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Penulis: Bella Resch
last update Tanggal publikasi: 2026-08-19 18:36:03

Als ich mit meinem Frühstück fertig bin, stehe ich schon vom Tisch auf, räume mein Tablett weg und gehe in mein Zimmer. Dort mache ich mich für die Sportstunde fertig und sammle meine letzten Reste Mut und Motivation zusammen. Kann ich die Stunde nicht einfach ausfallen lassen? Zwanzig Minuten vor dem Beginn der Stunde verlasse ich mein Zimmer und laufe prompt in die Gruppe vom Essen.

„Ah, da bist du ja", begrüßt mich Jax.

Haben sie wirklich auf mich gewartet? Und wenn ja, warum? Wollen sie mich verarschen?

„Bereit für Sport?", fragt mich David.

„Geht so", erwidere ich wahrheitsgemäß. „Sport ist nicht so meins."

„Ach, wir machen nichts Aufwändiges", beruhigt mich Anna.

„Ich kann auch kein Sport, aber wir machen eher Bewegung auf Rentner-Niveau", ergänzt Leyla.

Ich mustere sie etwas genauer. Leyla ist neben mir noch die kleinste in der Gruppe. Die Männer scheinen auf sie aufzupassen und dennoch kann sie sich auch gut selbst verteidigen. Die Menschen hier haben doch alle einen an der Waffel.

Wir gehen gemeinsam zur Sporthalle. Korby ist zwar nicht dabei, aber dennoch wird viel gelacht. Ich traue mich noch nicht ganz, mich in die Gespräche einzumischen, aber das muss ich auch nicht. Ich glaube, Jax könnte auch gut Alleinunterhalter sein.

„Was machst du eigentlich beruflich?", reißt mich Leyla aus meinen Gedanken.

„Musik. Also ich betreue Künstler", antworte ich.

„Voll spannend." Leyla scheint ernsthaft interessiert und begeistert zu sein.

„Und du?", frage ich, da mir nichts Anderes einfällt.

„Ich weiß es noch nicht genau. Wahrscheinlich etwas mit Kindern."

Sie ist doch selbst noch ein Kind, denke ich. Aber ich versuche den Gedanken wieder zu verdrängen, da sie wahrscheinlich nicht viel jünger ist, als ich. Und ich bin schon einige Jahre im Job. „Und was macht Jax?" Warum zur Hölle habe ich das gefragt? Es ist total irrelevant!

„Er ist Lehrer", antwortet Leyla, als wäre es die normalste Frage der Welt.

„Ah, okay. Das erklärt es."

„Was erklärt was?" Anna mischt sich in das Gespräch ein.

„Ähm...", beginne ich zögernd.

„Wir redeten darüber, dass Jax Lehrer ist", springt Leyla ein.

„Und was erklärt das?", hakt Anna interessiert nach und ich spüre ihren und Leylas Blick auf mir.

Wie sehr ich so etwas hasse. Wieso konnte ich nicht einfach meine Klappe halten?

„Sein Potential als Alleinunterhalter", bringe ich hervor und versuche die Stimmen in meinem Kopf zu ignorieren, die mich als Idiot beschimpfen.

„Das stimmt." Anna und Leyla grinsen mich an.

Okay...? Bin ich jetzt auch noch lustig? Ernsthaft?

Den Rest des Weges legen wir schweigend zurück. In der Halle angekommen, tauschen wir die Straßenschuhe durch Turnschuhe aus. Ich setze mich auf die Bank und warte ab. Gedanklich flehe ich darum, dass wir nichts mit Bällen spielen.

„So, jeder nimmt sich bitte einen Tennisball und einen Becher", sagt die Therapeutin und ich seufze leicht gequält. Was habe ich verbrochen, dass mir nicht einmal etwas Gutes passiert?

Das Werfen und Fangen der Bälle klappt überraschend gut. Leyla scheint sehr lieb und sympathisch zu sein und wir verstehen uns irgendwie von Anfang an super und sind auch ungefähr gleich gut. Als es heißt, dass wir die Partner wechseln müssen, beschleicht mich leichte Panik. Ich habe mich doch gerade daran gewöhnt, wie es geht. Ich quäle mich mehr schlecht als recht durch die Sportstunde.

„Hat noch jemand Ergotherapie um elf Uhr?", fragt Anna, während wir wieder unsere Schuhe tauschen.

Einige verneinen, der Rest gibt eine positive Antwort. Ich habe keine Ergotherapie, aber ich denke, ein bisschen Ruhe und Zeit, um meine Serie zu schauen, tut mir gut.

„Habt ihr Bock auf Tischtennis oder Volleyball?", fragt David, der auch keine Therapie zu haben scheint.

„Bin dabei", sagt Jax sofort.

Scheinbar hat man hier nie seine Ruhe.

„Ich mach auch mit", sagt ein junger Mann, den ich noch gar nicht richtig wahrgenommen habe.

„Was ist mit dir, Jessy?", hakt David nach.

Ich überlege kurz. Eigentlich will ich nicht. Aber andererseits sind hier alle so lieb und wollen mich mit einbeziehen.

„Okay", sage ich also und gebe damit dem Teil in mir nach, der Gesellschaft sucht und braucht. Hoffentlich geht das gut.

An der Tischtennisplatte angekommen, bereue ich meine Entscheidung schon wieder. Warum bin ich nicht einfach in mein Zimmer gegangen und habe wieder Mordermittlungen verfolgt? Ich habe noch nie Tischtennis gespielt und ich weiß nicht, wieso ich das jetzt anfangen will.

In der ersten Runde setze ich aus und schaue dabei zu, wie David, Jax und der andere junge Mann sich die Bälle zuspielen und um die Platte rennen. Am Ende spielen David und Jax gegeneinander und der andere Mann setzt sich zu mir auf die Bank.

„Hey, ich bin Frederic, aber die anderen nennen mich auch nur Fred. Du bist Jessy, richtig?"

„Ja." Okay. Fred. Er scheint ganz nett zu sein.

„Kannst du Tischtennis?", fragt er weiter.

„Nein. Ich mag keine fliegenden Bälle."

„Ach, das wird schon. Du kannst das bestimmt gut."

„Mhm." Er hat ja Vertrauen. Ich sehe sportlicher aus, als ich bin. Und Bälle und ich sind wirklich keine Freunde.

„So, kommt. Wir sind fertig." Jax winkt uns zu sich.

„Kommst du mit?" Fred schaut mich fragend an.

„Ich weiß nicht...", gebe ich zu.

„Du schaffst das. Versuch es einfach mal", ermuntert mich Fred.

„Na gut." Ich gebe nach und gehe mit an die Tischtennisplatte.

Jax beginnt und spielt Fred den Ball zu. Während Fred zu David spielt, kommt Jax auf meine Seite der Platte. Leicht panisch verfolge ich, wie der Ball wieder auf meiner Plattenseite aufschlägt. Wie allerdings schon befürchtet, verfehle ich den Ball um wenige Millimeter und damit bin ich raus. Na ja. Manche Dinge sollte ich einfach lassen. Tischtennis ist auf jeden Fall etwas, das in diese Kategorie fällt. Nach mir ist dieses Mal David raus und Fred und Jax spielen ein Duell. Allerdings ist es ein kurzes Match und sie winken David und mich wieder zu sich. Obwohl sich vieles in mir dagegen wehrt, stehe ich von der Bank auf und stelle mich wieder an die Platte. Wie auch nicht anders zu erwarten, fliege ich wieder als Erste raus. Es dauert auch nicht lange, bis sich Jax zu mir gesellt.

„Na, alles gut?", fragt er.

„Ja", antworte ich, obwohl in mir drin nur Chaos herrscht. Vor allem nervt es mich, dass ich so schlecht im Tischtennis bin und dennoch nicht in mein Zimmer gehe. Das wäre doch viel einfacher und entspannter. Was haben denn die anderen davon, wenn ich hier bleibe?

„Wie findest du es hier so?", reißt mich Jax aus meinen Gedanken.

„Ganz gut. Scheinen alle nett zu sein."

Jax mustert mich kurz. 

„Und, was glaubst du, wer gewinnt?"

„Ich habe keine Ahnung von dem Spiel", gebe ich offen zu.

„Aber du hast doch bestimmt eine Tendenz", hakt Jax weiter nach.

„Nicht wirklich..."

„Ich würde ja sagen, dass Fred gewinnt."

„Wie kommst du darauf?", frage ich und lasse meinen Blick zum Spiel schweifen.

Ich beobachte Fred und versuche herauszufinden, wie Jax auf die Idee kommt, zu wissen, wer gewinnt. David scheint auch ziemlich gut zu sein, zumindest soweit ich das einschätzen kann.

„Einfach so vom Gefühl. Außerdem ist er heute echt gut in Form", antwortet Jax.

Ich schaue den beiden genau zu, um herauszufinden, was Jax meint. Gleichzeitig versuche ich mir auch noch etwas anzuschauen, um nicht jedes Mal sofort raus zu sein. Ohne dass ich etwas dagegen tun kann, bleibt mein Blick immer wieder bei Fred hängen und mir fällt auf, wie gezielt er seine Arme bewegt, um den Ball zu treffen. Die ein oder andere Verrenkung ist auch dabei und jedes Mal schießt mir immer wieder 'Hoffentlich fällt er nicht.' durch den Kopf. Gleichzeitig erwische ich mich dabei, wie ich darüber nachdenke, wie es wohl wäre, mit ihm alleine zu spielen. Wäre er freundlich oder eher frech? Würde er mir eine faire Chance geben oder nähme er mich als Gegner Ernst? Würde er sich normal mit mir unterhalten oder müsste ich mit dummen Sprüchen rechnen? Bevor ich allerdings weiter träumen kann, beginnt die nächste Runde.

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