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Kapitel 5

Author: Caca
last update publish date: 2026-07-05 21:17:46

Der Spezialist der exklusiven Fertilitätsklinik ließ die Krankenakte auf den Marmortisch fallen und lächelte Sebastian schwach an. „Der körperliche Zustand von Señorita Morales ist außergewöhnlich gut. Alle Gesundheitsindikatoren sind perfekt, ihre reproduktiven Funktionen makellos und ihre Gebärmutter befindet sich in einem absolut idealen Zustand, um umgehend mit dem Verfahren der In-vitro-Fertilisation zu beginnen. Wir können die Entnahme und die Implantation des Embryos so schnell wie möglich planen.“

Aixa, die auf dem Untersuchungsstuhl saß, konnte nur die Finger auf ihrem Schoß zusammenballen. Eine bittere Schwere legte sich auf ihre Brust. Ihr Körper war soeben zu einem „wertvollen Aktivum“ erklärt worden, bereit, den Thronfolger der Castello-Familie zu produzieren. Draußen auf dem Flur zückte Sebastian bereits sein Handy, um dem Chef das Ergebnis zu melden.

Als die Nachricht eintraf, dass alles bereit war, verlor Fernando Castello Ortega keine Zeit. Er wies Sebastian an, Aixa auf direktem Weg zum exklusiven Standesamt im Nobelviertel von Madrid zu bringen.

Dort, in einem abgesperrten Raum, fernab von den Kameralinsen der Medien, vollzog sich eine standesamtliche Blitzhochzeit. Fernando erschien mit seiner gewohnten, unnahbaren Aura und unterzeichnete die Eheurkunde, gefolgt von Aixa, deren Hand leicht zitterte, als sie ihren Namen neben seinen setzte. In weniger als dreißig Minuten besiegelte das Gesetz ihren neuen Status.

Aixa Morales Vega, das arme Stipendiaten-Mädchen vom Land, war nun offiziell die Ehefrau des mächtigsten Milliardärs Spaniens.

Doch der Schock war für Aixa noch nicht vorbei. Kaum hatten sie das Gebäude verlassen, warf Fernando einen Blick auf seine Armbanduhr und musterte sie von oben bis unten. „Steig in den Wagen. Sebastian wird all deine Sachen aus deiner mickrigen WG holen. Ab heute Nachmittag wohnst du in meinem Hauptanwesen.“

Aixa fuhr zusammen und blieb wie angewurzelt auf dem Gehweg stehen. „Im Anwesen wohnen? Ich… jetzt schon?“ Ihre Augen weiteten sich panisch. „Sir, ich dachte, das ist nur eine Vertragsehe? Ich ging davon aus, dass wir nicht unter einem Dach leben würden. Ich meine, wegen der künstlichen Befruchtung —“

„Heh“, schnaubte Fernando verächtlich und schnitt ihr mit einem tiefen, herablassenden Lachen das Wort ab. Er trat näher und verringerte den Abstand so weit, dass Aixa seinen Atem auf ihrer Stirn spüren konnte. „Du bist vor dem Gesetz meine Ehefrau, junge Señora Castello. Spiel deine Rolle gefälligst perfekt. Deine Aufgabe ist es nicht nur, mir deine Gebärmutter zu leihen, sondern auch dafür zu sorgen, dass meine Mutter und die Medien nicht den geringsten Verdacht schöpfen.“

Fernando packte ihr Kinn mit sanftem, aber unnachgiebigem Druck und zwang sie, direkt in seine tödlichen, falkengleichen Augen zu blicken. „Sorge dafür, dass sie alle glauben, ich sei nicht schwul, so wie es diese Bastarde da draußen behaupten. Überzeuge meine Mutter davon, dass ich ein ganz normaler Mann bin, der seine Frau liebt. Verstanden?“

Aixa schluckte schwer. Seine Berührung war kalt und schüchterne jeden klaren Gedanken in ihr ein. Doch für Leo, der auf der Intensivstation gerade um sein Erwachen kämpfte, sperrte sie ihren Stolz weg. Sie nickte steif. „Verstanden, Sir.“

---

Die Fahrt in die Außenbezirke von Madrid kam Aixa wie ein endloser Albtraum vor. Der schwarze Rolls-Royce wurde schließlich langsamer und passierte ein riesiges, schweres Eisentor, das streng bewacht wurde, ehe er vor der Auffahrt mit einem prachtvollen Springbrunnen hielt. Vor ihr erstreckte sich ein herrschaftliches Anwesen im klassischen europäischen Stil von gigantischem Ausmaß.

Als ihr die Wagentür geöffnet wurde, stieg Aixa mit klopfendem Herzen aus. Vor dem Haupteingang der Villa stand bereits ein Dutzend Hausangestellte in tadellosen Uniformen in Reih und Glied. Sie verbeugten sich synchron voller Respekt.

„Willkommen zu Hause, Señor. Willkommen zu Hause, junge Señora“, sagten sie wie aus einem Mund, und ihre Stimmen hallten über den weitläufigen Hof.

*Junge Señora?* Aixas Herz zog sich seltsam zusammen. Sie blickte an sich herab, auf ihre billigen Schuhe und die einfache Kleidung, die an einem so luxuriösen Ort vollkommen deplaziert wirkten. Sie fühlte sich wie eine Hochstaplerin, die die Maske einer Königin trug.

Noch bevor sie ihren Puls beruhigen konnte, wurden die Flügeltüren der Villa aufgestoßen. Eine ältere Dame in einem eleganten Seidenkleid kam eiligen Schrittes herausgelaufen. Ihr schönes, gepflegtes Gesicht war von tiefen Emotionen erfüllt. Es war Doña Sovia, Fernandos Mutter.

Ohne Vorwarnung eilte Doña Sovia auf Aixa zu und schloss sie fest in die Arme. „Oh, mein Gott… das ist also deine Frau, Fernando? Endlich!“ Doña Sovia löste den Griff, hielt Aixa an den Schultern und sah sie mit tränenfeuchten Augen voller Erleichterung an. „Mein Sohn ist also doch ein ganz normaler Mann! Er steht nicht auf Männer, wie diese verfluchten Nachrichten behaupten!“

Aixa erstarrte kurz, völlig überrumpelt von dem herzlichen Empfang, den sie von einer Frau dieser gesellschaftlichen Schicht niemals erwartet hätte. Sie blickte aus dem Augenwinkel zu Fernando, doch dieser stand nur mit unbewegter Miene da und überließ ihr komplett die Bühne.

Aixa atmete tief ein und versuchte, ihre Stimme so ruhig wie möglich klingen zu lassen. Dem Vertrag entsprechend musste sie lügen, um den Ruf ihres Mannes zu schützen.

„Ja, Doña… verzeihen Sie uns, dass es so plötzlich kommt“, sagte Aixa und zwang sich zu einem sanften Lächeln auf ihrem blassen Gesicht. „Tatsächlich sind Fernando und ich schon seit zwei Jahren ein Paar. Wir haben es absichtlich vor der Öffentlichkeit und der Familie geheim gehalten, weil ich zuerst mein Studium ohne den Trubel der Medien beenden wollte.“

Als Doña Sovia diese flüssige und höfliche Erklärung hörte, begannen ihre Augen nur noch mehr zu leuchten. Doch plötzlich verzog sie das Gesicht zu einem gespielten Schmollen. „Mensch, nenn mich nicht Doña! Du bist ab heute die rechtmäßige Schwiegertochter in diesem Haus. Nenn mich Mama.“

*Mama?*

Dieses eine Wort traf Aixa mitten ins Herz. Seit dem Tod ihrer eigenen Mutter vor vielen Jahren hatte sie geglaubt, dieses Wort nie wieder zu hören – und erst recht nicht, dass jemand es so zu ihr sagen würde. Ihre Lippen bebten leicht, und dieses Mal wirkte ihr Lächeln ein Stück ehrlicher. „Sehr gerne… Mama.“

Doña Sovia lächelte zufrieden, hakte sich liebevoll bei Aixa unter und wollte sie gerade ins Haus führen. Fernando folgte ihnen mit gelassenen Schritten und beobachtete aufmerksam, wie geschickt das Mädchen vom Land das Herz seiner Mutter im Sturm erobert hatte.

Doch der flüchtige Moment des Friedens zerbrach augenblicklich in tausend Stücke, als sie die prachtvolle Eingangshalle der Villa betraten. Von der geschwungenen Wendeltreppe am Ende des Raumes ertönten eilige Schritte, gefolgt von einer tiefen Stimme, die Aixa nur allzu gut kannte.

„Onkel, Großmutter? Was ist hier los? Warum versammelt sich das ganze Personal draußen?“

Aixas Körper versteifte sich augenblicklich. Das Blut in ihren Adern schien zu gefrieren, und eine heftige Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus. Diese Stimme… es war dieselbe Stimme, die sie gestern Abend in der *Bar Velvet* beschimpft, geohrfeigt und weggeworfen hatte. Die Stimme ihres Ex-Freundes.

Da Doña Sovia sie noch immer am Arm hielt, stand Aixa mit dem Rücken zur Treppe.

Doña Sovia drehte sich mit strahlendem Gesicht zu ihrem Enkel um, der gerade die letzten Stufen hinabstieg. „Ah, da bist du ja! Dein Onkel hat heute endlich offiziell geheiratet. Ab heute hast du eine junge Tante im Haus!“

*Wumm.*

Für Aixa hörte die Welt auf, sich zu drehen. Ihr Verstand war unfähig, die Realität zu begreifen.

Mit heftig zitterndem Körper und einem Herzschlag, der wie eine Kriegstrommel gegen ihre Rippen hämmerte, drehte sich Aixa langsam um. Sie löste sich vorsichtig aus dem Griff von Doña Sovia und blickte zu der Gestalt auf, die an der untersten Stufe der Treppe stehen geblieben war.

Im selben Moment sah auch der junge Mann zu der frischgebackenen Ehefrau seines Onkels.

Als sich ihre Blicke in der Luft trafen, rissen beide im selben Sekundenbruchteil fassungslos die Augen auf. Dem jungen Mann klappte die Kinnlade herunter, seine Augen traten vor schierem Entsetzen fast aus den Höhlen. Jede Faser seines Gesichts wurde augenblicklich aschfahl, als wäre sämtliches Blut aus ihm gewichen.

Aixa starrte den Mann an, der nun wie eine Steinstatue dastand und nach Luft rang.

„Du…“

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