INICIAR SESIÓNDaven beugte sich noch näher zu Althea hinunter, bis sie seine Nähe deutlich spüren konnte. Er war da. Ganz und gar bei ihr.Ihre Hand ließ er keine Sekunde los. Nicht, während der Arzt Anweisungen gab, und auch nicht, als die Zeit zugleich zu rasen und stillzustehen schien.Daven wich nicht von ihrer Seite. Sein Blick ruhte unablässig auf Althea. Und zum ersten Mal in seinem Leben wurde ihm schmerzlich bewusst, wie hilflos er war.Er konnte ihr die Schmerzen nicht abnehmen. Konnte nicht an ihrer Stelle leiden. Alles, was ihm blieb, war … gemeinsam mit ihr durch diese Qualen zu gehen.„Atmen … und jetzt …“Die Stimme des Arztes klang ruhig und bestimmt.Althea tat, was er sagte. Daven dagegen hielt unwillkürlich selbst die Luft an.Was in den nächsten Augenblicken geschah, war kaum zu beschreiben. Und dann –Ein Schrei.Hell und durchdringend.Mit einem Mal zerriss er die angespannte Stille im Kreißsaal.Daven erstarrte wie angewurzelt. Seine Augen weiteten sich, und der Ate
Rianas Stimme klang sanft, aber angestrengt beherrscht, als müsste sie ihre Gefühle mühsam zurückhalten. Sie bemühte sich, die Fassung zu bewahren, doch ihre Augen verrieten, wie es wirklich in ihr aussah.Es war die Sorge einer Mutter … um ihre Tochter.Daven wandte sich zu ihr um. „Sie ist im Kreißsaal“, erwiderte er knapp. Seine Stimme klang diesmal noch bedrückter als zuvor.Riana nickte langsam. Für einen Moment stockte ihr der Atem. Sie starrte auf die geschlossene Tür, als könnte sie mit ihrem Blick bis zu Althea vordringen. „Althea ist stark“, murmelte sie, wohl eher, um sich selbst Mut zu machen.Daniel stand neben ihr und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Sie war schon immer stark. Versuch, die Ruhe zu bewahren, Daven“, sagte er leise. Doch selbst seiner sonst so festen Stimme war die Sorge deutlich anzuhören.Riana nickte leicht. Daven dagegen wandte sich wieder der Tür zum Kreißsaal zu. Diesmal ließ er den Blick noch länger darauf ruhen, als wollte er s
Einige Monate vergingen, beinahe unbemerkt.Still und leise wechselten die Jahreszeiten. Die Luft wurde wärmer, und die Tage fühlten sich … unbeschwerter an. Friedlicher. Der Schatten der Angst, der sie so lange auf Schritt und Tritt begleitet hatte, war endlich verschwunden. Keine Drohungen mehr. Keine ständige Angst, auf der Hut sein zu müssen. Die Urteile waren gefällt, und die Schuldigen saßen hinter Gittern. Nun mussten sie für all ihre Taten geradestehen.Im Haus der Millers kehrte allmählich jenes Familienleben zurück, für das es von Anfang an bestimmt war. Überall erklang fröhliches Lachen. Sie führten unbeschwerte Gespräche und gingen ihren gewohnten Alltagsbeschäftigungen nach. Und gerade diese kleinen, unscheinbaren Dinge waren ihnen inzwischen kostbarer als alles andere.Eli gehörte mittlerweile ganz selbstverständlich zur Familie. Sie betrat jeden Raum, ohne vorher unsicher innezuhalten, saß entspannt mit allen am Esstisch und sagte offen, was sie dachte. Josh schleppte
Der Himmel war an diesem Morgen klar, doch die Sonne schien nicht allzu grell. Eine leichte Brise wehte und brachte eine wohltuende Stille mit sich, die sich ganz anders anfühlte als in den vergangenen Tagen.Die Wagen der Familien Miller und Callister hielten auf einem gepflegten Friedhof. Nur wenige Menschen waren dort unterwegs. Einige Besucher waren schon früher gekommen und hingen still ihren Erinnerungen nach.Daven stieg als Erster aus, öffnete Althea wie gewohnt die Autotür und hielt ihr die Hand hin.„Pass schön auf, Liebling“, sagte er sanft.Althea ergriff seine Hand. Unwillkürlich legte sie die andere auf ihren Bauch. In ihr wuchs neues Leben heran, und plötzlich schien jeder ihrer Schritte eine tiefere Bedeutung zu haben. „Danke“, flüsterte sie.Daven hielt ihre Hand weiterhin fest. „Bleib dicht bei mir.“Althea schenkte ihm ein zartes Lächeln.Daniel und Riana gingen hinter ihnen nebeneinander her, während Cale und Chris ihnen gemächlich folgten. Josh und Grace lie
Kaum traten sie aus dem Gerichtsgebäude, fühlte sich selbst die Nachmittagsluft leichter an.Keine Kamerablitze mehr. Kein verurteilendes Getuschel. Nur ihre Schritte waren zu hören, während sie zum Wagen zurückgingen – langsamer als zuvor, gelassener … und endlich erleichtert.Eli ging an Altheas Seite.Sie sprach kaum ein Wort.Diesmal lag es allerdings nicht daran, dass sie ihre Gefühle unterdrückte. Vielmehr spürte sie etwas Neues, etwas völlig Ungewohntes.Eine ungeahnte Leichtigkeit.„Es ist vorbei“, murmelte sie.Althea wandte sich ihr lächelnd zu. „Ja. Es ist vorbei.“Eli nickte leicht. Beinahe wie von selbst griff sie wieder nach Altheas Hand und umschloss sie sanft mit ihren Fingern. Diesmal steckte keine Angst hinter dieser Geste. Nur … das stille Bedürfnis, sich zu vergewissern, dass sie nicht allein war.Daven, der auf ihrer anderen Seite ging, bemerkte es. Sein Blick wurde sanfter.„Ja“, sagte er ruhig. „Jetzt ist alles vorbei. Ein paar Dinge müssen wir noch reg
Das Licht im Gerichtssaal wurde gedimmt.Vorn flackerte der große Bildschirm auf. Zunächst drang ein leises Knistern aus den Lautsprechern, dann wurde die Tonaufnahme klar und deutlich. Die Stimmen waren unverkennbar.„… bist du sicher, dass das klappt?“, fragte eine leicht verzerrte Männerstimme.Dann ertönte eine Stimme, die alle im Saal sofort wiedererkannten.„Sie ist doch nur ein Kind“, sagte Marlene gelassen. „Und Kinder lassen sich leicht beeinflussen.“Eli erstarrte.Langsam ballte sie die Hände auf ihrem Schoß zu Fäusten.Althea griff sofort nach ihrer Hand. „Eli …“, flüsterte sie.Doch Eli reagierte nicht. Sie starrte wie gebannt auf den Bildschirm.Althea ließ sie gewähren. Manche Wahrheiten musste man selbst erkennen. Es reichte nicht, sie nur erzählt zu bekommen. So schmerzhaft dieser Augenblick auch war, er war wichtig. Für Eli und für ihre Zukunft. Und so grausam Marlene auch mit ihr umging, Althea und Daven standen fest an ihrer Seite. Sie sorgten dafür, dass E
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en







