LOGIN**Kapitel 2: Der erste Blutmond**
Das Morgenlicht fiel durch die Vorhänge in Elaras Schlafzimmer und warf Schatten auf den Boden. Elara wachte plötzlich auf. Ihr ganzer Körper tat weh. Es fühlte sich an, als wäre sie die ganze Nacht lang gerannt.
Sie erinnerte sich daran, was in jener Nacht passiert war. Es war alles sehr schmerzhaft gewesen. Sie hatte Augen gesehen, die im Spiegel leuchteten. Sie hatte ein Heulen gehört. Es klang, als käme es aus ihrem eigenen Körper.
Elara setzte sich im Bett auf und rieb sich den Kopf. Sie versuchte sich einzureden, dass es ein Albtraum war. Vielleicht lag es daran, dass sie zu viel Kaffee getrunken hatte. Vielleicht, weil sie vor dem Schlafengehen in den Tagebüchern gelesen hatte. Sie wollte glauben, dass es ein Traum war.
Die Kratzer an ihren Armen erzählten jedoch eine andere Geschichte. Es waren rote Kratzer, und sie sahen aus, als hätte sie sich selbst verletzt. Das hatte sie auch. Sie zog sich schnell an und ging nach unten. Sie wollte die Dinge, die geschehen waren, vergessen, indem sie sich mit Arbeit ablenkte. Die Küche sah so aus, wie sie sie hinterlassen hatte. Die Hintertür war nicht ganz geschlossen. Auf den Fliesen war Schlamm. Es sah aus, als wäre jemand von draußen hereingekommen. War sie nach draußen gegangen? Und dann wieder hinein? Normalerweise vergaß sie keine Dinge. Sie hatte keine Blackouts. Das war nicht ihre Art.
Bei der *Gazette* legte Harlan einen Stapel Berichte auf ihren Schreibtisch. Er sagte: „Wir haben Informationen über die Angriffe. Diesmal war das Opfer ein Wanderer. Sie haben diesen Wanderer in der Nähe des Ortes gefunden, an dem Sie wohnen.“
Elaras Magen zog sich zusammen. „Ist es in der Nähe meines Hauses?“
Der Sheriff will das geheim halten. Ich muss an die Informationen gelangen. Der Sheriff versucht, die Sache unter Verschluss zu halten. Ich muss die Details irgendwoher bekommen. Ich möchte unbedingt wissen, was der Sheriff verbirgt, also werde ich versuchen herauszufinden, was mit dem Sheriff los ist.
Sie verbrachte den Tag damit, mit Leuten zu sprechen, die etwas gesehen hatten, um herauszufinden, was passiert war. Der Wanderer war völlig zerfetzt aufgefunden worden, wobei einige Körperteile fehlten, als hätte etwas davon gegessen. Die Leute in der Stadt redeten von Unglück und Flüchen, aber niemand wusste so recht, was er glauben sollte. Als es dunkel wurde, war sie erschöpft. Sie wollte mehr wissen, also ging sie zu Elder Miriam in deren Hütte. Maya hatte ihr erzählt, dass Elder Miriam alle Geschichten über die Stadt kannte.
Der Weg zu Miriams Hütte war völlig zugewachsen; Ranken und Gestrüpp hingen über den Pfad.
Miriams Hütte war aus Baumstämmen gebaut. Sie war mit vielen Traumfängern und geschnitzten Figuren behangen.
Als ich an die Tür kam, öffnete Miriam. Ihr Gesicht war voller Falten, ihr Haar war silbern und ihre Augen waren sehr scharf, wie die Augen eines Falken – Miriams Augen waren sehr durchdringend.
Die Frau sagte: „Du bist das Voss-Mädchen.“ Sie fragte nicht, sie stellte es fest. „Komm herein. Ich habe das Voss-Mädchen bereits erwartet.“
Im Inneren des Hauses war die Luft schwer vom Geruch von Kräutern und Weihrauch. Miriam kochte Tee. Sie tat dies sehr langsam und bedächtig. Sie sagte: „Deine Eltern kamen einmal zu mir. Sie wollten über das Familienproblem sprechen.“
Elara beugte sich vor. „Was ist das für ein Leiden? Ich habe diese Tagebücher gelesen. Sie sprachen von Blutrufen. Was bedeutet das überhaupt?“
Miriam seufzte. „Der Mondfluch ist ein Problem. Er wird seit langer Zeit von Generation zu Generation weitergegeben. Wenn der Mond voll ist, erwacht das Biest in dir. Du wirst stark und schnell. Der Mondfluch nimmt dir etwas Wichtiges: die Kontrolle über dein Handeln. Mit dem Mondfluch ist nicht leicht zu leben.“
Elara lachte trocken. „Werwölfe sind Dinge aus Geschichten für Kinder. Das ist nicht real.“
Miriam sah mich mit einem bestimmten Gesichtsausdruck an. Sie sagte, dass Märchen auf Dingen basieren, die tatsächlich passiert sind. Miriam erzählte mir, dass meine Eltern versucht hatten, gegen etwas anzukämpfen. Der Wald hat sie sich geholt.
Diese Worte trafen Elara hart. Sie erinnerte sich an den „Unfall“. Das Auto war völlig zertrümmert und die Leichen waren nirgends zu finden. Elara dachte darüber nach. Dann fragte sie: „Glauben Sie, dass die Leute bei dem Unfall... sich tatsächlich in etwas anderes verwandelt haben?“
Darum geht es. Ein Rudelführer wollte unbedingt ihr Territorium haben. Darius Kane ist derjenige, der das Sagen hat. Darius Kane ist jetzt der Alpha. Darius Kane herrscht über die Schatten.
Elaras Kopf drehte sich. Das war vollkommen verrückt. Sie konnte den Schmerz der letzten Nacht und diese Augen nicht vergessen. Sie musste es unbedingt wissen und fragte: „Wie stoppe ich den Schmerz und die Augen?“
Man hört nicht auf, mit diesem Gefühl umzugehen. Man lernt, damit zu leben. Kräuter können das Gefühl abschwächen und Rituale können hilfreich sein. Wenn du versuchst, das Gefühl zu lange zu ignorieren, wird es dein Leben übernehmen. Kräuter und Rituale können nur bis zu einem gewissen Grad helfen, und du musst aufpassen, dass das Gefühl nicht die Kräuter, die Rituale, dich und dein ganzes Leben verschlingt – all das, wofür Kräuter und Rituale eigentlich gedacht sind, nämlich dir zu helfen.
Elara verließ die Hütte mit einem Beutel getrockneter Blätter, aus denen sie Tee zubereiten wollte. Sie fühlte sich sehr unsicher. Ich habe ein wenig Angst. Als sie nach Hause fuhr, klingelte ihr Handy. Es war Maya. Maya wollte, dass Elara mit ihr ausgeht und etwas trinken geht. Die Nachricht auf dem Handy lautete: „Ich muss abschalten“, und Elara dachte an die getrockneten Teeblätter, die sie bei sich hatte.
Elara war im *The Howling Wolf*, einer coolen Bar, die nicht sehr hell erleuchtet war. Sie fand es ironisch, dass sie *The Howling Wolf* hieß. Elara und ihre Freundin Maya hingen dort ab, tranken Bier und unterhielten sich. Maya ist eine gute Freundin. Sie ist immer fröhlich und ehrlich. Im Laufe des Abends sah Elara einen Mann, den sie nicht kannte. Er war sehr groß. Ich hatte breite Schultern. Er hatte dichtes Haar und sehr blaue Augen. Der Mann saß alleine da und trank Whiskey. Er wirkte wie jemand Wichtiges, jemand, den man bemerken sollte. Elara bemerkte, dass es im *The Howling Wolf* lauter wurde. Sie konnte ihren Blick nicht von dem Mann abwenden. Der Mann im *The Howling Wolf* war interessant, dachte Elara.
„Wer ist das?“, fragte Elara.
Maya sah hinüber. Sie sagte, der neue Typ heißt Thorne. Er mietet die Miller-Hütte. Maya glaubt, Thorne sei Fotograf. Maya findet, Thorne wirke wie ein sehr ruhiger und geheimnisvoller Mensch.
Thornes Augen trafen Elaras Blick. Es war wie ein elektrischer Schlag für ihren Körper. Es fühlte sich nicht wie Angst an, es fühlte sich an, als würde etwas in ihr summen. Sie wandte den Kopf ab und versuchte, sich auf Maya zu konzentrieren, doch jetzt waren ihre Sinne extrem geschärft. Sie konnte Thornes Herzschlag von der anderen Seite des Raumes hören. Sie konnte den Geruch von Thornes Aftershave wahrnehmen, vermischt mit dem Geruch von Erde.
Als sie später gehen wollten, kam Thorne auf die Reporterin zu. „Du bist die Reporterin, die nach den Angriffen fragt.“
Elara nickte langsam und vorsichtig. „Wer bist du?“
„Thorne Blackwood. Ich glaube, ich habe einige Informationen, die du kennen musst. Wir sollten uns morgen am Waldrand treffen.“
Bevor sie etwas sagen konnte, verschwand er in der Nacht. Maya stieß sie an. „Dieser Typ ist wirklich geheimnisvoll, nicht wahr? Du musst vorsichtig bei ihm sein“, sagte Maya zu ihr.
Elara kochte Miriams Tee. Er war bitter. Er half, Elaras Nerven zu beruhigen. Als Mitternacht näher rückte, sah der Mond wieder sehr groß aus. Elara begann Schmerzen zu spüren. Es begann als ein Ziehen in ihren Gelenken. Der Schmerz wurde immer schlimmer, bis er kaum noch auszuhalten war. Elara versuchte dagegen anzukämpfen und hielt sich an der Küchenzeile fest. Alles verschwamm. Ihre Hände sahen sogar seltsam aus, als würden sie länger werden. Elara hielt sich immer noch am Tresen fest. Der Schmerz in ihren Gelenken setzte ihr zu, und ihr Blick auf den Tee und alles andere wurde unscharf. Der Schmerz war groß, der Mond war riesig. Elara kämpfte, doch Miriams Tee half ihr jetzt kaum noch.
„Nein“, dachte sie, „das kann nicht real sein.“
Die Verwandlung geschah schnell. Ihr Fell begann zu wachsen. Ihre Muskeln wurden kräftiger. Ein lautes Knurren drang aus ihrem Mund. Als sie in Wolfsgestalt war, schien alles real. Die Farben waren super hell. Die Gerüche waren extrem intensiv. Sie rannte aus der Tür in den Wald und fühlte sich absolut frei. Die Freiheit, ein Wolf zu sein, war ein Gefühl, das durch ihre Adern strömte. Sie war ein Wolf. Sie liebte das Gefühl von Freiheit, das damit einherging.
Die Zeit verging wie im Flug und alles fühlte sich großartig an: Ich rannte hinter Kaninchen her. Heulte die Sterne an. Dann roch ich etwas: einen Menschen, jemanden, den ich kannte. Thorne stand zwischen den Bäumen, eine Armbrust in den Händen.
Ihre Augen trafen sich, und ihr Wolf wusste, dass dieser Mensch eine Bedrohung war. Der Mann feuerte seine Waffe ab, und die Kugel streifte nur ganz knapp ihre Flanke.
Der Schmerz riss sie zurück. Dann übernahm die Wut den Schmerz. Die Frau spürte, wie ihr Körper sich zum Kampf bereit machte. Sie stürzte mit gefletschten Zähnen auf sie zu, bereit, die Menschen anzugreifen, die sie verletzt hatten. Die Wut machte sie darauf aus, ihnen Schmerz zuzufügen.
Und in diesem Moment antwortete ein tieferes Heulen aus der Dunkelheit und kam näher.
Kapitel 115: Die Geschichte, die nicht endet~ ★ ~Zehn Jahre.Elara Voss stand am Morgen des zehnten Jahrestages ihrer Rückkehr nach Silberbach an der Gedenkstätte, und das Oktoberlicht war dasselbe Licht wie am Morgen des ersten Jahrestages, dieselbe tief stehende Klarheit eines Herbstes im Pazifischen Nordwesten, und alles andere war anders, auf die Art, wie Dinge anders sind, nachdem man zehn Jahre wirklich in ihnen gelebt und sie nicht nur bewohnt hat.Sie war achtunddreißig Jahre alt. Sie war seit einem Jahrzehnt die Hüterin, und sie spürte das Jahrzehnt in der Tiefe des Bundes so, wie man die Jahre in einer Beziehung spürt, die durch alles, was die Zeit bringt, aufrechterhalten wurde: nicht als Anhäufung von Gewicht, sondern als Anhäufung von Tiefe, die Beziehung reicher und vollständiger für alles, was sie durchgemacht hatte, als sie es ohne das Durchmachen hätte sein können.Das Rudel zählte nun einunddreißig Wölfe. Die Hinzufügungen des neunten und zehnten Jahres waren über
Kapitel 114: Miras erste Worte an den Bund~ ★ ~Mira war vier Jahre und drei Monate alt, als sie die Worte sprach.Nicht die Worte im alten Dialekt, die Elara von Miriam gelernt hatte und die Adaeze sie zu verfeinern gelehrt hatte, die formelle Anrede der Hüterin an den Bundesgrund. Nicht die Sprache der Ältestenlinie, die überhaupt nicht primär gesprochen wurde. Etwas, das Miras eigen war, was vielleicht das Bedeutsamste daran war: die spezifische Form der Anrede, die ein Kind aus dem entwickelt hatte, was es in der Verbindung des Bundes wahrnahm, bevor es überhaupt einen bewussten Rahmen für das hatte, was es wahrnahm.Sie waren an einem Samstagmorgen an der Gedenkstätte, die drei, Elara und Mira und Thorne, der regelmäßige Wochenendbesuch der Familie am Herzen des Bundes, der seit Miras vierzehntem Lebensmonat Teil ihres Lebens war und den sie so selbstverständlich aufnahm wie den Rudelsinn und die verstärkten Sinne des Wolfes, beides hatte sie ohne Schwierigkeiten bewohnt, seit s
Kapitel 113: Der zehnte Wolf des Rudels~ ★ ~Marcus war seit sieben Jahren das operative Zentrum des Rudels, und er war sechsunddreißig Jahre alt, und die spezifische Qualität, die er im achten Jahr von Elaras Hüterschaft trug, war die Qualität von jemandem, der etwas lange genug getan hatte, um vollständig zu dem geworden zu sein, was das Tun erforderte, ohne im Werden irgendetwas von der wesentlichen Person zu verlieren, die vor Beginn des Tuns dagewesen war.Sie hatte beobachtet, wie sich diese Qualität in ihm seit den ersten Monaten des Rudels entwickelt hatte, der ehemalige Darius-Loyalist, der gegenüber der neuen Führung am vorsichtigsten gewesen war und der durch die fortwährende Beweiskraft dessen, was die neue Führung war, zu ihrem verlässlichsten operativen Ausdruck geworden war. Er hatte sich nicht im Sinne von jemand anderem verändert. Er war tiefer geworden im Sinne dessen, dass er vollständiger zu dem wurde, was er war, die spezifische Tiefe, die aus Jahren echter Arbei
Kapitel 112: Das Netzwerk steht allein~ ★ ~Im April des siebten Jahres erkrankte Elara.Nicht dramatisch. Nicht mit der krisenhaften Qualität, die die volle Aufmerksamkeit des Rudels und die defensive Reaktion des Bundes und die Besorgnis des regionalen Netzwerks mobilisiert hätte. Sie erkrankte auf die gewöhnliche Art von Menschen, die über einen längeren Zeitraum mit voller Kapazität gelaufen sind und deren Körper schließlich die Rechnung präsentieren: ein Fieber, das an einem Dienstag kam und vier Tage lang nicht weichen wollte, eine Erschöpfung, die dem Fieber folgte und vollständiger war als jede Müdigkeit, die sie seit den ersten Wochen von Miras erstem Jahr gespürt hatte, ein allgemeiner Rückzug von den Anforderungen der Welt, den die Heilung des Wolfes bis zu einem gewissen Grad beschleunigen, aber nicht völlig verhindern konnte.Sie lag eine Woche lang im Bett. Das war die erste Woche in sieben Jahren, in der sie nicht das primäre operative Zentrum dessen gewesen war, was d
Kapitel 111: Victors letzter Brief~ ★ ~Der Brief kam an einem Dienstag im Februar, im siebten Jahr, und er unterschied sich von jedem Brief, der ihm vorausgegangen war. Nicht in der Handschrift, die dieselbe präzise Schrift war, die sie als spezifisch seine erkennen gelernt hatte, die Hand eines Mannes, der alles an sich selbst nach demselben Maßstab der Bedachtsamkeit geschult hatte. Nicht im Übermittlungsweg, immer noch über Adaeze, immer noch die alte und sichere Route der Ältestenlinie, die sie aus Gewohnheit beibehalten hatten, lange nachdem das Sicherheitsrisiko, das sie etabliert hatte, weitgehend gelöst war.Er unterschied sich in dem, was er enthielt, das kein Bericht war, kein Vorschlag, keine Bitte und keine Antwort. Es war ein Ende. Nicht sein Ende, Victor war einundfünfzig Jahre alt und bei guter Gesundheit und hatte, soweit sie das beurteilen konnte, vor, die Arbeit, die er tat, für den Rest eines langen Lebens fortzusetzen. Sondern das Ende des spezifischen Prozesses
Kapitel 110: Was bleibt~ ★ ~In der letzten Woche des sechsten Jahres durchquerte Elara das Territorium allein in den frühen Morgenstunden, eine Praxis, die sie seit dem Anfang beibehalten hatte – der wöchentliche Solo-Spaziergang, der die direkteste Form der Hüterin war, dem Zustand des Landes Aufmerksamkeit zu schenken. Sechs Jahre wöchentlicher Spaziergänge hatten ihr ein Wissen über die jahreszeitlichen Zyklen des Territoriums vermittelt und über seine spezifischen Reaktionen auf die verschiedenen Belastungen, denen es ausgesetzt gewesen war, und über die spezifische Qualität dessen, wie es sich anfühlte, wenn es gesund war und wenn nicht – ein Wissen, das keine noch so große Wahrnehmung des Bundes hätte hervorbringen können ohne das direkte, verkörperte Wissen, wiederholt mit voller Aufmerksamkeit dort gewesen zu sein.Das Territorium war gesund. Sie spürte dies mit der vollständigen Gewissheit von etwas, das durch umfangreiche Überprüfung bekannt war, nicht durch eine einzige B







