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Kapitel 4

Penulis: Lola
Julians schmale Lippen waren fest zusammengepresst. Ein Gefühl der Absurdität stieg in ihm auf.

Als Laura die Augen hob, traf ihr Blick jedoch direkt auf seinen. Sie war einen Moment verwirrt und zog eine Augenbraue hoch. „Was gibt‘s?“

Nach ihrer Frage überkam Julian eine unerklärliche Gereiztheit und Missstimmung.

Sie war seine Frau. Er kehrte in ihr gemeinsames Schlafzimmer zurück, und das war ihre Reaktion?

Ärger und das seltsame, aufgestaute Gefühl in seiner Brust ließen ihn etwas Bestimmtes klären wollen. Mit großen Schritten ging Julian auf Laura zu, drängte sie gegen das Kopfteil des Bettes.

Seine Lippen senkten sich, doch Laura wandte den Kopf zur Seite.

Seine kühlen Lippen berührten nur ihren Mundwinkel.

Laura sah ihn gelassen an. „Was soll das?“

Ihre Haltung ließ Julians Verdruss nur wachsen.

Er zog spöttisch einen Mundwinkel hoch. „Ich dachte, das wäre es, auf das du mit deinem ganzen Theater abzielst.“

Seit ihrer Heirat mit Julian hatten sie nur selten intime Beziehungen.

Abgesehen von betrunkenen Nächten oder wenn Herr Koch senior nachgeholfen hatte.

Meistens hatten sie dasselbe Bett geteilt, aber unterschiedliche Träume gehabt.

Als Fabian älter geworden war, war auch die Intimität seltener geworden.

Laura hielt seinem Blick stand, doch in ihren Augen war kein Ärger, keine Verletztheit.

Sie hatte sich längst daran gewöhnt.

„Ich habe meine Tage.“

Sie wich seiner Berührung aus und sagte ruhig: „Wenn du etwas brauchst, dann wende dich doch an Frau Schuster.“

Wenn sie doch bald gehen würde, wozu dann noch weitere Verstrickungen?

Männer sind wie Zahnbürsten: Sie gehören nicht geteilt.

Ihre distanzierte Art ließ Julian kalt auflachen.

„Laura, zwischen Frieda und mir ist es nicht so, wie du denkst. Glaubst du, sie ist so berechnend wie du?“

Er schlug die Tür heftig hinter sich zu und warf nur noch einen spöttischen Satz hinterher: „Wenn es so ist, dann jammer in Zukunft weniger bei meinen Eltern. Wenn du damals nicht alles inszeniert hättest, hätte ich dich nie anrühren wollen.“

Laura sah auf die geschlossene Tür und erinnerte sich plötzlich an jene verwirrende Nacht mit Julian.

Damals war ihr Kopf wirr gewesen, sie hatte nicht genau gewusst, was passierte.

Als sie aufgewacht war und erfahren hatte, dass es Julian gewesen war, war in ihr tatsächlich Erleichterung aufgekommen.

Vor Panik hatte sie Hals über Kopf das Weite gesucht.

Später, als Julian von ihrer Schwangerschaft erfuhr und sie aufsuchte, lag in seinen gleichgültigen Augen Verachtung und Abscheu.

„Laura, du hast es geschafft. Ich werde dich heiraten.“

Damals war sie verunsichert und voller Angst gewesen. Der Niedergang der Neumanns, der Tod ihrer Eltern, und dann die Schwangerschaft – sie hatte seine Kälte nicht bemerkt. Sie liebte Julian abgöttisch, fliegen wie ein Nachtfalter ins Feuer mit purer Freude in die Ehe eingetreten.

Wenn sie noch einmal wählen könnte…

Laura schloss die Augen und dachte nach.

Wenn es möglich wäre, wünschte sie, sie und Julian wären sich niemals begegnet.

Julian kam die ganze Nacht nicht zurück.

Am nächsten Tag brachte Laura Fabian zur Schule.

Sie rief nicht an, um zu fragen, wo Julian war. Stattdessen kam eine Nachricht von Frieda.

Das Bild war einfach.

Es zeigte eine blaue Krawatte.

Eine, die Julian oft trug.

„Laura, geliebt werden oder nicht – der Unterschied ist wirklich offensichtlich. Diese Krawatte habe ich ihm geschenkt. Letzte Nacht hat er mir damit die Hände gefesselt…“

An ihrem kleinen Spiel mit Julian war Laura nicht interessiert.

Hätte es sich um die alte Laura gehandelt, sie wäre vielleicht verzweifelt und verletzt gewesen.

Doch in diesem Moment überwog eine tiefe Ruhe.

Sie hatte beschlossen zu gehen. Natürlich würde sie sich nicht mehr in Julians Entscheidungen einmischen.

Laura stattete Herrn Dr. Vogt einen Besuch ab.

Neben dem freundschaftlichen Besuch wollte sie auch mehr über die Beweggründe des Herrn Hofmann erfahren.

Ihr Kommen freute Herrn Dr. Vogt sehr.

Plötzlich erinnerte er sich an ihre Beziehung zu Julian und scherzte: „Hast du Julian von deiner Reise nach Bremen erzählt? Damals bist du ihm ständig hinterhergelaufen, die ganze Fakultät wusste, dass meine beste Studentin sich von einem Mann total verzaubert fühlte. Herr Dr. Schwarz hat neulich gefragt, ob du nicht mal wieder in seine Vorlesung schnuppern willst.“

Sie und Julian hatten dieselbe Universität besucht.

Ihre Schwärmerei war recht kläglich gewesen. Abgesehen von der nie ausgesprochenen Liebeserklärung zum Abschluss hatte sie Julian nie belästigt.

Damals jedoch war die jugendliche Liebe immer offensichtlich gewesen.

Um Julian öfter zu sehen, hatte sie ein ganzes Semester lang Wirtschaftsvorlesungen besucht.

Der dortige Professor war mit ihrem Doktorvater befreundet.

Und hatte sie deshalb schon ein paar Mal neckisch darauf angesprochen.

„Nein.“

Lauras Stimme war leise. „Herr Professor, die Angelegenheit mit Herrn Hofmann erfordert Diskretion. Meine Reise nach Bremen – bitte helfen Sie mir, sie geheim zu halten.“

Herr Dr. Vogt war einen Moment sprachlos, verstand dann aber schnell und seufzte.

Er hatte geglaubt, Laura hätte damals der Liebe wegen ihre Karriere aufgegeben und jetzt, zur Besinnung gekommen, der Behandlung zugestimmt.

Nun sah er, dass seine Studentin emotional total zerbrochen war.

Erst wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kommt die Erleuchtung.

Laura blieb nicht lange bei Herrn Dr. Vogt.

Sie nahm die Unterlagen zum Auftraggeber entgegen und machte sich auf den Heimweg.

An einer Kreuzung raste plötzlich ein Auto an ihr vorbei.

Laura reagierte schnell, wollte ausweichen, kollidierte aber mit einem Motorrad, das unvermittelt auftauchte.

Der Unfall geschah völlig unerwartet.

Ein heftiger Schmerz durchzuckte ihren Körper, auf ihrer Stirn perlte kalter Schweiß.

Sie lächelte bitter.

Sie und diese Stadt schienen einfach nicht miteinander zu harmonieren.

Die Verletzungen waren nicht allzu schwer, keine Knochen gebrochen.

Aber die Haut war aufgeschürft, es hatte viel Blut verloren, sodass es recht schlimm aussah.

Eine gefährliche Situation.

Dazu kam, dass Laura etwas blutempfindlich war, sodass sie, als sie wieder zu sich kam, leichenblass aussah.

„Meine Dame, Sie sollten besser Ihre Angehörigen anrufen“, sagte einer der Polizisten mitleidig und leise.

Laura wollte eigentlich sagen, sie schaffe es alleine, aber da der Polizist darauf bestand, wählte sie Julians Nummer.

Sie erwartete nicht, dass Julian käme. Er hatte Sekretäre, irgendjemand konnte sie einfach ins Krankenhaus bringen.

Bald erklang die Stimme des Mannes.

„Was ist?“

„Julian, ich…“

Laura kämpfte gegen den stechenden Schmerz an und wollte gerade sprechen, als Friedas sanfte Stimme im Hörer erklang.

„Julian, die Untersuchungsergebnisse sind da. Ich verstehe sie nicht, kannst du sie dir ansehen?“

Er war bei Frieda.

Bevor Laura etwas sagen konnte, hatte Julian bereits aufgelegt. „Was auch immer es ist, wir reden später zu Hause.“

„Gut.“

Laura antwortete leise.

Sie lehnte die Hilfe der Polizei ab, erledigte die Formalitäten des Unfalls allein und nahm ein Taxi ins Krankenhaus.

Zufälligerweise hörte sie, kaum dass sie sich angemeldet hatte, in der Nähe die kindlich-naive Stimme ihres Sohnes.

„Frau Schuster, tut es immer noch weh? Ich kann für Sie pusten.“

Instinktiv blickte Laura hin. Nicht weit entfernt waren Julian und ihr Sohn gerade mit Frieda nach ihrer Untersuchung unterwegs.

In Julians sonst so gleichgültigen dunklen Augen lag leichte Besorgnis.

„Schon gut.“

Friedas Lächeln war sanft, ihre Stimme weich. Dann streichelte sie Fabians Kopf. „Wenn Fabian bei mir ist, wird meine Verletzung ganz schnell heilen.“

Nach Friedas Worten hob er sein kindliches Gesicht und blickte sehnsüchtig zu ihr auf. „Frau Schuster, wenn nur alle deine Schmerzen auf Mama übergehen könnten. Dann würdest du nicht leiden.“

Nach diesen Worten erstarrte Laura.

„So einen Unsinn redet man nicht“, fuhr Julian ihn an, die Stirn gerunzelt. Seine Stimme war tief, aber nicht streng. „Sie ist immerhin deine Mutter.“

„Wäre doch besser, wenn Mama tot wäre. Ich will sie nicht sehen. Dann könnte Frau Schuster meine Mama sein.“

Der Kleine presste die Lippen zusammen, und als er daran dachte, dass Mama in den letzten Tagen nicht einmal mehr gekocht hatte, wurde er nur noch unleidlicher.

Doch kaum hatte er ausgesprochen, blickte Julian auf und erblickte Laura in der Nähe.

Sie sah etwas mitgenommen aus, die Haare strähnig, ihr Rock war mit Blut befleckt, die Wunde wirkte erschreckend.

Doch gleichzeitig verlieh ihr das eine eigenartige, intensive Ausstrahlung.

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