Share

3

last update publish date: 2026-07-23 21:14:16

„Nur mal so nebenbei“, fügte Derek hinzu, als er ihre Reaktion sah, „ich bevorzuge definitiv die erste Variante.“

Und dann lachte Olivia. Sie lachte herzhaft. Er war wirklich charmant. Gutaussehend. Gefährlich.

Nein. Nein. Nein.

… Und außerdem, erinnerte sie sich, war sie ja bereits in einer Beziehung. Mit Jack Stewart.

__________ Derek knirschte mit den Zähnen. Die Arme vor der Brust verschränkt. Sein Körper war angespannt, als er sich gegen die Tür lehnte, hinter der sich das Badezimmer befand, das Olivia als für eine Wohnung dieser Größe und in dieser begehrten Gegend als großzügig bezeichnet hatte.

Er würde sagen: Ob begehrt oder nicht, man konnte sich definitiv Zeit sparen, wenn man seine morgendliche Toilette neben dem Zähneputzen am Waschbecken erledigte. Und die Dusche über der Badewanne – man musste schon ein Schlangenmensch sein, um sie zu benutzen. Warum bemerkte nur er diese Probleme?

Wenigstens war diese dritte Wohnung eine Verbesserung gegenüber den beiden vorherigen.  Zunächst einmal gab es Tageslicht, und kein lautes Pub oder Geschäft grenzte an.

Er beobachtete, wie sie über den offenen Wohnbereich schwärmten – das strategisch platzierte Sofa mit perfektem Blick auf den Park gegenüber und den winzigen Fernseher, der so groß wie möglich in den vorhandenen Raum passte – und biss sich auf die Zunge.

Er war sich nicht sicher, was schmerzhafter war: Die Tatsache, dass er gezwungen war, den Wagen der Maklerfirma zu nehmen, obwohl sein hochmodernes Auto bereitstand. Mal ehrlich, welchen Sinn sollte das? Absolut keinen. Oder die Tatsache, dass seine Meinung, wenn er sie denn äußerte, nichts zählte, ungeachtet dessen, was seine Schwester zuvor behauptet hatte. Oder die Tatsache, dass jede flüchtige Blicke oder Berührung der Maklerin ihn erregte. Dabei hatte sie doch so deutlich gemacht, dass das nicht passieren würde, nicht in einer Million Jahren.

Inzwischen war er an dem Punkt angelangt, an dem er sich einredete, seine kleine Schwester wäre viel eher der Typ Maklerin.  Oder besser gesagt, ihre Cocktailwahl, das Getränk, das so viel besser zu ihrem Temperament passte. Die Aufmerksamkeit, die sie Isabella schenkte, war in seinen Augen völlig übertrieben, und doch genoss seine Schwester es sichtlich.

„Na los, was meinst du?“, fragte Isabella spontan.

Beide sahen ihn erwartungsvoll an, die Haut seiner Schwester strahlte vor Freude – es gefiel ihr … wirklich sehr. Na toll. Er räusperte sich, stieß sich von der Tür ab und stellte sich zwischen sie, den Blick stets auf das Fenster und die Aussicht gerichtet.

„Es ist … nett.“ Er hatte versucht, begeistert zu klingen, doch in Wirklichkeit klang sein Kommentar lustlos und lauwarm. Komischerweise entsprach er genau seinen Gefühlen.

„Nett?“, hakte seine Schwester nach.

„Die Aussicht ist gut, die Lage günstig und –“ er zuckte mit den Achseln – „nett.“

„Und die Wohnung selbst?“

Er drehte sich um und ließ seinen Blick durch den Wohnbereich schweifen, über den Esstisch für zwei Personen und die Küchenzeile; an das Badezimmer wollte er gar nicht erst denken.

„Du musst nicht so die Stirn runzeln“, warf Isabella ein. „Davon kriegst du Falten, weißt du.“

„Du bist offensichtlich nicht beeindruckt“, bemerkte Olivia, und ein schlechtes Gewissen plagte ihn. Es lag nicht an ihrem Talent, die Wohnung zu verkaufen; sie machte ihren Job gut genug.

„Es ist nicht deine Schuld“, versicherte er ihr. „Ich will nur das Beste für Izzy, und das hier ist es nicht.“

„Warum?“

„Es ist unpraktisch.“

„Warum?“

„Was soll das denn, Izzy, du bist groß – willst du mir erklären, wie du das Badezimmer benutzen willst?“  Er streckte die Hand in die verfluchte Richtung aus, und sie runzelte die Stirn. Seine Worte schienen sie nicht zu erreichen. „Lass mich dir das zeigen …“

Er schritt ins Badezimmer und riss die Tür auf. Er tat sein Möglichstes, die kitschig-rosa Einrichtung und die Waschtischarmaturen zu ignorieren. Er wartete, bis sie erschienen, bevor er in die Badewanne stieg und sich zwischen die Glasduschwand und die schräge Wand zwängte. Er richtete sich so gut es ging auf, den Kopf leicht gesenkt, als der Duschkopf seine Schulter berührte –

„Siehst du?“

Sie sahen es sehr wohl. Ihre Augen glänzten, ihre Lippen zitterten, und dann wagten sie es, in schallendes Gelächter auszubrechen – verdammt noch mal!

Er senkte den Blick und entkam der Badewanne mit so viel Würde, wie er aufbringen konnte. „Du denkst, es ist so einfach? Versuch’s doch mal.“

„Lieber nicht“, platzte Isabella heraus, die Hand vor dem Mund, während ihre Augen immer noch tanzten.

 „Okay.“ Er sah Olivia vielsagend an und ignorierte, wie ihr amüsierter Blick ihn innerlich erhellte. Wenn sie die Wohnung so toll fand, konnte sie es ihm gefälligst beweisen. „Warum übernimmst du nicht die Ehre?“

Seine Aufforderung schien sie auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Ihr Blick huschte zwischen ihnen beiden hin und her, und ihre Professionalität siegte, als sie sagte: „Klar, könntest du das kurz halten?“

Sie drückte ihm die Mappe an die Brust und trat ins Zimmer. Ihm wurde sein Fehler sofort klar. Er hätte den beengten Raum erst verlassen sollen, bevor er sie hineinlockte, näher heran. „Kopf raus aus der Hose, Kopf raus aus der Hose, Kopf raus aus der Hose.“

„So geht das“, sagte sie mit trotzig blitzenden Augen, ihre Körper Brust an Brust – sie konnte ihm jetzt alles erzählen, und er würde es glauben. Doch zu seiner Überraschung hob sie die Hand und zog an der Duschwand. Das verdammte Ding bewegte sich auf ihn zu, als sie einen Schritt zurücktrat.  „Geh ein bisschen zurück“, befahl sie.

Zurück? Er stand schon am Rand der Toilette. Er spreizte die Beine, eine seltsam verletzliche und zugleich erotisch anziehende Position. Fasziniert beobachtete er, wie sich der Zugang öffnete und Platz für sie schuf, anmutig und mühelos, als sie hineinkletterte.

Aber, ha, der Duschkopf sah trotz ihrer Größe immer noch lächerlich aus, als er ihre Kopfspitze streifte.

„Und du kannst das hier abnehmen, dann bist du höher, so wie hier“, sagte sie, als ob sie seine Gedanken lesen könnte, und löste den Duschkopf. „Damit lässt sich auch die Badewanne super putzen.“ Sie musterte die Umgebung, aber in Wahrheit konnte er nur noch an sie denken, nass, nackt und eingeseift – nicht einmal der kränklich rosa Hintergrund konnte die Hitze unter seiner Hüfte dämpfen.

„Perfekt vorgeführt, danke, Liv.“ Seine Schwester grinste selbstgefällig. „Siehst du, großer Bruder, so geht’s.“

 „Gern geschehen“, erwiderte Olivia, sein Blick wanderte schnell wieder zu ihr und den Fantasien, die er besser nicht haben sollte. Sie setzte den Duschkopf wieder ein und warf ihm einen verstohlenen Blick durch die Glasscheibe zu. Ihre Finger erstarrten über der Armatur, ihre Augen weiteten sich einen Augenblick lang, ihre Pupillen folgten dem Beispiel – ahnte sie, was in ihm vorging? Und dann war der Moment vorbei, ein Schauer legte sich über ihr Gesicht, als sie leise hustete und den Blick abwandte.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • SCHLECHTER RUF   112

    Die zwei Wochen des turbulenten Treibens waren ein einziger Rausch aus hektischen Anrufen, Vorbereitungen und vorrangigen Verträgen gewesen, weil Derek nicht warten wollte – besonders da Olivia schwanger war –, doch als sich die schweren Eichentüren der Kapelle öffneten, versank die Welt in atemloser Stille.Olivia stand an der Schwelle, während ihre Hand leicht zitterte, als sie auf dem Arm ihres Vaters ruhte. Sie sah aus wie eine Erscheinung aus einer anderen Epoche. Ihr Kleid war eine bodenlange Empire-Kreation aus hauchzartem Seidenchiffon und Chantilly-Spitze. Das Mieder bestach durch einen tiefen V-Ausschnitt, der von zarten, schulterfreien Spitzenärmeln eingerahmt wurde, die wie Schmetterlingsflügel flatterten. Von der hohen Taille aus flossen Lagen aus plissierter Seide nach unten und ermöglichten ihr eine schwerelose, fließende Eleganz. Ihr Haar war zu einer lockeren, romantischen Hochsteckfrisur gesteckt, gehalten von einem einfachen Schleier, der wie ein Nebel hinter ihr he

  • SCHLECHTER RUF   111

    Olivia schüttelte den Kopf, während sich endlich eine einzelne Träne löste und ihre Wange hinabrollte. „Ich wollte es dir sagen. Mehr als alles andere. Als ich diese Streifen sah, war ich so glücklich, dass ich kaum atmen konnte. Aber dann … dann begann ich darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet. Für dich.“ Sie versuchte wegzusehen, aber er hielt ihren Blick fest und erlaubte ihr nicht, sich zu verstecken. „Wir haben das Gespräch übers Zusammenziehen noch nicht einmal geklärt, Derek. Und jetzt das. Ein Baby ist für immer. Es ist die ultimative Verantwortung. Ich wusste nicht, ob du …“ Sie ließ den Satz unvollendet.„Ob ich was, Liv?“, war Dereks Stimme nun sanfter, erfüllt von einer schmerzlichen Zärtlichkeit, die sie so an ihm noch nie erlebt hatte.„Ich wusste nicht, ob du es wollen würdest … Ob du dich darüber freuen würdest“, gestand sie mit brüchiger Stimme. „Ich weiß, dass wir in letzter Zeit leichtsinnig waren, aber ich wusste nicht, ob du auf so ein Ergebnis vorbereite

  • SCHLECHTER RUF   110

    Die Luft im Loft war kühl und roch nach teurem Bourbon sowie den regennassen Straßen draußen. Derek stand an der Bar; die bernsteinfarbene Flüssigkeit fing das Licht ein, während er sich einschenkte. Als die Tür leise ins Schloss fiel, blickte er auf, und sein gesamtes Gesicht entspannte sich – dieses plötzliche, unbewachte Strahlen, das er immer bekam, wenn er sie sah, und das Olivia stets den Atem raubte.„Filmabend schon vorbei?“, fragte er mit warmer Stimme. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging um die Bar herum, um ihr entgegenzugehen. „Ich dachte, du übernachtest bei Isabella. Ich hatte mich mental schon auf ein kaltes Bett eingestellt.“Olivia ließ ihre Tasche mit einem dumpfen Knall auf den Tisch fallen. Sie trat in seinen Nähe und beugte sich hoch, um ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken. Seine Haut war warm und roch nach Zedernholz und dem Drink, den er gerade eingeschenkt hatte. „Dachte ich auch, aber ich war müde, also bin ich nach Hause gekommen.“„Hmmm“, seu

  • SCHLECHTER RUF   109

    Olivia stieß einen Atemzug aus, den sie gefühlt ihr ganzes Leben lang angehalten hatte. Ein kleines, zittriges Lachen entkam ihren Lippen, und sie drückte eine Hand auf ihren noch flachen Bauch. Ein Baby. Ein winziges Leben – halb Derek, halb Olivia – begann in ihrem Inneren Gestalt anzunehmen.Trotz allem spülte eine warme, goldene Welle des Glücks durch sie hindurch. Das hatte sie sich schon immer gewünscht: eine echte Familie, ein Zuhause voller Liebe, so wie sie es in den Augen ihrer Eltern gesehen hatte. Doch als das erste Strahlen zu verblassen begann, trat an dessen Stelle ein kaltes Prickeln der Angst.Derek.Sie lehnte sich gegen das Waschbecken und starrte ihr Spiegelbild an. Sie hatten den Streit ums „Zusammenziehen“ gerade so überstanden. Er hatte das Thema nicht einmal mehr angesprochen, besonders weil sie immer mehr Zeit bei ihm verbrachte, und obwohl sie wusste, dass er sie mit einer beängstigenden Intensität liebte, war ein Baby … viel. Es war die ultimative Verpflicht

  • SCHLECHTER RUF   108

    Nach einer kurzen, heißen Dusche, um den Staub des Arbeitstages abzuwaschen, kam er abgetrocknet aus dem Bad. Er machte sich nicht einmal die Mühe, einen Bademantel anzuziehen. Er glitt ins Bett, wo die kühlen Laken schnell warm wurden, als er sich ihr näherte. Er hob die Bettdecke an, schob seinen Körper an ihren und zog ihren Rücken fest an seine Brust. Seine Hände fanden die vertraute, umwerfende Wölbung ihrer Taille und verankerten sie an sich.Olivia bewegte sich daraufhin, da die Hitze seines Körpers wie ein stummer Alarm wirkte. Sie drehte sich leicht, ihre Stimme schwer vom Samtschleier des Schlafs. „Derek …“, stöhnte sie und wandte den Kopf ein Stück zur Seite. „Du bist zu Hause.“Als er sie sein Zuhause so nennen hörte, tat das etwas mit seiner Seele – es war genau das, was sie ihm noch vor Tagen verweigert hatte, und es jetzt zu hören, fühlte sich wie eine Krönung an. Er verstärkte seinen Griff, während seine Nase die Beuge ihres Halses streifte und er den Duft ihrer Haut e

  • SCHLECHTER RUF   107

    Er stieß wieder und wieder und wieder in sie hinein, dann langte er nach vorne, fand mit seinem Finger ihre Klit und versetzte ihr einen sanften Reiz, woraufhin er spürte, wie ihre Knie ein wenig nachgaben.„Das ist deine Bestrafung“, sagte er zu ihr, und sie stöhnte auf.Die perfekte Bestrafung. Der Tod durch Erfüllung. Sie schrie erneut auf, während er den sanften Druck auf ihrer Klit aufrechterhielt, und dann kam sie mit einem von Schmerz durchzogenen Schrei der Erlösung. Auch er kam; die Lust war so akut, dass sie sich beinahe schmerzhaft anfühlte, als der Orgasmus seinen Körper erschütterte. Dann brach er keuchend auf ihrem Rücken zusammen. —------------ Das Büro war immer noch von einer nachklingenden Hitze erfüllt, doch die wilde, raubtierhafte Energie hatte sich in eine schwere, angenehme Wärme verwandelt. Fünfzehn Minuten waren vergangen, und die schwere Eichentür blieb verschlossen, um den Rest der Welt auf Abstand zu halten.Derek saß wieder auf seinem Stuhl; sein Hemd war

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status