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Kapitel 10

作者: Jan Schäfer
Als Jannis zurückkam, war sein makelloses Gesicht eiskalt. Nea erkannte sofort, dass das Gespräch mit Inge nicht gut verlaufen war. Jannis machte aus seiner Ungeduld ihr gegenüber kein Geheimnis mehr.

Sarah wirkte hingegen etwas abwesend.

„Jannis … hat sie irgendetwas gesagt? Zum Beispiel, redet sie schlecht über mich oder so?“

Jannis hob den Blick und sah sie an. „Was hast du getan, dass sie sich über dich ärgert?“

„Gar nichts“, murmelte Sarah und hielt ihr Saftglas in beiden Händen. „Ich habe wirklich Besseres zu tun.“

In diesem Moment betrat Bastian Holm den Raum. Er warf Jannis einen flüchtigen Blick zu, sagte aber nichts zu der Szene draußen, um Nea nicht zu verärgern. Schließlich war es schwer, dazu etwas zu sagen, wenn sich gerade eine andere Frau an den eigenen Mann geworfen hatte.

Levin Krämer verzog spöttisch die Lippen. „Warum fragst du überhaupt deine Schwester? Inge hat sich heute echt danebenbenommen. Sie ist dir sogar nachgelaufen. Wer so ein Drama macht, sollte sich fragen, ob sie sich das überhaupt herausnehmen kann.“

Bastian zündete sich eine Zigarette an. „So wie das aussieht, wird sie sich an dich klammern – selbst wenn du die Scheidung einreichst. Jannis, du solltest dich innerlich darauf einstellen.“

Jannis schwieg. Sein Blick blieb kühl, während er Nea eine Tasse Tee einschenkte.

Nea lächelte nur leicht – ohne Kommentar, ohne Reaktion. Offenbar maß sie diesem Zwischenfall keinerlei Bedeutung bei.

Sarah blickte auf das Geschehen und spürte einen flüchtigen Anflug von schlechtem Gewissen.

Doch im nächsten Moment kam ihr ein anderer Gedanke – auch wenn sie gar nichts damit zu tun gehabt hätte, bei so einer unterwürfigen Art von Inge wäre es durchaus möglich gewesen, dass sie von sich aus hier aufgetaucht wäre.

Und wenn das so war – warum sollte sie sich dann noch die Mühe machen, sich zu rechtfertigen?

Inge war schließlich schon immer so eine Frau gewesen: billig, ohne Stolz.

War es da überhaupt wichtig, ob die anderen das falsch verstanden?

Bei dem Gedanken richtete Sarah sich innerlich auf, und mit neuem Selbstbewusstsein schmiegte sie sich wieder an Neaund und begann, bewundernd über Neas Universität zu plaudern.

Inge hatte für den kommenden Montag einen Gesprächstermin mit ihrer behandelnden Ärztin vereinbart – es ging um die Details einer konservativen Behandlung.

Freitagmorgen.

Sophie Schmidt schrieb ihr eine Nachricht, Christian Hagen werde am Nachmittag bei einem Einladungsturnier für Drohnenflugsteuerung anwesend sein. Eigentlich hätte Sophie als eine der Hauptaktionärinnen selbst teilnehmen sollen. Doch sie gab die Einladung an Inge weiter. Vielleicht ergab sich dort eine Gelegenheit, Christian zu begegnen.

Inge war gerührt und beschämt.

Sie hatte den falschen Menschen gewählt, viel Zeit verloren – und all jene enttäuscht, die so viel Hoffnung in sie gesetzt hatten. Das wog schwer auf ihrem Gewissen.

Zehn Uhr morgens.

Inge hatte schon ihre Kündigung eingereicht. Aber die Übergabe war noch nicht abgeschlossen. In der PR-Abteilung hatte sie bereits jemanden im Blick, der für die Position geeignet war. Also übergab sie der Kollegin ohne Zögern die wichtigsten Aufgaben.

„Frau Winter, Sie gehen wirklich?“ Die stellvertretende Leiterin sah sie bedauernd an.

„Ja.“

Die stellvertretende Leiterin mochte Inge. Sie wirkte oft kühl und zurückhaltend, war aber eigentlich ganz freundlich.

„Sie haben in letzter Zeit nicht gut ausgesehen. Waren Sie mal beim Arzt? Hat Ihr Mann Sie begleitet?“

Inge zögerte kurz. „Ja. Es war nichts Schlimmes.“

Ob Jannis sie begleitet hatte, erwähnte sie nicht. Selbst wenn sie im Sterben läge – er würde sich vermutlich nicht einmal die Mühe machen.

Ein wenig Erleichterung zeigte sich im Gesicht der Kollegin. „Sie bringen Ihrem Mann doch sonst immer mittags etwas zu essen. Gehen Sie heute nicht?“

Inge galt in der PR-Abteilung schon fast als Inbegriff der perfekten Ehefrau – wer wusste das nicht?

Sie hatte einmal erzählt, dass ihr Mann gelegentlich Magenprobleme habe und beim Essen wählerisch sei. Also kochte sie jeden Tag selbst und brachte ihm in ihrer Mittagspause das Essen vorbei – ohne einen einzigen Tag auszulassen.

Schade nur, dass ihn bisher niemand zu Gesicht bekommen hat.

Er musste wohl mehrere Leben lang Glück angesammelt haben, um so eine Frau zu heiraten.

Inges Blick flackerte kurz. Dann senkte sie die Augen. „Nein. Heute nicht.“

Und in Zukunft auch nicht mehr.

Die stellvertretende Leiterin dachte sich nichts dabei, wechselte das Thema und sagte mit sichtbarer Bewunderung: „Mit einem guten Mann an der Seite fühlt man sich einfach sicher. Ich sag’s dir – Menschen haben einfach unterschiedliche Schicksale. Kennst du übrigens Nea? Schau mal – das hier ist sie.“

Inge senkte den Kopf und blickte auf das Handy.

Auf dem Foto stützte Jannis Nea, auf dem nächsten hob er sie kurzerhand auf den Arm – ohne Rücksicht auf die Blicke der Umstehenden zu nehmen.

„Neas High Heels haben gedrückt, und Herr Luther hat sie sofort die Treppe hochgetragen – wie ein kostbares Gut, das er um jeden Preis beschützen muss. So wird eine echte Prinzessin behandelt.“

„Wen im Unternehmen würde das nicht neidisch machen?“

„Hübsch, Top-Absolventin, die selbst die Fortune-500-Konzerne jagen – und dann hat sie auch noch Herrn Luther, der ihr jeden Stein aus dem Weg räumt. Glaub mir: Sie wird wohl bald die Frau des Lansen-Chefs sein. Schade, dass Sie bald gehen, Frau Winter. Sonst hätten wir uns gemeinsam ein bisschen bei der künftigen Frau Luther zeigen können.“

Jetzt.

In den Augen der Mitarbeiter von Lansen galt Nea inzwischen längst als die künftige Frau Luther.

Das sieht doch jeder – Jannis’ Bevorzugung war schließlich unübersehbar.

Inge senkte den Blick, ging in den Waschraum und frischte ihr Make-up auf, um die Blässe in ihrem Gesicht zu überdecken.

Sie wollte keine Zeit verlieren.

Ihre Kündigung war noch nicht bestätigt, also fuhr sie kurzerhand mit dem Aufzug in die oberste Etage.

Dort traf sie zufällig auf Kai Zauner.

„Wo ist Jannis?“, fragte sie.

Kai runzelte die Stirn. „Schon wieder Essen für Herrn Luther? Es ist noch nicht einmal Mittagspause. Ich habe doch gesagt: Wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, kommen Sie bitte nicht nach oben, um ihn zu stören.“

Sehr schnell verstand Inge, warum sein Ton so ungeduldig gewesen war.

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