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Kapitel 5

Author: Lina
last update publish date: 2026-05-25 03:59:17

Meine Finger zitterten, als ich nach dem Smartphone griff. Der Name von Calebs Vater leuchtete immer noch in kurzen Abständen auf dem Display auf. Ich drückte den grünen Hörer nach oben, strich mir eine Locke aus dem Gesicht und presste das Glas gegen mein Ohr. Ich blockierte meinen Atem für einen Moment, um absolut ruhig zu klingen.

„Tessa“, sagte Arthur Sander am anderen Ende der Leitung. Er wartete keine Begrüßung ab. „Caleb hat mir gesagt, dass du noch im Gebäude bist. Komm in mein Büro. Sofort.“

„Ich bin auf dem Weg“, sagte ich. Meine Stimme klang flacher, als ich beabsichtigt hatte. Bevor ich ein weiteres Wort hinzufügen konnte, ertönte bereits das monotone Tuten des abgebrochenen Gesprächs.

Ich steckte das Smartphone in die Tasche meiner Jacke. Mein Puls hämmerte heftig gegen meine Halsschlagader. Die Stelle an meiner Taille, an der Ashers Handflächen vor wenigen Sekunden gelegen hatten, fühlte sich heiß an. Ich spürte den Druck seiner Finger noch immer durch den Stoff meiner Kleidung, als hätte er bleibende Spuren hinterlassen. Ich strich die Falten meiner Jacke mit einer schnellen Bewegung glatt, atmete tief aus und stieß die schwere Archivtür auf.

Auf dem Flur blendete mich das helle Licht der Deckenlampen. Der Korridor war vollkommen leer. Asher was verschwunden. Kein Geräusch deutete darauf hin, in welche Richtung er gegangen war. Ich ging mit schnellen Schritten los, meine Absätze klackten hart auf dem polierten Boden. Jedes Mal, wenn mir andere Studenten in teurer Streetwear oder Academy-Blazern entgegenkamen, fixierte ich den Boden vor mir. Ich hatte das Gefühl, man müsste mir die hektischen Flecken auf meinem Hals ansehen.

Das Büro von Arthur Sander befand sich im obersten Stockwerk des Verwaltungsflügels. Die Tür aus dunklem Holz stand bereits einen Spaltbreit offen. Als ich eintrat, saß Calebs Vater hinter dem massiven Schreibtisch. Caleb stand mit dem Rücken zu mir am großen Fenster und starrte auf den Parkplatz hinunter. Er bewegte sich nicht, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel.

„Setz dich, Tessa“, sagte Arthur, ohne den Blick von den Dokumenten vor sich zu nehmen.

Ich setzte mich auf einen der Ledersessel gegenüber dem Schreibtisch, spannte die Muskeln in meiner Wirbelsäule an und legte meine Hände flach auf die Knie, um das leichte Zittern meiner Finger zu stoppen. „Was gibt es?“

Caleb drehte sich jetzt um. Sein Gesicht war vollkommen glatt, die Haare saßen perfekt, und sein Anzug wies keine einzige Falte auf. Er sah mich an, aber seine Augen blieben kalt und geschäftsmäßig. Er kam auf den Schreibtisch zu und legte ein Tablet direkt vor mir ab.

„Die Wirtschaftspresse stellt Fragen zu den Eigentumsanteilen deiner Familie“, sagte Caleb. Er tippte auf den Bildschirm, auf dem der Entwurf eines Online-Artikels zu sehen war. „Sie graben in den alten Steuerunterlagen deines Vaters aus dem letzten Jahr. Wenn dieser Artikel online geht, gefährdet das die Fusion, noch bevor wir die offizielle Pressemitteilung herausgegeben haben.“

Ich blickte auf die Zahlen auf dem Display, während sich mein Magen zu einem harten Knoten zusammenzog. Das Gefühl lag nicht an den Daten vor mir, sondern an Calebs Nähe. Er stand direkt neben meinem Sessel, und mein Kopf weigerte sich, die Zahlen zu verarbeiten, weil ich innerlich noch immer die Berührung seines Bruders spürte.

„Mein Vater hat versichert, dass alles absolut legal abgelaufen ist“, sagte ich und sah zu Arthur auf.

„Legal reicht in unserer Position nicht aus, Tessa“, erwiderte Arthur und legte die Dokumente beiseite. Er verschränkte die Finger auf der Tischplatte. „Es muss unantastbar sein. Die Journalisten suchen nach einer Schwachstelle in diesem Deal. Und wir werden ihnen keine liefern.“ Er blickte kurz zu Caleb, dann wieder zu mir. „Ihr werdet euren ersten gemeinsamen Auftritt vorverlegen. Morgen Abend bei der Gala der Foundation. Die Kameras müssen euch als Einheit sehen, damit die Gerüchte im Keim erstickt werden.“

Caleb legte eine Hand auf meine Schulter. Der plötzliche Druck seiner Finger ließ mich innerlich zusammenzucken, doch ich zwang meinen Körper, ruhig zu bleiben. Seine Hand war kühl, ganz anders als die Hitze, die Asher kurz zuvor verströmt hatte.

„Wir haben das im Griff, Vater“, sagte Caleb. Er sah auf mich herab, und für einen kurzen Moment verengten sich seine Augen minimal, als he den Kragen meiner Jacke fixierte. „Tessa weiß genau, was auf dem Spiel steht.“

Ich hielt seinem Blick stand, während mein Herzschlag wieder an Tempo zulegte. „Natürlich.“

Arthur nickte knapp. „Gut. Die Stylisten kommen morgen um fofzehn Uhr in dein Apartment. Sorg dafür, dass die Auswahl der Kleidung absolut perfekt auf Calebs Anzug abgestimmt ist. Keine Experimente.“

„Ich kümmere mich darum“, sagte ich.

Caleb bewegte seine Hand von meiner Schulter nach oben. Seine Finger glitten an meinem Hals entlang zum Kragen meiner Jacke. Er griff nach dem Stoff und rückte ihn mit einer präzisen Bewegung zurecht. Seine Fingerspitzen waren kalt auf meiner Haut. „Dein Kragen war umgeknickt“, sagte er. Er sah mir dabei direkt in die Augen, ohne jede Gefühlsregung. „Du solltest mehr auf die Details achten, Tessa. Morgen Abend wird jeder Zentimeter von uns fotografiert.“

„Das war alles, Tessa“, fügte Arthur hinzu, ohne von seinen Papieren aufzusehen. „Caleb, wir müssen noch die Zahlen für die Logistik durchgehen.“

Ich stand auf, nickte beiden kurz zu und verließ das Büro. Sobald die schwere Holztür hinter mir ins Schloss fiel, stieß ich den Atem aus, den ich die ganze Zeit in der Lunge behalten hatte. Meine Beine fühlten sich weich an. Ich ging den Flur entlang, vorbei an den gläsernen Wänden der Seminarräume, direkt zum Aufzug.

Im Fahrstuhl spürte ich ein kurzes, intensives Vibrieren in meiner Jackentasche. Ich zog das Smartphone heraus. Auf dem Display stand eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Unbekannt: Hat Caleb deinen Kragen wieder gerichtet? Er mag es ordentlich, oder?

Mein Herz machte einen harten Schlag gegen meine Rippen. Ich starrte auf die Zeilen. Woher wusste er das? Hatte er auf dem Flur gewartet? Ich tippte mit zitternden Daumen auf die Tastatur.

Tessa: Lass mich in Ruhe, Asher.

Die Antwort kam sofort, noch während der Aufzug im Erdgeschoss ankam und die Türen sich öffneten.

Unbekannt: Du hättest dein Gesicht im Spiegel sehen sollen, als er dich angefasst hat. Du wolltest nicht seine Hand auf deiner Haut.

Ich steckte das Telefon hastig zurück in die Tasche und ging mit schnellen Schritten durch die Lobby der Academy nach draußen auf den Parkplatz. Ich lief zu meinem Wagen, entsperrte die Fahrertür über das Display meines Smartphones und rutschte auf den Sitz.

Sofort klappte ich die Sonnenblende nach unten und blickte in den kleinen Spiegel. Ich zog den Kragen meiner Jacke ein Stück nach unten. Direkt unter meinem Schlüsselbein, genau dort, wo Ashers Finger mich in die Wand des Archivs gedrückt hatten, war die Haut dunkelrot verfärbt. Ein deutlicher Abdruck.

Ich presste die Handfläche gegen die Stelle. Die Hitze schoss sofort wieder durch meinen gesamten Körper. Caleb hatte den Fleck nicht gesehen, weil der Stoff meiner Kleidung ihn knapp verdeckt hatte, aber Asher hatte genau gewusst, was er hinterlassen hatte.

Morgen Abend würden hunderte Fotografen vor der Gala warten. Wenn dieser Fleck bis dahin nicht verschwunden war, würde die perfekt geplante Fusion meiner Familie augenblicklich in sich zusammenbrechen.

Mein Telefon vibrierte erneut auf dem Beifahrersitz. Ich griff danach. Auf dem Display blinkte eine weitere Nachricht.

Unbekannt: Deck ihn gut ab. Ich werde genau hinsehen.

Ich warf das Smartphone auf den Beifahrersitz, startete den Motor über den Startknopf und legte den Rückwärtsgang ein. Meine Reifen quietschten leise auf dem Asphalt des Parkplatzes, als ich das Auto wendete und durch das große Tor der Academy lenkte. Meine Hände umklammerten das Lenkrad so fest, dass meine Fingerknöchel weiß wurden.

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