MasukMusste er denn unbedingt in dieselbe Etage?
Olivia hatte die Nase voll von arroganten Idioten und jetzt steckte sie mit einem selbsternannten solchen im Aufzug fest. Zugegeben, seine Ehrlichkeit und seine selbstironische Art hatten sie amüsiert.
Aber er war ein Problem. Das wusste sie einfach.
Er war nicht wie Jack. Nicht so glatt und perfekt, glatt rasiert und makellos. Nein, dieser Mann trug Dreitagebart und zerzauste Haare. Wie ein sonnengebräunter Surfer, der dem Meer entrissen, aufgepeppt und in der Stadt ausgesetzt wurde. Die Jeans und der Pullover, die seine imposante Gestalt betonten, wirkten zwar lässig, aber sie schrien förmlich nach Designermode. Und wie er ihr Herz höherschlagen ließ, er war genauso gefährlich. In jeder Hinsicht.
„Jetzt, wo du so viel über mich weißt“, sagte er plötzlich mit tiefer, rauchiger Stimme, die sie viel mehr erregte, als ihr lieb war, „wie wär’s, wenn ich dich auf einen Drink einlade?“
Olivia verschluckte sich fast an der Zunge, die Mappe drückte ihr in die Seite, als sie sich versteifte. „Nein, danke. Ich bin beschäftigt“, erwiderte sie.
„Nicht jetzt gleich“, sagte er, seine Augen funkelten schelmisch und amüsiert, und er hielt ihr Paroli. „Aber zu einem passenden Zeitpunkt natürlich?“
Natürlich. Innerlich verdrehte sie die Augen. Würde er es endlich kapieren? Ihr Entschluss war gut, aber sie war nicht immun. Sie spürte die Versuchung deutlich, und je eher sie ihr widerstand, desto besser. Sie war schließlich in einer Beziehung und ganz sicher keine Fremdgängerin. Sie wandte den Blick ab und fixierte das kunstvolle Muster, das sich durch die goldene Aufzugstür vor ihr schlängelte. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“
„Willst du mir sagen, warum?“
Weil ich nicht blöd bin, dachte Olivia, sagte aber laut: „Ich kenne dich.“
Der Aufzug kündigte die Ankunft in ihrem Stockwerk an, und er sprach dazwischen: „Wirklich?“
„Offensichtlich nicht genau du“, sagte sie, und Erleichterung durchströmte sie, als sich die Aufzugtüren öffneten und sie ausstieg. Zielstrebig bog sie links in Richtung Isabellas ab und hoffte, er würde den Wink verstehen oder zumindest eine andere Richtung einschlagen. Tat er nicht.
„Offensichtlich“, bekräftigte er und folgte ihr. „Ich würde mich definitiv erinnern, wenn ich dich schon mal getroffen hätte.“
Ihr Bauch kribbelte unangenehm, und sie unterdrückte ein Kribbeln. Sie musste genauer werden. Brutal sogar … „Ich meine, ich kenne deinen Typ.“
„Meinen Typ?“
„Verdammt ja, super im Bett, perfektes Material fürs Schlafzimmer …“ Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „… aber darüber hinaus … nun ja, darüber reden wir nicht, oder?“
Sein Schritt stockte. „Wow, echt übel.“
Sie hörte seine Überraschung, spürte sein Unbehagen, und ein warmes Gefühl des Sieges durchströmte sie. Ihre harsche Einschätzung hatte ihr Ziel erreicht, hoffentlich genug, um ihn in die Flucht zu schlagen. Und wenn nicht, sollte die Andeutung, dass sie beziehungsfähig war, den Rest erledigen.
„Du hast ja eine ganz andere Meinung von Männern“, fügte er hinzu.
Sie lachte höhnisch auf und bog um eine Ecke. Die Geborgenheit von Isabellas Hotelzimmer war nun nur noch wenige Schritte entfernt.
„Also, entweder bist du eine männerfeindliche Lesbe …“ – jetzt stockte auch sie mitten im Schritt – „… oder du wurdest schon mal verletzt. Was denn nun?“
Eine Lesbe … Sie lachte mit neuem Elan. Es war nicht das erste Mal, dass sie dafür gehalten wurde. Eigentlich fand sie es sogar recht schmeichelhaft, aber das würde sie ihm nicht sagen.
„Typisch arroganter Mann – nur weil ich nicht direkt an dir interessiert bin, muss ich gleich lesbisch sein.“ Sie war vor Isabellas Tür angekommen und um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen, drehte sie sich zur Tür und klopfte dagegen. „Nun, wenn Sie nichts dagegen haben, muss ich noch arbeiten.“
Er wich nicht zurück. Im Gegenteil, er machte es sich gerade neben ihr gemütlich – was zum Teufel? Sie hatte keine Zeit zu fragen, was er da trieb; die Tür schwang auf und gab den Blick auf ihre ziemlich missmutig dreinblickende Freundin und Kundin frei.
„Es tut mir so leid, dass ich zu spät bin, Izzy“, sagte Olivia.
Izzy runzelte die Stirn. „Das solltest du auch“, sagte sie, zog sich eine hellbraune Lederjacke über ein weißes T-Shirt und sah abwechselnd Olivia und ihren ungebetenen Begleiter an. „Ihr zwei.“
Wir zwei?
Olivia sah ihn an, und er zuckte verdutzt mit den Achseln. „Scheint, als würdest du mir nicht so leicht entkommen.“
„Oh Gott, Derek, sag bloß, du hast schon meine Maklerin und Freundin angeflirtet?“ Isabellas Augen blitzten wütend auf, und Olivia bemerkte, dass ihre Farbe seinen verblüffend ähnlich war.
„Ich würde es nicht direkt als Anmachen bezeichnen“, sagte er mit einem dieser nervtötend lässigen Achselzucken. „Wir haben uns eigentlich nur über sexuelle Vorlieben unterhalten.“
„Das kann doch nicht wahr sein!“, rief Isabella Olivia mit hochrotem Kopf und leuchtenden Augen an. „Ich schulde dir wohl eine Entschuldigung.“
„Wirklich?“, fragte Olivia mit schwacher Stimme, während ihr Gehirn die Situation blitzschnell erfasste.
„Dieses Tier“, sagte Isabella und deutete mit gespielter Verachtung auf ihn, „ist mein Bruder. Mein älterer Bruder, um genau zu sein. Aber mal im Ernst, Derek, was soll das denn?“
„Bruder?“, wiederholte Olivia und blickte zu dem Mann hinüber, den sie nun als Derek kannte. Die Erkenntnis, dass sie ihm so schnell nicht entkommen würde, löste ein beunruhigendes Kribbeln in ihrer Brust aus.
Sie erinnerte sich, dass Isabella ihr vor Wochen erzählt hatte, ihr Bruder würde nach Jahren der Abwesenheit wieder in die Stadt ziehen. Aber sie hatte nicht erwähnt, dass er schon zurück war oder dass er heute überhaupt hier sein würde … oder dass er so verdammt attraktiv und charmant war.
„Zu meiner Verteidigung“, sagte er mit einem fragenden Stirnrunzeln, „sie hat es in mir geweckt.“
„Das ist deine Ausrede?“, fragte Isabella ungläubig und gab ihm einen spielerischen Schubs, der ihn kaum bewegte. Seine Augen blieben auf Olivia gerichtet, genauso neugierig, hitzig und sehr, sehr interessiert. „Wenn mir deine Meinung nicht so wichtig wäre, würde ich dir sagen, du sollst einfach gehen und uns in Ruhe lassen.“
„Scheint, als wären wir heute schon zu zweit“, sagte er. Sein durchdringender Blick drang in Olivias Gedanken ein und ließ sie alles, was sie gesagt hatte, mit peinlicher Klarheit noch einmal durchleben. „Zum Glück ist mein Ego groß genug, um das zu verkraften.“
„Niemand hat so ein großes Ego wie du, du Spinnerin“, sagte Isabella. „Zum Glück hast du auch ein so großes Herz.“
„Und vergiss das nicht“, sagte er und sah seine Schwester nun mit offener Zuneigung an, was Olivia endlich die Möglichkeit gab, durchzuatmen, nachzudenken, sich der Sache zu stellen … „Also, gehen wir jetzt auf Tournee? Oder bleiben wir hier stehen und lästern weiter über Derek?“
Isabella kicherte, und, Gott steh ihr bei, Olivia lächelte – die Entscheidung fiel ihr leicht. Zu leicht.
Die zwei Wochen des turbulenten Treibens waren ein einziger Rausch aus hektischen Anrufen, Vorbereitungen und vorrangigen Verträgen gewesen, weil Derek nicht warten wollte – besonders da Olivia schwanger war –, doch als sich die schweren Eichentüren der Kapelle öffneten, versank die Welt in atemloser Stille.Olivia stand an der Schwelle, während ihre Hand leicht zitterte, als sie auf dem Arm ihres Vaters ruhte. Sie sah aus wie eine Erscheinung aus einer anderen Epoche. Ihr Kleid war eine bodenlange Empire-Kreation aus hauchzartem Seidenchiffon und Chantilly-Spitze. Das Mieder bestach durch einen tiefen V-Ausschnitt, der von zarten, schulterfreien Spitzenärmeln eingerahmt wurde, die wie Schmetterlingsflügel flatterten. Von der hohen Taille aus flossen Lagen aus plissierter Seide nach unten und ermöglichten ihr eine schwerelose, fließende Eleganz. Ihr Haar war zu einer lockeren, romantischen Hochsteckfrisur gesteckt, gehalten von einem einfachen Schleier, der wie ein Nebel hinter ihr he
Olivia schüttelte den Kopf, während sich endlich eine einzelne Träne löste und ihre Wange hinabrollte. „Ich wollte es dir sagen. Mehr als alles andere. Als ich diese Streifen sah, war ich so glücklich, dass ich kaum atmen konnte. Aber dann … dann begann ich darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet. Für dich.“ Sie versuchte wegzusehen, aber er hielt ihren Blick fest und erlaubte ihr nicht, sich zu verstecken. „Wir haben das Gespräch übers Zusammenziehen noch nicht einmal geklärt, Derek. Und jetzt das. Ein Baby ist für immer. Es ist die ultimative Verantwortung. Ich wusste nicht, ob du …“ Sie ließ den Satz unvollendet.„Ob ich was, Liv?“, war Dereks Stimme nun sanfter, erfüllt von einer schmerzlichen Zärtlichkeit, die sie so an ihm noch nie erlebt hatte.„Ich wusste nicht, ob du es wollen würdest … Ob du dich darüber freuen würdest“, gestand sie mit brüchiger Stimme. „Ich weiß, dass wir in letzter Zeit leichtsinnig waren, aber ich wusste nicht, ob du auf so ein Ergebnis vorbereite
Die Luft im Loft war kühl und roch nach teurem Bourbon sowie den regennassen Straßen draußen. Derek stand an der Bar; die bernsteinfarbene Flüssigkeit fing das Licht ein, während er sich einschenkte. Als die Tür leise ins Schloss fiel, blickte er auf, und sein gesamtes Gesicht entspannte sich – dieses plötzliche, unbewachte Strahlen, das er immer bekam, wenn er sie sah, und das Olivia stets den Atem raubte.„Filmabend schon vorbei?“, fragte er mit warmer Stimme. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging um die Bar herum, um ihr entgegenzugehen. „Ich dachte, du übernachtest bei Isabella. Ich hatte mich mental schon auf ein kaltes Bett eingestellt.“Olivia ließ ihre Tasche mit einem dumpfen Knall auf den Tisch fallen. Sie trat in seinen Nähe und beugte sich hoch, um ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken. Seine Haut war warm und roch nach Zedernholz und dem Drink, den er gerade eingeschenkt hatte. „Dachte ich auch, aber ich war müde, also bin ich nach Hause gekommen.“„Hmmm“, seu
Olivia stieß einen Atemzug aus, den sie gefühlt ihr ganzes Leben lang angehalten hatte. Ein kleines, zittriges Lachen entkam ihren Lippen, und sie drückte eine Hand auf ihren noch flachen Bauch. Ein Baby. Ein winziges Leben – halb Derek, halb Olivia – begann in ihrem Inneren Gestalt anzunehmen.Trotz allem spülte eine warme, goldene Welle des Glücks durch sie hindurch. Das hatte sie sich schon immer gewünscht: eine echte Familie, ein Zuhause voller Liebe, so wie sie es in den Augen ihrer Eltern gesehen hatte. Doch als das erste Strahlen zu verblassen begann, trat an dessen Stelle ein kaltes Prickeln der Angst.Derek.Sie lehnte sich gegen das Waschbecken und starrte ihr Spiegelbild an. Sie hatten den Streit ums „Zusammenziehen“ gerade so überstanden. Er hatte das Thema nicht einmal mehr angesprochen, besonders weil sie immer mehr Zeit bei ihm verbrachte, und obwohl sie wusste, dass er sie mit einer beängstigenden Intensität liebte, war ein Baby … viel. Es war die ultimative Verpflicht
Nach einer kurzen, heißen Dusche, um den Staub des Arbeitstages abzuwaschen, kam er abgetrocknet aus dem Bad. Er machte sich nicht einmal die Mühe, einen Bademantel anzuziehen. Er glitt ins Bett, wo die kühlen Laken schnell warm wurden, als er sich ihr näherte. Er hob die Bettdecke an, schob seinen Körper an ihren und zog ihren Rücken fest an seine Brust. Seine Hände fanden die vertraute, umwerfende Wölbung ihrer Taille und verankerten sie an sich.Olivia bewegte sich daraufhin, da die Hitze seines Körpers wie ein stummer Alarm wirkte. Sie drehte sich leicht, ihre Stimme schwer vom Samtschleier des Schlafs. „Derek …“, stöhnte sie und wandte den Kopf ein Stück zur Seite. „Du bist zu Hause.“Als er sie sein Zuhause so nennen hörte, tat das etwas mit seiner Seele – es war genau das, was sie ihm noch vor Tagen verweigert hatte, und es jetzt zu hören, fühlte sich wie eine Krönung an. Er verstärkte seinen Griff, während seine Nase die Beuge ihres Halses streifte und er den Duft ihrer Haut e
Er stieß wieder und wieder und wieder in sie hinein, dann langte er nach vorne, fand mit seinem Finger ihre Klit und versetzte ihr einen sanften Reiz, woraufhin er spürte, wie ihre Knie ein wenig nachgaben.„Das ist deine Bestrafung“, sagte er zu ihr, und sie stöhnte auf.Die perfekte Bestrafung. Der Tod durch Erfüllung. Sie schrie erneut auf, während er den sanften Druck auf ihrer Klit aufrechterhielt, und dann kam sie mit einem von Schmerz durchzogenen Schrei der Erlösung. Auch er kam; die Lust war so akut, dass sie sich beinahe schmerzhaft anfühlte, als der Orgasmus seinen Körper erschütterte. Dann brach er keuchend auf ihrem Rücken zusammen. —------------ Das Büro war immer noch von einer nachklingenden Hitze erfüllt, doch die wilde, raubtierhafte Energie hatte sich in eine schwere, angenehme Wärme verwandelt. Fünfzehn Minuten waren vergangen, und die schwere Eichentür blieb verschlossen, um den Rest der Welt auf Abstand zu halten.Derek saß wieder auf seinem Stuhl; sein Hemd war







