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Author: Helsa
last update publish date: 2026-06-17 21:55:21

LUETTA

Die Finger des Patienten schlossen sich wie eine Stahlklammer um mein Handgelenk.

Das war kein verwirrter, kraftloser Griff eines Mannes, den man nackt auf der Straße gefunden hatte. Dieser Griff war stark. Absichtlich. Und viel zu klar.

Seine Augen sprangen auf – scharf, uralt und direkt in meine gerichtet. Für einen schrecklichen Herzschlag starrte mir dieselbe bodenlose Dunkelheit entgegen, die ich bereits in der Blutbank gesehen hatte.

Dann flackerten die Lichter in der Notaufnahme.

Als sie wieder angingen, sah der Mann auf der Trage wieder völlig normal aus. Verwirrt. Harmlos.

In diesem Moment spürte ich es – eine weitere Präsenz.

Ich hob den Kopf.

Er stand direkt im Türrahmen, sauber, beherrscht und unmöglich still. Dieselben dunklen, alten Augen, die mich schon in der Blutbank gegen die Regale gedrückt hatten, brannten sich erneut in mich hinein.

„Du“, hauchte ich.

Sein Mund verzog sich zu dem schwächsten, gefährlichsten Lächeln. Er hielt meinen Blick einen langen Herzschlag lang fest… dann drehte er sich um und verschwand durch die Tür, als hätte er sich in Rauch aufgelöst.

„Was auch immer hier los war, scheint sich geklärt zu haben“, sagte Dr. Herdt. „Bringen wir ihn in ein Untersuchungszimmer. Luetta, wir brauchen Blut fürs Labor.“

„Ja, Doktor“, antwortete ich automatisch, doch mein Verstand war noch immer bei dem Mann mit den dunklen, feurigen Augen, der gerade hinausgegangen war.

Ich versuchte, es abzuschütteln.

Er war in die Blutbank eingebrochen, weil er hungrig und verzweifelt gewesen war. Das war alles. Ich hatte einen Job zu erledigen. Ich konnte nicht hier stehen und an irgendeinen gefährlichen, lächerlich attraktiven Fremden denken.

Ich folgte ihnen ins Untersuchungszimmer. Der Patient war inzwischen bei Bewusstsein. Dr. Herdt untersuchte ihn gerade, als ich eintrat.

„Luetta“, sagte sie, „Herr Fischer hat dem Drogenscreening zugestimmt.“

„Gut. Freut mich, Sie kennenzulernen, Herr Fischer“, sagte ich sanft. „Können Sie bitte eine Faust machen?“

Seine braunen Augen waren weit aufgerissen, als er mich anstarrte. „Haben Sie ihn gesehen?“

Ich legte die Staumanschette um seinen Arm. „Wen gesehen?“

„Den Vampir.“

Ich warf Dr. Herdt einen Blick zu. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. Einfach mitspielen.

„Ich fürchte, nein“, erwiderte ich leise und klopfte auf seine Vene. „Sie werden nur einen kurzen Stich spüren, okay?“

Er nickte. „Ich bin das gewohnt.“

Ich zog das Blut so vorsichtig wie möglich ab und verband die Einstichstelle. „Fertig, Herr Fischer.“

Dr. Herdt überprüfte noch einmal seine Pupillen. „Die Erweiterung ist weg. Interessant. Wie ist Ihre Sehkraft?“

„Ich habe meine Brille vor einem Jahr verloren“, murmelte er.

„Wir behalten Sie zur Beobachtung hier“, sagte sie und machte sich Notizen. „Luetta kümmert sich gut um Sie, falls Sie etwas brauchen.“ Sie lächelte mir kurz zu und ging.

Kaum war sie draußen, griff Herr Fischer erneut nach meinem Handgelenk.

Ich zog es schnell weg, und diesmal ließ er los.

„Ich nehme keine Drogen“, sagte er.

„Ich verstehe“, antwortete ich sanft und tätschelte seinen Arm. „Ruhen Sie sich einfach aus, ja? Drücken Sie den roten Knopf, wenn Sie mich brauchen.“

Er wiederholte es, als ich ging, doch ich seufzte nur und schloss die Tür. Das hatte ich schon hundertmal gehört.

Der Rest meiner Schicht zog sich endlos hin. Bei Sonnenaufgang war ich völlig erschöpft. Ich zog mich um, nahm meine Tasche und machte mich auf den Weg zum Parkplatz.

Nach Hause. Frühstücken. Ins Bett. Das war der Plan.

Bis eine starke Hand mich plötzlich zurückriss. Eine andere legte sich über meinen Mund und erstickte meinen Schrei, bevor er entkommen konnte.

„Ganz ruhig, Schwester Nightingale“, raunte eine tiefe Stimme an meinem Ohr.

Er war es.

Ich wehrte mich heftig, mein Herz hämmerte gegen die Rippen. Mein erstickter Schrei vibrierte gegen seine Handfläche.

„Schhh“, murmelte er, sichtlich amüsiert. „Schreien bringt weder dir noch mir etwas. Ich habe keine Lust, dich über den ganzen Parkplatz zu jagen. Aber ich tu’s, wenn du es spannend machst.“

Langsam nahm er die Hand von meinem Mund, trat aber keinen Schritt zurück. Sein Körper blieb dicht an meinem, drückte mich zwischen sich und die kühle Morgenluft.

Ich fuhr herum.

Diese dunklen Augen betrachteten mich mit träger Arroganz, das vertraute schiefe Grinsen spielte um seine Lippen, als würde er jede Sekunde meiner Panik genießen.

„Ich hatte dir gesagt, du sollst dich nicht rühren“, zischte ich atemlos.

„Und ich habe dich ignoriert“, antwortete er glatt und neigte den Kopf. „Das mache ich manchmal. Besonders, wenn ich Besseres zu tun habe.“

Sein Blick wanderte langsam über mich.

Ich wich einen unsicheren Schritt zurück. „Soll ich jemanden rufen? Es gibt eine Suppenküche…“

„Nein“, unterbrach er mich. „Was ich brauche, ist, aus dieser verdammten Sonne zu kommen, bevor ich zu einem sehr teuren Häufchen Asche werde.“

Er schenkte mir ein gefährliches, charmantes Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.

„Meine Haut ist etwas… empfindlich“, fuhr er fort. „Also wird Folgendes passieren.“ Er nickte in Richtung des Mitarbeiterparkplatzes. „Du wirst mich an einen sicheren Ort bringen. Am besten mit dichten Vorhängen. Und das wirst du jetzt tun.“

Der Typ war ein Arsch.

Und doch war er blass, auf eine ungerechte Weise makellos. Ich hasste, wie attraktiv er war. Es machte es schwer, klar zu denken.

„Heute ist es bewölkt“, sagte ich schwach.

„Spielt keine Rolle, Schätzchen.“ Er lächelte wieder, scharf und wissend. „Vertrau mir da.“

Ich kramte in meiner Tasche und holte meine Sonnencreme heraus. Er nahm sie mir ab, wobei seine Finger meine streiften. Die Berührung jagte einen seltsamen Funken durch mich hindurch.

Er schmierte sich etwas ins Gesicht und gab sie mir zurück. „Danke.“

„Bitte.“

Ich hätte gehen sollen. Stattdessen blieb ich stehen.

Seine dunklen Augen wurden eine Winzigkeit weicher. „Bitte, Luetta. Hilf mir. Bring mich hier weg.“

Ich zögerte. Jeder vernünftige Teil von mir schrie, dass das Wahnsinn war. Doch etwas Tieferes, etwas Unerklärliches, ließ mich nicken.

„Mein Auto steht da drüben.“

Er schenkte mir ein kurzes, erleichtertes Grinsen. „Braves Mädchen.“

Ich wusste nicht, warum ich das tat. Ich kannte nicht einmal seinen Namen. Trotzdem ging ich mit ihm zu meinem Wagen, das Herz die ganze Zeit über rasend.

Als er sich auf den Beifahrersitz faltete, drehte ich den Zündschlüssel und sah ihn an.

„Also“, sagte ich leise, „wohin fahren wir?“

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