FAZER LOGINEs klopfte an der Tür.
„Herein!“, brüllte Dante.
Die Tür öffnete sich, und ein Dienstmädchen trat ein und verbeugte sich respektvoll.
„Sie ist wach, Herr.“
Matteo hatte am Fenster gestanden, den Rücken zum Zimmer gewandt. Bei diesen Worten veränderte sich etwas in seiner Haltung – so unauffällig, dass es nur jemand bemerkt hätte, der ihn seit zwanzig Jahren kannte.
Endlich.
Er wandte sich dem Dienstmädchen zu. „Danke, Clarise.“
Sie verbeugte sich erneut und eilte hinaus.
Dante beobachtete ihn vom Schreibtisch aus und drehte dabei langsam eine Büroklammer zwischen seinen Fingern hin und her. Er hatte Matteo schon zuvor erfreut gesehen – zufrieden nach einer gut erledigten Aufgabe, amüsiert über etwas, das Salvatore gesagt hatte, sogar aufrichtig glücklich in den seltenen Fällen, in denen es angebracht war. Dies war nichts davon. Dies war etwas Stilleres und, wenn Dante ehrlich war, etwas, das er in all den Jahren, in denen er seinen Freund kannte, noch nie auf dessen Gesicht gesehen hatte. Matteo ließ sich nicht ablenken. Er stand nicht am Fenster und dachte lange genug über jemanden nach, als dass es sich zeigen würde.
Dante speicherte das kommentarlos ab, so wie er die meisten Dinge abspeicherte, die es wert waren, in Erinnerung zu bleiben.
„Fratello“, sagte er stattdessen und legte die Büroklammer hin. „Was geht in deinem Kopf vor?“
Matteo drehte sich um, ein leichtes Grinsen zuckte an einem Mundwinkel. „Die Welt ist in Ordnung, mio amico.“ Er griff nach dem Glas Whiskey auf dem Tisch und nahm einen langsamen Schluck.
„Ach wirklich?“ Dante hob eine Augenbraue. „Denn soweit ich weiß, haben wir vor einer Stunde einen Mann beerdigt, und du stehst da, als wäre es Weihnachtsmorgen.“
„Was soll ich sagen.“ Matteo zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. „Manche Tage sind besser als andere.“
Dante lachte kurz auf und schüttelte den Kopf. „Du bist ein kranker Mann, weißt du das?“
„Kranke Männer leben länger, Dante. Frag Antonio.“ Eine kurze Pause. „Oh, warte.“
„Stronzo.“ Dante lachte unwillkürlich, hob sein eigenes Glas und stieß damit gegen Matteos. „Auf eine weitere erfolgreiche Nacht.“
„Auf gute Arbeit.“ Sie tranken, und einen Moment lang sagte keiner von beiden etwas. Das war auch nicht nötig. Dante wusste bereits, worüber sein Freund gerade nachdachte, und Matteo wusste, dass er es wusste, und das war die Art von Stille, die schon seit ihrer Kindheit zwischen ihnen herrschte – eine, die es nicht zu füllen galt.
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Sie war wunderschön. Schöner, als er sie von den Fotos in Erinnerung hatte, und er hätte nicht gedacht, dass das möglich wäre.
Matteo blieb in der Tür stehen und musterte sie. Sie stand neben dem Bett, voller Angst, Tränen liefen ihr noch über das Gesicht, und selbst so, selbst verängstigt und in die Enge getrieben, hatte sie etwas an sich, das seine Aufmerksamkeit fesselte. Er war das nicht gewohnt. Er empfand es nicht unbedingt als angenehm.
Ihr ebenholzschwarzes Haar fiel wie ein dunkler Vorhang um ihre Schultern, so natürlich schön, dass es fast ungerecht erschien. Dick und glänzend umrahmte es ein Gesicht, das Aufmerksamkeit forderte, ohne darum zu bitten.
Dann begegnete er ihrem Blick.
Ihre Augen waren katzenartig, an den Ecken leicht verlängert, mit einer auffälligen haselnussbraunen Farbe, die im Licht zu schimmern schien. Sie hatten etwas Faszinierendes an sich – etwas Warmes und Gefährliches zugleich. Augen, die vielleicht zu jemandem mit zarter Erscheinung hätten gehören sollen, doch eine stille Trotzigkeit ausstrahlten, die ihn dazu brachte, noch einmal hinzuschauen.
Ihre Haut war makellos goldbraun und leuchtete sanft vor dem Hintergrund der Dunkelheit um sie herum. Sie strahlte die Wärme des Sonnenlichts aus, glatt und satt, und zog seine Aufmerksamkeit auf sich, selbst wenn er versuchte, woanders hinzuschauen.
Und dann waren da noch ihre Lippen.
Voll, von Natur aus geformt und von einem tiefen Kirschrosa – sie hoben sich so deutlich von ihrem Teint ab, dass man sie fast unmöglich übersehen konnte. Sie verliehen ihrem Gesicht eine Sanftheit, die in scharfem Kontrast zu ihrem zurückhaltenden Gesichtsausdruck stand.
Bellissima.
Das italienische Wort drang in sein Bewusstsein.
Sie war nicht auf jene zarte, vergängliche Art schön, wie Matteo schon unzählige Frauen zuvor gesehen hatte.
Sie hatte etwas Faszinierendes an sich.
Etwas, das den Raum stiller erscheinen ließ, sobald sein Blick auf ihr ruhte.
„Wer bist du?“
Ihre Stimme war zittrig, fast vor Angst bebend.
Matteos Blick blieb auf ihr haften, als er einen weiteren Schritt auf sie zuging, doch sie wich sofort vor ihm zurück. Die Angst in ihrem Gesicht war offensichtlich, und für einen Moment starrte er sie einfach nur an.
Ein leichtes Lächeln umspielte seinen Mund. Sein Blick wanderte tiefer zum Ausschnitt ihres Nachthemds. Er gab den Blick auf ein wenig Dekolleté frei. Sein Blick glitt langsam über sie hinweg und nahm die anmutigen Kurven ihrer Figur in sich auf. Er fragte sich, wie sie wohl ohne das Nachthemd aussehen würde.
„Meine Augen sind hier oben.“ Sie schnippte mit den Fingern, um seinen Blick wieder auf ihr Gesicht zu lenken, das Kinn erhoben, obwohl die Angst ihr noch immer deutlich anzusehen war.
Er neigte den Kopf, sichtlich überrascht. So verängstigt sie auch war, hatte sie doch noch genug Kraft, um ihn herauszufordern. Das war, mehr als alles andere bisher, interessant.
„Wer zum Teufel bist du?“, verlangte sie erneut zu wissen.
„Das spielt keine Rolle.“ Er wandte sich dem Fenster zu und drehte ihr den Rücken zu – eine kleine, bewusste Geste, um zu zeigen, wie wenig Bedrohung er in ihr sah. „Das wirst du zu gegebener Zeit erfahren.“
Aus den Augenwinkeln sah er, wie sie zur Tür blickte. Er hörte, wie sich ihr Atem veränderte, bevor sie sich bewegte.
Sie rannte los. Die Tür gab unter ihren Händen leicht nach, war unverschlossen, und schon war sie hindurch und rannte davon, noch bevor er sich überhaupt wieder umgedreht hatte; ihre Schritte hallten durch den Flur in Richtung Treppe. Er ließ sie laufen. Sie konnte nirgendwohin fliehen, und ein Teil von ihm wollte sehen, was sie mit der Illusion einer Chance anfangen würde.
Sie schaffte es bis ins Erdgeschoss, bevor seine Männer sie von allen Seiten umzingelten und ihr jeden Fluchtweg versperrten. In die Enge getrieben, wirbelte sie einmal herum und suchte nach einer Lücke, die es nicht gab.
Matteo beobachtete das Geschehen vom oberen Ende der Treppe aus, und ein leises Lachen entfuhr ihm, bevor er es unterdrücken konnte.
Sie blickte auf, und Wut durchbrach die Angst in ihrem Gesicht.
„Amici miei.“ Er breitete die Hände aus und wandte sich an die Männer um sie herum, als würde er einen Gast auf einer Party vorstellen und nicht eine Frau, die gerade versucht hatte, vor ihm zu fliehen. „Das ist Alondra Rosario. Mein besonderer Gast.“
Er kam gemächlich die Treppe herunter, ganz ohne Eile, und sie sagte nichts, als er näher kam, obwohl der Blick, den sie ihm zuwarf, Blut hätte vergießen können.
„Du wolltest einfach so gehen, ohne mir Bescheid zu sagen?“ Er schnalzte mit der Zunge. „Wie unhöflich.“
„Wer bist du“, sagte sie, „und was willst du von mir?“
„Alles, was du wissen musst, Bellissima, ist, dass du mein Gast bist und deine Fragen bis zum Abendessen beantwortet sein werden.“ Er warf zwei seiner Männer einen Blick zu, ohne den Blick von ihr abzuwenden. „Begleitet la bella Alondra zurück in ihr Zimmer.“
„Nein.“ Ihre Stimme zitterte, obwohl sie versuchte, sie ruhig zu halten. „Ich will jetzt Antworten. Warum bin ich hier?“
„Pst.“ Er ergriff ihre Hand, bevor sie sie zurückziehen konnte, hielt ihren Blick fest und presste seinen Mund langsam und bedächtig auf ihre Fingerknöchel. Er spürte, wie ihr der Atem stockte, beobachtete es und machte keinen Hehl daraus, dass er es bemerkt hatte.
„Du wirst deine Antworten bekommen“, sagte er, „wenn ich beschließe, dass du sie verdienst. Capisci?“
Etwas veränderte sich in ihrem Gesichtsausdruck. Die Angst war immer noch da, doch darunter kam etwas anderes zum Vorschein – etwas Heißes und Scharfes. Sie riss ihre Hand aus seinem Griff, als hätte seine Berührung sie verbrannt, und die Wucht dieser Bewegung ließ sie einen halben Schritt zurücktaumeln.
„Für wen zum Teufel hältst du dich eigentlich?“
Die Worte kamen leise und zitternd heraus, diesmal nicht vor Angst, sondern vor Wut. Ihr Kinn hob sich, ihre haselnussbraunen Augen loderten, und für einen Moment vergaß Matteo zu atmen.
Sie war umwerfend.
„Du schleppst mich hierher. Du sperrst mich in ein Zimmer. Du ziehst mir die Kleider aus, während ich bewusstlos bin –“ Ihre Stimme brach beim letzten Wort, und sie presste die Lippen zusammen, um alles andere, was ihr noch auf der Zunge lag, hinunterzuschlucken. Als sie wieder sprach, klang ihre Stimme fester. Härter. „Und du stehst da und redest davon, was ich verdiene? Du kennst mich nicht. Du weißt gar nichts über mich.“
Sie trat einen weiteren Schritt zurück, um Abstand zwischen ihnen zu schaffen, und Matteo ließ sie gewähren. Er hätte sie aufhalten können. Er hätte die Hand ausstrecken, ihren Arm packen und sie daran erinnern können, wie wenig Macht sie in diesem Raum hatte. Aber er tat es nicht.
Er sah sie nur an, während sich ein langsames Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.
„Nein“, gab er zu. „Noch nicht. Aber ich habe es vor.“
Sie starrte ihn an, und für einen Moment sah er etwas in ihren Augen aufblitzen – Verwirrung vielleicht. Oder Unsicherheit. Dann war es verschwunden, ersetzt von derselben scharfen Trotzigkeit.
„Nehmt sie mit“, sagte Matteo zu seinen Männern, seine Stimme ruhig. „Sie ist müde. Sie muss sich ausruhen.“
Er sah sie nicht an, als sie sie wegführten.
Das musste er auch nicht.
Er würde sich noch lange an das Feuer in ihren Augen erinnern.
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Matteo schenkte sich in seinem Büro einen Drink ein, während Alondra immer noch irgendwo im Hinterkopf saß, ungebeten und sich weigernd, zu verschwinden. Er redete sich ein, es sei bloß Neugier. Ein Rätsel, das er noch nicht gelöst hatte. Er grübelte noch immer über diesen Gedanken nach, als sich die Tür öffnete.
„Matteo.“ Dantes Stimme durchdrang die Stille. Er ließ einen Umschlag auf den Schreibtisch fallen, ließ sich auf den Stuhl ihm gegenüber fallen und griff einen Moment später nach Matteos Glas. „Hier ist, worum du gebeten hast.“
Matteo griff noch nicht nach dem Umschlag. „Was ist es?“
„Alles, was wir über sie in Erfahrung bringen konnten, ohne so laut zu graben, dass wir Aufmerksamkeit erregen.“ Dante musterte ihn einen Moment lang. „Also. Wie sieht der Plan aus?“
„Ich will sie in meiner Nähe behalten.“
Dante antwortete nicht sofort. Stattdessen drehte er das Glas einmal in seiner Hand und wägte etwas ab. „Du weißt, dass das deinem Großvater nicht gefallen wird.“
„Mein Großvater muss nicht alles mögen, was ich tue.“
„Nein“, stimmte Dante zu. „Aber er wird Fragen haben, ebenso wie die Hälfte der Männer, und keiner von uns hat bisher eine gute Antwort darauf.“ Er sagte es ganz sachlich, ohne Wertung, genau so, wie es nur Dante zu ihm sagen konnte, ohne dass es einen von beiden etwas kostete. „Ich sage dir nicht, dass du es nicht tun sollst. Ich sage dir nur, dass du eine Antwort parat haben solltest, bevor jemand danach fragt.“
Matteo hielt seinen Blick einen langen Moment lang fest, dann nickte er kurz. Er wusste, dass genau das der Grund war, warum er Dante in seiner Nähe behielt – der einzige Mensch, der bereit war, ihm die Wahrheit vor Augen zu führen, statt ihm das zu sagen, was er hören wollte.
„Ich werde eine haben“, sagte er. „Jetzt gib mir die Akte.“
Dante schob den Umschlag ohne weitere Bemerkung über den Schreibtisch und ließ das Thema ruhen.
Darin befand sich der Rest dessen, was sie zusammengetragen hatten. Sie war das einzige Kind von Adrian und Daniella Rosario. Drei enge Freunde, Melanie, Audrey und Dave, und darüber hinaus fast niemand, eine Handvoll Verwandter mütterlicherseits, mit denen sie seit der Beerdigung kaum noch gesprochen hatte.
Matteo legte die Akte beiseite.
Das würde einfacher werden, als er erwartet hatte. Sie nach Sizilien zu holen, würde kaum Überzeugungsarbeit erfordern – nicht, wenn es in Philadelphia so wenig gab, was sie zum Bleiben bewegen könnte.
Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss, und Alondra lehnte sich mit dem Rücken dagegen, die Hände flach auf das kalte Holz gelegt.Sie zitterte. Sie hasste es, dass sie zitterte.Aber sie konnte nicht damit aufhören. Ihre Hände zitterten gegen das Holz. Ihre Knie fühlten sich schwach an. Ihr Atem kam in kurzen, flachen Zügen, die sie scheinbar nicht kontrollieren konnte.Sie hatte schon einmal Angst gehabt. In der Gasse. Als sie sah, wie dieser Mann fiel. Als sie spürte, wie der Schmerz in ihrem Kopf explodierte.Aber das hier war anders.Das war kalte Angst. Kalkulierte Angst. Die Art von Angst, die entsteht, wenn man jemandem in die Augen blickt und erkennt, dass dieser jemand die ganze Macht hat.Sie stieß sich von der Tür ab, ging zum Fenster hinüber und riss die Vorhänge beiseite. Vor ihr erstreckte sich derselbe Anblick – sanfte Hügel, Bäume in der Ferne, das weitläufige Anwesen.Wunderschön. Abgeschieden. Ein Gefängnis.Sie presste ihre Stirn gegen das kalte Glas und schloss die A
Es klopfte an der Tür.„Herein!“, brüllte Dante.Die Tür öffnete sich, und ein Dienstmädchen trat ein und verbeugte sich respektvoll.„Sie ist wach, Herr.“Matteo hatte am Fenster gestanden, den Rücken zum Zimmer gewandt. Bei diesen Worten veränderte sich etwas in seiner Haltung – so unauffällig, dass es nur jemand bemerkt hätte, der ihn seit zwanzig Jahren kannte.Endlich.Er wandte sich dem Dienstmädchen zu. „Danke, Clarise.“Sie verbeugte sich erneut und eilte hinaus.Dante beobachtete ihn vom Schreibtisch aus und drehte dabei langsam eine Büroklammer zwischen seinen Fingern hin und her. Er hatte Matteo schon zuvor erfreut gesehen – zufrieden nach einer gut erledigten Aufgabe, amüsiert über etwas, das Salvatore gesagt hatte, sogar aufrichtig glücklich in den seltenen Fällen, in denen es angebracht war. Dies war nichts davon. Dies war etwas Stilleres und, wenn Dante ehrlich war, etwas, das er in all den Jahren, in denen er seinen Freund kannte, noch nie auf dessen Gesicht gesehen ha
Sonnenlicht drang sanft durch die schweren Vorhänge, schlüpfte durch die schmalen Spalten und warf dünne goldene Streifen quer durch den Raum. Die Wärme streifte Alondras Gesicht und weckte sie langsam aus dem Schlaf.Sie rührte sich unter der Bettdecke, runzelte die Stirn, als sie wieder zu sich kam. Dann kam der Kopfschmerz, ein scharfer, pochender Schmerz, der durch ihren Schädel pulsierte und sie zusammenzucken ließ. Sie stöhnte und richtete sich auf, wobei sie beide Hände gegen ihre Schläfen presste. Ihre Finger streiften etwas Hartes nahe ihrem Haaransatz – Gaze, die dicht an ihrer Kopfhaut festgeklebt war – und darunter einen dumpfen, empfindlichen Schmerz, der in dem Moment aufflammte, als sie ihn berührte. Sie zog ihre Hand zurück und starrte auf ihre eigenen Fingerspitzen.Ein paar Sekunden lang hielt sie die Augen geschlossen. Der untere seitliche Teil ihres Kopfes pochte, schlimmer, als Kopfschmerzen es eigentlich sein sollten. Irgendetwas fühlte sich falsch an. Die Matrat
Der Morgen war über die Stadt hereingebrochen, doch in Matteos Büro herrschte eine beunruhigende Stille.Er saß hinter dem großen Mahagoni-Schreibtisch, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und ließ die Ereignisse der vergangenen Nacht noch einmal Revue passieren. Der Raum war geräumig und imposant; die dunklen Holzwände und die raumhohen Fenster verliehen ihm eine Atmosphäre stiller Autorität. An einer Wand standen Regale voller ledergebundener Bücher, während jedes andere Detail – von den polierten Möbeln bis hin zur sorgfältig ausgewählten Einrichtung – von Reichtum, Macht und Einfluss zeugte.Doch Matteos Aufmerksamkeit galt nichts davon. Sein Blick blieb auf die Waffe gerichtet, die in seiner Hand ruhte.Die goldene Waffe war über Generationen der Familie Santoro weitergegeben worden. Sie war mehr als nur eine Schusswaffe. Sie war ein greifbares Symbol für den Titel, den er nun trug – das Zeichen des Don. Vor fast einem Jahr hatte sein Großvater sie ihm in die Hände gelegt, zusamme
Die Kälte traf sie wie eine Wand. Die Hitze und der Lärm der Bar verschwanden hinter der Tür und machten der Stille der Novembernacht Platz – kein Bass, kein Geschrei, nur ihr eigener Atem und das ferne Summen des Verkehrs. Es war kurz nach zwei Uhr morgens. Sie hatte keine Lust, wieder hineinzugehen, noch nicht, vielleicht gar nicht. Ihre Lederhose und ihr bauchfreies Top halfen nichts gegen die Kälte, und sie ließ sie trotzdem an ihrer Haut nagen, hieß sie fast willkommen – so, wie sie in letzter Zeit alles willkommen geheißen hatte, was ihr etwas anderes zu spüren gab als den Schmerz darunter.Sie machte sich auf den Weg und lief weiter, zog an ihrem Joint und ließ den Rauch die Schärfe des Windes mildern. Die Straße war auf diese ganz besondere Art still, wie es nur in einer Stadt nach zwei Uhr morgens der Fall ist – nicht gerade leer, aber ausgedünnt, als hätte die Nacht den Großteil ihrer Menschen woanders hingeschickt und die Überbleibsel zurückgelassen.Sie ging den Bürgerstei
*Trauer klopft nicht an. Sie stellt einfach die Möbel um und wartet darauf, dass man es bemerkt.*Die Musik hallte durch den Club, der Bass dröhnte durch den Boden und direkt in Alondras Brust. Sie kippte ihren dritten Schnaps hinunter, ihre Kehle brannte. Sie genoss den bitteren, scharfen Geschmack des Whiskys. Er betäubte den Schmerz, den sie verspürte. Neben ihr brachte Audrey Dave gerade über irgendetwas zum Lachen; sie lachte viel zu laut und stieß ihm alle paar Sekunden gegen die Schulter, als könne sie einfach nicht anders. Alondra blendete den Lärm aus und trank einen weiteren Schnaps.„Okay, das sind drei.“ Melanies Hand schloss sich um ihr Handgelenk, bevor sie nach einem vierten greifen konnte. Seit sie hereingekommen waren – vor zwanzig Minuten und es wurden immer mehr –, hatte Melanie sie nicht aus den Augen gelassen, als könnte Alondra in Flammen aufgehen, wenn man sie unbeaufsichtigt ließe.„Mach mal langsam, Kleine. Das ist kein Wettrennen.“Alondra warf ihr einen unbe







