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Kapitel 11

Author: Jan Schäfer
Nea kam aus Jannis’ Büro. Die anderen Assistentinnen aus dem Sekretariat traten ihr respektvoll entgegen und nahmen ihr die Handtasche ab.

„Frau Sommer, Herr Luther wartet im Restaurant auf Sie zum Mittagessen. Er hat gesagt, sobald Sie sich ausgeruht haben, bringen wir Sie rüber.“

„Und das ist der Kaffee, den Herr Luther für Sie vorbereitet hat. Für unterwegs.“

Auf Neas sanftem Gesicht lag nur ein zartes Lächeln. Ruhig nahm sie die Aufmerksamkeit an, mit der man sie umgab.

Sie wirkte selbstsicher und gelassen – als stünde ihr all das ganz selbstverständlich zu.

Alle behandelten sie wie die künftige Frau Luther.

Inge war ziemlich überrascht.

Ausgerechnet dieses Büro – ein privater Bereich, in dem überall vertrauliche Unterlagen lagen – nutzte er als Ruheraum für Nea. In jeder Kleinigkeit war er aufmerksam, alles war durchdacht und fürsorglich.

Und zu Hause?

Nicht einmal sein Arbeitszimmer durfte sie in diesen drei Jahren betreten. Dafür hatte sie kein Recht.

Liebe oder keine Liebe – was gab es da noch endlos zu bestätigen?

„Frau Winter, bitte einen Moment zur Seite. Machen Sie bitte Platz für Frau Sommer.“

Kai Zauner fand, Inge habe kein Gespür für die Situation, und erinnerte sie daran.

Inge presste die Lippen zusammen. Es war ihr längst egal – und doch traf sie dieser Unterschied. Wie ein Messer stach er in das frühere Ich, das drei Jahre lang gegeben hatte, ohne je wirklich gesehen zu werden.

Sie senkte den Blick und trat zur Seite, sah Kai an: „Wenn Jannis gerade Zeit hat, könnten Sie ihn bitte daran erinnern, meine Kündigung zu…“

„Jannis?“

Nea war bereits am Aufzug und schien Inges Worte erst jetzt bewusst wahrzunehmen.

Ihr Ausdruck blieb ruhig, beinahe kühl. Nachdenklich fragte sie:

„Ist sie auch eine Mitarbeiterin der Firma?“

Inge runzelte die Stirn. Nea wusste, wer sie war – aber nicht unbedingt, dass sie bei Lansen arbeitete.

Kai trat vor. „Ja. Das ist Frau Winter, die Leiterin aus der PR-Abteilung.“

Nea zog den Blick zurück und sagte kühl: „Kein Wunder.“

Kein Wunder also, dass man gehört hatte, die PR-Abteilung wolle ihre Rufkrise nicht übernehmen.

Wenn es Inge war, ergab das plötzlich Sinn.

Nea wandte den Blick ab und lächelte nur flüchtig. „Die Arbeitsatmosphäre bei Lansen ist wirklich locker. Mitarbeiter können den Chef offenbar einfach beim Namen nennen.“

Dieser Satz galt nicht einmal Inge.

Kais Miene veränderte sich kurz.

Nea war bereits in den Aufzug gestiegen und machte sich nichts weiter daraus.

Kai dagegen sah Inge in dem Moment an, als sich die Aufzugtüren schlossen: „Frau Winter, kennen Sie die Regeln nicht mehr? Lansen ist kein kleiner Laden. Spielen Sie bitte keine Spielchen. Sie sprechen den Chef ständig beim Namen an. Sonst denken die anderen am Ende noch, Sie hätten eine besondere Beziehung zu ihm?“

„Ab jetzt sagen Sie ‚Herr Luther‘. Wenn Sie nicht wirklich entlassen werden wollen.“

Inge runzelte die Stirn. Früher hatte sie Jannis jeden Wunsch erfüllt. So sehr, dass weder er noch die Leute um ihn herum ihre Kündigung ernst nahmen, als sie die Kündigung tatsächlich einreichte.

Dachten sie, sie wolle nur seine Aufmerksamkeit?

Und Nea?

Sie hatte Inge überhaupt nicht auf dem Schirm.

Sie fürchtete nicht einmal, dass Inge ihre Beziehung vor allen offenlegen könnte.

Warum auch?

Weil das die Ruhe der Bevorzugten war.

Selbst wenn Inge die Sache wirklich groß aufziehen würde – würde am Ende nur sie sich lächerlich machen. Diejenige, die „ins Bett geklettert“, eine Ehe erzwungen und „zwei Liebende auseinandergerissen“ hatte.

Am Nachmittag.

Inge packte ihre Sachen zusammen. Sie wollte nicht mehr darauf warten, dass Jannis etwas dazu sagte.

Sie schaffte es noch vor fünf Uhr zum Einladungsturnier für Drohnenflugsteuerung.

Mit der Einladung von Sophie Schmidt verlief der Einlass völlig reibungslos.

Und sie hatte Glück: Kaum war sie drin, traf sie auf Christian Hagen, der von einem Kreis aus Branchenleuten umringt war.

Als er sie sah, kühlte sein Blick sofort ab.

Er tat so, als hätte er sie nicht gesehen, und redete weiter.

Inge stand einen Moment unschlüssig da, ging dann aber nicht dazwischen. Sie störte ihn nicht.

Stattdessen schaute sie sich allein um. Der Wettbewerb war groß, und es waren viele bedeutende Leute aus der Branche da.

Als jüngster Shootingstar der Innovationsbranche war Christian derzeit in aller Munde.

Inge freute sich wirklich für ihn.

Nach fast einer halben Stunde musste Inge sich notgedrungen setzen und kurz durchatmen.

Ihre Kondition war nicht mehr wie früher.

Vor ihr tauchten ein Paar Lederschuhe auf. Sie blickte auf und sah Christian. Mit finsterem Gesicht starrte er sie an.

„Na? Spielst du nicht mehr die selbstlose Liebesheldin? Willst du jetzt umsatteln?“
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