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4

Penulis: Clawdeen
last update Tanggal publikasi: 2026-10-21 01:55:48

Kapitel 4 – Zwilling

(Rileys Perspektive)

„Ryan?“

Cole Harrington starrte mich direkt an.

Die Espressomaschine zischte hinter der Theke. Ein Kunde lachte an einem Tisch in der Ecke. Nichts davon registrierte ich. Alles, was ich sah, war der Captain der Northridge Wolves, der mitten im Café stand und mich anstarrte.

Ich war so vorsichtig gewesen.

Ich hatte mich nur auf Jobs außerhalb des Campus beworben, weit weg von den Augen irgendwelcher Teamkameraden, die herumschleichen könnten.

Schließlich hatte ich ein ruhiges Café außerhalb des Campus gefunden, das perfekt zu meinem Zeitplan passte.

Ich trug eine einfache schwarze Perücke über meinem kurzen Haar, ließ die grünen Kontaktlinsen weg und benutzte meine echte Stimme. Hier war ich einfach nur Riley – ohne Bandage.

Aber trotz all meiner Maßnahmen stand Cole Harrington direkt vor mir.

„Ryan?“ rief er noch einmal und kniff die Augen in meine Richtung zusammen.

Mein Puls hämmerte gegen meine Rippen. Was sollte ich tun? So tun, als würde ich ihn nicht kennen? Das wäre auf lange Sicht definitiv nicht sicher.

Also runzelte ich nicht die Stirn, schüttelte nicht den Kopf und ließ ihn nicht denken, er habe sich geirrt. Stattdessen wischte ich mir die Hände an der Schürze ab und zwang meine Stimme, gleichmäßig zu bleiben.

„Ich bin nicht Ryan“, sagte ich. „Mein Name ist Riley, seine Zwillingsschwester.“

Coles Augen verengten sich.

„Zwilling“, wiederholte er.

„Ja.“ Ich behielt einen ruhigen Ausdruck.

Cole musterte mich einen langen Moment lang – genauso, wie er es an meinem ersten Tag auf dem Eis getan hatte.

Bevor einer von uns etwas sagen konnte, öffnete sich die Schwingtür zum Hinterraum.

Maddison trat heraus und trug ein Tablett mit sauberen Tassen. Sie entdeckte Cole, und ihr ganzes Gesicht erhellte sich.

„Cole! Du bist früh. Ich dachte, du hättest sieben gesagt.“

Sie stellte das Tablett ab und ging um die Theke herum, um ihn kurz zu umarmen.

Cole erwiderte die Umarmung abwesend, seine Augen huschten immer wieder zu mir über ihre Schulter.

„Planänderung“, sagte er. „Wusste nicht, dass du neue Hilfe hast.“

Maddison blickte zwischen uns hin und her und lächelte. „Das ist Riley. Sie hat vor ein paar Tagen angefangen. Super zuverlässig. Riley, das ist Cole – alter Freund und bestätigter Nervensägen-Champion.“

Ich lächelte, ohne etwas zu sagen.

„Scheint so, als wäre ihr Bruder in meinem Team“, sagte Cole, ohne mich anzusehen.

„Wirklich?“, stimmte Maddison ein. „Das hast du mir nicht erzählt. Vielleicht sehe ich ihn, wenn das Team vorbeikommt.“

„Das Team?“, fragte ich.

„Ja, die sind hier fast Stammgäste – dank Cole hier.“ Sie lächelte in seine Richtung. „Danke, Cole.“

Mein Glück schien wirklich schlecht zu sein. Nicht nur arbeitete ich an einem Ort, den Cole häufig besuchte, sondern das ganze Northridge-Wolves-Eishockeyteam kam hier oft vorbei.

Der Rest der Schicht verging in einem Nebel aus Bestellungen und erzwungenem Smalltalk. Cole bestellte einen schwarzen Kaffee, setzte sich an einen Tisch am Fenster und blieb länger als nötig.

Jedes Mal, wenn ich hinüberblickte, lagen seine Augen bereits auf mir. Als meine Schicht endete, waren meine Nerven zum Zerreißen gespannt.

Ich verschwand durch die Hintertür, sobald ich konnte, froh, endlich aus Coles Sichtweite zu sein, zog die Perücke ab, sobald ich das Gebäude hinter mir gelassen hatte, und nahm den ersten Bus in Richtung Krankenhaus.

…

Ryan war wach, als ich ins Zimmer schlüpfte. Der falsche Name auf dem Schild über seinem Bett sah immer noch seltsam aus. Sein Bein war hochgelagert, dicke Bandagen umwickelten das Knie.

Er sah besser aus als beim letzten Mal – weniger grau, weniger verloren –, aber die Sorge in seinen grünen Augen war nicht verblasst.

„Du siehst erschöpft aus“, sagte er in dem Moment, als die Tür zufiel.

„Mir geht’s gut.“

„Riley.“ Er drängte.

Ich ließ mich in den Stuhl neben dem Bett fallen und stieß einen Atemzug aus, den ich gefühlt hatte, als hätte ich ihn tagelang zurückgehalten. „Ich habe gesagt, mir geht’s gut, Ryan.“ Ich konnte ihn nicht über die ganze Café-Sache informieren. Er würde mir sagen, ich solle aufhören, ihn zu spielen, und ich brauchte wirklich seine Unterstützung dabei – sonst würde es nicht funktionieren.

Die Art, wie er mich ansah, verriet mir, dass er mir kein Wort glaubte. Also wechselte ich das Thema. „Wir haben unser Freundschaftsspiel gegen Westbridge gewonnen. Es war wirklich schön.“

Seine Augen leuchteten auf. „Ich bin sicher, du warst großartig auf dem Eis, Rii.“

Ich wusste, wie sehr er das Spielen liebte und wie sehr er selbst auf dem Eis sein wollte.

Mein Blick wurde weicher. „Wie geht’s dir, Ryan? Du fragst immer nach mir, erzählst aber nie von dir.“

Ryan schwieg einen Moment. Dann griff er nach meiner Hand.

„Ein Freund von zu Hause hat mich heute kontaktiert“, sagte er leise. „Derek durchsucht das alte Haus wie ein Verrückter. Ruft Leute an. Taucht an Orten auf, an denen wir früher abhingen. Er ist nicht nur wütend, Riley. Er jagt uns.“

Die Worte setzten sich wie Eis in meiner Brust fest.

Ich hatte gewusst, dass es kommen würde. Die Nachricht war Beweis genug gewesen. Aber es laut ausgesprochen zu hören – zu wissen, dass Derek aktiv unser altes Leben durchforstete, um uns zu finden – ließ die Wände des kleinen Krankenhauszimmers enger werden.

Ryans Griff wurde fester. „Wir müssen vorsichtig sein. Vorsichtiger, als wir es ohnehin schon sind.“

Ich nickte, aber mein Kopf raste bereits voraus. Das Café fühlte sich nicht mehr sicher an. Cole hatte mein echtes Gesicht gesehen. Maddison kannte mich als Riley. Und irgendwo da draußen kam Derek näher.

Ich beugte mich vor, bis meine Stirn gegen das kühle Metallgeländer des Bettes ruhte – genauso wie in der Nacht, in der alles zerbrochen war.

Draußen begann der Himmel bereits dunkel zu werden, und alles, was ich tun konnte, war zu hoffen, dass ich unsere Spuren gut genug verwischt hatte, um nicht gefunden zu werden. Zumindest nicht so schnell.

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