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VERONICA

Auteur: STEAMY WRIITE
last update Date de publication: 2026-08-20 19:09:37

„Das ist verdammt merkwürdig. Ich dachte eigentlich, dass Caspians Adern nur verblasst sind, weil er weniger getrunken hat als wir. Kannst du bitte mal Rushs Gesicht berühren? Ich muss sehen, ob das nur ein Zufall war.“

Ich trete an Rush heran. Doch im Gegensatz zu den anderen schließt er seine Augen nicht – seine tiefdunklen Augen bleiben starr auf mich gerichtet. Ich lege meine Fingerspitzen zuerst auf seine Wange und gleite dann vorsichtig die dunklen Äderchen entlang. Wie gebannt verfolge ich, wie sie sich augenblicklich auflösen.

„Heilige Scheiße, es liegt an ihrer Berührung! Fass mich an! Fass mich an!“, platzt es aus Zeke voller Ehrfurcht heraus. Ich muss auflachen, trete zu ihm hinüber und berühre seine Augenpartie. Genau wie bei den anderen fangen die schwarzen Linien sofort an zu verblassen. „Funktioniert es? Verschwinden sie?!“

„Sie verschwinden“, bestätige ich ihm.

„Was hat das zu bedeuten?“, wendet sich Zeke an Slate. Ich drehe mich zu ihm um – er wirkt genauso ratlos wie der Rest der Truppe.

„Ich nehme mal an, die Adern verblassen normalerweise nicht so schnell?“

„Nein, das dauert sonst locker eine gute halbe Stunde. Manchmal geht es zwar schneller, aber niemals so blitzartig. Zeke, trink noch einen Schluck. Blümchen, kannst du deine Finger an seinen Augen lassen, während er trinkt? Ich will nur kurz was testen.“ Ich bin zwar ein wenig verwirrt darüber, was hier eigentlich gerade abgeht, willige aber ein.

Ich platziere meine Fingerspitzen dort, wo eben noch die dunklen Linien verliefen, und Zeke nimmt einen weiteren Schluck aus dem Beutel. Seine Augen Verfärben sich erneut tiefschwarz, doch von den Adern ist weit und breit nichts zu sehen. Ich berühre ihn weiter, aber es passiert nichts weiter.

„Verfluchte Scheiße, ein gewöhnlicher Schutzschild kann so was niemals auslösen! Zumindest keiner, von dem ich je gehört hätte“, meint Caspian, tritt an meine Seite und beobachtet Zekes Gesicht messerscharf.

Ich trete einen Schritt zurück und blicke zu Slate, der mich völlig fasziniert anstiert. „Ich glaube, was auch immer in deinem Blut fließt – was auch immer deine wahre Gabe ist –, es ist verdammt noch mal weit mehr als nur ein Schild. Du mochtest die schwarzen Adern nicht, richtig?“ Ich nicke stumm. „Womöglich sind sie genau deshalb verschwunden, als du uns berührt hast: Weil du es dir tief in deinem Inneren genau so gewünscht hast.“

„So als hätte ich sie unbewusst dazu gezwungen zu verschwinden? Wobei ich mich eigentlich daran gewöhnt hatte, nachdem ich Caspian berührt habe.“

„Ja, eben weil sie bei ihm dann schließlich weg waren“, entgegnet Slate. „Hast du deine Gabe denn je bei irgendetwas anderem ausprobiert?“

„Nein. Der einzige Grund, warum ich überhaupt weiß, dass ich so eine Kraft besitze, ist ein Vorfall aus meiner Kindheit: Eine Gruppe Vampire wollte sich an Emz und mich heranmachen, aber sie kamen einfach nicht an uns heran. Ich habe danach recherchiert, meine Eltern haben mit ein paar Leuten gesprochen … aber ihr seid ehrlich gesagt die ersten übernatürlichen Wesen, denen ich seitdem wieder so nahegekommen bin.“ Ich beiße mir nervös auf die Unterlippe.

„Du warst also noch nie in deinem Leben in der Nähe eines Vampirs … auf eine friedliche Art und Weise?“, hakt Rush nach.

„Nein. Das ist alles absolutes Neuland für mich. Ich wusste zwar, dass es euch und andere Wesen gibt, aber ich bin noch nie welchen begegnet.“ Er mustert mich intensiv, blickt mir tief in die Augen, ehe er den Blick schließlich abwendet.

„Wir müssen das erst einmal absolut unter uns halten“, wendet sich Slate mit ernster Miene an die Gruppe und sieht jeden Einzelnen an. „Der Rat weiß zwar von Menschen mit bestimmten Gaben, aber sie interessieren sich vor allem für die extrem seltenen Spezies. Und glaubt mir: Ich will um keinen Preis der Welt, dass diese Typen dir jemals zu nahe kommen.“ Er nimmt sanft meine beiden Hände in seine.

„Warum? Sind das schlechte Menschen?“, frage ich besorgt.

„Wenn es um seltene Schätze geht, sind sie gierige, rücksichtslose Subjekte. Und sie könnten dich genau als so einen Schatz betrachten. Sie können dir zwar vielleicht nichts anhaben, aber das bedeutet nur, dass sie alles daransetzen werden, herauszufinden, was dir gefährlich werden kann.“ Na toll. Jetzt darf ich mir auch noch Sorgen wegen irgendeines mysteriösen Rats machen.

„In Ordnung. Es bleibt absolut unter uns“, versichere ich ihm. Er lächelt erleichtert, seine Hände halten immer noch die meinen. Ich ziehe sie nicht zurück; seine Berührung hat irgendetwas seltsam Beruhigendes an sich.

„Darf ich mal eine Frage stellen?“, bricht Zeke plötzlich den Moment auf, woraufhin ich einen Schritt zurückweiche. „Wenn ihre Berührung Dinge erzwingen kann … kann sie Vampire dann vielleicht dazu bringen, Dinge gegen ihren freien Willen zu tun? So wie wir es bei Menschen können?“

„Uh, das klingt ja mal extrem spannend!“, kicher ich amüsiert. „Lasst mich versuchen, Rush zu beeinflussen!“, sage ich voller Vorfreude.

Er verschränkt spöttisch die Arme vor der Brust. „Ich würde zu gerne sehen, wie du das versuchst, Blümchen.“

„Los, mach schon! Das geschieht ihm völlig recht!“, feuert Slate mich grinsend an.

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