden zusammen sah, setzte ihr Herz für einen Moment aus.Sie hatte keine Ahnung, was sie zu Brian Inc. geführt hatte, aber angesichts ihrer
Kaels Blick bohrte sich voller Abscheu in Martins, bevor er sich abwandte, als würde Martins überhaupt nicht mehr existieren.Martins ließ seine Hand hastig sinken.„Lass uns gehen“, sagte Kael plötzlich, ohne auf Martins Begrüßung zu reagieren.Xena hingegen sah Kael nur wortlos und finster an.Als Kael bemerkte, dass sie ihn ignorierte, schoss seine Hand vor und schloss sich um ihr Handgelenk. Nicht grob genug, um ihr wehzutun, aber fest genug, um sie an Ort und Stelle zu halten.Die plötzliche Bewegung überraschte sie.Seine Dominanz legte sich schwer und unbestreitbar über sie.„Du kommst mit mir, Xena“, sagte er durch zusammengebissene Zähne. Seine Augen glühten gefährlich.Für einen Herzschlag sah es aus, als würde er jeden Moment aufbrüllen. Stattdessen beugte er sich zu ihr und sprach mit leiser, ruhiger, aber gefährlich schneidender Stimme.„Du gehst mit mir. Jetzt.“Als sie spürte, wie sein Griff sich verstärkte, ließ er sie wieder los und wandte sich ab.„Steig ins Auto“, b
„Du hättest mir vorher Bescheid sagen sollen, bevor du irgendetwas tust“, sagte sie wütend.Das brachte ihm einen scharfen Blick von ihr ein.„Du glaubst, ich hätte es genossen?“, fragte er. „Wenn du willst, kann ich die Spur wieder beseitigen.“„Aber nur, wenn du mich dafür bezahlst.“Xena schnaubte bei seinen Worten. „Du glaubst tatsächlich, du kannst mich bedrohen?“, fragte sie und hob eine Augenbraue.„Wie wäre es, wenn ich dem Ältestenrat einfach den Vertragsnachweis zeige?“ Ein hinterlistiges Lächeln bildete sich an ihrem Mundwinkel.Kael richtete sich auf und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. In seinen Augen flackerte Zorn.„Das würdest du nicht wagen“, murmelte er kalt.Seine Augen waren gerötet, während sein Wolf beinahe die Kontrolle übernahm.Xena hatte ihn schon zuvor herausgefordert – auf eine Weise, wie es sich sonst niemand je gewagt hatte. Damals hatte er nicht viel darauf gegeben. Er hatte angenommen, dass es an ihrer schwierigen Situation lag, und desha







