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Kapitel 2: Keine Diskussion.

last update publish date: 2026-09-25 02:51:35

Viella nahm das Dokument vom Tisch und starrte darauf. Ihre Sicht verschwamm, während sich Tränen in ihren Augen sammelten. Sie nahm einen Stift vom Tisch, ihre Hände zitterten darum.

‚Muss ich das wirklich tun?‘, dachte sie bei sich, während sie den Griff um den Stift fester schloss.

Sie führte den Stift näher an das Papier, um das Dokument zu unterschreiben, hielt jedoch inne und senkte den Stift langsam wieder auf den Tisch.

Sie hob den Kopf und sah ihre Eltern an. Sie sah ihre Mutter an, die ihre Tränen mit den Ärmeln ihrer Bluse abwischte, bevor ihr Blick schließlich auf ihrem Vater ruhte.

„Papa.“ Sie rief ihn mit gebrochener Stimme … „Wenn ich das tue, versprich mir, dass du mich nie wieder um etwas bittest.“

„Viella …“, stammelte ihr Vater.

„Nenn meinen Namen nicht. Bitte, versprich es mir einfach“, sagte sie unter Tränen.

Ihr Vater sagte nichts. Er sah nur weg, unfähig, ihrem Blick standzuhalten.

Viella schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, unfähig, die Tränen aufzuhalten, die über ihr Gesicht liefen.

„Also war es das? Du wirst mich wirklich dazu bringen, das zu tun?“

Viella wischte ihre Tränen mit der Handfläche ab und atmete tief ein.

„Ich brauche nur dein Versprechen, dass du mich nie wieder um etwas bittest.“

Ihr Vater sah sie schließlich an. Er versprach es ihr nicht und sagte auch nichts. Er nickte nur und sah wieder weg.

Sie nahm den Stift wieder vom Tisch.

Ihre Hand zitterte, als sie ihren Namen unten auf der Seite unterschrieb. Die Buchstaben wirkten krakelig, überhaupt nicht wie ihre gewöhnliche Handschrift. Als sie das Dokument ablegte, beobachtete Davian sie bereits mit verschränkten Armen und einem unergründlichen Gesichtsausdruck.

„Braves Mädchen“, sagte er.

„Nenn mich nicht so …“ Sie hob die Hände und platzte damit heraus, bevor sie sich zurückhalten konnte. „Nenn mich nicht so.“

Er antwortete ihr nicht. Er schnaubte nur und sah sie amüsiert an. Dann nickte er einem seiner Männer zu, der das Dokument vom Tisch nahm und wieder in die Ledermappe legte.

„Heute Abend wird ein Auto geschickt“, sagte Davian, während er seinen Mantel richtete. Er sah die Familie noch einmal an, bevor er ging, während seine Leibwächter ihm folgten.

„Heute Abend“, dachte Viella bei sich.

Sie hatte mit Tagen oder sogar Wochen gerechnet, um sich von dem einzigen Leben zu verabschieden, das sie je gekannt hatte. Stattdessen hatte sie zwei Stunden Zeit, ihre Tasche zu packen und das Haus ihrer Eltern einfach so zu verlassen. Etwas, woran sie nicht ein einziges Mal gedacht hatte und von dem sie nie geglaubt hatte, dass es passieren würde. Doch das Leben hatte ein unfaires Spiel mit ihr gespielt, und sie hatte keine Wahl.

Das Auto kam pünktlich um acht Uhr. Es war ein schwarzer, eleganter Mercedes-Benz, wahrscheinlich das neueste Modell. Viella stand mit einem einzigen Koffer in der Tür und sah zu ihrer Mutter zurück, wohl wissend, dass dies vielleicht das letzte Mal sein könnte, dass sie sie sah.

„Ich werde mir Zeit nehmen, um dich zu besuchen“, sagte sie, obwohl sie selbst nicht daran glaubte.

Ihre Mutter zog sie in ihre Arme und schluchzte.

Die Fahrt zu Davians Anwesen verlief schweigend.

Viella lehnte ihren Kopf gegen das Autofenster, völlig in Gedanken versunken.

‚Einfach so wurde ich zu einem völlig Fremden geschickt. Alles dank meines rücksichtslosen Vaters.‘

Viella schniefte die Tränen zurück, die ihr Gesicht hinunterzulaufen drohten, und konzentrierte sich auf die Straße.

Die Fahrt dauerte fast eine Stunde, bevor sie an seinem riesigen Haus ankamen.

Viella fand, dass man es nicht einmal ein Haus nennen konnte, sondern eher eine Villa.

Es sah aus wie aus einem Film. Der Boden und die Wände waren mit Marmor bedeckt, die hohen Fenster waren sogar größer als die im Wohnzimmer ihres Vaters. Das Personal stand bereits draußen in einer Reihe und wartete.

Sie betrachtete das Gebäude voller Bewunderung und holte tief Luft.

‚Ist das jetzt also mein Leben? Werde ich nicht mehr zu meinen Eltern zurückkehren?‘

Sie hatte kaum Zeit, alles zu bewundern, bevor sie bereits durch die Eingangstüren geführt wurde, und dort sah sie ihn in etwas stehen, das wie ein Arbeitszimmer aussah, neben einem Mann in einem dunklen Anzug, der eine Ledermappe in der Hand hielt.

„Das ist Rozen“, sagte Davian.

„Er kümmert sich um rechtliche Angelegenheiten.“

„Rechtliche Angelegenheiten?“, wiederholte Viella und hob eine Augenbraue, als wollte sie fragen, was diese Information mit ihr zu tun hatte.

„Die Ehe …“ Rozen öffnete die Mappe, die er mitgebracht hatte, und legte die Seiten über den Schreibtisch. „Sie muss bis heute Abend offiziell sein. Also brauche ich deine Unterschrift und seine.“

Viellas Magen zog sich zusammen. „Warte … was …? Heute Abend? Wir heiraten heute Abend?“

„Du hast die Vereinbarung zur Begleichung der Schulden unterschrieben“, sagte Davian gleichgültig. „Das zu unterschreiben bedeutet, dass du mit mir verheiratet bist. Du musst diese Dokumente unterschreiben, damit es offiziell wird.“ Er zeigte auf die Papiere auf dem Tisch.

„Ich dachte …“ Sie wusste nicht einmal, was sie gedacht hatte. Dass es Zeit für sie geben würde, alles zu verarbeiten, was passiert war.

„Ich brauche einen Moment“, flehte sie.

„Den hast du nicht“, antwortete er mit einem entschlossenen Blick.

Viella sah Davian weiterhin mit flehenden Augen an, als würde sie hoffen, seine Meinung ändern zu können.

Doch als sie erkannte, dass es keinen Ausweg gab und Davian nicht bereit war, ihr zuzuhören, unterschrieb sie die Papiere.

Welche Wahl hatte sie überhaupt? Ihr Vater hatte ihr Leben bereits aufs Spiel gesetzt, indem er von ihm einen Kredit aufgenommen hatte.

Nun war sie diejenige, die die Konsequenzen seiner Handlungen tragen musste.

Nachdem sie fertig unterschrieben hatte, unterschrieb Davian ohne zu zögern.

Es gab keinen Priester, kein weißes Kleid, keine Musik. Nur sie und ein Fremder, den sie nicht kannte, die einige verdammte Papiere unterschrieben, und nun würde dieser Fremde ihr Ehemann sein.

„Ihr Ehemann.“ Allein der Gedanke an dieses Wort ließ sie beinahe würgen.

Dann wanderten ihre Gedanken zu Tylo, ihrem Verlobten.

Tylo, der ihr im Frühling einen Ring an den Finger hätte stecken sollen. Der Mann, der ihr an einem mit Familienmitgliedern und Gratulanten gefüllten Altar gegenüberstehen sollte, während sie ihre Gelübde ablegten.

Tylo, der keine Ahnung hatte, dass all dies geschah. Er dachte wahrscheinlich, dass sie noch zu Hause bei ihrer Familie war und auf den Tag ihrer Hochzeit wartete.

„Würde er es später herausfinden? Wird es ihm jemand erzählen?“

Der Gedanke ließ ihre Brust schmerzen.

Sie hatte keine Zeit, all das zu verarbeiten, als sie sich wieder in die Realität zurückholte und beobachtete, wie der Anwalt die Papiere wieder in die Mappe legte.

„Komm“, sagte Davian. „Ich zeige dir dein Zimmer.“

Viella folgte ihm eine sehr breite Treppe hinauf, auf der gleichzeitig zehn Menschen hätten gehen können, bis sie eine Tür am Ende eines langen Flurs erreichten. Er öffnete die Tür. Und darin befand sich ein Zimmer, das größer war als ihr gesamtes Haus zu Hause, ein Bett mit Seidenlaken und ein Kleiderschrank, der bereits mit Designerkleidung gefüllt war, die sie in ihren gesamten dreiundzwanzig Lebensjahren noch nie getragen oder gesehen hatte.

„Ich verstehe das nicht.“ Sie drehte sich zu ihm um und sah ihn an. „Ist das vorübergehend? Werde ich nach Hause gehen, sobald sich die Dinge beruhigt haben?“

Davian hielt ihren Blick lange fest und sah sie mit einem Ausdruck an, den sie nicht deuten konnte.

„Du lebst jetzt hier“, sagte er. „Ab heute Abend. Und bitte stell mir keine weiteren Fragen.“

Er drehte sich um und ging davon, bevor sie ein weiteres Wort sagen konnte, und ließ sie allein in einem Zimmer zurück, das nicht ihres war, in einem Leben, das nicht ihres war, verheiratet mit einem Mann, den sie seit weniger als einem Tag kannte.

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