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KAPITEL 87 : DIE WOHNUNG IN MONTMARTRE

Author: Déesse
last update publish date: 2026-04-08 23:27:00

Ich zögere. Matthias? Nein. Er sagte allein.

»Gut. Gib mir deine Adresse.«

Er schickt sie mir per Nachricht. Montmartre. Natürlich. Das Viertel der Künstler. Das Viertel von Raphaël.

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Seine Wohnung liegt im obersten Stockwerk eines alten Hauses, mit engen Treppen und einem kleinen Innenhof. Die Tür öffnet sich, bevor ich klopfen kann. Er steht da, in zerrissenen Jeans, nackt unter einem offenen Hemd, die Ha

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    Ich zögere. Matthias? Nein. Er sagte allein.»Gut. Gib mir deine Adresse.«Er schickt sie mir per Nachricht. Montmartre. Natürlich. Das Viertel der Künstler. Das Viertel von Raphaël.---Seine Wohnung liegt im obersten Stockwerk eines alten Hauses, mit engen Treppen und einem kleinen Innenhof. Die Tür öffnet sich, bevor ich klopfen kann. Er steht da, in zerrissenen Jeans, nackt unter einem offenen Hemd, die Haare zerzaust, violette Ringe unter den Augen.»Komm rein.«Ich trete ein. Sein Loft ist wunderschön. Hell. Überall Leinwände, an den Wänden, auf dem Boden, auf Staffeleien. Bunte Farben, abstrakte Formen, Gesichter. Viele Gesichter. Und plötzlich erkenne ich meines. Eine Leinwand, dort in einer Ecke. Mein Gesicht. Meine Augen. Meine Lippen. Mit liebevoller Genauigkeit gemalt.»Du …«»Ich weiß. Ich mal

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    Raphaël schüttelt den Kopf. Er sieht schockiert aus, aber nicht so sehr, wie er sollte. Nicht so sehr, wie ich erwartet hätte.»Das ist verrückt. Das ist völlig verrückt.«»Ich weiß.«»Und wenn sie Nein sagt?«»Respektieren wir es. Leiden wir. Versuchen wir, ohne sie weiterzuleben.«»Glaubst du, das ist möglich? Ohne sie zu leben?«Ich sehe ihn an. Wirklich. Zum ersten Mal sehe ich meinen Bruder. Nicht den Feind. Nicht den Rivalen. Den Mann, der dieselbe Frau liebt wie ich.»Nein. Das glaube ich nicht.«Er nickt. Eine langsame Bewegung. Ergeben.»Dann versuchen wir es.«»Was?«»Wir versuchen es. Wir machen ihr einen Vorschlag. Gemeinsam. Beide. Wenn sie will. Wenn sie sich traut. Wenn sie bereit ist.«Ich sehe ihn ungläubig an.

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    Matthias’ Stimme. Ruhig. Eisig. Raphaël sieht ihn an, wütend. Dann setzt er sich wieder. Weil es Matthias ist. Weil man Matthias immer gehorcht.»Maître Delcourt«, sagt Matthias, »wir brauchen Zeit, um das zu verdauen. Können wir Kopien des Testaments bekommen und darüber nachdenken?«»Selbstverständlich, Matthias. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Aber denken Sie daran: Sie haben ein Jahr. Nicht einen Tag länger.«Er gibt uns Umschläge. Ich nehme meinen, ohne ihn anzusehen. Meine Hände zittern.Wir verlassen die Kanzlei. Auf dem Flur bleibe ich stehen. Ich lehne mich an die Wand. Ich bekomme keine Luft.»Alles in Ordnung?«, fragt Raphaël, die Hand auf meiner Schulter.»Nein. Nein, es ist nicht in Ordnung. Dein Vater war verrückt.«»Vielleicht. Oder vielleicht wusste er etwas, das wir

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    ChloéDie Kanzlei des Notars befindet sich im 16. Arrondissement. Ein Haussmann’sches Gebäude, Stuck an der Decke, Mahagonimöbel, eine drückende Stille. Ich bin als Erste gekommen. Mit Absicht. Um nicht mit ihnen zusammen hereinkommen zu müssen. Um mich vorzubereiten.Maître Delcourt ist ein Mann um die Siebzig, klein, rundlich, mit Halbmondbrille und einer Stimme wie ein Pastor. Er hat vierzig Jahre lang für die Familie Delacroix gearbeitet. Er hat Matthias und Raphaël aufwachsen sehen und mich kommen sehen. Er kennt alle Geheimnisse. Er wird sie niemals preisgeben.»Mademoiselle Chloé«, sagt er und nimmt meine Hände. »Ich bin aufrichtig betroffen von Ihrem Verlust. Auguste liebte Sie sehr.«»Ich weiß. Danke, Maître.«Er lässt mich auf einem Stuhl mit rotem Samtbezug Platz nehmen. Ich richte mein Kleid. Wieder schwarz. Heute kürzer. Enger. Warum? Ich weiß es nicht. Für wen?Die Tür öffnet sich. Matthias tritt ein.Er trägt einen dunkelgrauen Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte. Ich se

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  • Scharf heiß 2   Kapitel 31: Der Exorzismus 2

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