MasukKapitel 6 – Das Geheimnis
(Rileys Perspektive)Ich senkte langsam meine Hand, nachdem ich sichergestellt hatte, dass er nicht schreien würde – aber vor allem, weil das Handtuch um meine Brust anfing zu rutschen.
Tyler starrte mich ausdruckslos an. Ich hoffte, er würde das nicht tun und wenigstens etwas sagen.
„Wirst du nicht—“
„What the fuck, Ryan.“ Er unterbrach mich.
„Falls Ryan wirklich dein Name ist.“ Seine Augen verengten sich.Die Worte hingen in dem kleinen Raum zwischen uns. Wasser tropfte immer noch vom Duschkopf. Mein Herz hämmerte so heftig, dass ich sicher war, er konnte es hören.
„Es ist nicht“, flüsterte ich. „Und wir können hier nicht reden.“
Als wollte es den Punkt beweisen, erklangen irgendwo im Flur Schritte – entfernt, aber näher kommend.
Tylers Kopf schnellte zur Badezimmertür. Sein Ausdruck wechselte von Schock zu etwas, das ich nicht deuten konnte.
„Ich erzähl dir alles, versprochen. Bitte, lass uns einfach zurück ins Zimmer gehen“, bat ich.
„Zieh dich an“, sagte er leise. „Ich warte draußen.“
Er trat ohne ein weiteres Wort aus der Kabine. Der Vorhang fiel zu. Ich bewegte mich so schnell ich konnte, die Hände zitterten, während ich Kleidung anzog und die Bandage wieder an ihren Platz zwang. Die grünen Kontaktlinsen kamen zuletzt hinein.
Tyler lehnte an der Wand, als ich herauskam, die Arme verschränkt, der Kiefer angespannt. Er sagte nichts. Er nickte nur in Richtung des Gangs und ging los. Ich folgte.
Der Flur wirkte länger als sonst und machte mir die Situation, in der ich mich jetzt befand, noch bewusster. Als wir endlich unser Zimmer erreichten, schloss Tyler auf, wartete, bis ich hineinging, schloss dann hinter uns und verriegelte die Tür mit einem leisen Klick.
Tyler lehnte an der Tür, als würde er sie immer noch bewachen.
„Rede“, sagte er. „Und lass die wichtigen Teile nicht aus.“
„Ryan ist mein Zwilling“, begann ich. „Mein – unser Stiefvater ist missbräuchlich. Als er betrunken war, hat er Ryan das Bein gebrochen. Es war der einzige Weg – wir mussten da raus. Ich habe getan, was ich tun musste.“
Tyler schwieg lange. Als ich schließlich aufblickte, hatte sich sein Gesicht verändert. Der Ärger war verschwunden und durch Sorge ersetzt.
„Mein Vater hat auch getrunken und uns verprügelt“, sagte er plötzlich. Die Worte kamen flach heraus. Dann holte er tief Luft, bevor er weitersprach. „Das war, bevor meine Mutter uns endlich eingepackt und abgehauen ist. Mich und meine Schwestern. Sie hat es getan, damit wir weiteratmen können. Also weiß ich vielleicht, wie du dich fühlst.“
Die Atmosphäre im Zimmer war jetzt anders als im Bad. Sie war leichter, und aus irgendeinem Grund fühlte ich mich sicher.
Tyler stieß sich von der Tür ab und setzte sich auf sein eigenes Bett, mir gegenüber.
„Ich erzähl es niemandem“, sagte er.
Ich wartete auf die Bedingung. Es gab immer eine Bedingung.
„Nicht, weil ich irgendein Held bin“, fuhr er fort. „Sondern weil du der beste Forward bist, den wir seit Jahren hatten. Die Art, wie du das Eis liest… könnte genau das sein, was wir brauchen, um ins Finale zu kommen. Für manche von uns ist dieses Spiel alles.“
Er sah mir in die Augen. „Ich will nach dem College spielen. Professionell. Und im Moment bist du die Geheimwaffe unseres Teams.“
Ich ließ einen langsamen Atemzug heraus. „Wenn das rauskommt—“
„Wird es nicht. Zumindest nicht durch mich.“ Tylers Stimme war ruhig. „Aber du musst vorsichtig sein. Ich helfe dir natürlich.“
Tyler griff nach meiner Hand und drückte sie beruhigend.
„Wenigstens musst du dich hier drin nicht mehr so zusammenbinden. Ich hab im Bad einen Blick erwischt und Mädchen…“
„Tyler“, rief ich errötend.
„Oh, und noch eine Sache“, sagte er.
Ich sah ihn an.
„Wenn wir das machen – wenn ich das geheim halte –, dann darfst du mich nicht aussperren, wenn es schlimmer wird. Denn es wird schlimmer.“ Seine Augen waren ernst. „Deal?“
Ich zögerte nur eine Sekunde.
„Deal.“
Tyler nickte einmal, als hätte sich etwas festgefügt. Dann stand er auf, ging zu seinem Schreibtisch und nahm sein Handy.
„Ich bestell Essen“, sagte er. „Pizza?“
Ich nickte.
„Du wirst etwas essen“, fuhr er fort. „Und dann wirst du schlafen. Das Training morgen wird schon hart genug, ohne dass du auf leerem Magen läufst.“
Ich zwang ein Lächeln hervor.
Er warf einen Blick über die Schulter zurück, sein Ausdruck im gedämpften Licht unleserlich.
„Und Riley?“
Der Klang meines echten Namens machte mich wirklich glücklich.
„Ja?“
Tylers Stimme wurde noch leiser.
„Wenn Cole dich wieder in die Enge treibt… kommst du zuerst zu mir. Nicht hinterher. Zuerst.“
Kapitel 7- Doppelleben(Rileys Perspektive)Der Wecker klingelte laut um 5:12 Uhr morgens.Ich schlug ihn stumm und setzte mich schnell auf. Meine Rippen schmerzten schon im Voraus wegen unseres intensiven Trainings.Die Bandage lag auf dem Stuhl, wo ich sie am Abend zuvor abgelegt hatte – schwarz und unnachgiebig. Gegenüber zog Tyler gerade einen Hoodie über den Kopf, die Haare standen in alle Richtungen ab.„Wir sind spät dran“, sagte er, ohne mich anzusehen.Es war immer noch seltsam, aber auch tröstlich, zu wissen, dass er jetzt meine echte Identität kannte.„Ich weiß“, antwortete ich mit verschlafenen Augen.Ich begann mich zu wickeln. Die Kompression biss sich in meine Haut, so wie immer – fest genug, um mir den Atem zu rauben, fest genug, damit das Geheimnis nicht wieder herausrutschte.Jeden Morgen legte sich dieselbe stille Panik in meine Brust: Nicht ausrutschen. Nicht falsch atmen. Niemanden etwas sehen lassen.Ich zog ein Trainingsshirt über die Bandage, stopfte dann die s
Kapitel 6 – Das Geheimnis(Rileys Perspektive)Ich senkte langsam meine Hand, nachdem ich sichergestellt hatte, dass er nicht schreien würde – aber vor allem, weil das Handtuch um meine Brust anfing zu rutschen.Tyler starrte mich ausdruckslos an. Ich hoffte, er würde das nicht tun und wenigstens etwas sagen.„Wirst du nicht—“„What the fuck, Ryan.“ Er unterbrach mich.„Falls Ryan wirklich dein Name ist.“ Seine Augen verengten sich.Die Worte hingen in dem kleinen Raum zwischen uns. Wasser tropfte immer noch vom Duschkopf. Mein Herz hämmerte so heftig, dass ich sicher war, er konnte es hören.„Es ist nicht“, flüsterte ich. „Und wir können hier nicht reden.“Als wollte es den Punkt beweisen, erklangen irgendwo im Flur Schritte – entfernt, aber näher kommend.Tylers Kopf schnellte zur Badezimmertür. Sein Ausdruck wechselte von Schock zu etwas, das ich nicht deuten konnte.„Ich erzähl dir alles, versprochen. Bitte, lass uns einfach zurück ins Zimmer gehen“, bat ich.„Zieh dich an“, sagte
Kapitel 5 – Entdeckt(Rileys Perspektive)Die Busfahrt zurück vom Krankenhaus fühlte sich länger an als sonst. Ryans Worte kreisten immer wieder in meinem Kopf – Er jagt uns.Jeder Schatten draußen vor dem Fenster sah aus, als könnte er Derek sein. Als ich endlich das Wohnheim erreicht und die Treppen zu unserer Etage hinaufgestiegen war, schmerzten meine Schultern davon, dass ich mich zu sehr verspannt hatte. Die Bandage unter meinem Shirt machte es schwer zu atmen.Ich stieß die Zimmertür auf und erstarrte.Tyler lag auf seinem Bett, verschlungen mit einem Typen, den ich nicht kannte. Sie küssten sich, als ob der Rest der Welt nicht existierte. Eine von Tylers Händen war unter dem Shirt des anderen, und die Hand des anderen war in Tylers Hose. Keiner von beiden bemerkte mich zuerst.Ich räusperte mich.Tyler zuckte so heftig zurück, dass er beinahe von der Matratze fiel. Der andere Typ richtete sich hastig auf, die Wangen gerötet.„Shit—Ryan. Ich dachte nicht, dass du schon zurück b
Kapitel 4 – Zwilling(Rileys Perspektive)„Ryan?“Cole Harrington starrte mich direkt an.Die Espressomaschine zischte hinter der Theke. Ein Kunde lachte an einem Tisch in der Ecke. Nichts davon registrierte ich. Alles, was ich sah, war der Captain der Northridge Wolves, der mitten im Café stand und mich anstarrte.Ich war so vorsichtig gewesen.Ich hatte mich nur auf Jobs außerhalb des Campus beworben, weit weg von den Augen irgendwelcher Teamkameraden, die herumschleichen könnten.Schließlich hatte ich ein ruhiges Café außerhalb des Campus gefunden, das perfekt zu meinem Zeitplan passte.Ich trug eine einfache schwarze Perücke über meinem kurzen Haar, ließ die grünen Kontaktlinsen weg und benutzte meine echte Stimme. Hier war ich einfach nur Riley – ohne Bandage.Aber trotz all meiner Maßnahmen stand Cole Harrington direkt vor mir.„Ryan?“ rief er noch einmal und kniff die Augen in meine Richtung zusammen.Mein Puls hämmerte gegen meine Rippen. Was sollte ich tun? So tun, als würde
Kapitel 3 – Etwas stimmt nicht(Coles Perspektive)„Ahhh… fuck“, stöhnte sie.Das Mädchen unter mir gab einen leisen Laut von sich, als sie den Rücken durchbog, aber ich registrierte es kaum.Meine Gedanken waren immer noch auf dem Eis.Wir hatten Westbridge zum ersten Mal seit vier Jahren geschlagen. Ein Freundschaftsspiel, nichts Offizielles, aber das spielte keine Rolle.Die Umkleidekabine danach war pure Feier – Geschrei, jemand kippte einen Kühler voll Wasser über die Freshman-Reihe, und Coach lächelte sogar einmal.Westbridge hatte uns beherrscht, seit ich selbst Freshman gewesen war. Heute Abend war diese Serie zu Ende, und die Hälfte des Grundes war der neue Typ, der trotz seiner Statur irre Skills auf dem Eis hatte.Ryan Kane.Ich rollte von dem Mädchen herunter – sie war jemand von der Business School, deren Namen ich nicht einmal erfragt hatte – und setzte mich auf die Bettkante.Die Musik von der Party dröhnte immer noch durch die Dielen im Erdgeschoss. Bass, Gelächter, ab
Kapitel 2(Rileys Perspektive)Das Klimpern von Schlüsseln klickte im Schloss.Einen Moment lang wusste ich nicht, wo ich war. Die Decke war falsch. Die Matratze zu fest. Dann kamen die Erinnerungen an den Vortag über mich.Ich war jetzt Ryan Kane.Die Tür öffnete sich, bevor ich mich vollständig aufrichten konnte. Ich riss die Decke höher, um meine ungebundene Brust zu verdecken, und drückte mich an die Wand, gerade als ein Typ mit zwei Reisetaschen und einem Rucksack über der Schulter hereinkam.Er wirkte etwa zwanzig, mittelgroß, mit einem leichten Grinsen und hellen Augen, die den Raum schnell erfassten.„Du musst der Freshman sein“, sagte er. „Ryan, richtig? Ich bin Tyler. Tyler Brooks. Wir sind Mitbewohner.“Ich nickte einmal.Er warf seine Taschen auf das leere Bett und redete weiter. „Ich spiele Verteidigung. Sophomore. Du bist Forward, oder? Hab deinen Namen auf der Liste gesehen. Du bist früh. Die meisten Neuen kommen mit der Gruppe.“Ich gab ein weiteres kurzes Nicken und b







