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Kapitel 4

作者: Madame Fischer
Emily ahnte, warum Julian so bedrückt war. Vermutlich hatte es mit Katharinas Verlobung zu tun.

Der Gedanke machte alles noch bitterer.

Sie löste seine Hand von ihrer Taille und stand auf.

„Ich schlafe heute im Gästezimmer.“

Julian sagte nichts. Er packte sie am Handgelenk und zog sie zurück aufs Bett.

„Julian, ich will nicht.“ Ihre Augen waren gerötet. „Kannst du das nicht respektieren?“

„Ich bin dein Mann und ich will jetzt mit dir schlafen. Kannst du das nicht respektieren?“

„Wann habe ich mich dir je widersetzt? Habe ich dich nicht jedes Mal machen lassen, was du wolltest?“

Sie waren einander ganz nah, doch zwischen ihnen herrschte eisige Kälte.

Julian lachte leise, aber seine Augen blieben hart.

„Emily, ist es für dich wirklich so schlimm, mit mir zu schlafen?“

Emily schloss die Augen. Tränen liefen ihr lautlos über die Wangen.

...

Im Bad rauschte die Dusche. Emily blieb noch einen Moment liegen, dann stand sie auf und ging ins Gästezimmer.

Auch in den folgenden Tagen schlief sie dort. Julian suchte sie nicht auf.

Am Samstag trafen sich die Hartmanns und die Brandts, um über die Verlobung zu sprechen.

Julian hatte Emily Zeit und Ort mitgeteilt. Katharinas Eltern waren bereits da, doch von Emily fehlte noch immer jede Spur.

Julian stand auf und strich sich die Manschetten glatt.

„Ich rufe sie an.“

Katharina erhob sich ebenfalls.

„Ich komme mit.“

Vor dem Restaurant wählte Julian Emilys Nummer. Wieder nahm sie nicht ab.

Katharina trat zu ihm.

„Julian“, sagte sie leise, „hat Emily vielleicht etwas gegen mich?“

Julian unterdrückte seinen Ärger.

„Nein. Mach dir keine Gedanken“, antwortete er sanft.

„Aber ich bin unglücklich.“ Katharina sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Ehrlich gesagt habe ich sogar ein bisschen Angst.“

„Wovor?“

„Tobias möchte, dass ich ins Hartmann-Anwesen ziehe. Aber ...“

Sie sah zu Julian auf, ihr Blick voller Zuneigung.

„Kannst du mit Emily vielleicht auch wieder dort wohnen?“

Julians Augenwinkel zuckte.

Er sah Katharina an, sein Blick wurde warm, und er nickte leicht.

„Ja.“

Emily hatte die beiden schon gesehen, bevor sie ihren Wagen abstellte.

Katharina strahlte Julian an. Sie stand dicht bei ihm und sah voller Erwartung zu ihm auf.

Julian neigte den Kopf zu ihr. Er lächelte, und sein Blick war weich.

Emily parkte und ging auf sie zu.

„Warum kommst du so spät? Ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass dir unterwegs etwas passiert ist.“

Julian hob die Brauen.

„Warum bist du nicht ans Telefon gegangen?“

„Stau. Mein Handy war lautlos gestellt“, antwortete Emily schroff.

Sie warf Katharina einen unfreundlichen Blick zu.

„Hauptsache, du bist da“, sagte Katharina lächelnd. „Komm, die anderen warten schon.“

Emily antwortete nicht und ging als Erste ins Restaurant.

Julian und Katharina blieben ein Stück hinter Emily zurück. Für Außenstehende wirkten eher Julian und Katharina wie ein Ehepaar.

Als alle Platz genommen hatten, sprachen die Familien über die Verlobung.

Emily kam sich dabei wie eine Außenstehende vor und aß schweigend.

Dann hörte sie Katharina sagen.

„Ich möchte, dass Julian und Emily auch wieder im Hartmann-Anwesen wohnen. Dann ist mehr Leben im Haus.“

Emily hob abrupt den Kopf.

Nach ihrer Hochzeit hatte Julian darauf bestanden, dass sie aus dem Hartmann-Anwesen auszogen. Zu zweit hatten sie es schließlich viel ungestörter.

Und jetzt sollten sie wieder dort einziehen?

Emily wollte das auf keinen Fall!

Thomas war noch in Ordnung. Aber Claudia war Julians Stiefmutter, Tobias sein Halbbruder. Und dann war da Katharina.

Die Frau, die Julian liebte!

Mit ihr unter einem Dach wohnen?

Emily sah zu Julian. Alle anderen warteten ebenfalls auf seine Antwort.

Sie legte ihr Besteck ab.

„Gut“, sagte Julian ohne zu zögern.

Emily runzelte die Stirn.

Er stimmte zu? Ohne auch nur mit ihr darüber zu sprechen?

Im Anwesen mussten sie sich wieder ein Schlafzimmer teilen.

Claudia wollte Julian gewiss nicht wieder im Haus haben. Doch als sie Emily ansah, lächelte sie.

„Warum nicht? Wenn Emily schwanger wird, kann ich mich gleich um sie kümmern.“

Ein Kind? Darüber hatten Emily und Julian bereits gesprochen.

Nein. Julian hatte ihr lediglich mitgeteilt, wie er es haben wollte.

Vorerst keine Kinder.

Wovon redete Claudia also?

Katharina strahlte.

„Das ist so schön, Julian! Wenn du und Emily zurückkommt, habe ich endlich Gesellschaft.“

Natürlich konnte Julian Katharina nichts abschlagen.

Mit ihr unter einem Dach zu leben, wünschte er sich wahrscheinlich selbst.

Was Emily wollte, spielte keine Rolle.

An diesem Tisch interessierte sich ohnehin niemand für ihre Meinung.

Sie kam aus keiner einflussreichen Familie. Und ihr eigener Mann stand nicht hinter ihr. Wer hörte da noch auf sie?

Ein Nein von ihr änderte daran nichts.

Für alle außer Emily verlief das Essen bestens.

Als sie gingen, sah Katharina lächelnd zu Julian auf.

„Kommt bald zurück, ja?“

„Wir ziehen morgen um“, antwortete er.

Emily atmete tief durch und wollte zu ihrem Wagen gehen.

Julian packte sie am Handgelenk. Die anderen waren bereits fort.

Er sah sie an. Seine markanten Züge blieben unbewegt.

„Fahr mit mir.“

„Ich bin selbst gefahren.“

Emily entzog ihm die Hand.

„Und ich bin mit dem Umzug nicht einverstanden. Wenn du zurückwillst, dann geh. Warum muss ich mitkommen?“

Im Anwesen blieb ihr nur das gemeinsame Schlafzimmer.

Vor all den anderen konnte sie schlecht erklären, dass sie getrennt schliefen, und ins Gästezimmer ziehen.

„Warum?“

Julian sah auf sie hinunter.

„Weil ich die Operation deines Vaters bezahlt habe. Weil ich das Haus für deine Familie gekauft habe.“

Emilys Gesicht wurde schlagartig blass. Julian wandte den Blick ab.

„Reicht dir das als Grund?“

Ihre Fingerspitzen zitterten. In ihr zerbrach etwas.

Emily schloss die Augen. Ein Wort stand plötzlich klar vor ihr.

Scheidung.

Sie wollte diese Ehe nicht länger weiterführen.

Erst nach einer Weile antwortete sie.

„Ja, das reicht. Du entscheidest. Ich ziehe mit.“

Dann drehte sie sich um und ging.

Julian blieb im Dunkeln stehen, hoch aufgerichtet und starr wie ein Speer.

Zu Hause hatte Emily nicht einmal Lust zu duschen. Julian zu begegnen, wollte sie jedoch noch weniger.

Sie war schon als Kind eine hervorragende Schülerin gewesen, besonders in den Naturwissenschaften.

Sie dachte gründlich nach und konnte logisch abwägen.

Risiken ließen sich vermeiden.

Nur ihr eigenes Herz hatte sie nicht unter Kontrolle.

Sie hatte gewusst, dass ihre Liebe zu Julian ihr kein Glück brachte. Trotzdem hatte sie sich immer tiefer in ihn verliebt.

Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Mann, sondern hatte auch ein beeindruckendes Firmenimperium aufgebaut.

Sein Erfolg und seine Ausstrahlung machten es leicht, sich in ihn zu verlieben.

Emily war es nicht anders ergangen.

Sie hatte sich bemüht, eine gute Ehefrau zu sein, und getan, was Julian von ihr erwartete.

Doch er sah sie noch immer nicht wirklich an.

Sie musste aufhören, auf seine Liebe zu hoffen, und anfangen, ihr eigenes Leben zu leben.

Mit diesem Entschluss zog sie sich ins Gästezimmer zurück und schloss die Tür.

Vielleicht war dies ihre letzte Nacht, in der sie selbst bestimmen konnte, wo sie schlief. Ihre letzte kleine Weigerung, sich ihm zu fügen.

Am nächsten Morgen weckte sie der Alarm.

Emily blieb noch eine Weile im Bett liegen, bevor sie aufstand und sich fertig machte.

Als sie aus dem Gästezimmer kam, war Julian noch da.

Er schien gerade vom Joggen zurück zu sein.

Er trug graue Sportkleidung, und sein Haar fiel ihm locker in die Stirn. So wirkte er jünger als sonst, weniger wie der kühle Geschäftsmann.

Emily sah weg.

„Pack heute Nachmittag deine Sachen“, sagte er. „Dann ziehen wir um.“

So eilig hatte er es?

Natürlich. Katharina wartete auf ihn.

„Heute Nachmittag kann ich nicht.“ Julian runzelte die Stirn. „Heute Abend“, fügte Emily hinzu.

„Soll ich dir helfen?“

Sie schüttelte den Kopf.

Julian sagte nichts mehr und ging nach oben.

Nach dem Frühstück fuhr Emily ins Forschungsinstitut. Kaum hatte sie sich hingesetzt, erschien ein Kopf in der Tür.

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