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Kapitel 6

last update Zuletzt aktualisiert: 13.02.2026 14:36:17

Es war kurz nach 14 Uhr, als es an der Tür klingelte.

Klara hatte Ava gerade zum Mittagsschlaf hingelegt. Das Haus war ruhig, die Spülmaschine lief leise in der Küche.

Sie ging zur Tür, ohne zu überlegen.

Als sie öffnete, stand eine elegant gekleidete Frau davor. Perfektes Make-up. Teurer Mantel. Der Blick prüfend, kühl.

„Guten Tag. Ich bin Sophia Opmann. Julians Mutter.“

Natürlich.

Klara lächelte höflich. „Klara Weber. Kommen Sie gern rein.“

Sophia trat ein und sah sich um. Nicht neugierig.

Bewertend.

„Sie schläft“, sagte Klara, noch bevor die Frage kam.

Sophia nickte knapp. „Gut.“

Sie gingen in die Küche. Sophia strich mit den Fingern über die Arbeitsplatte. Sah die frischen Blumen auf dem Tisch. Den aufgeräumten Raum.

„Es wirkt… anders hier“, sagte sie.

„Ruhiger?“ schlug Klara vor.

Sophia musterte sie. Länger.

„Mein Sohn war noch nie gut darin, um Hilfe zu bitten.“

„Das musste er auch nicht. Sie haben es für ihn getan.“

Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über Sophias Gesicht.

„Sie sind direkt.“

„Kinder brauchen klare Menschen.“

Stille.

Dann: „Und mein Sohn?“

Klara antwortete nicht sofort. Wählte ihre Worte.

„Ihr Sohn ist müde.“

Sophia sah sie scharf an.

„Und überfordert. Aber er würde das niemals zugeben.“

Ein Moment verging.

Dann nickte Sophia langsam. „Deshalb sind Sie hier.“

„Nein“, sagte Klara ruhig. „Ich bin wegen Ava hier.“

Schritte auf der Treppe.

Beide Frauen drehten sich um.

Julian stand dort.

Zu früh. Wieder.

Sein Blick wanderte von seiner Mutter zu Klara. Dann zurück.

„Was machst du hier?“

„Nach meiner Enkelin sehen“, sagte Sophia ruhig.

Julian sah zu Klara. „Ist etwas passiert?“

„Nein“, sagte sie. „Ava schläft.“

Er entspannte sich sichtbar.

Und bemerkte zu spät, dass seine Mutter ihn dabei beobachtete.

Sehr genau.

„Du siehst besser aus“, stellte Sophia fest.

Julian reagierte nicht darauf.

„Ich fahre gleich wieder“, sagte sie und griff nach ihrer Tasche. Dann, leiser, nur zu ihm: „Behalte sie.“

Ein Blick zu Klara.

Bedeutungsvoll.

Julian verstand sofort, was sie meinte.

Und zum ersten Mal war er sich nicht sicher, ob es ihm gefiel, dass andere bemerkten, was hier gerade passierte.

Sophia ging zur Tür, ohne Eile. Als hätte sie gesehen, was sie sehen wollte.

Julian begleitete sie in den Flur.

„Du wirkst ruhiger“, sagte sie leise, während sie ihren Mantel schloss.

„Es ist erst der dritte Tag.“

„Eben.“

Er antwortete nicht.

Sie sah an ihm vorbei in Richtung Küche, wo Klara gerade die Tassen wegräumte.

„Pass auf“, sagte Sophia ruhig. „Nicht auf sie.“

Julian runzelte die Stirn. „Worauf dann?“

„Auf dich.“

Dann war sie draußen.

Die Tür fiel leise ins Schloss.

Julian blieb einen Moment stehen. Sah auf das Holz der Tür, als könnte es ihm erklären, was seine Mutter gerade gemeint hatte.

Als er zurück in die Küche ging, stand Klara am Fenster. Die Arme locker verschränkt. Ihr Blick nach draußen gerichtet.

„Ich hoffe, das war in Ordnung“, sagte sie.

„Dass meine Mutter hier war?“

Sie nickte.

„Sie hätte so oder so hier gestanden“, erwiderte er trocken.

Ein Hauch eines Lächelns huschte über ihr Gesicht.

Stille breitete sich aus. Keine unangenehme. Aber eine, in der zu viele Gedanken Platz hatten.

Aus dem Babyphone kam ein leises Geräusch.

Klara griff automatisch danach.

Julian bemerkte es.

Dieses Selbstverständliche. Dieses Schnelle.

„Ich hole sie“, sagte sie.

Er sah ihr nach, wie sie die Treppe hinaufging.

Und zum ersten Mal fragte er sich nicht, ob Klara gut für Ava war.

Sondern wie lange er noch so tun konnte, als wäre sie nur wegen Ava hier.

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