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Wie immer

Author: Katy
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-09 03:05:20

Es dauerte keine dreißig Minuten.

Keine dreißig Minuten hatte Sara es ausgehalten, ohne gefühlt jeden Einzelnen nach Markus zu fragen.

Ich saß inzwischen allein an einem kleinen Tisch in einer der dunkleren Ecken der Bar und spielte gelangweilt mit dem Strohhalm in meinem inzwischen leeren Glas.

Eigentlich wollte Sara nur schnell neue Getränke holen.

Nur schnell.

Das war jetzt allerdings auch schon fast zehn Minuten her.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als hier zu sitzen und darauf zu warten, dass sie entweder mit zwei Cocktails oder endlich mit Markus im Schlepptau zurückkam.

Warum war ich überhaupt hier?

Was war noch gleich der Grund gewesen, weshalb Sara unbedingt ausgerechnet heute in diese Bar wollte?

Als sie vorgeschlagen hatte, hierherzugehen, hatte ich mir zunächst nichts dabei gedacht.

Im Nachhinein hätte ich das vielleicht tun sollen.

Denn unser Stammlokal war das hier ganz sicher nicht.

Okay, ganz ehrlich? Ein Stammlokal hatten wir eigentlich gar nicht.

Normalerweise verbrachten wir unsere Wochenenden auf meiner Couch. Ich mixte Cocktails, Sara brachte irgendwelche Snacks mit, und wir redeten stundenlang über Gott und die Welt.

Doch dann kam die Trennung von Tobias.

Die beiden waren fünf Jahre zusammen gewesen. Fünf Jahre, in denen ich nie wirklich warm mit ihm geworden war.

Sara hatte mich oft nach meiner Meinung gefragt. Und ich hatte ihr immer ehrlich geantwortet.

Ich hatte nie gesagt: „Er ist ein Arschloch. Bitte trenn dich endlich von ihm.“

Obwohl ich genau das manchmal gedacht hatte.

Stattdessen versuchte ich, ihr zuzuhören, sie aufzufangen und ihr zwischen den Zeilen klarzumachen, dass diese Beziehung längst mehr Kraft kostete, als sie ihr gab.

Die beiden zusammen zu erleben, fühlte sich oft an wie ein Jagdhund, der hinter einem Feldhasen her war.

Nur dass der Feldhase irgendwann vergessen hatte wegzulaufen.

Vielleicht war genau das Saras größtes Problem.

Sie passte sich den Menschen an, die sie mochte. So sehr, dass ich manchmal nicht mehr wusste, wo Sara aufhörte und die Erwartungen der anderen anfingen.

Wenn jemand Fußball liebte, interessierte sie sich plötzlich auch dafür.

Wenn jemand Wandern toll fand, wollte sie auf einmal jedes Wochenende in die Berge.

Und wenn sie sich verliebte, schien sie sich selbst jedes Mal ein kleines Stück zu verlieren.

Vielleicht war das auch der Grund, warum Tobias und sie überhaupt so lange zusammen gewesen waren.

Viel zu oft hatten mich andere gefragt, warum ich trotzdem an unserer Freundschaft festhielt.

Was sollte ich darauf schon antworten?

Ich war schließlich auch alles andere als unkompliziert.

Um meine Gedanken zu verstehen, brauchte man wahrscheinlich mindestens einen Doktortitel.

Nicht, dass Sara sie verstand.

Aber sie stellte wenigstens nicht ständig Fragen.

Und auf ihre ganz eigene Art versuchte sie immer, mir zu helfen.

Vielleicht war genau das der Grund, warum wir trotz allem immer noch nebeneinander durchs Leben liefen.

Nach ihrer Trennung war Sara für ein paar Wochen bei mir eingezogen.

Schneller, als man bis drei zählen konnte, hatten wir eine eigene Wohnung für sie gefunden und komplett eingerichtet.

In der Zeit danach verbrachten wir gefühlt jede freie Minute miteinander.

Wahrscheinlich hatte ich deshalb auch nicht hinterfragt, warum wir ausgerechnet heute in diese Bar gehen sollten.

Wir machten in dieser Zeit die verrücktesten Dinge.

Die Trennung lag inzwischen ein halbes Jahr zurück, und seitdem waren wir gemeinsam in fünf verschiedenen Ländern gewesen, hatten unzählige Clubs unsicher gemacht und mehr Workshops besucht, als ich heute noch aufzählen könnte.

Es war aufregend.

Es war lustig.

Und irgendwie tat es uns beiden gut.

Bis Markus in ihr Leben trat.

Wir waren damals zusammen im Nightlife, einfach um einen schönen Abend zu haben. Eine kleine Band spielte live. Ehrlich gesagt hatte ich vorher noch nie von ihnen gehört, und besonders gut waren sie auch nicht.

Aber mit ein paar Bier ließ sich bekanntlich fast jede Musik ertragen.

Während ich also versuchte, mir die Songs schönzutrinken, hatte Sara längst jemand anderen entdeckt.

Den Sänger.

Markus.

Von diesem Abend an verging kaum ein Tag, an dem sie mir nicht erzählte, wie toll er doch war.

Als sie dann auch noch auf die Idee kam, ihm über Social Media zu schreiben und tatsächlich eine Antwort bekam, war endgültig alles vorbei.

Seitdem drehte sich alles nur noch um ihn.

Im Auto hatte sie mir noch vorgeworfen, dass wir ständig über dieselben Dinge reden würden.

Und sie hatte recht.

Wir redeten jeden Tag über dieselben Dinge.

Über Markus.

Über das, was er gepostet hatte.

Über das, was er geschrieben hatte.

Über das, was er vielleicht dachte.

Es gab kaum noch Platz für etwas anderes.

Nicht einmal dafür, dass ich vor ein paar Tagen erfahren hatte, dass meine Oma gestorben war.

„Willst du vielleicht noch einen?“

Ich zuckte erschrocken zusammen.

Mir war gar nicht aufgefallen, wie tief ich in meinen Gedanken versunken war.

Vor mir stand allerdings nicht, wie erwartet, Sara.

Es war ein junger Mann, den ich noch nie zuvor gesehen hatte.

Er war nur ein kleines Stück größer als ich. Seine hellbraunen Haare waren etwas zu lang und fielen ihm wild ins Gesicht. Seine Augen konnte ich hinter den Strähnen kaum erkennen.

Dafür bemerkte ich umso deutlicher, dass er mich inzwischen etwas irritiert ansah.

Offenbar hatte ich viel zu lange gebraucht, um zu antworten.

Typisch.

Mein Kopf war voller Gedanken, aber wenn ich etwas sagen sollte, herrschte plötzlich gähnende Leere.

„Ähm …“

Mehr brachte ich nicht heraus.

Schließlich nickte ich hektisch.

Innerlich hätte ich am liebsten die Augen geschlossen.

Super gemacht, Katy.

Doch statt sich abzuwenden oder genervt zu reagieren, lächelte er einfach.

Nicht dieses aufgesetzte, höfliche Lächeln.

Sondern eines, das irgendwie ehrlich wirkte.

Oh Gott.

Fing ich jetzt etwa auch schon damit an?

Interpretierte ich inzwischen genauso viel in ein Lächeln hinein wie Sara?

Sie schien wirklich langsam auf mich abzufärben.

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