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Mein lauter Schrei hallte von den Wänden wider. Sofort schlug ich mir die Hände über die Augen, aber es war zu spät – ich hatte den Fremden vor mir bereits vollständig gesehen. Der absolute Schock über das, was ich gerade gesehen hatte, ließ mich taumeln.
Was zum Teufel tat er in meinem Zimmer?!
Warum war er nackt?!
Und warum zum Teufel war er so riesig?!
Ich schüttelte den Kopf wie wild. Es kam überhaupt nicht infrage, dass ich wegen dem Schwanz meines potenziellen Mörders den Verstand verlor.
„Wer bist du?!“ schrie ich, die Augen fest geschlossen, während ich blind mit dem Hockeyschläger in der Luft herumfuchtelte. „Was willst du?! Hey, hör zu! Ich warne dich – ich kann Karate!“
„Als Erstes mach verdammt noch mal die Augen auf“, schnitt eine kalte, metallische Stimme durch die Luft und jagte einen scharfen Schauer direkt durch meine Brust.
„Du Perverser! Wag es nicht—“
Er griff nach dem Schläger, und ich erstarrte. Zwischen meinen Fingern peilte ich hinunter auf seinen Unterkörper, der jetzt zum Glück in ein weißes Handtuch gewickelt war.
Ich stieß einen zittrigen Erleichterungsseufzer aus.
Als ich es schließlich wagte, aufzublicken, vergaß ich beinahe, wie man atmet.
Mein potenzieller Mörder war absurd, unerträglich gutaussehend. Wassertropfen glitten durch sein dichtes, dunkles Haar, glänzten im dämmrigen Zimmerlicht, liefen über seine breite Brust, zeichneten definierte Bauchmuskeln und gebräunte Haut nach. Mein Blick wanderte hinauf zu seiner scharfen, gemeißelten Kieferlinie, den vollen Lippen, der geraden Nase und schließlich … seinen Augen.
Stürmische, dunkelgraue Augen.
Ich schwöre, ich habe diese Augen irgendwo schon einmal gesehen …
„Fertig mit dem Starren?“ höhnte er und starrte mich mit purem Ärger an.
Warum zum Teufel war er wütend? Ich war diejenige, in deren Zimmer man gerade hereingeplatzt war!
Reagierten Wölfe normalerweise so?
„Wenn du fertig bist, raus“, forderte er.
Ich erstarrte, mein Kiefer klappte herunter. „Entschuldigung?! Erstens habe ich nicht gestarrt“, log ich wider besseres Wissen. „Zweitens, was zum Teufel tust du in meinem Zimmer?!“
Er stieß ein spöttisches Geräusch aus und verschränkte die Arme vor seiner nackten Brust. Ich gab mein Bestes, nicht zu bemerken, wie absurd riesig seine Bizeps waren.
„Bist du wirklich so verzweifelt, mich zu verführen?“
„…Hä?“
„Ich muss dir lassen, du bist das erste Mädchen, das frech genug ist, so einen Stunt abzuziehen. Aber deine Verzweiflung ist erbärmlich.“
„Nochmal, hä?!“
„Ich kenne deinen Typ. Tu so, als wärst du ins falsche Zimmer geraten, spiel die Unschuldige und versuch, mich zu verführen.“
„Als Erstes zieh dir den Kopf aus deinem arroganten Arsch! Und zweitens ist das mein Zimmer!“ schnappte ich und zeigte direkt auf mein Gepäck auf dem Boden.
Sein selbstgefälliger Ausdruck wechselte von arrogant zu leicht verwirrt.
„Das ist mein Zimmer“, sagte er und deutete auf den Rest des Raumes.
Erst da schaute ich mich richtig um. Ein dunkler Hoodie hing über einem Stuhl, Designer-Düfte standen auf der Kommode, und seine Kleidung und Sportausrüstung lagen verstreut in der Nähe des Bettes, in dem ich gerade geschlafen hatte.
„Nein, du musst dich irren“, bestand ich und hielt meine Schlüsselkarte hoch. „Der Schulleiter hat mir diesen Schlüssel gegeben. Er hat ausdrücklich gesagt, das sei mein Zimmer!“
„Ist mir egal. Das ist seit Jahren mein Zimmer.“
„Nun, einer von uns irrt sich, und das bin nicht ich!“
Er stieß erneut ein spöttisches Geräusch aus. „Es gibt keine Möglichkeit, dass die Schule dir dieses Zimmer gegeben hat. Omegas bekommen nicht einmal Privatdormitorien.“ Plötzlich erstarrte er. Ein leises Fluchen glitt über seine Lippen. „Scheiße.“
„Was?“
„Komm mit.“
Er griff sich eine dunkle Jogginghose aus dem Schrank, zog sie über und stürmte aus der Tür. Ich stolperte hinterher und folgte seinen langen Schritten direkt zurück zum Büro des Schulleiters.
Ohne zu klopfen stieß er die schwere Holztür auf. Der plötzliche Eintritt ließ den Schulleiter in seinem Stuhl zusammenzucken.
„Mr. Blackthorn! Was führt Sie so schnell zurück?“
„Sie haben ihr mein Zimmer gegeben“, stellte er kalt fest und warf mit dem Daumen hinter sich auf mich. „Mir ist egal, was für ein Durcheinander das ist – beheben Sie es.“
Der Schulleiter sah völlig verwirrt aus. Er blätterte hastig durch einen Stapel Akten auf seinem Schreibtisch, mit wachsender Panik.
„Es tut mir so leid, Miss Harper“, sagte er und sah mich schuldbewusst an. „Ich dachte, diese Suite wäre frei …“
„Ist sie nicht“, schnappte der Idiot. „Raus mit ihr aus meinem Zimmer.“
„Leider kann ich das im Moment nicht.“
„Was?!“ schrien wir beide gleichzeitig.
„Es gibt derzeit keine freien Zimmer“, erklärte der Schulleiter und wischte sich einen Schweißtropfen von der Stirn. „Das Stipendienprogramm war offiziell geschlossen, aber wir haben eine Ausnahme gemacht, weil Chloe hier ihren Wolf verloren hat.“
„Und was zur Hölle geht mich das an?“ knurrte der Typ.
„Sir, es muss eine andere Möglichkeit geben“, flehte ich und wandte mich an den Schulleiter. „Mir ist egal, wo ich unterkomme – ein Gästezimmer, ein Schrank – wirklich überall. Bitte zwingen Sie mich nur nicht, bei ihm zu bleiben.“
Neben mir versteifte sich der Idiot. Ich spürte, wie sein kalter Blick in die Seite meines Gesichts bohrte. „Was soll das heißen?“
Ich ignorierte ihn und hielt den Blick fest auf den Schulleiter gerichtet.
„Ich werde morgen früh sehen, was ich tun kann“, bot der Schulleiter nervös an. „Aber für heute Nacht müsst ihr euch das Dormitorium teilen.“
Mein letzter Funken Hoffnung welkte sofort dahin.
„Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass in nächster Zeit irgendwelche Zimmer frei werden“, fügte der Schulleiter leise hinzu. „Ihr müsstet euch möglicherweise für die Hälfte des Semesters ein Zimmer teilen.“
Mein Herz sank direkt in den Magen.
Langsam drehte ich den Kopf zu meinem neuen Mitbewohner, dessen Gesicht vor blankem Ekel verzerrt war.
„Es tut mir furchtbar leid, Mr. Blackthorn, Miss Harper. Bitte versucht, euch vorerst zu arrangieren.“
Der Idiot sagte kein weiteres Wort. Er drehte sich auf dem Absatz um und knallte die Tür hinter sich zu, sodass ich allein im Büro stand.
„Es tut mir so leid, Miss Harper, aber Sie müssen sich vorerst damit behelfen, bis wir eine Lösung finden“, sagte der Schulleiter entschuldigend.
Ich öffnete den Mund, um zu widersprechen, zögerte dann aber.
Ich erzwang ein schwaches Nicken. „Ich verstehe. Danke, Sir.“
Ich drehte mich um und machte mich auf den Weg zurück zum Dormitorium – nur um es verschlossen vorzufinden.
Zum Glück hatte ich meine eigene Schlüsselkarte. Ich schloss auf und trat ein – nur um meinen lieben Mitbewohner mitten in meinem Bett ausgestreckt vorzufinden.
Es mag zuerst sein Bett gewesen sein, aber trotzdem!
„Wo soll ich schlafen?“ forderte ich.
„Ist mir scheißegal“, murmelte er, die Stimme vom Kissen gedämpft. „Ich hatte einen langen Tag. Mach keinen einzigen Laut, du kannst draußen die Nervensäge spielen.“
Ich stand da, völlig sprachlos über seine Worte. Er drehte sich einfach um und zog die Bettdecke bis zu den Schultern hoch, ignorierte mich vollständig.
Wut loderte in meiner Brust auf, aber ich holte tief Luft und zwang mich, ruhig zu bleiben.
Nur zwei Wochen. Ich brauche nur das Stipendiengeld.
Ich kann das überleben.
Ich ging zum Sofa, rollte mich zu einem Ball zusammen und zog die Knie an die Brust.
Nur zwei Wochen.
~~~~~~
Halte den Kopf unten.
Ertrage ihre Spötteleien.
Du brauchst das Geld für Mutter.
Ich wiederholte diese Worte am nächsten Morgen wie ein Mantra, während ich die Kapuze meines übergroßen Sweaters über den Kopf zog.
Zum Glück war mein reizender Mitbewohner, als ich aufwachte, nirgendwo zu finden. Ich frischte mich schnell auf, griff mir mein Notizbuch und ging hinaus in den Flur.
Ich ging leise, verschmolz wie ein Geist mit den Schatten. Meine Augen musterten den Korridor. Eine Gruppe Mädchen kauerte in der Nähe einer Reihe von Schließfächern und kicherte unkontrolliert. Als ich vorbeiging, drang ihr aufgeregtes Geplapper an mein Ohr.
„Hast du das Hockeyspiel gestern gesehen?!“
„Oh Mondgöttin, es war unglaublich! Er hat so gut gespielt!“
„Ich liebe ihn so sehr! Er sieht so unmöglich heiß aus, wenn er trifft!“
Ich zuckte innerlich zusammen, aber ein kleiner Teil von mir war erleichtert. Wenigstens lag ihre Aufmerksamkeit vollkommen abseits von der „wolflosen Freak“. Wer auch immer dieser Hockeystar war – ich war ihm aufrichtig dankbar für seine Existenz.
Genau in diesem Moment hallte eine plötzliche Welle lauter Jubelrufe den gesamten Flur hinunter. Ich presste mich an die Wand und blickte hoch, um zu sehen, was den Aufruhr verursachte.
Die Menge teilte sich in der Mitte des Flurs. Geradewegs den Flur hinunter kam eine vertraute, lächerlich große Gestalt – und direkt vor ihm eine Schar schwärmender Fans.
„Oh meine Göttin! Das ist Asher!“ quietschte ein Mädchen.
Der Rest der Menge geriet außer Kontrolle, während ich in absolutem Entsetzen erstarrt stand.
Mein arroganter, idiotischer Mitbewohner … war Asher.
Der Star-Hockeykapitän der Silvermoon Akademie.
Scheiße!
KAPITEL 7 ~CHLOE~Die Menge der Schüler teilte sich wie das Rote Meer, sobald andere über den „wolflosen Freak“ zu flüstern begannen. Jetzt panickte ich wirklich und musste mir schnell etwas einfallen lassen.Entschuldige dich, flüsterte mein Verstand, und ich sah keine andere Möglichkeit.„Ich habe Sie nicht gesehen. Es tut mir leid“, sagte ich und behielt den Blick gesenkt.„Sieht aus, als wüsste die Freak, wo ihr Platz ist“, rief jemand aus der Menge, und ein paar Kicherlaute folgten.Immer noch mit dem Blick fest auf den Boden gerichtet, wollte ich an ihr vorbeigehen, doch sie packte meinen Arm und stieß mich zurück. Ich zischte bei der Kraft, die sie einsetzte, und rieb die inzwischen empfindliche Haut meines Arms. Die Stärke einer Wölfin war kein Scherz.„Habe ich gesagt, dass du gehen darfst?“, fauchte sie, doch ich antwortete nicht.„Schau mich an, wenn ich mit dir rede“, fügte sie hinzu und klang noch wütender. Ich hatte keine andere Wahl, als ihrem Blick zu begegnen, der m
KAPITEL 6~CHLOE~Scheiße. Scheiße. Scheiße.Ich schoss von Ashers Schoß hoch, als hätte er mich verbrannt. Sekunden später stand ich auf den Beinen und wich mehrere schwankende Schritte zurück.„Warum siehst du so erschrocken aus? Gerade eben hast du dich noch in meiner Gesellschaft wohlgefühlt“, sagte der Idiot und hatte die Frechheit, mich anzulächeln.„Was zum Teufel ist mit dir los?!“„So redest du mit jemandem, der dich gerade in den Schlaf gewiegt hat?“, fragte er in einem Ton, den man bei einem ungezogenen Kind verwenden würde. Ich starrte ihn wütend an, und er lächelte zurück.Er hatte mir beinahe einen Herzinfarkt beschert, und doch saß er da und lächelte wie der Herzensbrecher aus einer Romcom. Wie lange war er eigentlich schon da? Ich hatte keinerlei Zeitgefühl.Ich suchte nach meinem Handy und entdeckte es neben Asher auf dem Sofa. Ich riss es an mich und checkte die Uhrzeit.… Drei Stunden?!Ich stürzte zum Fenster und bemerkte endlich, wie spät es geworden war. Ich war
KAPITEL 5~CHLOE~Ich presste die Lippen zusammen, bevor ich wieder etwas Falsches sagte. Mein Blick war fest auf den Boden gerichtet, und ich versuchte vergeblich, mich aus seinem Griff zu befreien. Seine Hände umschlossen meine Handgelenke wie ein eiserner Schraubstock.„Lass mich los“, zischte ich, doch er rührte sich nicht.„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“„Was soll ich denn noch sagen? Du weißt genau, was ich bin“, erwiderte ich und sah ihm in die Augen. Jeder an der Schule wusste es, und sie verachteten mich deswegen.„Ein Mensch?“ fragte er, und mein Herz setzte einen Schlag aus. Trotzdem versuchte ich, nicht in Panik zu geraten.„Ist das irgendein kranker Scherz von dir, oder macht dir das wirklich Spaß? Du weißt, dass ich eine wolflose Omega bin – oder willst du mich das einfach nur laut sagen hören?“Ich feuerte Frage um Frage auf ihn ab, doch er schenkte mir nur ein langsames Lächeln, das Angst und noch etwas anderes meinen Rücken hinunterjagte. Aus der Nähe be
~CHLOE~Ich stand wie erstarrt da und sah zu, wie die Menge der Mädchen schrie und sich an ihn warf, während ich nur ungläubig starren konnte.Er.Der arrogante Idiot, der mich fröhlich aufs Sofa verbannt hatte?Derjenige, der mich eine Nervensäge genannt hatte?Genau derselbe war der Schwarm dieser Schule?Ich zuckte noch stärker zusammen.„Oh mein Gott, er kommt hierher!“ „Ich liebe dich, Asher!“ „Du hast so gut auf dem Eis gespielt!“ „Kann ich deine Nummer haben?“ „Ich bin super in Mathe – wir sollten mal eine Lernsession machen!“Ich schauderte vor Ekel bei ihrem Gequieke, aber ich hielt den Blick auf den Boden gerichtet. Alles, was die Menge davon ablenkte, mich zu bemerken, war in meinen Augen ein Sieg.Genau in diesem Moment spürte ich einen intensiven, schweren Blick, der sich auf mich richtete.Ich sah auf und traf seine Augen – denselben eisigen grauen Blick, den ich über die Hockeybahn hinweg gesehen hatte. Dieselben Augen, die mich in unserem Dormitorium mit blanke
~CHLOE~Mein lauter Schrei hallte von den Wänden wider. Sofort schlug ich mir die Hände über die Augen, aber es war zu spät – ich hatte den Fremden vor mir bereits vollständig gesehen. Der absolute Schock über das, was ich gerade gesehen hatte, ließ mich taumeln.Was zum Teufel tat er in meinem Zimmer?!Warum war er nackt?!Und warum zum Teufel war er so riesig?!Ich schüttelte den Kopf wie wild. Es kam überhaupt nicht infrage, dass ich wegen dem Schwanz meines potenziellen Mörders den Verstand verlor.„Wer bist du?!“ schrie ich, die Augen fest geschlossen, während ich blind mit dem Hockeyschläger in der Luft herumfuchtelte. „Was willst du?! Hey, hör zu! Ich warne dich – ich kann Karate!“„Als Erstes mach verdammt noch mal die Augen auf“, schnitt eine kalte, metallische Stimme durch die Luft und jagte einen scharfen Schauer direkt durch meine Brust.„Du Perverser! Wag es nicht—“Er griff nach dem Schläger, und ich erstarrte. Zwischen meinen Fingern peilte ich hinunter auf seinen Unter
~CHLOE~Meine Augen weiteten sich, als ich das Gebäude anstarrte. Im Gegensatz zu dem, was ich mir vorgestellt hatte, war diese Schule riesig – in einem edlen Schatten von Lila und Schwarz, der eine unheimliche und zugleich verlockende Aura ausstrahlte.Mein Fahrer holte mein Gepäck heraus, stieg wieder ins Auto und fuhr davon, sodass ich allein vor dem massiven Bauwerk stand. Mein Blick schweifte über die anderen Schüler. Jeder einzelne von ihnen besaß eine atemberaubende Schönheit, die ethereal wirkte.Nicht menschlich.Die Erkenntnis traf mich hart – hier gab es nur Wölfe.Ich schluckte schwer.Es gab ein entscheidendes Detail, das ich nicht vergessen hatte zu erwähnen: Menschen waren an der Silvermoon Akademie nicht erlaubt. Die Strafe war der Tod – die schlimmste Art von Tod. Ich hatte Geschichten gehört von kalten, leblosen Körpern, die zurück ins Menschenreich geschickt wurden, mit Warnzetteln daran geheftet.Mein Selbstvertrauen wankte, aber ich blieb fest auf der Stelle stehe







