Se connecterFabian hatte Friedas Hand weggeschoben. Nun konnte er die Tränen nicht länger zurückhalten, und sie rollten über seine Wangen. „Papa, will Mama mich nicht mehr?“Genau wie den Kuschelzucker.Julian stockte der Atem. Fabians Schluchzen fühlte sich an wie ein Messerstich in sein eigenes Herz. „Nein, nein, das wird sie nicht. Ich habe Herrn Werner schon losgeschickt, um Mama zu suchen. Dann entschuldigen wir uns zusammen bei ihr und holen sie zurück, ja?“, versprach er, den Jungen fest in den Armen haltend. Seine tiefe Stimme klang, als wolle er sich selbst davon überzeugen.Die Atmosphäre in der Villa war erdrückend.Fabian weinte noch lange, bis er vor Erschöpfung einschlief. Julian trug ihn dann vorsichtig ins Kinderzimmer und bettete ihn dort. Dann ging er wieder nach unten.Frieda, die nun nacheinander abgewiesen worden war, gab noch immer nicht auf. Sie zeigte absichtlich den roten Abdruck von Fabians Händchen auf ihrem Handrücken und setzte ein weinerliches Gesicht auf.
Julian starrte noch lange auf die Dinge, bis ihm fast die Luft wegblieb. Dann kehrte er ins Wohnzimmer zurück und ließ sich kraftlos aufs Sofa fallen.Die große Villa war unheimlich still. Früher hatte er diese Stille nie als Kälte empfunden, doch jetzt war sie unerträglich quälend.Und unzählige Tage und Nächte in der Vergangenheit hatte Laura genau so hier gesessen – allein, wartend auf ihn und Fabian.Unbemerkt wich die Nacht. Der erste Streifen Morgensonne fiel ins Zimmer.Julians Augen waren blutunterlaufen. Er hatte die ganze Nacht durchwacht, ohne es zu merken. Der Aschenbecher war überfüllt mit kalten Kippen.Plötzlich durchbrach ein Geräusch aus der Eingangstür die Totenstille im Haus.„Julian? Um Himmels willen, was ist mit dir passiert?“Frieda hatte die Tür geöffnet und blieb wie angewurzelt stehen, als sie den völlig mitgenommenen Mann sah.Ihr Blick glitt unauffällig durch den Raum, stellte die ungewöhnliche Leere und vor allem Lauras Abwesenheit fest. Sie verstan
„Sie hat gesagt, sie hat etwas für dich hinterlassen. Schau selbst nach. Und komm mir nicht mehr auf die Nerven.“„Was man hat, schätzt man nicht. Erst der Verlust bringt die Reue.“Zack! Die Tür schlug zu.Die Nacht war tief. Ein kalter Wind fuhr ihm um die Ohren, peitschte gegen ihn, doch er spürte nichts. Nur starr stand er vor der Tür.Laura hatte etwas für ihn hinterlassen?Das Bild der Kartons schoss ihm durch den Kopf. Sekundenschnell kam Julian zu sich, raste nach Hause und stürmte die Treppe hoch in ihr gemeinsames Schlafzimmer.Eigentlich hätte er den Inhalt schon vor Tagen sehen müssen. Doch durch alle möglichen Umstände hatte er den Karton erst jetzt geöffnet.Zuerst fiel sein Blick auf ein Blatt Papier.Die Überschrift traf ihn wie ein Messerstich mitten ins Herz.Scheidungsantrag.Julians Pupillen verengten sich schockartig. Sein Blick war eine Mischung aus blankem Entsetzen und Unglauben.Sie wollte sich von ihm scheiden lassen?Er war doch immer davon ausg
Julians Gedanken waren wie leergefegt. Er wusste buchstäblich nicht, wo er anfangen sollte, sie zu suchen.Plötzlich blitzte ein Name in seinem Kopf auf.Marie – Lauras beste Freundin. Sie musste Bescheid wissen.Julian sprang auf, ohne darauf zu achten, dass Asche auf sein Hemd rieselte, und stürmte aus dem Haus.Seine Hände umklammerten das Lenkrad. Er trat das Gaspedal bis aufs Ende und raste, seinem Gedächtnis vertrauend, direkt zu Maries Wohnung.Eine halbe Stunde später.Ding-dong!Das Klingeln ertönte.Marie, die den Lieferservice vermutete, öffnete die Tür und erstarrte für einen Moment beim Anblick des Besuchers.So hatte sie Julian noch nie gesehen.Seine Haare waren zerzaust, die Augen blutunterlaufen, an seiner Kleidung klebte Asche – insgesamt wirkte er völlig ramponiert.Julian schob sie einfach beiseite und trat mit großen Schritten ein. „Laura“, sagte er mit rauer Stimme, „ich weiß, dass du hier bist.“„Du magst Katzen? Wir können eine zu Hause halten. Du ma
Koch-Gruppe.Im Vorstandsbüro rieb sich Julian müde die Schläfen. Die letzten Tage mit dem Ausschreibungsmarathon waren anstrengend gewesen, doch endlich lag alles hinter ihm.Klopf, klopf, klopf!Herr Werner trat ein, legte die geordneten Ausschreibungsunterlagen auf den Tisch, blieb aber dann zögernd stehen und blickte Julian wortsuchend an.Julian runzelte die Stirn. „Was gibt‘s?“Erst dann sprach Herr Werner. „Herr Koch, im Internet kursieren schon wieder Gerüchte über Sie und Frau Schuster. Sollen wir…“Früher hätte er es stets verachtet, diese wirren Falschmeldungen auch nur zu kommentieren.Aber jetzt…Der Gedanke, dass Laura ihm bis jetzt nicht geantwortet hatte, ließ ihn nicht los. War sie immer noch sauer?Nach kurzem Überlegen sagte Julian mit ernster Stimme: „Lassen Sie die Rechtsabteilung eine gerichtliche Unterlassungserklärung aufsetzen. Ich will keine Gerüchte mehr über mich sehen.“Herr Werner blitzte Überraschung aus den Augen.Julian zog eine Augenbraue hoc
Patrick stieß unwillkürlich seine Brille nach oben. Hinter den Gläsern blitzte für einen Moment etwas wie Anerkennung in seinen Augen auf.Diese Frau Neumann war sogar noch interessanter, als er es sich vorgestellt hatte.Da erklang eine schwache Frauenstimme an seinem Ohr.„Patrick, es tut mir leid, dass ich dir wieder Umstände mache.“Der Arzt hatte Annas Wunde bereits verbunden, doch ihr Gesicht war immer noch sehr blass.Patrick ging sofort zu ihr und beruhigte sie mit leiser Stimme. „Was redest du da für Unsinn. Du bist einfach krank. Ich habe eine Ärztin für dich gefunden.“Laura trat einen Schritt vor. „Guten Tag, Frau Hofmann.“Anna lächelte und nickte.„Guten Tag, Frau Neumann. Nennen Sie mich bitte einfach Anna.“Von Natur aus war sie ein sehr sanftes Mädchen. Eben deshalb war sie von diesem widerlichen Typen emotional manipuliert worden. Selbst während eines Anfalls griff sie niemanden an, sondern richtete das Messer gegen sich selbst.Laura seufzte. „Anna, in näch
Die Stimmung in der Lounge war mehr als nur peinlich.Doch Laura schien davon völlig unberührt. Ihr Gesichtsausdruck war ruhig wie Wasser. Gestützt auf ihren Stock bewegte sie sich langsam in eine Ecke und setzte sich.Es war bisher immer üblich gewesen, dass Julian den zentralen Platz einnahm.A
Gerade als Herr Werner zur Tür hinausging, erblickte er Laura, die am Treppenabsatz stand.„Frau Koch, Herr Koch hätte am Nachmittag eine kleine Gesellschaft, zu der er Sie einladen möchte.“Laura zog die Stirn kraus und wollte gerade ablehnen.Da trat Julian aus dem Arbeitszimmer. Mit ernster St
Julian seufzte lang. Am Ende siegte doch sein weiches Herz.„Schon gut, sei nicht mehr beleidigt. Dass ich dich heute allein gelassen habe, war meine Unachtsamkeit. Es tut mir leid. In Zukunft lasse ich dich nicht mehr im Stich.“Er milderte seinen Ton, trat auf sie zu und setzte sich neben Laura.
Danach blitzte kurz eine heimliche Freude in Friedas Augen auf, die sofort wieder verschwand.Doch sie sagte: „Frau Neumann ist wohl sauer... Es ist meine Schuld, dass ich plötzlich diesen Herzanfall bekam und euch da mit reingezogen habe. Sobald es mir besser geht, wird ich persönlich zu ihr gehen







