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Sehe ich dich je wieder?
Sehe ich dich je wieder?
Author: Katy

Drei Minuten

Author: Katy
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-09 03:05:15

„Wir haben noch ungefähr drei Minuten. Was machst du bitte? Wir müssen los, Katy!“

Ihre Stimme hallte durch die Wohnung, während ich nur genervt die Augen verdrehte.

„Drei Minuten?“, rief ich zurück. „Wir sind schon seit mindestens drei Minuten zu spät.“

„Details!“

„Nennt sich Zeitmanagement.“

Ich war längst fertig. Wie immer.

Ich war diejenige, die alles im Blick behalten musste. Termine, Zeiten, Taschen – und offenbar auch meine beste Freundin.

Sara und ich kannten uns seit dem Beginn unserer Ausbildung. Fast zehn Jahre mittlerweile.

Wir hatten in dieser Zeit mehr miteinander erlebt, als ich manchmal zugeben wollte. Gutes, Schlechtes – alles, was eben dazugehört, wenn man so lange aneinander hängt.

Dass ich irgendwann anfangen würde zu überlegen, ob genau dieses „aneinander hängen“ auch kompliziert werden kann, hätte ich früher nicht gedacht.

„Ich weiß ganz genau, dass wir los müssen“, sagte ich ruhig, als Sara endlich im Flur auftauchte. „Deshalb bin ich seit Minuten fertig und warte. Mit deiner Handtasche. Die, die du suchst.“

Ich hielt ihr die Tasche hin und sah sie nur leicht schief an.

Sara blieb stehen und starrte erst die Tasche und dann mich an.

„Warum sagst du das nicht früher?“

„Hab ich.“

„Nein, hast du nicht.“

„Doch. Zweimal in der Küche und einmal, als du im Schlafzimmer nachgesehen hast.“

Sie zog die Tasche über die Schulter und grinste.

„Dann habe ich dir wohl nicht zugehört.“

„Das überrascht mich jetzt wirklich.“

„Du weißt, dass ich unter Stress nicht funktioniere.“

„Du funktionierst auch ohne Stress nur bedingt.“

„Frechheit.“

„Tatsache.“

Lachend schob sie mich zur Tür.

„Los jetzt, Frau Zeitmanagement.“

Während wir die Treppen zum Auto hinuntergingen, musste ich mir ein Grinsen verkneifen.

Wo wir überhaupt hinwollten? Ehrlich gesagt hatte ich es schon wieder vergessen.

In letzter Zeit war ich viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, mein eigenes Leben zu organisieren, unsere Termine und Aktivitäten im Blick zu behalten und nebenbei noch das neueste Drama aus unserem Freundeskreis zu entschärfen.

Ja, unser Freundeskreis.

Denn egal, was ich machte – Sara machte mit. Uns gab es eigentlich nur im Doppelpack.

Ob mir das immer recht war? Nicht wirklich.

Aber wenn ich ehrlich war, fehlte mir meistens die Energie, zu sagen: Heute würde ich gerne etwas alleine machen.

Außerdem hätte ich mich dabei sofort undankbar gefühlt. Immerhin war Sara auch immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Oder wenn ich mal wieder Probleme hatte, meinen Kühlschrank voll zu bekommen.

Ich hatte immer gedacht, unsere Freundschaft wäre ein Geben und Nehmen.

Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass die Waage nicht ganz so ausgeglichen war, wie ich glaubte …

„Glaubst du eigentlich, Markus ist auch da?“, fragte Sara und riss mich aus meinen Gedanken.

Wir waren schon einige Minuten unterwegs.

Irgendwie hatte ich es nur noch auf Autopilot geschafft, überhaupt ins Auto einzusteigen. Jetzt tippte ich halbherzig auf meinem Handy herum und versuchte, ein Lied zu finden, das uns nicht schon nach den ersten dreißig Sekunden auf die Nerven ging.

„Du hast die Frage ignoriert.“

„Ich habe sie verarbeitet.“

„Und?“

Ich sah zu ihr hinüber und bemerkte sofort ihre aufgeregte Art.

„Warum bist du eigentlich so versessen darauf, Markus zu treffen?“

„Ich bin nicht versessen.“

„Sara.“

„Okay, vielleicht ein kleines bisschen.“

„Du bist 27 und er ist gerade mal 21.“

„Und?“

„Meinst du nicht, dass da ziemlich unterschiedliche Lebensphasen aufeinanderprallen? Oder dass er vielleicht noch gar nicht bereit für etwas Ernstes ist?“

Sie zuckte mit den Schultern.

„Vielleicht will ich ja auch gar nichts Ernstes.“

„Das habe ich bei Tobias damals auch gehört.“

„Das war etwas völlig anderes.“

„Natürlich war es das.“

Sie verdrehte die Augen.

„Du musst nicht immer sofort vom Schlimmsten ausgehen.“

An ihrer Reaktion konnte ich genau erkennen, was sie dachte.

Sie musste es nicht einmal aussprechen.

Das geht dich nichts an.

Das ist meine Sache.

Unterstütz mich einfach.

Was sollte man dann bitte noch tun? Sich einmischen? Oder es einfach auf sich beruhen lassen?

Eigentlich hatte ich mir geschworen, nie wieder tatenlos dabei zuzusehen, wie sie sich auf irgendeinen Idioten einließ. Nicht nach der Sache mit Tobias.

Und man konnte mich ruhig für verrückt halten – was vermutlich nicht einmal ganz falsch gewesen wäre –, aber etwas mit einem Einundzwanzigjährigen anzufangen, fand ich definitiv verrückt.

Leider wusste ich auch genau, dass es auf eine Sache hinauslaufen würde, wenn ich jetzt versuchte, sie davon abzuhalten:

Sie würde es nur noch mehr wollen.

Wie ein Kleinkind, dem man sagt, es dürfe keinen weiteren Keks mehr haben.

„Ich dachte, wir wollten einfach hingehen, ein paar Cocktails trinken und den Abend genießen“, sagte ich schließlich. „Einfach mal über alles reden, was im Moment so passiert.“

„Wir reden doch ständig über alles, was gerade passiert.“

„Das stimmt nicht.“

„Katy, wir reden seit Wochen über meine Arbeit, deine Rechnungen, Lisa und Tim, Tobias und den Rest der Welt.“

„Und was ist daran falsch?“

„Nichts. Aber vielleicht hätte ich heute Abend einfach gerne mal etwas anderes im Kopf.“

Ich nickte langsam.

„Fair.“

Plötzlich schnitt der Sicherheitsgurt schmerzhaft in meine Brust.

Sara hatte eine Vollbremsung hingelegt.

„Warum?“, fragte sie und sah mich an. „Wir reden doch sowieso über nichts anderes. Da kannst du mir doch diesen einen Abend auch mal gönnen!“

Für einen Moment begriff ich gar nicht richtig, was sie gerade gesagt hatte. Zu sehr war ich damit beschäftigt, meinen Herzschlag wieder zu beruhigen und meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen.

„Sara!“

„Was denn?“

„Du hast gerade mitten auf der Straße eine Vollbremsung gemacht!“

„Du hast mich abgelenkt!“

„Ich saß still daneben!“

„Ja, aber vorwurfsvoll.“

Trotz allem musste ich kurz lachen.

Vielleicht war es aber auch besser so.

Wenn ich ihr nicht richtig zuhörte, konnte ich mich wenigstens nicht darüber aufregen.

Wirklich viel Zeit hatte ich dafür aber sowieso nicht mehr. Denn bevor ich auch nur noch einmal die Augen verdrehen konnte war auch schon wieder soviel Zeit vergangen, das ich nicht bemerkte wie sie das Auto einparkte.

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