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Kapitel 6

작가: Lina
last update 게시일: 2026-05-25 03:59:20

Am nächsten Nachmittag um Punkt fünfzehn Uhr klingelte es an der Tür meines Apartments.

Als ich öffnete, standen zwei Stylistinnen im Flur. Sie schoben drei Kleiderständer vor sich her, auf denen Kleidung in dichten Schutzhüllen hing. Hinter ihnen ging meine Mutter, die ein Tablet in der Hand hielt und bereits hektisch auf den Bildschirm tippte, ohne mich anzusehen.

„Wir haben keine Zeit zu verlieren, Tessa“, sagte sie, schritt an mir vorbei ins Wohnzimmer und legte das Tablet auf dem Tisch ab. „Die Presseagenturen haben die ersten Fotografen bereits vor dem roten Teppich platziert. Dein Auftritt mit Caleb muss sitzen. Jedes Detail.“

„Ich weiß, Mutter“, sagte ich und schloss die Tür.

Die Stylistinnen öffneten die Reißverschlüsse der Hüllen. Zum Vorschein kamen schwere, lange Kleider für den Abend. Meine Mutter ging die Auswahl durch, zog ein dunkelblaues Kleid heraus und hielt es mir entgegen. Es hatte einen tiefen, asymmetrischen Ausschnitt, der die gesamte linke Seite meines Schlüsselbeins freilegte.

Mein Blick fiel sofort auf die Stelle. Der Abdruck von Ashers Fingern war über Nacht nicht verblasst. Er schimmerte bläulich-rot auf meiner blassen Haut. Wenn ich dieses Kleid anzog, würde jeder Kamerablitz die Spur sichtbar machen.

„Nein“, sagte ich schnell und schob das Kleid zurück. „Das nicht.“

Meine Mutter hob eine Augenbraue. „Caleb trägt einen dunkelblauen Anzug, Tessa. Das Kleid ist darauf abgestimmt. Warum willst du es nicht?“

„Der Ausschnitt gefällt mir nicht“, erwiderte ich. Meine Stimme blieb fest, obwohl mein Herz in meiner Brust zu rasen begann. „Ich möchte etwas Geschlossenes. Etwas mit einem hohen Kragen.“

„Ein hoher Kragen wirkt zu distanziert, wir brauchen Nahbarkeit für die Kameras“, entgegnete sie streng.

„Es wirkt eleganter“, beharrte ich und griff selbst nach den Kleiderstangen. Ich suchte nach einem Modell, das meinen Hals und mein Dekolleté komplett verdeckte. Meine Finger blieben an einem schwarzen, hochgeschlossenen Kleid hängen. Es hatte lange Ärmel und einen engen Stehkragen, der bis knapp unter das Kinn reichte. „Das hier.“

Meine Mutter musterte das schwarze Kleid, dann mich. Sie atmete hörbar aus. „Schwarz ist riskant für ein Verlobungsevent. Aber gut. Wenn du es tragen willst, müssen die Stylistinnen dein Make-up anpassen. Beweg dich. Wir haben noch zwei Stunden.“

Zwei Stunden lang saß ich still auf dem Stuhl, während die Frauen mein Gesicht schminkten, meine Haare nach oben steckten und die Kleidung anpassten. Jedes Mal, wenn eine der Stylistinnen mit dem Pinsel in die Nähe meines Halses kam, spannte ich die Muskeln an. Ich hatte Angst, sie würde das Make-up verwischen und den Fleck freilegen.

Um viertel vor siebzehn stand ich vor dem Ganzkörperspiegel. Das schwarze Kleid saß eng und makellos. Der Kragen verdeckte die Spur von Ashers Fingern perfekt. Niemand konnte etwas sehen.

Genau in diesem Moment vibrierte mein Smartphone auf der Kommode. Eine SMS von Caleb.

Caleb: Ich stehe unten. Komm raus.

Ich nahm meine kleine Handtasche, steckte das Telefon hinein und verließ das Apartment.

Vor dem Gebäude wartete die schwarze Limousine. Der Fahrer hielt mir die Tür auf, und ich stieg auf die Rückbank. Caleb saß bereits dort. Er trug den dunkelblauen Maßanzug, seine Haare waren perfekt gestylt. Als er mich sah, wandte er den Kopf und musterte mich von den Schuhen bis zum Hals.

Seine Augen verengten sich, als er den hohen Kragen meines Kleides fixierte.

„Du hast dich nicht an die Absprache gehalten“, sagte er. Seine Stimme war vollkommen ruhig, aber der Tonfall war scharf. „Ich habe dir gesagt, dass mein Anzug blau ist. Warum trägst du Schwarz? Und warum so hochgeschlossen?“

„Ich fand es passender“, sagte ich und blickte geradeaus durch die Windschutzscheibe.

Caleb beugte sich ein Stück vor. Er streckte die Hand aus und legte zwei Finger direkt an den Rand des engen Stehkragens meines Kleides. Er zog den Stoff einen Millimeter nach unten. „Du verbirgst etwas vor mir, Tessa.“

Ich entzog mich seiner Handbewegung, indem ich den Kopf zur Seite drehte. Der Stoff rieb kurz über die gereizte Haut an meinem Hals.

„Ich verbirge gar nichts“, sagte ich. Meine Stimme klang fest, obwohl sich meine Fingernägel in das Leder meiner Handtasche bohrten. „Ich wollte einfach nicht wie das Abziehbild jeder anderen Frau auf dieser Gala aussehen. Wenn wir auffallen wollen, dann so.“

Caleb zog die Hand zurück und legte sie wieder auf sein Knie. Er sah mich sekundenlang schweigend an, während die Limousine langsamer wurde. Das Licht der Straßenlaternen warf schnelle Schatten durch die abgedunkelten Scheiben auf sein Gesicht.

„Wir sind gleich da“, sagte ihn schließlich. Er knöpfte sein Sakko mit einer präzisen Bewegung zu. „Vergiss nicht, warum wir hier sind. Lächeln, Hände halten, der Presse genau das geben, was die Investoren sehen wollen.“

Das Auto hielt an. Draußen waren bereits die Rufe der Fotografen und das rhythmische Klicken der Kameras zu hören. Der Fahrer öffnete die Tür von außen.

Caleb stieg zuerst aus, drehte sich um und streckte mir die Hand entgegen. Ich legte meine Finger in seine. Seine Handfläche war trocken und kühl. Ich stieg aus dem Wagen, stellte meine Schuhe auf den roten Teppich und blickte direkt in das Blitzlichtgewitter. Die plötzliche Helligkeit brannte in meinen Augen, aber ich zwang meine Gesichtsmuskeln sofort zu einem perfekten, kontrollierten Lächeln.

Caleb legte seinen Arm um meine Taille. Er zog mich eng an seine Seite. Seine Hand lag fest auf dem Stoff meines Kleides, genau über meiner Hüfte. Wir gingen die Stufen zum Eingang des Gebäudes hinauf, blieben alle paar Sekunden stehen und drehten uns zu den Kameras. Mein Herz schlug schwer gegen meine Rippen, aber ich hielt die Fassade aufrecht.

Als wir die großen Glastüren des Foyers passierten, ließ der Druck der Fotografen nach. Die Halle war voll von Menschen in teuren Maßanzügen und eleganter Kleidung. Kellner balancierten Tabletts mit Gläsern durch die Menge.

Ich blickte durch den Raum, während Caleb mich tiefer in die Halle führte. Und dann sah ich ihn.

Asher stand an einer der massiven Säulen, ein Stück abseits von den anderen Gästen. Er trug keinen Anzug. Er trug eine weite, schwarze Streetwear-Hose und einen minimalistischen, dunklen Kapuzenpullover, der komplett aus dem Rahmen der restlichen Abendgarderobe fiel. Auf seinem Handgelenk leuchtete das Display seiner Smartwatch hell auf.

Er hielt ein Glas in der Hand und sah mir direkt in die Augen. Sein Blick wanderte langsam von meinem Gesicht nach unten zu dem hohen Stehkragen meines Kleides. Ein schmales, kaltes Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen.

Caleb bemerkte meinen Blick nicht. Er steuerte direkt auf eine Gruppe von älteren Männern zu. „Da sind die Vorstandsmitglieder der Holding“, flüsterte er mir zu. „Komm.“

Ich lief an Calebs Seite mit, aber mein gesamter Körper war auf den Punkt ausgerichtet, an dem Asher stand. Wir mussten direkt an ihm vorbei. Asher bewegte sich nicht. Er machte keinen Schritt beiseite, als wir uns näherten.

„Schönes Kleid, Tessa“, sagte Asher im Vorbeigehen. Er sprach leise, aber die Worte waren absolut deutlich. „Sehr... geschlossen.“

Caleb blieb abrupt stehen. Er ließ meine Taille los, drehte sich um und sah seinen Bruder an.

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