ANMELDENEveDas Bett ist kalt.Das bemerke ich zuerst. Nicht das anhaltende Ziehen in meinen Oberschenkeln von der hektischen, verzweifelten Reibung der letzten Nacht, sondern die absolute, arktische Kälte der Laken neben mir.Ich strecke die Hand aus und streiche über die breite Matratze.Leer.Normalerweise hinterlässt Dominik eine Spur, selbst wenn er früh aufsteht. Den Geruch seines Duschgels auf dem Kissen. Eine noch dampfende Tasse Espresso auf dem Nachttisch. Eine schwere Hand, die bis zum letztmöglichen Moment auf meiner Hüfte liegt.Heute ist da nichts. Als wäre er nie hier gewesen. Als wäre der Mann, der mir etwas Zärtliches auf Italienisch an die Stirn geflüstert hat, eine Halluzination aus Adrenalin und Erschöpfung gewesen.Ich setze mich auf und ziehe die Bettdecke an meine Brust. Der Raum ist still. Das Morgenlicht ist grau und fahl, ohne die aggressive Helligkeit von gestern.Ich schaue zum Nachttisch. Keine Nachricht.Ich erinnere mich an seinen Gesichtsausdruck gestern Nacht.
EveDie Trennscheibe ist hochgefahren, aber ich bin ziemlich sicher, dass Enzo die teure Seide trotzdem reißen hört.Dominik wartet nicht einmal, bis wir auf der Schnellstraße sind. Wir sind kaum zwei Blocks vom Met entfernt, schlängeln uns durch den nächtlichen Verkehr Manhattans, und er hat sein Versprechen, mein Kleid zu ruinieren, bereits eingelöst.„Dominik“, keuche ich. Mein Kopf fällt gegen die lederne Kopfstütze zurück, während sein Mund die Wölbung meines Halses verschlingt. „Enzo.“„Er ist taub“, knurrt Dominik an meiner Haut. Seine Hand gleitet an meinem Oberschenkel hoch, packt das Seitenband meines Strings und reißt es durch. „Wenn er weiß, was gut für ihn ist.“Das Kleid, das mehr gekostet hat als meine Studiengebühren, ist gerade um meine Taille zusammengeschoben. Der Reißverschluss hat irgendwo auf der Fifth Avenue den Geist aufgegeben und sich Dominiks roher Kraft ergeben.Es ist mir egal.Das Adrenalin von der Gala strömt noch durch meine Adern, heiß und elektrisiere
DominikMeine Frau baut eine Mauer.Nicht aus Stein oder Stahl. Aus höflichem Lächeln, tadellosen Manieren und einer körperlichen Distanz, die so genau berechnet ist, dass sie einen Militäringenieur beeindrucken würde.Wir stehen im Tempel von Dendur im Metropolitan Museum of Art. Der Raum ist riesig und hallt vom Klirren der Kristallgläser und dem Murmeln der New Yorker Elite wider, die so tut, als lägen ihr wohltätige Zwecke am Herzen.Eve steht neben mir. Sie trägt ein schulterfreies Satinkleid in Marineblau, mit tiefem V-Ausschnitt, eng anliegendem Oberteil und weit schwingendem Rock, der hoch am Oberschenkel geschlitzt ist. Sie sieht atemberaubend aus. Und vollkommen unantastbar.Seit dem Vorfall heute Morgen in der Küche, seit ich den Fehler gemacht habe, ihr Zärtlichkeit zu zeigen, und sie wie ein gefangenes Tier in Panik geraten ist, hat sie sich in die Rolle der perfekten Geschäftspartnerin zurückgezogen.„Der Senator kommt von links“, murmelt sie und blickt geradeaus. Auf ih
EveDie Sonne ist heute unnötig aggressiv.Sie strömt durch die bodentiefen Fenster der Frühstücksecke, glitzert auf den Marmorarbeitsplatten und den Edelstahlgeräten mit einer Helligkeit, die sich wie ein Vorwurf anfühlt.Ich stehe im Türrahmen und blinzle gegen das Licht, in einem von Dominiks Hemden. Es reicht mir bis zur Mitte der Oberschenkel, die Ärmel sind bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Es riecht nach teurem Eau de Cologne und diesem gefährlichen, ablenkenden Duft, der ganz und gar seiner ist.Es sollte sich anfühlen wie der peinliche Heimweg nach einer Nacht voller Fehlentscheidungen. Nach gestern im Aufzug, nach dem Entzug meiner Sinne und meiner vollständigen, absoluten Hingabe in The Vault hatte ich erwartet, mich völlig zerstört zu fühlen. Aufzuwachen wie eine leere Hülle, die ausgehöhlt und mit seiner Dunkelheit wieder gefüllt wurde.Stattdessen fühle ich mich weich. Träge und befriedigt.Mein Körper tut weh, ja. In meinen Muskeln sitzt ein köstlicher, anhaltender Sc
DominikEin Sieg ist ein starkes Aphrodisiakum.Er strömt wie erstklassiger Scotch durch das Blut. Warm, berauschend und gefährlich.Eve summt noch immer vor Energie, selbst nach dem Aufzug und unserem Halt in einem Diner für Burger und Milchshake.Wir kichern noch immer wie Kinder, die zum ersten Mal verliebt sind.Der Besuch im Club war ihre Idee. Sie hat ihn mir zugeflüstert, mit einer Stimme, die geradezu darum gebettelt hat, dass ich schmutzige Dinge mit ihr anstelle.Als wir durch den Flur von The Vault gehen, die weiße Baumwolle ihres Kleides eng um ihre Hüften, strahlt sie eine manische, raubtierhafte Energie aus.Sie hat gerade mit einem Handy und einem Lächeln das Leben eines Mannes zerlegt. Sie hat Blut im Wasser geschmeckt und ist nicht zurückgeschreckt. Sie ist darauf zugeschwommen.Der Club ist still, wie er es immer zu sein scheint. Ein Beweis dafür, dass die Schalldämmung ihren Zweck erfüllt. Mein Hunger nach Kontrolle und Dominanz ist unersättlich, aber ich bin kein e
EveEs gibt tausend Möglichkeiten, einen Mann zu töten.Dominik bevorzugt die unmittelbaren, körperlichen Methoden. Eine Kugel in die Brust. Ein Messer an der Kehle. Das Knacken eines Genicks. Es ist sauber, es ist ehrlich, und es sendet eine Botschaft, die auf den Straßen nachhallt.Meine Methoden sind leiser.Sie hinterlassen kein Blut auf dem Teppich, aber einen Fleck, der sich nie wieder auswaschen lässt.Ich sitze Gavin Thorne im separaten Speiseraum von Gallaghers gegenüber und sehe zu, wie er ein Stück rosa gebratenes Ribeye mit einer Arroganz kaut, bei der es mich schaudert.Thorne ist neureich. Tech-Geld. Unter einem Blazer, der mehr kostet, als ein vernünftiger Mensch jemals dafür ausgeben würde, trägt er ein T-Shirt. Er hat die rastlose, fahrige Energie eines Mannes, der sich für den Klügsten im Raum hält, weil er programmieren kann.Er benutzt Grimaldi-Frachtcontainer, um Hardware am offiziellen Handel vorbei zu transportieren. Hochleistungsprozessoren, deren Handel streng







