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작가: Bella Resch
last update 게시일: 2026-08-19 18:37:41

Ich laufe durch das Tor und lande in einer Wohnsiedlung. Garten grenzt an Garten und die Häuser verschwinden zwischen Bäumen, Sträuchern und Blumen. Ich folge der Straße, biege an der ersten Kreuzung rechts ab und komme in einer kleinen Nebenstraße an. Die Straße endet an einem Feldweg. Ich treffe einen Mann mit seinem Hund und verlangsame meine Schritte. Man weiß nie, wie Hunde reagieren, wenn man an ihnen vorbei läuft. Ich gehe ein kleines Stück und drehe mich dann nochmal um. Sie sind weit genug entfernt, sodass ich mein Tempo wieder aufnehme. Links von mir ist ein Weizenfeld und rechts von mir wächst hohes Gras an einem Zaun. Ich konzentriere mich auf meine Musik, die mir ein gutes Tempo vorgibt und folge einfach dem Weg. Die Sonne scheint auf mich hinunter und ich bin froh darüber, heute ohne Hoodie oder Jacke losgelaufen zu sein. Nach einigen Minuten bleibe ich jedoch irritiert stehen. Wo zur Hölle bin ich hier eigentlich? Ich beschimpfe mich in Gedanken selbst. Du Idiot! Wieso bin ich nochmal auf die Idee gekommen, in einer fremden Gegend alleine joggen zu gehen? Ich schaue kurz auf mein Handy, aber natürlich habe ich hier kein Netz und damit auch kein Internet. War ja wieder klar. Hätte ja auch nur einmal etwas klappen können. Ich schaue mich noch einmal um und suche nach irgendwelchen Orientierungspunkten. Hinter dem Zaun entdecke ich eine Baumreihe, die mir bekannt vorkommt. Habe ich die vorhin nicht gesehen? Parallel zu dem Weg, auf dem ich gelaufen bin? Doch wie komme ich auf die andere Seite vom Zaun? Ich folge dem Weg weiter und schaue immer wieder, ob es einen Weg gibt, der mich auf die andere Seite des Zauns bringt. Ich laufe eine ganze Weile, aber ich finde keinen Weg. Schon leicht panisch schaue ich auf meine Uhr - noch zwei Stunden bis zum Abendessen. Immerhin habe ich keinen Zeitstress. Ich beschleunige wieder auf mein Tempo und laufe immer parallel zum Zaun den Weg entlang. Als es eine Kurve nach rechts gibt, bin ich schon kurz davor, mich zu freuen. Allerdings hält die Freude nur sehr kurz an, denn der Zaun ist noch immer da. Ich laufe und hoffe nur, irgendwann wieder anzukommen. An einer Kreuzung folge ich dem Weg, der weiter geradeaus führt. Das müsste am ehesten die Richtung sein, in die ich muss. Tatsächlich komme ich zehn Minuten später am Teich an, der direkt hinter dem Gelände der Klinik liegt. Ich atme einmal tief durch. Endlich. Ich dachte schon, das wird gar nichts mehr heute. Verschwitzt und mental ziemlich fertig - ich hasse vermeidbaren Stress - komme ich an und gehe direkt duschen. Das warme Wasser fühlt sich fast wie eine Massage an und so lasse ich mir entspannt Zeit und genieße die Entspannung. Wieder frisch gemacht, setze ich mich auf mein Bett, decke meine Beine zu und starte meine Serie. Was gibt es Besseres nach dem Sport, als ein paar Morde aufzuklären? Zum Abendessen gehe ich wieder in den Aufenthaltsraum und hoffe, dass ich das nicht bereuen werde. Wie zu erwarten, herrscht schon heitere Stimmung am Tisch. Ich will gerade mein Tablett holen, als ich stutze - es ist nicht da. Habe ich irgendwas verpasst? Ich werfe einen kurzen Blick in den Aufenthaltsraum und sehe, dass auf meinem Platz schon ein Tablett steht. Haben sie... Ne, warum sollte sie? Oder doch? Ist das hier vielleicht eine ungeschriebene Regel?

Ich nehme mir zwei Scheiben Brot und setze mich auf meinen Platz. Tatsächlich lese ich auf dem kleinen Schild meinen Namen. Leicht verwirrt essen ich mein Abendbrot und lausche nebenbei wieder den Gesprächen.

„Und Jessy, was hast du so den ganzen Nachmittag gemacht?", fragt mich Jax.

Sofort spüre ich die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf mir. Wie sehr ich das hasse.

„Nicht viel", antworte ich kurz angebunden. „Ich war ein bisschen joggen und dann habe ich Serie geschaut."

„Wo warst du denn joggen?", hakt Fred nach und scheint ehrlich interessiert zu sein.

Ich glaube, daran kann ich mich nie gewöhnen. Ich bin doch absolut uninteressant und ehrlicherweise sind meine Freizeitbeschäftigungen die unspektakulärsten überhaupt.

„Ehrlicherweise keine Ahnung", gebe ich zu. „Einfach ein bisschen hier hinter dem Gelände."

„Gehst du oft joggen?" Fred scheint das Gespräch noch nicht beenden zu wollen.

Und ich bleibe weiterhin im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ich kann Fred aber auch nicht wirklich böse sein. Einerseits ist er super lieb und scheint ein sehr sympathischer Mann zu sein und auf der anderen Seite ist er einer der wenigen Menschen, der überhaupt ein Gespräch mit mir führen will.

„Eigentlich ja, aber ich schaffe es nicht so oft, wie ich gerne wollen würde." Wieso habe ich das gerade gesagt? Das geht doch niemanden etwas an.

„Wenn du Lust hast, können wir ja das nächste Mal zusammen laufen gehen", bietet Fred an und plötzlich ist mein Kopf wie leergefegt.

Dieses Angebot kommt so unerwartet, dass ich nicht weiß, wie ich darauf angemessen reagieren soll. Will ich, dass jemand mit mir laufen geht? Gut, dann kann ich mich nicht mehr verlaufen, aber eigentlich ist das mein Ding. Für mich allein. Außerdem bin ich nicht so sportlich, wie ich aussehe. Andererseits kann ich nicht schummeln, wenn jemand mit dabei ist. Und Fred ist nett und scheint akzeptiert zu sein. Was würde also dagegen sprechen?

„Gerne", bringe ich hervor, als die Pause zu lang zu werden droht. Hoffentlich bereue ich das nicht.

„Apropos Bewegung", wirft Korby ein und rettet mich damit. „Wer kommt nach dem Abendessen mit raus?"

Jax ist natürlich sofort dabei und auch Fred äußert sich positiv. David und Melly sind auch dabei. Sogar Leyla und Anna wollen mit raus gehen. Nun liegen die Blicke auf mir und schon wieder fühle ich mich unwohl in meiner Haut.

„Okay", gebe ich schließlich nach, obwohl alles in mir danach schreit, alleine im Zimmer meine Serie zu schauen.

Allerdings scheinen hier alle die Wirkung auf mich zu haben, dass ich das Gegenteil von dem tue, was ich normalerweise tun würde. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich aktuell noch nicht. Ja, sie holen mich aus meiner Komfortzone heraus, aber ich bin mir nicht sicher, wie glücklich ich aktuell damit bin. Vielleicht ist es für mich aktuell besser, alleine mit mir zu sein. Seit ich hier bin, kann ich mich auf gar nichts mehr verlassen, was mich angeht. Immer, wenn ich glaube, dass ich etwas über mich gelernt habe, kommt etwas dazu, was mich wieder zweifeln lässt. Ich mag Menschen und wenn ich gut mit ihnen klarkomme, dann verbringe ich auch gerne Zeit in Gruppen. Gleichzeitig habe ich Angst vor Menschengruppen, weil ich schnell überreizt und überfordert bin. Vor allem habe ich schnell das Gefühl, zu viel und fehl am Platz zu sein. Aber die Menschen hier sind irgendwie anders. Ich weiß nicht wieso, aber sie scheinen gerne Zeit mit mir zu verbringen und sich für mein Leben ganz ehrlich zu interessieren. Was stimmt denn nicht mit denen? Oder bin ich so gut im Verstellen, dass sie mich sympathisch finden? Aber nur, solange, wie ich so bin, wie sie es wollen? Oder ist das Interesse wirklich real? Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Es gibt ja Gründe, warum ich hier bin.

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