LOGINNach Cales Frage wechselten alle einen Blick. Einige Sekunden lang lag eine beklemmende Ungewissheit im Raum. Niemand antwortete sofort. Offenbar wusste keiner von ihnen mit Sicherheit, welche Entscheidung diesmal die richtige war.Auch Daven schwieg zunächst. Sein Blick ruhte weiter auf dem Fernseher, wo erneut die Szene gezeigt wurde, in der Harold in das Polizeifahrzeug gedrängt wurde. Die Kamerablitze hörten nicht auf und tauchten das Geschehen immer wieder in grelles weißes Licht. Harolds zerschlagenes, von Blutergüssen gezeichnetes Gesicht war zum Sinnbild seines endgültigen Falls geworden.Kurz darauf setzte sich das Fahrzeug in Bewegung, begleitet von einem Konvoi aus Polizeiwagen. Die Nachrichtensprecher spekulierten weiter, während die Berichterstattung immer größere Kreise zog und nach und nach auch andere bedeutende Fälle wieder ins öffentliche Interesse rückte.Als weiterhin niemand auf Cales Frage antwortete, räusperte sich Richard und gab die neuesten Informationen we
Alle verfolgten aufmerksam, wie sich die Ereignisse in den Nachrichten weiter entfalteten.Auf dem Bildschirm versuchte Harold, sich umzudrehen und etwas zu sagen, als einer seiner früheren Untergebenen vor der Presse aussagte. Doch niemand nahm ihn in Schutz. Keiner schwieg mehr, um ihn zu decken.Die Männer redeten offen und hielten sich an die Fakten. Angst und Vorsicht standen ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben, als hätten sie ständig das Gefühl, von jemandem beobachtet zu werden. Von ihrer früheren Loyalität zu Harold war nichts mehr übrig.Der Reporter fuhr fort.„Aufgrund der zunehmenden Zahl an Zeugenaussagen hat die Polizei bestätigt, dass die Ermittlungen ausgeweitet werden. Mittlerweile stehen unter anderem Amtsmissbrauch, die Manipulation mehrerer Vorfälle, die Inszenierung eines Unfalls mit Todesfolge, Verschwörung sowie die Nötigung mehrerer Beteiligter im Raum. Darüber hinaus werden weitere Beweise im Zusammenhang mit anderen schweren Straftaten geprüft.“Als di
Nach einem langen Tag mit einer Besprechung nach der anderen kehrte in Davens privatem Büro auf der VIP-Etage von Callister Enterprise endlich Ruhe ein.Die Unterlagen lagen ordentlich auf seinem Schreibtisch, der aktuelle Prüfbericht war unterschrieben. Eine nach der anderen waren auch die strategischen Entscheidungen gefallen, die in den vergangenen Tagen aufgeschoben worden waren. Mehrmals war Arven im Laufe des Tages hereingekommen, um Daven auf die Angelegenheiten hinzuweisen, die zuerst seine Aufmerksamkeit erforderten.„War das alles?“, fragte Daven, ohne den Blick von dem letzten Bericht zu nehmen, den Arven ihm vorgelegt hatte.„Ich denke schon. Wir warten nur noch auf die Berechnungen der Finanzabteilung. James sagte, der Bericht ist morgen früh fertig. Die Folgetermine mit der Finanz- und Marketingabteilung habe ich bereits angesetzt.“Daven nickte. Nachdem er auch die letzte Seite unterschrieben hatte, lehnte er sich zurück und atmete tief aus. Zum ersten Mal an diesem
Zwischen Eli und Chase bestand keinerlei biologische Verwandtschaft.Riana atmete tief aus. Die Anspannung, die seit Tagen auf ihren Schultern gelastet hatte, löste sich endlich ein wenig.Noch bevor sie das Handy weglegen konnte, erschien bereits die nächste Meldung.Marlene Ward war von der Polizei festgenommen worden.Doch damit nicht genug. Kurz nachdem Noel die Originalunterlagen des DNA-Tests übergeben hatte, war auch er zur Befragung mitgenommen worden. Inzwischen lagen weitere Beweise vor, die seine Aussage stützten und die Echtheit der ursprünglichen Testergebnisse bestätigten.Riana blickte lange auf das Display.Das also hatte Cale gemeint.Deshalb hatte ihr Sohn so nachdrücklich darauf bestanden, dass niemand aus der Familie – vor allem die Kinder – die Nachrichten verfolgte.Riana hob den Blick und sah ins Wohnzimmer.Josh folgte noch immer konzentriert seinem Unterricht. Grace streckte eifrig ihre kleine Hand vor dem Bildschirm in die Höhe, um eine Frage zu beant
„Worüber habt ihr eigentlich gesprochen?“, fragte Riana, kaum dass sie sich neben Althea gesetzt hatte.Althea sah sie irritiert an und zog leicht die Brauen zusammen. „Was meinst du, Mama?“„Dein Gespräch mit Marlene. Was denn sonst?“, erwiderte Riana. „Ich würde schon gern wissen, worum es ging. Als ich sie vorhin allein gelassen habe, hat sie noch immer über alles Mögliche geredet.“Althea lachte. „Dann ging es uns dreien wohl ganz ähnlich.“An diesem Nachmittag kehrte im Miller-Anwesen allmählich wieder ein geregelterer Alltag ein, auch wenn im ganzen Haus noch eine gewisse Geschäftigkeit herrschte.Nach dem Frühstück war Lydia als Erste aufgebrochen. Sie trug einen eleganten Anzug in einem dezenten Farbton und hatte ihr Haar ordentlich und professionell frisiert. Bevor sie das Haus verließ, schaute sie noch kurz im Wohnzimmer vorbei, wo alle zusammensaßen.Josh und Grace waren ebenfalls dort und bereits mit ihren Schulaufgaben beschäftigt.„Ich habe heute Vormittag einen Te
Der Schmerz war ihm inzwischen egal. In seinem Kopf gab es nur noch einen einzigen Gedanken.Raus hier. Endlich frei sein.Schließlich erreichte er die Tür. Seine Hand zitterte, als er nach dem Griff fasste und mit seiner letzten Kraft daran zog. Die Tür ging auf. Kein Wachmann stellte sich ihnen in den Weg.Kein einziger.Vor ihnen erstreckte sich ein leerer Flur. Harold blieb kurz stehen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Normalerweise wurde jeder Winkel bewacht, jede ihrer Bewegungen überwacht. Doch jetzt –Niemand.Für einen Moment wurde Harold misstrauisch, aber der Drang, endlich frei zu sein, war stärker. Er trat auf den Flur hinaus und beschleunigte seine Schritte. Die anderen folgten ihm dicht auf den Fersen. Gemeinsam hasteten sie den langen Korridor entlang, bogen an mehreren Abzweigungen ab und kamen an einem leeren Raum nach dem anderen vorbei.Keine Wachmänner. Kein Funkverkehr. Keine Warnrufe.„Los!“, befahl Harold.Sie trieben sich gegenseitig zu einem schnellere
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß
„Ich werde wieder heiraten“, sagte Daven. „Und ich sage es nur einmal. Ich werde dich nicht um Erlaubnis bitten.“Er setzte seine Kaffeetasse mit einem harten Klirren ab – und beendete damit ein Frühstück, das er nicht einmal berührt hatte.Althea stand reglos neben dem langen Esstisch aus weißem
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr







