LOGINLuna Ashveil hat ihr ganzes Leben im Verborgenen verbracht. Als Tochter des Alpha-Königs geboren, war sie dennoch nie in der Lage, sich zu verwandeln. Nun kommt sie unter falschem Namen an die Crimson Academy – Luna Grey, unrangiert, ohne Wolf. An einem Ort, an dem Hierarchie alles bedeutet und die Schwachen aussortiert werden, glaubt sie, nur überleben zu können, indem sie unsichtbar bleibt. Dann betritt Caius Varn die Eingangshalle. Der Kandidat auf den Rang des Lykanerkönigs. Ihr vom Schicksal bestimmter Gefährte. Er spürt die Bindung im selben Moment wie sie – und weist sie vor der gesamten Akademie zurück. „Ich werde keine wolfslose Gefährtin mit mir tragen.“ Die Zurückweisung hätte ihre Bindung durchtrennen müssen. Stattdessen reißt sie etwas in Luna auf. Ihr Körper beginnt sich zu verändern. Uralte Male treten hervor. Böden zerbrechen unter ihren Händen. In den versiegelten Gewölben der Akademie entdeckt sie die Wahrheit, die ihre Blutlinie begraben hat: Sie ist nicht wolflos. Sie ist das Gefäß eines himmlischen Wesens, das älter ist als die Lykanerkönige selbst – eine Macht, die einst bis zur Ausrottung gejagt wurde und nun durch genau jene Zurückweisung erwacht, die sie zerstören sollte. Während die Bindung sich weigert zu sterben, kann Caius seinen Blick nicht mehr von ihr abwenden. Politische Feinde ziehen ihre Kreise. Alte Siegel brechen. Und je mehr Luna über die Frau erfährt, deren Essenz sie in sich trägt, desto deutlicher wird, dass die Akademie, die Höfe und der Erbe, der sie zurückgewiesen hat, allesamt am Rand von etwas stehen, das sich nicht wieder in den Schlaf zwingen lässt. Sie war nie dazu bestimmt, die Crimson Academy zu überleben. Sie war dazu bestimmt, sie neu zu erschaffen.
View MoreIch nahm den Servicekorridor hinter den Osttribünen, sobald ich das Arenator passiert hatte.Die Haupthalle war immer noch voll. Zu viele Leute schauten immer noch. Der Stein unter meinen Stiefeln war nass vom Schlauch, den sie für den Sand benutzt hatten. Wasser lief in dünnen Linien zum Abfluss.Er holte mich ein, wo der Korridor enger wurde und die Fenster aufhörten.Grey.Ich ging weiter.Luna Grey.Ich blieb stehen. Die nächste Tür öffnete sich direkt auf den Hof. Zu viele Augen da draußen.Er trat vor mich. Nah, aber ohne zu berühren. Immer noch in Kampfkleidung. Kragen dunkel. Schnitt an einem Knöchel, den er nie verbunden hatte. Sah mich an, als wäre ich ein Problem, das man lösen musste, bevor es schlimmer wurde.Was bist du.Nicht neugierig. Flach.Eine Schülerin, sagte ich.Tu das nicht.Die Bindung lag zwischen uns genauso wie seit der Eingangshalle. Schwer. Falsch. Eine Ablehnung hätte sie abschwächen sollen. Diese hier tat es nie. Ich spürte sie in den Zähnen.Ich weiß e
Die Arena war älter als die Klassenzimmer.Der Sand war hart gestampft. Hohe Mauern. Ein Ring aus Sitzen, die eigentlich keine Sitze waren, sondern nur ein Platz, an dem die Leute standen und entschieden, ob man es wert war, behalten zu werden. Flaggen. Überall das Akademie-Wappen, der Wolf mit der Krone, als könnte man vergessen, wer hier die Luft beherrschte.Ich kam durch das Tor der Wettkämpfer, weil am anderen Tor ein Schild für Rangierte hing. Der Tunnel unter den Rängen roch nach feuchter Wolle und altem Blut, das jemand versucht hatte wegzuschrubben und nicht ganz wegbekommen hatte. Ein Aushang listete die heutigen Prüfungen auf. Dominanz. Ausdauer. Spur. Mein Name war handschriftlich ganz unten bei Dominanz eingetragen, die Tinte noch dunkel. Weiter hinten im Tunnel stritten zwei rangierte Sekundanten über Wettscheine. Einer von ihnen warf mir einen Blick zu, dann dem Aushang, und entschied, dass ich die Tinte nicht wert war. Gut. Ich wollte den Sand, nicht ihr Geld. Die Tu
Zurückweisung: Bindungen verblassen.Das stand so im Lehrbuch. Genau das hatte der Ausbilder zweimal unterstrichen. Getrennte Verbindung. Die Hitze stirbt ab. Das Ziehen lässt nach. Nach einer Woche kann man im selben Raum sitzen und fühlt nur noch Verlegenheit.Meine verblasste nicht.Drei Tage nach dem Vorfall in der Halle konnte ich immer noch spüren, wo Caius war, wenn ich lange genug stillstand. Keine Richtung wie bei einem Kompass. Eher wie ein blauer Fleck, den man vergisst, bis man sich falsch bewegt. Morgens im Ostflügel. Nach dem zweiten Glockenschlag auf dem Trainingsplatz. Einmal spät im Gewölbekorridor, was ich nur wusste, weil sich der Draht in meiner Brust zusammenzog und dann wütend wurde.Ich begann, den Umweg zum Unterricht zu nehmen, damit ich ihm nicht begegnete.Es half nicht so sehr, wie es hätte helfen sollen.Zweimal ertappte ich mich dabei, wie ich mich ohne jeden vernünftigen Grund in Richtung Trainingsflüge drehte. Beim dritten Mal biss ich mir so fest auf d
Das unterirdische Archiv roch nach Staub, dem es längst egal geworden war, ob er sich dafür schämen sollte.Steinstufen. Keine Fenster. Lampen, die summten, statt zu flackern. Der Pass in meiner Hand brachte mich durch eine Tür und dann durch eine zweite, hinter der eine Frau saß, die älter aussah als das Gebäude selbst. Vor ihr stand ein Schreibtisch ohne Computer. Nur Papier. Nur ein Stempel. Nur Augen, die mich bereits gemustert hatten, bevor ich überhaupt ganz eingetreten war.„Grey“, sagte sie.Ich hatte ihr meinen Namen nicht genannt.„Ich suche nach Aufzeichnungen über wolfslose Wandler.“Sie stand auf. Langsam. Ihr Rücken gab ein leises Knacken von sich. Eine Omega, wenn ich raten müsste, aber eine von der Sorte, die die Menschen überlebt hatte, die früher über ihren Rang entschieden hatten.„Hier entlang.“Wir kamen an Regalen vorbei, die bis in die Dunkelheit hinaufragten. Gebundene Rudelchroniken. Gerichtsprotokolle. Medizinische Akten von Schülern, die Jahrzehnte zurückrei