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Kapitel 3

Auteur: Lola
Julians schmale Lippen waren fest zusammengepresst. Er sah auf ihre zurückweichende Gestalt, seine gut geformte Stirn in Falten gelegt. Eine unerklärliche Gereiztheit stieg in ihm auf.

Irgendwie schien Laura anders zu sein als früher.

Frieda musterte seinen Gesichtsausdruck, biss sich auf die Lippe und sagte vorsichtig: „Julian, war sie eben vielleicht verärgert und hat das absichtlich so gesagt? Ich wollte wirklich nicht, dass die Medien etwas missverstehen.“

Julian runzelte leicht die Stirn, seine schmalen Augen halb geschlossen.

Hatte Laura das nur aus Trotz gesagt?

„Es ist nicht deine Schuld. Kümmere dich nicht um sie.“

Julians Stimme war kühl, sein Ausdruck gleichgültig.

Sie war Frau Koch, hatte aber nicht einmal die Veranstaltung ihres eigenen Sohnes besuchen wollen. Wenn sie aus Trotz ihrem Sohn zuliebe Frieda geschickt hatte, dann musste sie auch mit den Konsequenzen leben.

Ein Lächeln spielte um Friedas Mundwinkel, in ihren Augen lag Berechnung.

Die Sache mit Julian und Frieda verbreitete sich schnell wie ein Lauffeuer, die Schlagzeilen wurden von der Geschichte überflutet.

So schnell Julian die Schlagzeilen auch löschen ließ, der Schaden war bereits angerichtet.

Natürlich hatte auch Marie es mitbekommen.

„Also… du hast es dir anders überlegt? Du willst wirklich hier weg und nach Bremen?“ Maries Blick wanderte von den Schlagzeilen zu Laura, sie zog eine Augenbraue hoch. „Soll ich dann alle Unterlagen hier für dich vernichten, deine Spuren verwischen und deinen weiteren Aufenthaltsort geheim halten?“

Lauras Blick blieb an den Schlagzeilen haften, an dem Schnappschuss.

Julian und Frieda saßen auf den Zuschauerplätzen und lächelten Fabian zu, der gerade seine Geige weggelegt hatte.

Die perfekte kleine Dreierfamilie, ein Bild des harmonischen Glücks.

Niemand wusste, dass sie es gewesen war, die damals mit unendlicher Geduld neben ihrem Sohn gesessen und ihn Stück für Stück begleitet hatte, damit er die Freude an der Musik nicht verlor.

Und jetzt sagten alle, ihr Kind habe Friedas künstlerische Begabung geerbt.

Genau in diesem Moment „likte“ Frieda einen entsprechenden Beitrag.

Und postete gleichzeitig einen vieldeutigen X-Post: „Jemand hat mich einmal gefragt: Können sich zwei Liebende, die sich getrennt haben, wirklich wieder glücklich werden? Meine Antwort heute lautet: Zwei Menschen, die sich wahrhaft lieben, waren immer schon ein Ganzes. Es gibt nichts wieder ganz zu machen.“

„Ja“, sagte Laura und wandte den Blick ab. Ihre Stimme war leise. „Vernichte alles.“

Diese Stadt barg die Erinnerungen von fünfundzwanzig Jahren ihres Lebens.

Doch der größte Teil davon war unschön.

Der Tod ihrer Eltern, der Niedergang der Neumanns, und ihre eigene, einst so stürmische Liebe, die schließlich in einer schmerzhaften Niederlage geendet hatte.

Außer Marie und der Villa gab es hier längst nichts mehr, an das sie sich klammern wollte.

Vermutlich weil die Sache mit den Schlagzeilen zu viel Aufsehen erregt hatte.

Am Abend bestellte Laura Essen, ohne selbst zu kochen.

Früher hatte sie sich stets Sorgen um die Gesundheit von Julian und ihrem Sohn gemacht und alles selbst erledigt. Nun, da sie gehen würde, und da Julian und Fabian ihr Essen ohnehin oft kritisiert hatten, bestellte Laura einfach von dem Restaurant, das beide bevorzugten.

So war der Mensch eben.

Manchmal brachte all die Mühe weniger als einfach nach dem Willen des anderen zu handeln.

So wie die mühsam gekochte Suppe, der nie so gut ankam wie das von Frieda reservierte Restaurant.

Zufällig erfuhr Herr Koch von den Schlagzeilen und rief extra an.

Als Julian aufgelegt hatte und das Essen auf dem Tisch sah, war er einen Moment verblüfft.

Laura erklärte nur ruhig: „Ihr beide mögt dieses Restaurant. Heute war ich zu beschäftigt. Probier es doch mal.“

Julians Stirn legte sich in Falten.

Die Worte seines Großvaters hallten in seinen Ohren nach.

„Julian, manchmal zählt nicht der Anfang, sondern das Ergebnis und der Weg dorthin. Wie Laura zu dir stand, das weißt du selbst. Nach der Hochzeit hat sie gehört, dass dein Magen Probleme macht, und jeden Tag stundenlang Suppe für dich gekocht. Sie ist verwöhnt aufgewachsen, aber hat sich für dich die Hände verbrüht… Im Leben fürchtet man nicht so sehr bedauerliche Fehler, sondern dass man die falsche Gelegenheit verpasst. Julian, diese andere Frau liegt hinter dir. Ein Außenstehender sieht es klar: Das Schlimmste ist, seine Liebe nicht zu erkennen – und dafür bitter zu bezahlen.“

Liebe?

Zwischen ihm und Laura war stets eine kühle Höflichkeit geherrscht. Er wusste genau, dass sie all das nur für den Titel Frau Koch getan hatte. Wo sollte da Liebe sein?

Doch als er das kunstvoll angerichtete Essen vor sich sah, überkam Julian eine plötzliche Gereiztheit.

Sie liebte ihn, aber sie wollte nicht einmal mehr für ihn kochen?

Oder… war sie immer noch wegen der Sache mit Frieda beleidigt?

Auch Fabian runzelte sein kleines Stirnchen. Zwar mochte er das Restaurant sehr, aber Mama war sonst nicht so. Sie hatte immer selbst gekocht.

Kochte sie nur nicht, weil sie immer noch sauer war?

Warum musste sie immer so sein?! Wegen jeder Kleinigkeit machte sie Papa und Frau Schuster das Leben schwer. Konnte sie nicht einfach verständnisvoll und einfühlsam sein wie Frau Schuster?

Fabian presste die kleinen Lippen zusammen, aß aber brav und mit sichtlicher Überwindung.

Kurz darauf sagte Julian unvermittelt und mit neutraler Stimme: „Morgen… muss ich Frieda zu einer Nachuntersuchung begleiten.“

Frieda hatte sich vor einiger Zeit bei einer Bühnennummer das Fußgelenk verletzt.

Es war nichts Ernstes, aber eine Kontrolle war nötig.

Wie es sich anfühlte, wenn der Ehemann in Gegenwart seiner Frau ankündigte, eine andere Frau zu begleiten – das wussten andere nicht.

Laura jedoch hatte es in all den Jahren zur Genüge erlebt.

Sie war nicht überrascht.

„Gut.“

Laura nickte nur beiläufig, ohne jede Regung, und legte ihre Stäbchen ab. „Ich bin satt. Wenn es nichts weiter gibt, gehe ich auf mein Zimmer.“

Fabian neben ihr stutzte und fragte instinktiv: „Mama, begleitest du mich heute nicht beim Geigenüben?“

Früher war Mama immer neben ihm gesessen, wenn er Geige übte.

Heute hatte sie nicht nur nicht gekocht, sondern auch das Üben völlig vergessen.

Laura dachte an die Kommentare unter den Schlagzeilen und lächelte. „Du schaffst das alleine. Ich verstehe nichts von Geige, ich wäre hier nur im Weg.“

Noch bevor sie ausgesprochen hatte, griff Julian plötzlich nach ihrem Handgelenk. Seine dunklen, kalten Augen fixierten sie.

Mit fest zusammengepressten Lippen sagte er gleichgültig und ungeduldig: „Was hast du jetzt schon wieder? Du weißt doch, dass die Sache heute ein Missverständnis war. Laura, du hast damals alles getan, um hier einzuziehen. Jetzt solltest du umso mehr deine Rolle als Frau Koch erfüllen. Ist es dir denn so lästig, deinen Sohn beim Üben zu begleiten?“

Laura begegnete seinem klaren, tiefen Blick und musste plötzlich lachen.

Sieben Jahre lang hatte er sie kalt behandelt.

Eine andere Frau tief in seinem Herzen getragen.

Und jetzt ermahnte er sie, ihre Pflichten als Frau Koch wahrzunehmen.

Wer verwöhnt wurde, traute sich wirklich alles.

Laura lächelte. Langsam zog sie ihre Hand zurück.

„Ich dachte, ich hätte meine Pflichten als Frau Koch recht ordentlich erfüllt“, sagte Laura und sah Julian an. „Und ich mache keine Szene. Ich bin auch nicht wegen der Schlagzeilen verärgert. Ich habe kein musikalisches Talent, und Fabian braucht mich nicht, um ihm unpassende Anweisungen zu erteilen.“

Ihr Sohn mochte Frau Schuster, sehnte sich nach einem solchen glanzvollen Leben.

Sie gewährte es ihm.

Sie mochten ihr Essen nicht, liebten das von Frieda ausgesuchte Restaurant.

Sie gewährte es ihnen.

Früher hatte sie immer „Theater“ gemacht, nur weil sie sich nicht fügen wollte.

Jetzt, da sie ihnen alles gewährte, was sie wollten – was sollte daran falsch sein?

Nach diesen Worten drehte Laura sich um und ging. Julian jedoch blieb wie angewurzelt stehen.

Er zündete sich eine Zigarette an, seine dunklen Augen waren tief und undurchdringlich.

Doch seine Stirn war gefurcht.

Sie schien… sich wirklich nicht mehr wegen Frieda mit ihm zu streiten.

Aber warum fühlte sich sein Herz immer enger und schwerer an?

Laura ging auf ihr Zimmer. Die meisten Sachen, die sie mitnehmen wollte, hatte sie in den letzten Tagen bereits gepackt.

Bevor sie ging, wollte sie nur noch einmal Herrn Dr. Vogt besuchen.

Am Abend jedoch verhielt Julian sich ungewöhnlich. Er schlief nicht wie sonst im Gästezimmer.

Als Laura aus dem Badezimmer kam, war sie nur mit einem Handtuch umhüllt.

Im weichen Licht war ihre Haut wie Porzellan, makellos und schön. In ihren Augen lag nicht mehr die frühere Bitterkeit und der Trotz, sondern eine ruhige Sanftheit, die einen Großteil ihrer strahlenden Schönheit zudämpfte.

Sie wirkte gelassen und fast etwas folgsam.

Ganz anders als sonst.

Julian erstarrte, sein Blick hing an Laura, sein Adamsapfel bewegte sich.

Plötzlich hallten die Worte seines Großvaters in seinem Kopf: „Das Schlimmste ist, seine Liebe nicht zu erkennen…“

Dass er Laura liebte?

Unmöglich!

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