LOGIN
„Ich brauche einen Ehemann für sechs Monate."
Mirabel hielt ihre Augen auf den Mann gerichtet, der ihr gegenübersaß, obwohl jeder Teil von ihr aus dem Restaurant rennen wollte.
Sie hatte sich dieses Gespräch so oft vorgestellt, dass sie genau wusste, was sie sagen wollte, doch so nah bei Delvis Harrison zu sitzen, machte es schwerer, normal zu atmen.
Er sah genauso aus wie die Fotografien, die sie über die Jahre aufbewahrt hatte, außer dass er persönlich noch einschüchternder wirkte.
Sein dunkler Anzug saß perfekt über seinen breiten Schultern, sein Gesichtsausdruck blieb unlesbar, und seine Augen waren fest auf sie gerichtet, als versuchte er herauszufinden, was für eine Art Frau zu ihm gehen und eine so lächerliche Bitte äußern würde.
Mirabel legte beide Hände um ihr unberührtes Glas Wasser und zwang sich, ruhig zu bleiben. Sie war nicht so weit gekommen, um jetzt ihren Mut zu verlieren.
„Du hast fünf Sekunden, um diesen Satz zu erklären, bevor ich gehe."
Mirabel lächelte fast. Das war genau die Antwort, die sie von ihm erwartet hatte.
„Ich meine es ernst. Ich möchte eine Ehe, die sechs Monate dauert. Danach lassen wir uns scheiden, und wir machen beide weiter."
Delvis lehnte sich in seinem Stuhl zurück und musterte sie mit deutlichem Misstrauen. Er fragte, ob jemand sie geschickt hatte, ob sie Geld wollte oder ob dies eine Art Werbeaktion war.
Mirabel schüttelte den Kopf bei jeder Frage. Sie konnte ihm die Wahrheit nicht sagen, noch nicht. Sie konnte ihm nicht sagen, dass sie ihn fast zehn Jahre lang bewundert hatte, dass sie sein Lieblingsrestaurant kannte, dass sie einmal eine anonyme Warnung geschickt hatte, als sie bemerkte, dass jemand in seiner Nähe Informationen weitergab, oder dass sie jedes Bild, das sie von ihm gesammelt hatte, in einer Schachtel unter ihrem Bett aufbewahrte.
„Ich bitte dich nicht, mich zu lieben", sagte sie. „Ich brauche nur, dass du sechs Monate lang mein Ehemann bist."
„Warum ich?"
Die Frage traf härter, als sie erwartet hatte, denn es gab nur eine ehrliche Antwort. Mirabel sah auf ihre Hände, bevor sie ihre Augen wieder hob.
„Weil ich dich gewählt habe."
Delvis lachte kurz und humorlos und stand von seinem Stuhl auf. Er sagte ihr, sie hätte seine Zeit verschwendet, und ging weg, ohne ihr eine weitere Chance zu geben, zu sprechen.
Mirabel sah zu, wie er durch die Türen des Restaurants verschwand, dann ließ sie langsam den Atem los, den sie angehalten hatte. Sie hatte mit Ablehnung gerechnet, aber sie zu hören tat trotzdem weh.
Ihre Finger bewegten sich zu dem kleinen Umschlag in ihrer Handtasche, in dem sie den Krankenhausbericht aufbewahrte, den sie niemandem außer Clara gezeigt hatte. Sechs Monate sollten genug Zeit sein. Sie hoffte nur, dass sie nicht zu lange gewartet hatte.
„Mirabel, das kann nicht dein Ernst sein."
Claras Stimme kam durch das Telefon, während Mirabel auf der Bettkante saß, noch immer in den Kleidern, die sie für das Treffen ausgewählt hatte.
Sie war kaum durch die Tür gegangen, als Clara anrief, offensichtlich wartend auf ein Update. Mirabel ließ ihre Handtasche neben sich fallen und rieb sich die Stirn.
„Er hat nein gesagt."
Sie erwartete, dass Clara sie trösten würde, aber stattdessen blieb ihre Freundin einen Moment still, bevor sie fragte, was sie jetzt zu tun gedachte.
Mirabel sah zu der kleinen Holzkiste auf ihrem Schreibtisch. Sie ging hinüber, öffnete sie und starrte alles an, was sie darin aufbewahrt hatte.
Da waren Fotografien, alte Veranstaltungseinladungen, Screenshots von Interviews und mehrere kleine Geschenke, die sie einst anonym an Delvis geschickt hatte.
Jahrelang hatte sie sein Leben aus der Ferne beobachtet, ohne etwas dafür zu erwarten. Sie hatte sich nie vorgestellt, ihm gegenüberzusitzen und ihn zu bitten, sie zu heiraten. Das hatte sich geändert, als der Arzt ihr sagte, dass Warten keine Option mehr war.
„Ich muss ihn dazu bringen, es zu verstehen", sagte Mirabel. Clara sagte ihr sofort, sie solle aufhören, bevor sie etwas Unüberlegtes tat. Mirabel schloss die Kiste und schüttelte den Kopf.
„Ich habe bereits etwas Unüberlegtes getan. Ich habe ihn gebeten, mich zu heiraten."
„Warum lächelst du dann?"
Mirabel sah ihr Spiegelbild im Spiegel und erkannte, dass sie trotz allem lächelte.
„Weil ich Delvis kenne."
Clara runzelte die Stirn bei dieser Aussage und erinnerte sie daran, dass Delvis sie überhaupt nicht kannte. Mirabel korrigierte sie leise.
„Er kennt meinen Namen nicht, aber er kennt die Person, die ihm geholfen hat."
Jahrelang hatte Mirabel anonyme Nachrichten geschickt, wann immer sie etwas bemerkte, das ihm schaden könnte.
Sie hatte ihn vor einem Geschäftstreffen gewarnt, das manipuliert wurde, ihm Informationen über eine Frau geschickt, die ihn ausnutzte, und einmal ein Dokument per Post geschickt, das einen schwerwiegenden Fehler aufdeckte, bevor er öffentlich wurde.
Delvis hatte nie herausgefunden, wer hinter den Nachrichten steckte. Mirabel wusste, dass er den unbekannten Absender seinen „Wächter" nannte, obwohl sie das nur durch ein Interview erfahren hatte, das er vor Jahren gab.
Sie öffnete ihren Laptop und sah die Nachrichten durch, die sie gespeichert hatte. Es gab eine Person, die fast alles über Delvis' privaten Zeitplan wusste, und Mirabel wusste genau, wie sie dieses Wissen nutzen konnte, ohne sich zu erkennen zu geben.
„Wenn er sich weigert, mich zu heiraten, weil er denkt, ich sei eine Fremde, dann werde ich aufhören, eine Fremde zu sein."
„Mirabel, was planst du?"
Mirabel nahm ihr Telefon und öffnete eine neue Nachricht. Sie zögerte nur einen Moment, bevor sie eine Warnung an die Nummer tippte, die Delvis einst benutzt hatte, um auf eine ihrer anonymen Nachrichten zu antworten.
Sie sagte ihm, dass die Informationen, die er brauchte, mit einer Frau zusammenhingen, der er vertraute, und dass er, wenn er wissen wollte, wer ihm all die Jahre Warnungen geschickt hatte, sie finden musste, bevor der nächste Tag endete.
Ihr Daumen schwebte über dem Bildschirm, während Clara sie anflehte, es sich noch einmal zu überlegen. Mirabel sah den Krankenhausbericht an, der noch immer in ihrer Handtasche lag. Sie hatte zu lange so getan, als hätte sie Zeit. Jetzt zählte jeder Tag.
Sie drückte auf Senden und legte das Telefon auf das Bett. Ein paar Sekunden später leuchtete der Bildschirm mit einer Antwort auf. Mirabel nahm es auf, las die Nachricht und setzte sich langsam hin
. Delvis hatte nur mit einem Satz geantwortet.
„Sag mir, wo ich dich finden kann.”
„Ab heute ist dies dein Zuhause."Delvis sagte es, während Mirabel neben ihm in der Eingangshalle der Villa stand und den großen Raum um sich herum anstarrte.Die Hochzeit hatte schnell stattgefunden, genau wie geplant, und die Fotografien hatten sich bereits im Internet verbreitet, während die Öffentlichkeit feierte, dass der Milliardärs-CEO sich endlich niederließ.Eleanor und Richard waren mit der Heirat zufrieden gewesen, weil Delvis den notwendigen Schritt unternommen hatte, um das Familienvermögen zu schützen, während Ethan während der gesamten Zeremonie auffällig still geblieben war.Mirabel lächelte, wann immer Kameras in der Nähe waren, und spielte ihre Rolle an Delvis' Seite, aber sobald sie in der Villa ankamen, wurde die Darbietung schwerer aufrechtzuerhalten.Delvis reichte ihr einen Schlüsselsatz und erklärte, dass sie jeden Teil des Hauses nutzen könne, aber er erwartete, dass sie ihn informierte, wann immer sie vorhatte, das Haus zu verlassen.Er sagte ihr auch, dass s
„Bist du bereit?"Delvis stand vor Mirabels Haus und überprüfte die Zeit auf seiner Uhr, während der Fahrer neben dem Auto wartete.Er hatte erwartet, dass sie länger brauchen würde wegen der Vorbereitung, die für den Maskenball nötig war, aber als die Haustür sich öffnete, sah er auf und hielt inne.Mirabel ging in dem Kleid auf ihn zu, das er ausgewählt hatte, das figurbetonte Kleid fiel sauber um ihre Gestalt, während der Schmuck, den er geschickt hatte, an ihrem Hals und ihren Ohren lag. Ihr Haar war schlicht frisiert, und die Maske, die sie in einer Hand trug, passte zum formellen Outfit.Delvis hatte auf unzähligen Veranstaltungen schöne Frauen gesehen, aber er hatte Mirabel noch nie für einen Raum voller Menschen wie ihn gekleidet gesehen. Sie bemerkte seinen Blick und lächelte.„Du kannst jetzt aufhören zu starren."Delvis sah sofort weg und sagte ihr, dass sie bereits spät dran waren. Im Haus warteten Marcus und Rose in der Nähe der Tür, und ihre Sorge war offensichtlich, als
„Sechs Monate, und dann gehen wir getrennte Wege."Delvis saß hinter seinem Schreibtisch, während Mirabel ihm gegenübersaß, mit James Carter zwischen ihnen und mehreren Dokumenten ordentlich auf dem Tisch angeordnet.Delvis hatte den ganzen Morgen damit verbracht, sicherzustellen, dass Mirabel keine Möglichkeit hatte, die Vereinbarung zu ihren Gunsten zu verdrehen.James erklärte jeden Abschnitt der Vereinbarung, beginnend mit der sechsmonatigen Ehezeit und der finanziellen Regelung, die Mirabel erhalten würde, wenn die Ehe endete.Delvis machte klar, dass sie keine Beteiligung an seinen Geschäftsentscheidungen haben würde, nicht ohne seine Zustimmung mit der Presse sprechen würde und das öffentliche Image, das sie gemeinsam schufen, aufrechterhalten würde.Er wollte auch vollständige Privatsphäre bezüglich allem, was zwischen ihnen besprochen wurde, einschließlich des Grundes für ihre Ehe.Mirabel hörte still zu, während James jede Bedingung durchging, und stellte gelegentlich eine F
Mirabel las die Nachricht zweimal, bevor sie ihr Telefon an die Brust drückte. Delvis hatte tatsächlich geantwortet, was bedeutete, dass ihr kleiner Plan funktioniert hatte.Clara, die ihr gegenübersaß, bemerkte sofort den Ausdruck auf ihrem Gesicht und lehnte sich vor. „Was hat er gesagt?"Mirabel reichte ihr das Telefon, und Claras Augen weiteten sich, nachdem sie die Nachricht gelesen hatte. Sie sagte Mirabel sofort, dass dies eine schreckliche Idee sei, und erinnerte sie daran, dass Delvis Harrison kein gewöhnlicher Mann war, den sie ohne Konsequenzen manipulieren konnte.Mirabel nahm den Krankenhausbericht vom Tisch und schob ihn zurück in ihre Handtasche. Sie wusste, dass Clara recht hatte, aber sie wusste auch, was passieren würde, wenn sie nichts tat.Sie würde die Zeit, die ihr blieb, damit verbringen, sich zu fragen, wie es gewesen wäre, Delvis' Frau zu werden.„Ich habe ihn gebeten zu kommen", sagte Mirabel, während sie aufstand. „Also werde ich mit ihm reden."„Du bist wir
„Ich brauche einen Ehemann für sechs Monate."Mirabel hielt ihre Augen auf den Mann gerichtet, der ihr gegenübersaß, obwohl jeder Teil von ihr aus dem Restaurant rennen wollte.Sie hatte sich dieses Gespräch so oft vorgestellt, dass sie genau wusste, was sie sagen wollte, doch so nah bei Delvis Harrison zu sitzen, machte es schwerer, normal zu atmen.Er sah genauso aus wie die Fotografien, die sie über die Jahre aufbewahrt hatte, außer dass er persönlich noch einschüchternder wirkte.Sein dunkler Anzug saß perfekt über seinen breiten Schultern, sein Gesichtsausdruck blieb unlesbar, und seine Augen waren fest auf sie gerichtet, als versuchte er herauszufinden, was für eine Art Frau zu ihm gehen und eine so lächerliche Bitte äußern würde.Mirabel legte beide Hände um ihr unberührtes Glas Wasser und zwang sich, ruhig zu bleiben. Sie war nicht so weit gekommen, um jetzt ihren Mut zu verlieren.„Du hast fünf Sekunden, um diesen Satz zu erklären, bevor ich gehe."Mirabel lächelte fast. Das







