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Kapitel 5

last update Zuletzt aktualisiert: 13.02.2026 14:32:48

Julian wachte um 05:41 Uhr auf.

Nicht vom Babyphone.

Sondern, weil es still war.

Diese Art Stille, die neu war. Ungewohnt. Fast verdächtig.

Er lag einen Moment da und lauschte.

Kein Weinen. Kein Rascheln. Kein aufgeregtes Atmen durch den Lautsprecher.

Er griff trotzdem danach. Blickte auf das kleine Display.

Ava schlief.

Ruhig.

Julian setzte sich auf. Fuhr sich durch die Haare. Sein erster Gedanke war nicht Arbeit.

Sondern: Was macht Klara anders?

Er stand auf und ging in die Küche.

Und blieb im Türrahmen stehen.

Klara war schon da.

Barfuß. Haare zu einem lockeren Zopf gebunden. Sie stand am Herd und rührte in einem kleinen Topf. Leise Musik lief aus ihrem Handy. Nichts Aufdringliches. Etwas Ruhiges.

Es roch nach Haferbrei und Kaffee.

Sie drehte sich um, als hätte sie gespürt, dass er da war.

„Guten Morgen.“

Seine Stimme war rau. „Sie sind früh.“

„Ava war um fünf kurz wach. Ist aber wieder eingeschlafen.“

Sie sagte das, als wäre es das Normalste der Welt.

Als würde sie das hier schon immer machen.

Julian trat ein. Blieb an der Kücheninsel stehen.

Beobachtete sie.

Ruhige Bewegungen. Kein Stress. Keine Hektik.

„Sie müssen nicht vor mir da sein“, sagte er.

Klara hob kurz den Blick. „Ich bin nicht wegen Ihnen früh hier.“

Direkt. Sachlich.

Er nickte langsam.

„Kaffee?“ fragte sie.

Er zögerte. „Gern.“

Sie stellte ihm eine Tasse hin, ohne nachzufragen, wie er ihn trank.

Er nahm einen Schluck.

Perfekt.

„Woher wussten Sie—“

„Sie wirken nicht wie jemand, der Zucker im Kaffee braucht“, sagte sie ruhig.

Julian lehnte sich leicht gegen die Arbeitsplatte.

„Sie beobachten viel.“

„Das ist mein Job.“

Schon wieder dieser Satz.

Und schon wieder fühlte er sich falsch an.

Aus dem Babyphone kam ein leises Rascheln.

Klara reagierte sofort. „Ich hole sie.“

Er sah ihr nach, wie sie den Flur entlangging.

Und merkte, dass er lächelte.

Ohne es zu wollen.

Julian blieb in der Küche stehen und hörte die leisen Schritte auf der Treppe.

Dann Klaras Stimme.

Leise. Warm. Beruhigend.

Kein Babyweinen. Kein hektisches Trösten.

Nur ein ruhiger Ablauf, als wäre der Morgen nichts, das man bewältigen musste — sondern etwas, das einfach geschah.

Als sie zurückkam, saß Ava auf ihrer Hüfte und spielte mit einer Haarsträhne von ihr.

Dieses Bild.

Es passte zu gut in dieses Haus.

„Guten Morgen, Ava“, sagte Julian.

Ava sah ihn an, lächelte — und legte dann den Kopf wieder an Klaras Schulter.

Nicht aus Ablehnung.

Sondern aus Gewohnheit.

Klara setzte sie in den Hochstuhl und stellte den kleinen Teller vor sie.

„Sie isst morgens besser, wenn man sie nicht ansieht“, sagte sie nebenbei.

Julian runzelte die Stirn. „Wie bitte?“

„Probieren Sie es.“

Er setzte sich. Drehte den Blick bewusst weg.

Nach wenigen Sekunden hörte er das leise Klappern des Löffels.

Er sah wieder hin.

Ava aß.

Ohne Protest. Ohne Drama.

Er schüttelte leicht den Kopf. „Das habe ich tagelang versucht.“

Klara zuckte mit den Schultern. „Kinder mögen keine Anspannung.“

Da war sie wieder.

Diese ruhige Art, Dinge auszusprechen, die er eigentlich längst wusste.

Sein Handy vibrierte auf der Arbeitsplatte.

Er sah auf das Display.

Drei verpasste Anrufe. Zwei Mails mit dringend markiert.

Er griff danach.

Und legte es wieder weg.

Zum ersten Mal seit Langem.

Klara bemerkte es. Sagte nichts.

Aber ihr Blick blieb einen Moment auf ihm ruhen.

Bewertend. Nachdenklich.

Fast vorsichtig.

„Sie müssen zur Arbeit“, sagte sie schließlich.

Julian sah sie an.

Dann Ava.

Dann wieder sie.

„Ja“, sagte er. „Muss ich.“

Er stand auf, nahm seine Jacke.

Zögerte.

„Klara.“

Sie blickte auf.

„Danke.“

Sie hielt seinem Blick stand. Ruhig. Offen.

„Dafür bin ich hier.“

Und wieder wusste er nicht, warum sich dieser Satz so anfühlte, als würde er längst nicht mehr stimmen.

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