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Seine VERGESSENE BRAUT
Seine VERGESSENE BRAUT
Author: Aria Skye🌸

001

Author: Aria Skye🌸
last update publish date: 2026-09-01 03:58:20

Chapter 1

Amelias Perspektive

„Du schaffst das, Amelia,“ flüsterte ich und strich die Vorderseite einer cremefarbenen Seidenbluse glatt, die mich zwei Wochen Lebensmittel gekostet hatte.

Mein Spiegelbild blickte mit großen, hoffnungsvollen Augen zurück. Heute war die Präsentation des Hudson-Projekts – der Höhepunkt von drei Monaten koffeingetriebener Nächte und architektonischer Seelensuche. Das war nicht nur ein Karrieremeilenstein; das war mein Baby.

Noch wichtiger: Heute würde Xavier Sinclair im Raum sein.

Ein perfektes Beispiel dafür, wie parteiisch Gott bei seiner Schöpfung gewesen war.

Der Mann war wie eine Sonnenfinsternis – selten, blendend und in der Lage, die Luft allein durch sein Eintreten abzukühlen. Als CEO der Sinclair Group war er der Boss meines Bosses Boss, eine Gottheit in einem anthrazitfarbenen Anzug. Er beherrschte nicht nur einen Raum; er besaß die Atome darin. Zwei Jahre lang hatte ich ihn von hinten in Konferenzschaltungen beobachtet und eine stille, professionelle Besessenheit für die Art und Weise gehegt, wie seine sturm-grauen Augen einen Raum in Sekunden sezieren konnten.

Er war kalt, brillant und unantastbar. Und doch hatte es Momente gegeben – kleine, unerklärliche Aufflackern von Nachsicht –, die ich nicht erklären konnte. Eine verpasste Frist, die er übersehen hatte, ein Stolpern in einem Meeting, das er abgefangen hatte. Ich sagte mir, es sei professioneller Respekt. Mein Herz, verräterisch wie es war, flüsterte, es sei etwas anderes.

Ich schaute auf meine Uhr. Ich hatte genug Zeit.

„Heute wird ein guter Tag,“ versprach ich der leeren Wohnung.

Ich hätte es besser wissen sollen. Das Universum hört ein Versprechen eines guten Tages und behandelt es als persönliche Herausforderung.

Ich steckte im dichten Verkehr fest. Anscheinend war ein riesiger Lastwagen mitten auf der Avenue komplett liegen geblieben und wir mussten warten, bis ein Abschleppwagen ihn wegschleppte.

Alle hielten nur ununterbrochen die Hupen gedrückt.

Als ich nicht mehr warten konnte, rannte ich auf die Straße. Ich sprintete zwölf Blocks in Absätzen, meine Lungen brannten, meine sorgfältig gesteckten Haare begannen sich in der schwülen Midtown-Hitze zu lösen.

Als ich die Drehtüren der Sinclair Group erreichte, stockte mir der Atem.

9:45 Uhr.

Ich war fünfundvierzig Minuten zu spät zum wichtigsten Meeting meines Lebens.

Als sich die Türen des Aufzugs in der Führungsetage öffneten, stürzte ich zum Konferenzraum, mein Herz hämmerte einen hektischen Rhythmus gegen meine Rippen. Ich stieß die Tür des Konferenzraums einen Zentimeter auf, bereit, mich in eine hektische Entschuldigung zu stürzen.

Der Raum war leer.

Der schwere Mahagonitisch war abgeräumt, und der Duft von teurem Sandelholz und kaltem Ozon – sein Duft, der so gut war – lag noch in der Luft. Die Präsentation war vorbei. Ich hatte meine Chance verpasst, ihn überhaupt zu sehen, geschweige denn mich zu erklären.

Ich stand dort einen langen Moment, die Stille des Raumes verspottete mich. Ich hatte die Finanzierung für meinen Vater verloren, und jetzt hatte ich wahrscheinlich den einzigen Job verloren, der sie jemals bezahlen konnte.

Ich ging zurück zu meinem Schreibtisch, den Kopf hängend, und wartete darauf, dass Marcus, mein Vorgesetzter, mich in sein Büro rufen und dem Ganzen ein Ende setzen würde.

„Lia! Wo warst du?“ zischte Chloe, meine beste Freundin in der Abteilung, während sie ihren Stuhl herüberrollte. Ihre Augen waren weit aufgerissen und musterten meinen zerzausten Zustand.

„Ich dachte schon, du bist eine wandelnde tote Frau.“

„Ich… Der Verkehr war wahnsinnig. Hat Marcus mich gefeuert?“

Chloe schüttelte den Kopf und sah echt verwirrt aus. „Das ist der seltsame Teil. Als du nicht erschienen bist, fing Marcus an, über ‚millennial Arbeitsethik‘ zu wettern. Aber der Big Boss hat nur auf deinen Namen in der Akte geschaut. Er hat kein Wort gesagt. Er hat Sophie gesagt, sie soll deine digitalen Designs rausholen und präsentieren. Er saß da in totaler Stille und hat sich deine Renderings angeschaut. Als es vorbei war, sagte er, die Arbeit sei ‚makellos‘ und dass er keine Präsentation brauche, um Talent zu erkennen. Keine Strafe. Kein Vermerk. Girl… Nichts!“

Ich blinzelte, das Blut schoss mir ins Gesicht. „Hat er das getan?“

„Lia,“ flüsterte Chloe mit einem frechen Grinsen im Gesicht. „Der Boss aller Bosse war immer schon seltsam nachsichtig mit dir. Jeder hat es bemerkt. Du kommst zu spät mit einer Deadline? Ihm ist es egal. Du verpasst ein Meeting? Er tut so, als hätte er es nicht bemerkt. Ich glaube, du hast einen geheimen Schutzengel in einem Fünftausend-Dollar-Anzug.“

„Er weiß nicht mal, dass ich existiere, Chloe,“ seufzte ich und legte den Kopf auf meinen Schreibtisch. „Ich bin nur ein Name auf einer Gehaltsliste.“

Sie ließ ihr übliches dramatisches „Hmm“ raus, bevor sie ihren Stuhl zurück zu ihrem Tisch rollte.

Das leichte Gespräch brachte mich von der Kante, ich atmete erleichtert auf, dankbar, dass ich meinen Job noch hatte.

Ich versuchte, nicht an den Milliardär und seine Nachsicht mir gegenüber zu denken, von der ich absolut nicht wusste, warum, aber an die ich mich gewöhnt hatte.

Ich konzentrierte mich auf meine Zeichnungen, aber das Bild vom blassen Gesicht meines Vaters flackerte immer wieder über den Bildschirm. Ich war gefangen. Ich hatte kein Geld, keine Zeit, und die Uhr tickte.

Und je länger sie tickte, desto hyperbewusster wurde ich, mein Handy vibrierte.

„Amelia? Hier ist Krankenschwester Sarah. Dein Vater… er hat einen Kollaps gehabt. Sein Herz ist in Arrhythmie gegangen. Wir haben ihn vorerst stabilisiert, aber er liegt auf der Intensivstation. Du musst hierherkommen. Sofort.“

Die Welt kippte und alles schien sich zu drehen. Meine Sicht wurde unscharf, aber ich dachte nicht nach. Ich griff nicht nach meinem Mantel.

Ich rannte einfach, in der Unschärfe von allem.

Ich stürmte durch die Drehtüren des Sinclair-Gebäudes und prallte gegen eine Wand aus Wasser. Ein klassischer New Yorker Sommerregen hatte den Himmel schwarz gefärbt.

Der Wind heulte, peitschte mir die Haare ins Gesicht und blendete mir die Augen.

„Taxi!“ schrie ich und winkte hektisch mit dem Arm.

Die gelben Taxis rauschten vorbei, ihre ‚Außer Dienst‘-Lichter verspotteten mich. Ich trat vom Bordstein, der Regen durchtränkte meine dünne Bluse in Sekunden, ich zitterte heftig. Ich weinte jetzt, die heißen Tränen vermischten sich mit dem eiskalten Regen.

„Bitte,“ schluchzte ich zur leeren Straße. „Bitte, nicht heute. Nimm ihn nicht heute.“

Ich checkte die Mobile-Taxi-App auf meinem Handy, aber keine waren verfügbar wegen des schlechten Wetters.

Ich fühlte, als würden die Augen der Stadt mich beobachten – die mitleidigen Blicke der Leute unter Regenschirmen, das harte Glühen der Ampeln. Ich war am Ende meiner Kräfte. Ich hatte nichts mehr zu geben.

Ich starrte hinaus auf den Regen, der gegen die Glastüren der Lobby peitschte. Ich hatte heute meine Karriere gerettet, aber als ich den grauen New Yorker Himmel anschaute, wurde mir klar, dass ich gerade den einzigen Menschen verlor, der diese Karriere überhaupt lebenswert machte.

Ich hatte keine achtzehntausend Dollar. Ich hatte kein Wunder.

Und als der erste Schluchzer aus meiner Kehle brach, wurde mir klar, dass ich bis zum Sonnenaufgang morgen entweder das Geld finden würde – oder ich wäre eine Waise.

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