로그인
Anna’s Perspektive
„Anna, deine Mutter braucht eine Operation. Ohne sie hat sie noch Wochen.”
Die Worte des Arztes trafen mich wie ein Faustschlag. Ich krallte meine Finger in die Kante des Plastikstuhls, bis meine Knöchel weiß wurden. Dr. Parker James saß mir gegenüber in seinem weißen Kittel, das Gesicht ruhig, aber die Augen müde von zu vielen schlechten Gesprächen. Das kleine Büro roch nach Bleichmittel und altem Kaffee. Mein Herz hämmerte so laut, dass ich meine eigene Stimme kaum hören konnte.
„Wie viel?” fragte ich und hielt meinen Ton gleichmäßig, obwohl sich mein Magen in Knoten zusammenzog.
Dr. James blätterte eine Seite auf seinem Klemmbrett um. „Der Eingriff, der Krankenhausaufenthalt, die Nachsorge und die Spezialisten? Ungefähr zweihundertachtzigtausend Dollar. Die Versicherung übernimmt einen Teil, aber nicht bei diesem Weg. Wir müssen schnell handeln, wenn wir die besten Chancen haben wollen.”
Zweihundertachtzigtausend. Fast hätte ich laut losgelacht. Mit meinen zwei Jobs zusammen schaffte ich kaum die Miete.
„Mama ist den Flur runter, oder?” sagte ich. „Darf ich sie zuerst sehen?”
Er nickte. „Sie ruht sich aus. Aber sie kennt die Lage. Helene ist eine Kämpferin, Anna. Sie will diese Operation.”
Ich stand schnell auf. Meine billigen Turnschuhe quietschten auf dem Linoleumboden. „Sagen Sie mir die Wahrheit, Doktor. Was passiert genau, wenn wir warten?”
Er sah mir direkt in die Augen, ohne zu blinzeln. „Der Tumor wächst. Die Schmerzen werden schlimmer. Komplikationen nehmen zu. Die Zeit arbeitet nicht für uns.”
Direkt auf den Punkt. Das mochte ich an ihm, auch wenn ich jedes Wort aus seinem Mund hasste.
„Danke,” murmelte ich und verließ das Büro.
Der Flur erstreckte sich lang und kalt unter dem harten Neonlicht. Krankenschwestern bewegten sich leise zwischen den Zimmern. Ich stieß die Tür zu Mamas Zimmer auf. Sie wirkte klein im Krankenhausbett, graues Haar über das Kissen gebreitet, aber ihr Lächeln erhellte sich sofort, als sie mich sah.
„Anna, Schatz. Komm her.”
Ich setzte mich auf die Bettkante und nahm ihre Hand. Sie fühlte sich zu dünn an, zu zerbrechlich. „Dr. James hat mir alles erzählt. Operation. Viel Geld. Zweihundertachtzigtausend.”
Sie drückte sanft meine Finger. „Wir werden das hinbekommen. Das tun wir doch immer, oder?”
Ich zwang mir ein Lächeln ab. „Ja. Aber diesmal fühlt es sich anders an.”
Wir saßen einen Moment lang schweigend. Die Geräte piepten gleichmäßig neben uns. Ich sah auf den Infusionstropf und versuchte, ruhig zu klingen. „Du kämpfst immer so hart. Ich erinnere mich noch, als du zuerst krank wurdest. Du hast versucht, alles zu verbergen.”
Mama kicherte leise. „Ich habe an diesem Morgen Pfannkuchen verbrannt. Du hast sie trotzdem alle gegessen.”
„Ja. Weil du sie gemacht hast.” Meine Kehle schnürte sich zu, aber ich redete weiter. „Ich werde dich nicht verlieren, Mama. Ich finde das Geld. Irgendwie.”
„Du warst schon immer stur,” sagte sie mit einem schwachen Lächeln. „Genau wie ich. Aber wage es bloß nicht, dich dabei selbst zu opfern. Du bist jung, Anna. Du solltest dein Leben leben, nicht jeden Tag hier feststecken.”
„Leben bedeutet, dich zu haben,” antwortete ich schnell. „Also rede nicht so.”
Eine Krankenschwester klopfte und trat ein. „Frau Vale? Zeit für Ihre Medikamente.”
Ich stand auf. „Ich bin bald zurück. Ich liebe dich.”
„Ich liebe dich mehr,” flüsterte Mama, während die Krankenschwester sich um sie kümmerte.
Ich trat zurück auf den Flur. Mein Kopf drehte sich vor lauter Zahlen. Zweihundertachtzigtausend Dollar. Ich hatte vielleicht dreitausend auf dem Konto, wenn ich Glück hatte. Rechnungen. Miete. Zwei Sackgassenjobs. Keine reichen Verwandten. Keine Ersparnisse. Das Gewicht davon drückte auf meine Brust.
Mein Handy summte. Eine Nachricht von John Smith, meinem alten Freund.
John: Wie geht es Helene heute? Soll ich etwas ins Krankenhaus mitbringen?
Ich tippte schnell, während ich lief. Ich: Schlechte Nachrichten. Brauche Geld für die OP. Reden wir später.
Keine Zeit für Mitleid jetzt. Ich ging zum Ausgang, der Kopf voller Gedanken über jede mögliche Option. Bankkredite mit schrecklichen Zinsen. Crowdfunding, das das Ziel wahrscheinlich nicht erreichen würde. Alles verkaufen, was ich besaß. Sogar meinen Körper verkaufen, wenn es dazu käme. Alles, um Mama am Leben zu erhalten.
Die automatischen Türen öffneten sich mit einem Zischen. Helles Tageslicht traf mich. Ich eilte hinaus, den Kopf gesenkt, kramte in meiner Tasche nach meinen Schlüsseln. Ich rannte direkt gegen eine breite Brust.
Starke Hände packten meine Arme, um mich zu stabilisieren. „Vorsicht.”
Ich sah auf. Weit nach oben. Der Mann überragte mich. Ein dunkler Anzug saß perfekt auf breiten Schultern. Ein Kiefer, scharf genug, um Glas zu schneiden. Seine Augen – dunkelbraun, fast schwarz – trafen meine. Teures Parfüm durchschnitt den Krankenhausgeruch. Macht strömte von ihm aus wie Hitze von einem Ofen.
„Entschuldigung,” sagte ich und trat schnell zurück. „Ich habe nicht aufgepasst.”
Er ließ mich nicht sofort los. Sein Griff fühlte sich warm und fest an. „Die meisten Leute entschuldigen sich und gehen weiter. Sie sehen aus, als wäre die Welt gerade untergegangen.”
Ich machte mich frei. Meine Wangen brannten. „Das ist sie ein bisschen. Entschuldigung.”
Ich versuchte, an ihm vorbeizukommen, aber er rückte leicht zur Seite und versperrte den Weg, ohne es offensichtlich zu machen. „Warten Sie. Ist alles in Ordnung?”
Seine Stimme war tief und weich. Die Art, die wahrscheinlich Millionen-Dollar-Deals vor dem Frühstück abschloss. Aus der Nähe war er zu gutaussehend – perfekte Haare, markante Züge, das Gesicht, das auf Werbeplakate gehörte. Aber das war mir gerade egal.
„Nein,” sagte ich unverblümt. „Meine Mutter stirbt und die Lösung kostet mehr, als ich in zehn Jahren verdiene. Zufrieden jetzt?”
Er hob eine Augenbraue. Etwas flackerte in seinen Augen. Überraschung, vielleicht Interesse. „Offene Worte. Das ist selten heutzutage.”
Ich lachte einmal auf, bitter und kurz. „Ja, reiche Männer in Anzügen halten normalerweise nicht für Mädchen wie mich an. Also danke fürs Auffangen. Ich muss gehen.”
Ich ging wieder auf den Parkplatz zu. Seine Stimme folgte mir.
„Carlton Blackwood. Und Sie?”
Ich blieb stehen und sah über meine Schulter zurück. Der Name klang vertraut. Großes Geld. Blackwood. Hotels? Technik? Irgendsowas. Ich konnte mich nicht genau erinnern.
„Anna Vale,” sagte ich. „Schön, fast in Sie hineingelaufen zu sein, Carlton Blackwood.”
Mein Handy klingelte. Unbekannte Nummer. Ich nahm ab, während ich weiterging. „Hallo?”
„Miss Vale?” sagte eine Frauenstimme. „Hier ist die Abrechnungsabteilung des Krankenhauses. Wir müssen Zahlungsoptionen für den bevorstehenden Eingriff von Frau Helene Vale besprechen. Wenn wir nicht bald eine Finanzierung sicherstellen, müssen wir möglicherweise—”
Ich legte sofort auf. Tränen brannten in meinen Augen, aber ich blinzelte sie hart zurück. Kein Weinen in der Öffentlichkeit. Nicht hier.
Hinter mir spürte ich noch immer Augen auf meinem Rücken. Carlton Blackwood beobachtete mich wahrscheinlich noch. Ich drehte mich nicht um. Ich erreichte ein Auto auf dem Parkplatz und lehnte mich kurz dagegen, um zu Atem zu kommen.
Mein Handy summte erneut. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.
Unbekannt: Kommen Sie zum Blackwood Empire – dort wartet eine Stelle für Sie. C.B.
CB wie Carlton Blackwood? Der Fremde, den ich gerade getroffen hatte.
Ich starrte auf den Bildschirm. Hilfe? Von einem Fremden, der aussah, als gehörte ihm die halbe Stadt? Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Ein Job? Einfach so?
Ich sah zurück zum Krankenhauseingang. Keine Spur von ihm. Aber das Angebot saß da auf meinem Handy wie eine Falle, verpackt in Hoffnung.
Was soll ich jetzt tun?
Der Parkplatz fühlte sich zu klein an. Die Zukunft fühlte sich zu schwer an. Aber eines war klar: Ich würde alles tun, um meine Mutter zu retten. Sogar wenn es bedeutete, das Angebot eines reichen Fremden anzunehmen, der gefährlicher sein könnte als der Krebs selbst.
Ich hatte keine Ahnung, dass ich gerade dabei war, meine Seele an den Teufel zu verkaufen.
AnnaDas Intensivzimmer war still bis auf das gleichmäßige Piepen des Herzmonitors und das leise Summen der Maschinen, die im Takt meines eigenen Pulses arbeiteten.Ich saß in dem harten Plastikstuhl, der so nah wie möglich an das Bett herangezogen war, beide Hände fest um eine von Carltons gelegt. Seine Haut fühlte sich zu kühl, zu blass gegen meine an. Das dünne Krankenhaushemd sah falsch an ihm aus – irgendwie zu klein für diesen großen Mann. Ein dicker weißer Verband bedeckte die obere rechte Seite seiner Brust, direkt unter dem Schlüsselbein, und ein klarer Sauerstoffschlauch lag unter seiner Nase. Aber seine Brust hob und senkte sich in einem gleichmäßigen, verlässlichen Rhythmus, und diese eine Tatsache war das Einzige, was mich davor bewahrte, komplett auseinanderzufallen.Ich saß dort seit fast vierzig Minuten, seit sie ihn aus dem Aufwachraum verlegt hatten. Veronica war hinausgegangen, um mit dem Chefarzt zu sprechen. Zum ersten Mal seit dem Lagerhaus waren wir nur zu zweit
AylaCarltons Hände zitterten immer noch, als er mir behutsam half, mich aufzusetzen.Das Hemd, das er mir angezogen hatte, hing locker und bedeckte das Wichtige. Er schob einen Arm um meinen Rücken und den anderen unter meine Knie, bereit, mich hochzuheben, dann schien er es sich anders zu überlegen. Stattdessen führte er mich sanft auf die Beine und hielt den größten Teil meines Gewichts an seiner Brust. Meine Beine zitterten so heftig, dass ich nicht sicher war, ob sie halten würden.„Ich habe dich“, flüsterte er erneut und drückte die Lippen an meine Schläfe. „Wir gehen. Lass uns nach Hause fahren.“Er warf einen Blick über die Schulter zu seinen Männern. Zwei von ihnen hatten Marco bereits bäuchlings und in Handschellen. Ein anderer stand über Adrian, der sich immer noch keuchend an die Wand kauerte.„Lasst sie am Leben“, befahl Carlton, die Stimme kalt und scharf. „Ich will, dass beide bei Bewusstsein sind, wenn ich mich mit ihnen beschäftige.“Die Männer nickten.Carlton drehte
Ayla Die schwere Tür schwang mit einemlangen, metallischen Kreischen auf, das mirüber den Rücken lief. Ich zuckte so heftigzusammen, dass der Kabelbinder tiefer inmeine Handgelenke schnitt. Mein Herz schluggegen meine Rippen, als wollte es fliehen. ZweiMänner betraten den kleinen cremefarbenenRaum. Den ersten erkannte ich sofort: Marco. Derselbe Mann, der mich schon einmalmitgenommen hatte. Dieselben kalten Augen. Das gleiche grausame kleine Lächeln, das sienie erreichte. Hinter ihm ging ein zweiter Mann, den ich noch nie persönlich gesehen hatte, aber ich wusste den Namen, als Marco ihnaussprach. „Schau, wer endlich wach ist“, sagte Marco mit fast fröhlicher Stimme. „Adrian, lerne Mrs. Blackwood kennen. Ayla, lerne den Mann kennen, der mir helfen wird, deinem Mann eine sehr teure Lektion zuerteilen.“ Adrian war groß, elegant und auf eineWeise gutaussehend, dass mir der Magenumdrehte. Er sah mich an, wie ein Mann etwasansieht, von dem er bereits entschieden hat, dass es ihm gehör
CarltonIch beendete die letzte Vorstandssitzung um 14:17 Uhr und setzte mich in meinen Bürostuhl.Meine Frau. Ich lächelte über die Art, wie sich das anhörte. Ich griff nach meinem Telefon, um ihr zu sagen, wie sehr ich sie vermisste.Nur – ich hatte schon zweimal angerufen, und es ging auf die Mailbox.Schlief sie? Ich lächelte, als ich mich an gestern erinnerte.Aber ich begann mir Sorgen zu machen, als ich sie noch fünfmal anrief und es immer noch dasselbe war. Mailbox.Ich runzelte die Stirn, als ein kaltes Gefühl tief in meinem Magen aufstieg. Ayla nahm meine Anrufe immer entgegen. Selbst wenn sie unter der Dusche war, rief sie innerhalb von Minuten zurück oder schickte eine kurze Nachricht. Drei unbeantwortete Anrufe hintereinander waren falsch. Alles daran war falsch.Ich wählte die Hauptleitung des Anwesens. Harris nahm beim zweiten Klingeln ab.„Mr. Blackwood.“„Wo ist meine Frau?“Es gab eine kurze Pause. „Mrs. Blackwood ist vor etwa einer Stunde an die frische Luft gegange
AylaMorgenlicht ergoss sich weich durch die Vorhänge, als ich die Augen aufdrückte.Mein Körper schmerzte auf die gründlichste Weise möglich. Jeder Muskel erinnerte mich an die Nacht zuvor – den Schreibtisch, das Bett, die Art, wie Carlton mich auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt hatte. Er war bereits angezogen, als ich die Augen öffnete, stand am Schrank und knöpfte ein knackiges weißes Hemd zu.Er bemerkte, dass ich ihn beobachtete, und durchquerte den Raum. Er beugte sich hinunter und küsste mich langsam – Geschmack von Minze und etwas Wärmerem.„Morgen, Bunny.“„Morgen.“ Meine Stimme war immer noch heiser von all dem Schreien.„Ich hatte vor, den Tag mit dir zu verbringen, Princess, aber ich muss leider für ein paar Stunden hineingehen. Notfall-Nachbereitung des Vorstands nach dem Chaos von gestern. Bleib im Bett und ruh dich aus. Das ist ein Befehl.“Ich schaffte ein schläfriges Lächeln. „Ja, Sir.“Er küsste meine Stirn, dann noch einmal meine Lippen und ging. Zwanzig
AnnaIch versuchte immer noch, meinen Atem zu fangen, der Körper schlaff gegen die kühle Oberfläche seines Schreibtischs, als Carltons Stimme durch den Nebel schnitt – tief, dunkel und mit etwas Gefährlichem an den Rändern.„Ich habe nie gesagt, dass du kommen darfst, Bunny.“Meine Augen flogen auf. Ich starrte zu ihm hinauf, immer noch benommen. „Was? Aber… aber du hast nichts gesagt, als ich gekommen bin.“Ein langsames, böses Lächeln krümmte seinen Mund. Er beugte sich über mich, immer noch vollständig angezogen, während ich halb nackt und zerstört auf seinem Schreibtisch lag, die harte Länge von ihm insistierend gegen meinen empfindlichen Oberschenkel drückend.„Oh, Bunny“, murmelte er, die Stimme pure Sünde. „Du willst kommen, stimmt’s? Lass mich dir mehrere Gründe dafür geben.“ Er strich mir eine feuchte Haarsträhne mit überraschender Sanftheit aus dem Gesicht – der Kontrast machte die Dunkelheit in seinen Augen nur intensiver. „Lass uns nach Hause fahren.“Die Fahrt zurück zum







