로그인Das mit dem Lernen durch Beobachten hat allerdings nicht funktioniert und so sitze ich nur wenige Minuten später wieder auf der Bank. Obwohl Fred gerade noch im Finale gegen David gespielt hat, gesellt er sich nun zu mir. Während Jax und David um den Sieg, beziehungsweise den nächsten Punkt, spielen, sitzen Fred und ich auf der Bank. Das Schweigen zwischen uns ist mir ein wenig unangenehm, aber ich habe auch keine Ahnung, wie ich ein vernünftiges Gespräch anfangen soll.
„Na, alles klar bei dir?", fragt mich Fred und rettet mich damit.
„Ja. Alles gut soweit."
Fred schaut mich prüfend an. „Sicher?"
„Ich kann halt kein Tischtennis, aber das ist okay", antworte ich.
„Es geht hier ja auch nur um den Spaß", ermutigt er mich.
Spaß? In welcher Realität lebt er denn? Wie soll etwas Spaß machen, in dem man ganz offensichtlich so schlecht ist wie ich?
„Vielleicht müssen wir einfach nur ein bisschen mit dir üben", sagt Fred und steht auf, da das Match schon zu Ende ist.
Ich diskutiere kurz mit mir selbst, ob ich mir das wirklich antun will, aber irgendwie überzeugen mich die Blicke der anderen und ich stehe auch von meiner Bank auf. Sind ja nur ein paar Minuten.
Es folgen noch einige Matches und ein Mal bin ich nicht die Erste auf der Bank. Nicht, weil ich besser geworden bin, sondern weil einer der Männer unaufmerksam ist. Die Zeit vergeht ziemlich schnell und wir müssen zum Mittagessen. Dort treffen wir die anderen wieder und es wurde schon der Tisch für uns alle gedeckt.
„Danke", sagen wir, während alle Platz nehmen.
„Guten Appetit", sagt Korby.
„Guten Appetit", antworten alle anderen.
Während die einzelnen Gerichte vernichtet werden, gibt es keine Sekunde der Stille. Ich muss zugeben, dass es mir langsam sogar ganz gut gefällt.
„Wie war Ergo?", fragt Jax in die Runde.
Die individuellen Antworten gehen im allgemeinen Gespräch unter. Die Frage, die dann von Korby kommt, sticht allerdings wieder heraus.
„Und wie war Tischtennis? Wer hat gewonnen?"
Es hat jemand gewonnen? Ach ja, natürlich. Ich bin es definitiv nicht.
„David", antwortet Jax. „Aber nach dem Abendessen geht es weiter."
Ernsthaft? Was stimmt denn nicht mit denen? Ich kapiere einfach nicht, wie man Spaß daran haben kann, auf einen kleinen Ball zu schlagen und ständig um eine Steinplatte zu laufen.
„Jessy, bist du auch wieder dabei?", fragt Fred und ich zucke kurz zusammen, denn ich habe nicht mit einer direkten Frage gerechnet.
„Ich... weiß noch nicht", antworte ich. Bist du bescheuert? Nochmal Tischtennis spielen?
Den Rest des Essens bekomme ich zum Glück keine Fragen mehr gestellt. Ich checke meinen Plan und sehe, dass ich zur Musiktherapie muss. Ich liebe Musik und bin schon seit der Grundschule Pianistin. Aber Musiktherapie? Mit unmusikalischen Menschen?
„Hast du auch in einer Stunde Musik?", fragt mich Jax, als könnte er meine Gedanken lesen.
Ich nicke nur, obwohl ich eigentlich gar keine Lust habe. Therapie ist Therapie.
Wir räumen unsere Tabletts weg und ich gehe in mein Zimmer, um noch ein wenig Serie zu schauen. Ich schaffe nur anderthalb Folgen, bis es an meiner Tür klopft. Seufzend stehe ich auf, schnappe meine Trinkflasche und gehe zur Tür. Wie erwartet, steht Jax davor.
„Bereit?", fragt er.
„Geht so", lautet meine ehrliche Antwort.
Wir gehen schweigend zum Fahrstuhl. Dort drückt er schnell auf das Kellergeschoss und dann die Tür schließen-Taste.
„Hast du es so eilig?" Irritiert schaue ich ihn an.
„Eigentlich nicht, aber ich habe keine Lust, mit Ferdinand zu fahren. Es reicht schon, dass wir den die nächste Stunde an der Backe haben."
„Wer ist Ferdinand?", hake ich verwirrt nach.
„Das willst du nicht wissen."
Während wir die vier Stockwerke nach unten fahren, reden wir nicht mehr miteinander, aber das Schweigen ist nicht unangenehm. Auf dem Weg zum Musikraum treffen wir auf einen jungen Mann, der nur herum springt und lacht. Ich schaue fragend zu Jax, aber sein Blick sagt, dass ich lieber nicht fragen sollte.
Die Musikstunde ist noch anstrengender, als ich dachte. Der Therapeut will mehr reden, als zu musizieren, Ferdinand kann weder stillsitzen, noch sich an Vorgaben halten oder sich konzentrieren. Jax sieht so aus, als würde er jeden Moment in die Luft gehen. Und dazu kommt noch mein musikalisches Gehirn, das mit der Improvisation ohne jegliche Absprachen komplett überfordert ist. Hoffentlich ist die Stunde bald vorbei, flehe ich innerlich und schaue alle zwei Minuten auf meine Armbanduhr. Jax dreht mitten in der Improvisation das Klavier lauter, an dem ich sitze. Ich schaue ihn leicht irritiert an und er beugt sich etwas zu mir.
„Erkläre ich dir gleich", flüstert er mir zu und ich nicke.
Den Rest der Stunde reden wir noch darüber, was wir wahrgenommen haben und der Therapeut stellt teilweise sehr seltsame Analysen an. Wir lassen es über uns ergehen, aber einmal werde ich hellhörig. Jax erzählt, dass er gute Klaviermusik sehr mag und ihn das beruhigt. Deswegen hat er das Piano lauter gedreht, schießt es mir durch den Kopf.
Als die Stunde endlich zu Ende ist, gehe ich sofort in mein Zimmer und tausche meine Klamotten durch Sportsachen. Ich muss hier dringend raus. Mit meinen Kopfhörern in den Ohren und meinem Handy in der kleinen Tasche am Oberarm gehe ich in den Park und starte das Tracking. Die ersten Meter sind anstrengend, aber ich finde schnell in mein Lauftempo und kann die Anspannung der letzten Stunde von mir abschütteln. Ich schaue mich ein wenig um und entdecke einige Blumen, die inmitten der weiten grünen Wiese wachsen. Kurz sehe ich auch ein Eichhörnchen vorbei huschen. Wie sehr habe ich es vermisst, einfach raus in die Natur gehen zu können. Zuhause wollte ich zwar auch immer mal rausgehen, aber so richtig hinbekommen habe ich es nicht. Und so schön unser Ort ist, an diese Landschaft kommt es nicht heran. Ich folge einfach dem Weg am Feld entlang. Es wirkt so, als wäre es kein geplanter Weg, aber was soll es. Alles ist ein Weg, schießt mir die Erkenntnis aus dem letzten Wanderurlaub durch den Kopf. Es gab dort ausgeschilderte Wanderwege, die den Namen wirklich nicht verdienen. An der ersten großen Weggabelung biege ich nach links ab und lande an einem schmalen Pfad. Ich schaue kurz nach rechts, wo ein noch schmalerer Pfad abzweigt und direkt auf ein altes Tor zuläuft. Es ist leicht geöffnet, sodass man theoretisch hindurchgehen könnte. Ich entscheide mich aber dagegen und folge stattdessen dem Pfad weiter geradeaus. Rechts und links ragen Blumen und kleine Äste von Bäumen und Sträuchern auf den Weg, aber ich laufe einfach daran vorbei. Der Weg wird immer schmaler und führt schließlich durch ein grünes Tor.
Als alle fertig sind mit Essen, wird es kurz unruhig, da jeder sein Tablett wegräumt. Ich halte mich im Hintergrund und gehe dann schnell in mein Zimmer. Ich muss wenigstens ein bisschen meine soziale Batterie aufladen, bevor ich mit den anderen rausgehen kann. Wieso lasse ich es nicht langsam angehen und verbringe erst einmal Zeit mit mir selbst? Doch bevor ich eine vernünftige Antwort auf die Frage gefunden habe, höre ich, wie herum gefragt wird, ob alle bereit sind. Wie? Jetzt? Sofort? Darauf bin ich nicht vorbereitet. Ich gehe in mein Zimmer und tausche die Hausschuhe durch meine Straßenschuhe. Ich schlüpfe in meine Jacke und nehme sicherheitshalber noch mein Mückenspray mit. Vielleicht schaue ich erstmal nur zu. Mich vor den anderen drei zu blamieren, war eigentlich schon genug für heute. Dennoch gehe ich mit, als Jax an meiner Zimmertür klopft. Ich folge einfach der Gruppe und würde am liebsten wieder gehen, als ich sehe, dass sie das Volleyballfeld anstreben. Volleyball? Nie im
Ich laufe durch das Tor und lande in einer Wohnsiedlung. Garten grenzt an Garten und die Häuser verschwinden zwischen Bäumen, Sträuchern und Blumen. Ich folge der Straße, biege an der ersten Kreuzung rechts ab und komme in einer kleinen Nebenstraße an. Die Straße endet an einem Feldweg. Ich treffe einen Mann mit seinem Hund und verlangsame meine Schritte. Man weiß nie, wie Hunde reagieren, wenn man an ihnen vorbei läuft. Ich gehe ein kleines Stück und drehe mich dann nochmal um. Sie sind weit genug entfernt, sodass ich mein Tempo wieder aufnehme. Links von mir ist ein Weizenfeld und rechts von mir wächst hohes Gras an einem Zaun. Ich konzentriere mich auf meine Musik, die mir ein gutes Tempo vorgibt und folge einfach dem Weg. Die Sonne scheint auf mich hinunter und ich bin froh darüber, heute ohne Hoodie oder Jacke losgelaufen zu sein. Nach einigen Minuten bleibe ich jedoch irritiert stehen. Wo zur Hölle bin ich hier eigentlich? Ich beschimpfe mich in Gedanken selbst. Du Idiot! Wieso
Das mit dem Lernen durch Beobachten hat allerdings nicht funktioniert und so sitze ich nur wenige Minuten später wieder auf der Bank. Obwohl Fred gerade noch im Finale gegen David gespielt hat, gesellt er sich nun zu mir. Während Jax und David um den Sieg, beziehungsweise den nächsten Punkt, spielen, sitzen Fred und ich auf der Bank. Das Schweigen zwischen uns ist mir ein wenig unangenehm, aber ich habe auch keine Ahnung, wie ich ein vernünftiges Gespräch anfangen soll.„Na, alles klar bei dir?", fragt mich Fred und rettet mich damit.„Ja. Alles gut soweit."Fred schaut mich prüfend an. „Sicher?"„Ich kann halt kein Tischtennis, aber das ist okay", antworte ich.„Es geht hier ja auch nur um den Spaß", ermutigt er mich.Spaß? In welcher Realität lebt er denn? Wie soll etwas Spaß machen, in dem man ganz offensichtlich so schlecht ist wie ich?„Vielleicht müssen wir einfach nur ein bisschen mit dir üben", sagt Fred und steht auf, da das Match schon zu Ende ist.Ich diskutiere kurz mit mi
Als ich mit meinem Frühstück fertig bin, stehe ich schon vom Tisch auf, räume mein Tablett weg und gehe in mein Zimmer. Dort mache ich mich für die Sportstunde fertig und sammle meine letzten Reste Mut und Motivation zusammen. Kann ich die Stunde nicht einfach ausfallen lassen? Zwanzig Minuten vor dem Beginn der Stunde verlasse ich mein Zimmer und laufe prompt in die Gruppe vom Essen.„Ah, da bist du ja", begrüßt mich Jax.Haben sie wirklich auf mich gewartet? Und wenn ja, warum? Wollen sie mich verarschen?„Bereit für Sport?", fragt mich David.„Geht so", erwidere ich wahrheitsgemäß. „Sport ist nicht so meins."„Ach, wir machen nichts Aufwändiges", beruhigt mich Anna.„Ich kann auch kein Sport, aber wir machen eher Bewegung auf Rentner-Niveau", ergänzt Leyla.Ich mustere sie etwas genauer. Leyla ist neben mir noch die kleinste in der Gruppe. Die Männer scheinen auf sie aufzupassen und dennoch kann sie sich auch gut selbst verteidigen. Die Menschen hier haben doch alle einen an der Wa
Zögernd betrete ich den Raum, aus dem lautes Lachen zu mir auf den Flur dringt. Mit beiden Händen umklammerte ich das graue Tablett, auf dem ein weißer Zettel mit meinem Namen darauf liegt. Meine Handflächen werden zunehmend feuchter und damit auch rutschiger. Eine ältere Dame begleitet mich in den Raum und deutet auf einen noch leeren Platz. Ausgerechnet am ansonsten voll besetzten Tisch, schießt es mir durch den Kopf. Dennoch befolge ich die stumme Aufforderung und gehe auf den Platz zu. Vorsichtig stelle ich das Tablett ab und setze mich auf den freien Stuhl. Hoffentlich fragt mich niemand etwas, denke ich schon fast flehend. Ich musste heute schon so viel mit mir unbekannten Menschen reden, dass mein Maß schon wieder voll ist. Kurz verfluche ich die ältere Dame, die mich dazu überredet hat, nicht in meinem Zimmer zu essen. Wieso? Warum musste ich nachgeben?Ich schaue mich vorsichtig um. Mit mir am Tisch sitzen noch zwei andere junge Frauen und drei junge Männer. Ich beginne damit