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8

Author: Clawdeen
last update publish date: 2026-11-08 03:22:48

Kapitel 8 – Hinter der Theke

(Rileys Perspektive)

„Du bist spät.“

Coles Stimme war flach, fast gelangweilt, aber seine Augen waren alles andere als das.

Ich stand da, atmete immer noch schwer, die Schürze nur halb gebunden, das kurze Haar vom Laufen zerzaust, die Wangen warm, das Herz immer noch rasend vom Sprint über den Campus.

Ich runzelte die Stirn. „Was machst du hier?“

Bevor er antworten konnte, öffnete sich die Schwingtür zum Hinterraum und Madeline trat heraus, wischte sich die Hände an einem Handtuch ab. Sie warf einen Blick auf die Spannung zwischen uns und rollte mit den Augen.

„Sei nicht so streng mit ihr, du Trottel. Es ist ihr erster Tag.“

Sie kam herüber und drückte mir kurz und beruhigend die Schulter. „Tut mir leid, Riles. Meine Mom hat angerufen. Sie bringen sie zu Untersuchungen und ich muss los. Ich wollte dich nicht allein auf der Frühschicht lassen, also hab ich Cole gebeten, für mich einzuspringen.“

Sie drehte sich zu ihm. „Sei nett.“

Coles Ausdruck veränderte sich kaum, aber er nickte kurz.

Madeline griff nach ihrer Tasche, murmelte etwas von Verkehr und war in weniger als einer Minute weg. Das kleine Glöckchen über der Tür klimperte hinter ihr.

Stille legte sich über das Café wie Staub.

Cole lehnte an der Theke, als gehörte sie ihm, die Arme locker verschränkt, und durchbrach schließlich die Stille. „Gern geschehen, übrigens.“

„Wofür?“, schoss ich zurück.

„Dafür, dass ich deinen Morgen interessant gemacht habe.“

„Ich hätte lieber langweilig, danke.“

Ein langsames, faules Lächeln zupfte an seinem Mundwinkel. „Leider bin ich nicht besonders gut in langweilig.“

Ich band die Schürze mit mehr Kraft als nötig zu und ging hinter die Theke, legte absichtlich Abstand zwischen uns. Cole fand meine Gereiztheit amüsant. Das war offensichtlich.

Er hatte diese Art von Selbstvertrauen, die einen Raum füllte, ohne sich anzustrengen – sarkastisch, ein bisschen arrogant und völlig unbeeindruckt davon, dass ich ihn klarerweise nicht hier haben wollte. Das Café fühlte sich mit ihm plötzlich kleiner an.

Wir machten uns an die Arbeit.

Die frühen Kunden tröpfelten zuerst langsam herein. Ich nahm Bestellungen entgegen und bereitete Getränke zu, während Cole sich mit überraschender Effizienz um mich herumbewegte. Er wusste, wo alles war. Und er wusste genau, wie er mich nerven konnte.

Er stahl sich ein Gebäck direkt aus der Auslage und biss hinein, während ich versuchte, Milch aufzuschäumen. Krümel fielen auf die Theke, die ich gerade abgewischt hatte.

„Du sollst arbeiten“, murmelte ich.

„Tu ich ja. Moralische Unterstützung.“

„Das ist keine Stellenbeschreibung.“

„Heute schon.“

Ich rollte mit den Augen und machte weiter. Trotz des ständigen Neckens war er tatsächlich gut darin – und das machte meine Arbeit flüssiger.

Der echte Ärger kam am späten Vormittag.

Eine Gruppe College-Mädchen schob sich in einer Wolke aus Parfüm und lauten Stimmen durch die Tür. Sie musterten das Café schnell, dann fixierten sie mich, als wäre ich ein Hindernis und keine Person.

„Arbeitet Cole heute?“, fragte eine von ihnen und lächelte schon, als wüsste sie die Antwort.

Ich behielt meine Stimme höflich. „Er ist hinten.“

„Kannst du ihn für uns rufen?“

„Er ist gerade beschäftigt, aber er kommt gleich raus.“

Ihre Lächeln wurden dünner. Eine von ihnen – groß, glänzendes Haar, die klare Anführerin – musterte mich von oben bis unten mit offener Bewertung. „Du bist neu.“

„Ja.“

„Und du sagst uns, dass wir ihn nicht sehen dürfen?“

Ein anderes Mädchen neigte den Kopf, die Stimme tropfte vor falscher Süße. „Warum sollte jemand wie Cole überhaupt an so einem Ort arbeiten? Nichts für ungut.“

Die Beleidigung war sehr wohl für ungut, aber ich brauchte diesen Job. Ich zwang ein professionelles Lächeln hervor, das sich brüchig anfühlte. „Wenn Sie etwas bestellen möchten, helfe ich Ihnen gerne. Ansonsten—“

„Ansonsten was?“, schnitt die Erste ein und trat näher an die Theke. „Wirfst du uns raus? Süß.“

Meine Finger krallten sich um das Putztuch, bis die Knöchel schmerzten. Ich war zwei Sekunden davon entfernt, etwas zu sagen, das ich nicht mehr zurücknehmen konnte, als Cole aus dem Hinterraum trat.

Er warf einen Blick auf mein Gesicht, dann auf die Gruppe Mädchen, und die Temperatur im Café sank.

„Bestellen wir etwas“, fragte er beiläufig, „oder ist das ein sozialer Anlass?“

Das Gesicht der Anführerin erhellte sich in dem Moment, als sie ihn sah. „Cole! Wir wollten dich nur sehen. Deine kleine Kollegin hier war schwierig.“

Cole lehnte sich an die Theke, völlig unbeeindruckt. Seine Stimme blieb ruhig, fast faul. „Nun, ihr habt mich gesehen. Glückwunsch.“

Eine der anderen machte einen Schmollmund. „Du bist unhöflich.“

Er blinzelte nicht einmal. „Hör zu. Wenn ihr nichts kauft, gibt’s hinter euch eine ganz normale Tür. Benutzt sie.“

Die Stille, die folgte, war scharf genug zum Schneiden. Die Mädchen tauschten verlegene Blicke, murmelten etwas und gingen schließlich in einer engen, beleidigten Gruppe. Cole sah ihnen nicht nach.

Er wandte sich einfach wieder der Maschine zu, als wäre die ganze Unterbrechung nur eine leichte Unannehmlichkeit gewesen, als hätte er mit so etwas jeden Tag zu tun und hätte längst aufgehört, sich darüber zu kümmern.

Ich starrte ihn an.

Er zog eine Augenbraue hoch. „Ein Dankeschön würde dich nicht umbringen, weißt du.“

„Genauso wenig wie deine Fangemeinde unter Kontrolle zu halten.“

„Die sind nicht meine Fangemeinde.“

„Klar. Sie sind nur gekommen, um die Kaffeemaschine zu bewundern.“

Cole lachte tatsächlich zum ersten Mal, seit ich ihn kannte, und der Laut überraschte mich. Dann wurde ich wieder ernst. Die restliche Gereiztheit saß immer noch heiß unter meiner Haut.

„Ich bin hier, um zu arbeiten, Cole. Ich brauche nicht, dass Leute mir das Leben schwer machen, nur weil sie dich kennen.“

Das Amüsement in seinen Augen verblasste ein wenig. Er musterte mich eine Sekunde länger, etwas Unlesbares huschte über sein Gesicht, dann gab er ein kleines, fast respektvolles Nicken.

„Fair enough.“

Wir gingen zurück an die Arbeit. Der Rest der Schicht verging in einer seltsamen Mischung aus Schweigen und gelegentlichen trockenen Bemerkungen.

Nach einer Weile lehnte Cole die Hüfte an die Theke und beobachtete, wie ich die Kaffeemaschine abwischte.

„Wegen vorhin…“

Ich warf ihm einen Blick zu. „Was damit?“

„Diese Mädchen. Die können ein bisschen viel sein.“

Ich schnaubte. „Ein bisschen?“

„Okay. Eine Menge.“ Er hielt inne. „Wollte nicht, dass du dazwischen gerätst.“

Ich hörte auf zu wischen und sah ihn richtig an.

„Ist das deine Art, dich zu entschuldigen?“

„Gewöhn dich nicht dran.“

Ein kurzes Lachen entkam mir, bevor ich es verhindern konnte.

Sein Mund verzog sich zu einem kleinen, zufriedenen Grinsen. „Na also. War das so schwer?“

„Du bist unglaublich.“

„Das hat man mir schon gesagt.“

Ich schüttelte den Kopf und kehrte zur Maschine zurück, aber ich spürte immer noch seinen Blick auf mir. Das Café war still geworden; der Morgenansturm war längst vorbei. Draußen eilten ein paar Studenten an der Scheibe vorbei, ihre Blicke auf uns gerichtet, die Stimmen kaum mehr als ein Flüstern.

„Machen die das normalerweise?“, fragte ich und deutete auf die Leute draußen.

„Nicht, dass ich mich erinnern könnte“, antwortete er, während er die Theke abwischte.

Dann piepte sein Handy.

Er warf einen uninteressierten Blick darauf.

Eine weitere Benachrichtigung folgte.

Dann noch eine.

„Heute beliebt?“, fragte ich und griff nach einem Stapel Servietten.

„Leider.“

Er entsperrte den Bildschirm. Ich erhaschte die vertraute Uni-Klatschseite oben. Meine Augen drifteten unwillkürlich dorthin.

Ein Foto füllte das Display.

Wir.

Hinter der Theke und die Mädchen davor.

Ich blinzelte. „Wann ist das passiert?“

Cole antwortete nicht sofort. Er öffnete den Post. Die Bildunterschrift erschien darunter.

GESICHTET: Unser Lieblings-Hockey-Herzflüsterer scheint sich ein neues Mädchen zugelegt zu haben. Cole, ernsthaft? Eine Café-Kellnerin? Wusste nicht, dass deine Standards sich geändert haben.

Mein Magen zog sich zusammen.

Ich beugte mich näher und las die Kommentare, die sich bereits darunter sammelten.

Ist das ernsthaft sein Typ?

Er ist definitiv nur zum Spaß da.

Bestimmt wieder ein Mädchen, das versucht, über seinen Namen berühmt zu werden.

Mädchen, bitte. Er ist Cole. Du bist buchstäblich nur eine Café-Arbeiterin.

Leute taggten Freunde. Andere fragten, wer ich sei. Die meisten schienen mehr daran interessiert zu sein, mich runterzumachen, als an irgendetwas anderem.

Ich spürte, wie mein Gesicht warm wurde.

„Wow“, murmelte ich.

Coles Ausdruck hatte sich komplett verändert. Das Amüsement von vorhin war verschwunden. Er scrollte durch die Kommentare, der Kiefer spannte sich mit jedem Wischen an.

„Lies das nicht.“

Ich richtete mich auf und verschränkte die Arme. „Ein bisschen spät dafür.“

Er sah mich an. „Riley—“

„Lösch es.“

„Was?“

„Lass sie den Beitrag runternehmen.“

Mein Gesicht war im Internet. Auf einer Uni-Klatschseite, die jeder öffnen konnte.

Jeder.

Einschließlich Derek.

Ich schluckte schwer und zwang meine Stimme, gleichmäßig zu bleiben.

„Den Post. Bring ihn runter.“ Meine Hände waren kalt geworden. „Bitte.“

Er musterte mein Gesicht eine Sekunde zu lang, etwas verschob sich hinter seinen Augen.

„Riley… was ist los?“

Ich antwortete nicht.

Alles, woran ich denken konnte, war, wie ein einziges dummes Foto alles ruinieren konnte, wofür ich gearbeitet hatte.

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