ログインPOV: Lupa Great
Die Aufzugtüren schlossen sich, und die Verbindung wollte einfach nicht zur Ruhe kommen.
Lupa starrte auf ihr eigenes Spiegelbild in der verspiegelten Wand und beobachtete, wie die Frau darin zu schnell atmete.
Ihr Puls saß hoch in ihrem Hals.
Die Stelle, an der sein Handgelenk ihres berührt hatte, brannte noch immer. Nicht genau vor Hitze, sondern durch eine tiefe, anhaltende Wahrnehmung, die sich einfach nicht auflösen wollte.
Unter dem vertrauten Geruch von Holzrauch und Regen hallte diese dritte Note weiterhin leise wider.
Falsch.
Fast vertraut.
Wie ein Wort in einer Sprache, die sie einst gekannt und sich dann gezwungen hatte zu vergessen.
Sie presste ihre Handfläche gegen die kühle Metallwand.
„Hör auf“, sagte sie zu ihrem Wolf.
Der Wolf kreiste nur weiter, unruhig, die Nase auf etwas gerichtet, das sich nicht mehr mit ihnen im Aufzug befand.
Als sich die Türen im Erdgeschoss öffneten, hatte sie ihr Gesicht wieder in die kontrollierte Maske gezwungen, die sie seit fünf Jahren trug.
Das Atrium roch nach poliertem Stein und dem teuren Parfüm anderer Menschen.
Sie ging hindurch, ohne nach links oder rechts zu sehen.
Einige Mitarbeiter von Stone Beam warfen ihr Blicke zu und sahen dann schnell wieder weg.
Sie spürte das Gewicht ihrer Wiedererkennung wie eine Hand in ihrem Nacken und ging weiter.
Draußen war die Stadtluft kälter als im Gebäude.
Sie begrüßte die Kälte.
Sie brauchte etwas Scharfes, das stark genug war, um das anhaltende Summen unter ihrer Haut zu durchdringen.
Ihre vorübergehende Wohnung lag zwölf Häuserblocks entfernt.
Sie ging die gesamte Strecke zu Fuß.
Als sie die Tür aufschloss, schmerzten ihre Füße, und die Verbindung hatte sich statt eines offenen Schreis zu einem dumpfen, hartnäckigen Pochen beruhigt.
Ein Fortschritt.
Sie stellte ihre Tasche ab, schloss die Tür zweimal ab und blieb mit ihrem Mantel noch immer an mitten im stillen Wohnzimmer stehen.
Die Stille fühlte sich zu groß an.
Sie konnte noch immer den genauen Druck seines Daumens auf der Mondsteinnadel spüren.
Sie konnte noch immer fühlen, wie ihre Wölfe ohne Erlaubnis ineinander übergegangen waren.
Und unter allem war diese dritte Note.
Sie zog den anthrazitfarbenen Anzug mit kontrollierten Bewegungen aus und hängte ihn sorgfältig auf.
Im Badezimmerspiegel sah die alte Markierung auf ihrer Schulter dunkler aus als gewöhnlich, als hätte die Verbindung Blut näher an die Oberfläche gezogen.
Sie berührte sie einmal, ganz leicht, und zog ihre Hand dann zurück, als hätte sie sie gebissen.
„Du bist hier, um ihn zu ruinieren“, erinnerte sie sich.
„Nicht, um ihn zu verstehen. Und auch nicht, um zu fühlen, was auch immer das war.“
Ihr Wolf war anderer Meinung.
Er drehte den unvollständigen Geruch immer wieder um und versuchte, ihn einzuordnen.
Scheiterte.
Versuchte es erneut.
Sie machte Kaffee, den sie nicht trank, und setzte sich an den kleinen Küchentisch, auf dem die Fusionsunterlagen ausgebreitet lagen.
Zahlen.
Prozentsätze.
Meilensteinbedingungen.
Dinge, die Sinn ergaben.
Dinge, die sie kontrollieren konnte.
Sie zwang ihre Augen, über die Seiten zu wandern, doch alle paar Minuten kehrte die Erinnerung an sein Handgelenk unter ihren Fingern zurück.
Und mit ihr diese seltsame, familiäre Note, die in seinem Geruch nicht hätte existieren dürfen.
Eine Nachricht leuchtete auf ihrem Handy auf.
Caius Calder (Satyr Holdings):
„Wie ist die Eröffnungssitzung gelaufen? Brauchst du von meiner Seite etwas für morgen?“
Sie starrte lange auf den Namen.
Ihr CEO.
Der Mann, der sie eingestellt, ihre Strategie unterstützt und deutlich gemacht hatte, dass er sie für die schärfste Waffe im Raum hielt.
Sie tippte eine kurze, professionelle Antwort und legte das Handy mit dem Display nach unten.
Heute Abend wollte sie mit niemandem sprechen, der nach der Geschäftswelt roch.
Ganz besonders wollte sie mit niemandem sprechen, der sie fragen könnte, wie es ihr ging.
Als der Schlaf schließlich kam, war er oberflächlich und voller unvollendeter Bilder:
Die heiligen Steine.
Die alte Eiche.
Und ein Paar grauer Augen, die wie Rhys’ aussahen und irgendwie doch nicht seine waren.
Der Morgen kam viel zu früh.
Sie kleidete sich mit derselben Präzision wie am Tag zuvor.
Klare Linien.
Gedämpfte Farben.
Eine Mondsteinnadel genau dort befestigt, wo sie hingehörte.
Rüstung.
Als sie das Gebäude von Calder Capital wieder erreichte, war ihr Gesicht glatt und ihr Herzschlag beinahe ruhig.
Beinahe.
Für diesen Morgen war eine kleinere Arbeitssitzung angesetzt:
Dokumentenprüfung, kein vollständiges Team.
Sie hatte ausdrücklich darum gebeten.
Weniger Zuschauer.
Mehr Druck.
Rhys war bereits im gläsernen Konferenzraum, als sie eintraf.
Er stand mit dem Rücken zur Tür am Fenster, die Schultern in einer Linie angespannt, als wären sie aus Spannung gemeißelt.
Er drehte sich um, als sie hereinkam.
Und die Verbindung sprang zwischen ihnen auf, als hätte sie nur auf eine Erlaubnis gewartet.
Sie spürte die dritte Note wieder.
Leiser als am Vortag.
Aber immer noch da.
Immer noch falsch.
Sie legte ihre Unterlagen auf den Tisch, ohne ihn zu begrüßen.
„Wir müssen die Formulierungen zu den Meilensteinbedingungen fertigstellen, bevor die Rechtsabteilung den gesamten Abschnitt überarbeitet“, sagte sie.
„Lupa.“
Die Art, wie er ihren Namen sagte, ließ die Härchen auf ihren Armen aufstehen.
Sie hielt ihren Blick auf die Dokumente gerichtet.
„Ich möchte nicht über gestern sprechen.“
„Ich schon.“
Seine Stimme war leise.
„Was hast du gefühlt, als wir uns berührt haben?“
Sie blätterte mit bewusster Sorgfalt eine Seite um.
„Einen Fehler.“
„Das habe ich nicht gefragt.“
„Das ist die einzige Antwort, die du bekommen wirst.“
Er schwieg einen Moment.
Sie konnte spüren, dass er sie beobachtete.
Die Verbindung spannte sich, unzufrieden mit der Distanz, die sie zwischen ihnen erzwang.
„Ich habe nicht geschlafen“, sagte er schließlich.
„Nicht wirklich. Nicht, seit du mein Büro betreten hast.“
Er legte zwei Finger leicht gegen seine eigene Brust.
„Und was auch immer passiert ist, als du gestern mein Handgelenk gepackt hast … es ist immer noch hier.“
Er sah sie an.
„Es ist schlimmer.“
Sie blickte entgegen ihrer besseren Vernunft auf.
Die Erschöpfung in seinem Gesicht war echt.
Die Verwirrung war echt.
Die Art, wie sein Wolf durch die Verbindung nach ihrem drängte, war echt.
Nichts davon passte zu dem Mann, der auf den heiligen Steinen gestanden und sie erbärmlich genannt hatte.
Diese Diskrepanz wurde gefährlich.
„Du darfst nicht verwirrt sein“, sagte sie leiser, als sie beabsichtigt hatte.
„Du darfst mich nicht so ansehen. Du hast das beendet. Ich bin nur hier, um zu Ende zu bringen, was du angefangen hast.“
„Ich weiß, was das Rudel glaubt, dass ich getan habe.“
Seine Hände ballten sich an seinen Seiten.
„Ich weiß, was ich angeblich gesagt habe. Ich kann mich nur … nicht daran erinnern, dass ich es wirklich so gemeint habe.“
Er hielt kurz inne.
„Und als du mich gestern berührt hast, habe ich etwas gespürt, das keinem von uns gehört hat.“
Die dritte Note regte sich bei seinen Worten erneut.
Wie ein Schatten, der sich am Rand des Blickfeldes bewegte.
Lupas Wolf wurde vollkommen still.
Sie schloss den Ordner vor sich mit einem leisen, endgültigen Geräusch.
„Wir werden dieses Gespräch nicht führen.“
„Lupa …“
„Mr. Calder.“
Sie sah ihm in die Augen und ließ all die kalten Jahre der Distanz in ihre Stimme einfließen.
„Das Einzige, worüber wir sprechen werden, ist die Fusion. Alles andere ist abgeschlossen.“
Sie sah, wie ihre Worte ihn trafen.
Sie sah, wie er die Tür akzeptierte, die sie gerade geschlossen hatte, obwohl beide die Verbindung noch immer daran kratzen spürten.
Er nickte einmal, langsam und kontrolliert, und griff nach den Dokumenten.
Sie arbeiteten fast eine Stunde lang schweigend.
Die einzigen Geräusche waren das Umblättern von Seiten und das leise, unzufriedene Summen der Verbindung, die keiner von ihnen anerkannte.
Jedes Mal, wenn sein Ärmel in der Nähe ihrer Hand den Tisch streifte, spannte sich ihr Wolf an.
Jedes Mal, wenn sie seinen Geruch deutlicher wahrnahm, flüsterte die dritte Note darunter.
Leise.
Hartnäckig.
Unmöglich zu benennen.
An einem Punkt stand er auf, um einen anderen Ordner vom Sideboard zu holen.
Als er an der Glaswand vorbeiging, fing das Licht am späten Vormittag sein Profil in einem scharfen Winkel ein.
Für weniger als eine Sekunde – weniger als einen Herzschlag – fühlte sich etwas an der Form seines Mundes oder dem genauen Farbton seiner Augen falsch an.
Nicht anders genug, um es benennen zu können.
Nur falsch genug, dass ihr Wolf tief in ihrer Brust knurrte, bevor der Eindruck verschwand.
Lupas Stift blieb stehen.
Rhys drehte sich mit dem Ordner in der Hand wieder um, und der Moment war vorbei.
Er sah wieder aus wie er selbst.
Müde.
Zerbrochen.
Immer noch er.
Aber ihr Wolf beruhigte sich nicht.
Er starrte weiterhin auf die Stelle, an der das Falsche gewesen war, die Lippen von den Zähnen zurückgezogen, und wartete auf etwas, das bereits verschwunden war.
Lupa zwang ihre Hand, wieder zu schreiben.
Doch der Stift lag nicht mehr ganz ruhig zwischen ihren Fingern.
Was auch immer sie gestern in der Verbindung gespürt hatte, war noch immer da.
Was auch immer sie gerade im Licht erblickt hatte, war ebenfalls noch immer da.
Und keines von beiden gehörte zu dem Mann, der ihr gegenübersaß.
Kapitel 9Die zweite Präsenz(Perspektive: Rhys Calder)Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss, doch das Band zwischen ihnen beruhigte sich nicht.Rhys blieb mitten im Büro stehen, noch lange nachdem das Geräusch ihrer Absätze im Flur verklungen war. Seine Hände zitterten noch immer leicht. In der Luft lag weiterhin die scharfe Note ihres Duftes, vermischt mit jener Unstimmigkeit, auf die sie ihn gezwungen hatte, aufmerksam zu werden. Diese dritte Note, die sie sich geweigert hatte zu benennen, saß nun wie ein Splitter mitten in seiner Brust, den er nicht herausziehen konnte.Sein Wolf war nicht länger einfach nur unruhig. Er suchte. Mit erhobener Nase drehte er sich in engen, aufgeregten Kreisen, als würde er etwas wittern, das weder vollständig anwesend noch ganz verschwunden war. Alle paar Sekunden erstarrte das Tier, fixierte einen Punkt knapp hinter Rhys’ eigener Schulter und knurrte leise, wenn es dort nichts Greifbares fand.Rhys fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht und zw
POV: Lupa GreatDie Verbindung riss sie aus dem Schlaf, als hätte sich eine Hand um ihre Kehle gelegt.Lupa setzte sich im Dunkeln auf. Ihr Atem stockte, ihr Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass es schmerzte. Für einen desorientierenden Moment wusste sie nicht, wo sie war. Die Laken hatten sich um ihre Beine gewickelt. Die Luft im Schlafzimmer fühlte sich zu dünn an. Und unter ihrer Haut war die Verbindung nicht länger der niedrige, beständige Schmerz, gegen den sie seit dem Konferenzraum ankämpfte.Sie zog.Und sie fühlte sich stark an.Ein rohes Gefühl, vermischt mit Panik und Forderung, stieg schnell in ihr auf. Als hätte Rhys’ Wolf quer durch die Stadt nach ihrem gegriffen, seine Zähne in ihre geschlagen und angefangen, daran zu ziehen.Sie presste beide Handflächen gegen ihre Brust und versuchte, es zurückzudrängen.„Hör auf.“Der Wolf weigerte sich.Er schoss unruhig und laut nach oben und drehte sich in engen Kreisen in ihr.Die dritte Note, dieser schwache, falsche
POV: Rhys CalderDie Verbindung ließ ihn nicht schlafen.Rhys saß im Dunkeln auf der Bettkante, die Ellbogen auf den Knien, den Kopf in den Händen, und atmete gegen den langsamen, unerbittlichen Zug an, der seit dem Moment unter seinen Rippen lebte, in dem Lupa ihn berührt hatte.Es war nicht mehr die scharfe Explosion aus dem Konferenzraum.Es hatte sich in etwas Schlimmeres verwandelt.Einen ständigen, dumpfen Schmerz, der sich anfühlte wie ein blauer Fleck, auf den von innen gedrückt wurde.Sein Wolf lief unaufhörlich hin und her.Er tat es schon seit Stunden.Jedes Mal, wenn Rhys die Augen schloss, spürte er die genaue Form ihrer Finger um sein Handgelenk.Die Hitze.Die Art, wie ihre Wölfe ohne Erlaubnis aufeinandergeprallt waren.Und darunter war das, was sie gespürt hatte und das er noch immer nicht benennen konnte – diese unvollständige, falsche Note, die sein eigenes Tier zurückschrecken ließ und es gleichzeitig sofort noch intensiver suchen ließ.Er stand zu schnell auf.Der
POV: Lupa GreatDas Haus sollte ruhig sein.Lupa schloss die Haustür hinter sich mit mehr Kraft als nötig und blieb im Eingangsbereich stehen, um zu lauschen. Ihr Körper trug noch immer das Nachbeben der Verbindung in sich, eine leise Vibration unter ihrer Haut, die sich nicht beruhigen wollte, seit sie Rhys in diesem gläsernen Konferenzraum zurückgelassen hatte. Die dritte Note … dieser schwache, falsche, beinahe vertraute Faden schwebte weiterhin durch ihre Gedanken wie Rauch, den sie nicht vertreiben konnte.Sie brauchte Stille. Sie brauchte kalte Luft und verschlossene Türen und diese Art von Leere, die es ihr ermöglichen würde, alles wieder an seinen richtigen Platz zu bringen.Stattdessen hörte sie es.Ein tiefes, rhythmisches Geräusch aus dem zweiten Stock. Der Atem einer Frau, der sich überschlug. Das leise, unverkennbare Knarren ihres eigenen Gästebettrahmens.Lupas Kiefer spannte sich an.Annabelle.Sie stellte ihre Tasche auf dem Konsolentisch ab und ging die Treppe hinauf,
POV: Lupa GreatDie Aufzugtüren schlossen sich, und die Verbindung wollte einfach nicht zur Ruhe kommen.Lupa starrte auf ihr eigenes Spiegelbild in der verspiegelten Wand und beobachtete, wie die Frau darin zu schnell atmete.Ihr Puls saß hoch in ihrem Hals.Die Stelle, an der sein Handgelenk ihres berührt hatte, brannte noch immer. Nicht genau vor Hitze, sondern durch eine tiefe, anhaltende Wahrnehmung, die sich einfach nicht auflösen wollte.Unter dem vertrauten Geruch von Holzrauch und Regen hallte diese dritte Note weiterhin leise wider.Falsch.Fast vertraut.Wie ein Wort in einer Sprache, die sie einst gekannt und sich dann gezwungen hatte zu vergessen.Sie presste ihre Handfläche gegen die kühle Metallwand.„Hör auf“, sagte sie zu ihrem Wolf.Der Wolf kreiste nur weiter, unruhig, die Nase auf etwas gerichtet, das sich nicht mehr mit ihnen im Aufzug befand.Als sich die Türen im Erdgeschoss öffneten, hatte sie ihr Gesicht wieder in die kontrollierte Maske gezwungen, die sie sei
POV: Lupa GreatDas Verhandlungsteam kam nacheinander herein.Sechs Wölfe in teuren Anzügen. Drei von der Rechtsabteilung von Stone Beam, zwei von Satyr und ein externer Analyst, der hauptsächlich dazu da war, einen Stuhl zu besetzen.Lupa nahm am anderen Ende des langen Schiefertisches Platz.Rhys saß am gegenüberliegenden Ende.Dreißig Fuß polierter Stein erstreckten sich zwischen ihnen – genug Abstand, um Professionalität vorzutäuschen, aber bei Weitem nicht genug, um die Verbindung zum Schweigen zu bringen.Ihr Wolf, der den ganzen Morgen fest an die Leine gelegt gewesen war, entschied sich genau in diesem Moment, die Leine auf die Probe zu stellen.Er sang.Ein tiefer, harmonischer Impuls entwich ihr, bevor sie ihn aufhalten konnte, und bewegte sich wie ein Strom über die gesamte Länge des Tisches.Sie sah, wie Rhys’ Hand unter der Tischplatte zuckte.Die leitende Rechtsberaterin von Stone Beam, mit eisengrauem Haar und scharfen Augen, blickte zwischen ihnen hin und her – mit der







