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Kapitel 4

Author: Cara Anderson
Skyes Perspektive

Ich wollte Noah glauben. Gott, ich wollte glauben, dass Jaxon sich tatsächlich noch um mich kümmerte. Doch ich hatte drei Jahre damit verbracht, leere Gesten mit Bedeutung zu füllen, die nie da gewesen war. Ich konnte das nicht mehr.

„Die Ältesten werden nicht zulassen, dass er dich einfach beiseiteschiebt“, fuhr Noah fort. „Du hast dir ihren Respekt verdient. Mehr noch. Du hast ihre Loyalität gewonnen. Sie werden ihn nicht dabei unterstützen, dir deinen Titel zu nehmen, nur weil seine ehemalige Geliebte mit einer rührseligen Geschichte zurückkehrt.“

Seine Worte ließen etwas in mir aufleuchten.

Eine winzige Flamme der Hoffnung, die ich sofort wieder ersticken wollte.

Denn Hoffnung war der Grund, warum ich überhaupt hier gelandet war.

Die Hoffnung, dass Jaxon mich eines Tages sehen würde. Mich lieben würde. Mich wählen würde.

„Du glaubst wirklich, dass sie hinter mir stehen würden?“, fragte ich leise.

„Ich weiß, dass sie es tun würden.“

Noahs Stimme war fest geworden.

Beschützend.

Sie erinnerte mich an den Jungen, der mich früher vor den anderen Rudelkindern verteidigt hatte, wenn sie mich ärgerten.

„Und ich werde auch hinter dir stehen, Skye.“

Er sah mich ernst an.

„Ich hätte in den letzten Jahren ein besserer Freund sein sollen. Ich habe zugelassen, dass die Distanz zwischen uns immer größer wurde, weil es leichter war, als dabei zuzusehen, wie du dich selbst zerstörst, nur um jemanden glücklich zu machen, der nicht erkannt hat, was er an dir hatte.“

Die Wärme in seinen Worten drohte, mich erneut zum Weinen zu bringen.

„Noah ...“

„Ich meine es ernst.“

Seine Stimme blieb ruhig, aber bestimmt.

„Egal, was du brauchst. Egal, wofür du dich entscheidest. Ich stehe auf deiner Seite.“

Er machte eine kurze Pause.

„Nicht auf Jaxons Seite. Nicht auf der Seite des Rudels.“

Sein Blick wurde sanfter.

„Auf deiner.“

Etwas in meiner Brust gab nach.

Es war so lange her, seit jemand mich an erste Stelle gestellt hatte.

Seit jemand mich als mehr gesehen hatte als nur die Luna.

Oder Jaxons widerwillige Gefährtin.

Oder Cassandras minderwertigen Ersatz.

„Danke“, flüsterte ich.

Eine Weile saßen wir schweigend da und beobachteten, wie die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand.

Irgendwo dort unten plante Jaxon wahrscheinlich bereits seinen nächsten Schritt.

Und ich saß hier oben und versuchte herauszufinden, wie ich überleben sollte, was als Nächstes kam.

„Du solltest zurückgehen“, sagte Noah schließlich.

„Stell dich dem Ganzen. Zeig ihnen, dass du nicht wegläufst.“

Er hatte recht.

Ich wusste, dass er recht hatte.

Die alte Skye – die Skye, die alles ohne Widerstand akzeptiert hatte – wäre längst zurückgegangen.

Bereit, sich dafür zu entschuldigen, dass sie eine Szene gemacht hatte.

Aber Skye wurde heute das Herz gebrochen.

Diese Skye hatte erfahren, dass sie ein Kind erwartete, das ihr Ehemann vielleicht nicht einmal wollte, weil er bereits einen Erben hatte.

Diese Skye hatte gesehen, wie ihr Ehemann ihre Schwester in den Armen hielt.

Und erkannt, dass sie ihr ganzes Leben lang einer Lüge hinterhergelaufen war.

„Sie werden erwarten, dass ich beim Abendessen erscheine“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu Noah.

„Und auch bei der Versammlung.“

Ich lachte bitter.

„Jaxon wird wollen, dass ich ordentlich gekleidet und gehorsam auftrete. Bereit, neben ihm zu stehen, während er dem Rudel seinen Sohn mit meiner Schwester vorstellt.“

„Skye ...“

„Er glaubt, dass ich bleiben werde.“

Diese Erkenntnis legte sich schwer auf mich.

„Er glaubt, dass ich so verzweifelt bin, meinen Titel zu behalten. Dass ich solche Angst davor habe, meinen Platz im Rudel zu verlieren, dass ich jeden Rest akzeptiere, den er mir gibt.“

Ich schluckte.

„Eine Luna nur dem Namen nach, während er mit Cassandra eine echte Familie aufbaut.“

„Du musst nichts akzeptieren, was du nicht willst“, sagte Noah vorsichtig.

„Du hast hier Macht, Skye. Mehr, als du denkst.“

Er sah mich an.

„Das Rudel liebt dich. Die Ältesten respektieren dich. Auch wenn Jaxon deinen Wert nicht erkennen kann, können es alle anderen.“

Seine Worte sollten mich trösten.

Und vielleicht hätten sie das vor einer Woche noch getan.

Vor einer Woche wäre es genug gewesen, meinen Titel und meinen Platz im Rudel zu behalten.

Aber das war, bevor ich das Leben in mir gespürt hatte.

Bevor ich verstanden hatte, dass mein Bleiben bedeutete, mein Kind im Schatten von Jaxons Sohn mit Cassandra großzuziehen.

Bevor ich begriffen hatte, dass ich jetzt etwas hatte, das ich beschützen musste.

Etwas, das wichtiger war als ein Titel.

Wichtiger als eine Bindung.

Wichtiger als eine Ehe, die von Anfang an zerbrochen gewesen war.

Noah beobachtete mich.

Er wartete auf meine Antwort.

Er wartete darauf, dass ich zustimmte, zurückzugehen und für das zu kämpfen, was mir gehörte.

Aber was, wenn es gar nicht mehr mir gehörte? Was, wenn es mir niemals gehört hatte? Was, wenn die eigentliche Frage nicht war, ob Jaxon mir meinen Titel nehmen konnte?

Sondern, ob ich ihn überhaupt noch wollte?

Der Rückweg nach Hause fühlte sich wie ein Gang zum Tod an.

Noah hatte angeboten, mich zu begleiten.

Doch ich hatte ihn weggeschickt.

Welche Konsequenzen auch immer mich erwarteten, ich musste ihnen allein begegnen.

Außerdem würde alles nur noch schlimmer werden, wenn der Beta mich wie ein verlorenes Kind nach Hause bringen würde.

Die Sonne war inzwischen vollständig untergegangen.

Das Rudelgelände lag im silbernen Licht des Vollmonds.

Aus der Haupthalle drangen Stimmen.

Das Abendessen musste bereits begonnen haben.

Ich fragte mich, ob Jaxon ihnen erzählt hatte, warum ihre Luna nicht erschienen war.

Ob er Ausreden erfunden hatte.

Oder ob er sie einfach ihre eigenen Schlüsse ziehen ließ.

Mein Magen verkrampfte sich bei dem Gedanken an die Ältestenversammlung am nächsten Tag.

Ich hatte nicht nur privat die Scheidung verlangt.

Ich hatte es vor den mächtigsten Mitgliedern des Rudels ausgesprochen und war anschließend wie ein trotziges Kind davongestürmt.

Nicht gerade das Verhalten, das man von einer Luna erwartete.

Aber was hätte ich sonst tun sollen?

Dort stehen bleiben und lächeln, während mein Ehemann seinen Sohn mit meiner Schwester vorstellte?

So tun, als würde mein Herz nicht in Millionen Stücke zerbrechen?

Ich blieb am Rand der Baumlinie stehen und betrachtete das Haus, das ich drei Jahre lang mein Zuhause genannt hatte.

Es war wunderschön.

Ganz aus Stein und Holz.

Gebaut, um die Familie des Alphas über Generationen hinweg zu beherbergen.

Früher hatte ich mir vorgestellt, dass dort Kinderlachen und Wärme herrschen würden.

Dass dort Liebe wachsen würde.

Wie dumm ich gewesen war.

Ich atmete tief ein und zwang mich weiterzugehen.

Selbst wenn ich die Scheidung wollte, konnte ich meine Verantwortung nicht einfach aufgeben.

Morgen sollte ich die Begrüßungszeremonie für das besuchende Rudel leiten.

Nächste Woche sollte ich einen Streit zwischen zwei Familien schlichten.

Und dann war da noch die Krankenhaus-Spendenaktion, die ich seit Monaten geplant hatte.

Ich konnte das Rudel nicht im Stich lassen, nur weil mein Privatleben gerade zerbrach.

Die Haustür öffnete sich, bevor ich sie erreichen konnte.

Jaxon stand im Türrahmen.

Das warme Licht aus dem Inneren fiel hinter ihm hervor.

Sein Gesicht war nicht zu lesen.

Doch ich sah die Anspannung in seinen Schultern.

Sein Duft erreichte mich.

Zedernholz und Bernstein.

Darin lag etwas Scharfes.

Vielleicht Wut. Oder Frustration.

„Du bist zurückgekommen“, sagte er.

Ich konnte nicht erkennen, ob er überrascht oder erleichtert war.

„Ich wohne hier.“

Meine Stimme klang ruhiger, als ich mich fühlte.

„Zumindest noch.“

Sein Kiefer spannte sich an.

„Wir müssen reden. Ich habe dir nichts zu sagen.“

„Aber ich habe dir einiges zu sagen.“

Er trat zur Seite und deutete ins Haus.

„Du hast mich vor den Ältesten bloßgestellt, Skye. Du kannst nicht einfach ...“

„Ich habe dich bloßgestellt?“

Die Worte kamen heraus, bevor ich sie zurückhalten konnte.

„Du hast einen geheimen Sohn, Jaxon. Du hast die Rückkehr meiner Schwester einen Monat lang vor mir verheimlicht.“

Ich sah ihn an.

„Aber natürlich bin ich diejenige, die eine Szene gemacht hat.“

„Komm rein.“

Es war keine Bitte. Es war ein Alpha-Befehl.

Und meine Wölfin reagierte instinktiv darauf.

Meine Füße bewegten sich durch die Tür, obwohl ich dagegen ankämpfen wollte.

Ich hasste es.

Ich hasste, wie verletzlich mich diese Bindung gegenüber seiner Autorität machte.

Das Haus roch anders.

Ich brauchte einen Moment, um den Geruch einzuordnen.

Jasmin und Eiche.

Cassandras Duft.

Er vermischte sich mit dem vertrauten Geruch nach Zedernholz und Regen, der diesen Ort einst zu unserem gemacht hatte.

Nein. Nicht unserem. Seinem.

Ich bog um die Ecke ins Wohnzimmer und blieb abrupt stehen.

Überall standen Kisten.

Mehrere Koffer waren an der Wand aufgereiht.

Ein Kinderspielzeug – ein Plüschwolf – lag auf dem Sofa, auf dem ich normalerweise abends gelesen hatte.

Und Cassandra gab zwei Rudelmitgliedern Anweisungen, während sie eine Kommode die Treppe hinauftrugen.

„Was ist das?“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

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