LOGINCarltons Perspektive
Diese Frau hatte etwas Besonderes an sich. Die meisten Menschen brachen zusammen, wenn sie in meine kalten Augen blickten. Aber sie starrte mich einfach an und sagte mir die Wahrheit ins Gesicht. Keine falschen Tränen. Kein emotionales Drama. Ich sah ihr nach, wie sie ging, die Schultern angespannt, als ob das Gewicht der Welt auf ihnen lastete. Anna Vale. Der Name blieb in meinem Kopf hängen wie eine Erinnerung, die ich nicht vergessen konnte.
Ich ging tiefer in den Privatflügel. Meine Mutter hatte mich wieder hierher gerufen, mit einer weiteren vorgetäuschten „Episode”. Ich stieß die Tür zu ihrer VIP-Suite auf. Das Zimmer sah eher aus wie ein Luxushotel als ein Krankenhaus — frische Blumen auf jeder Oberfläche, Seidenroben über den Stühlen drapiert — und meine Mutter, Veronica Blackwood, saß im Bett wie eine Königin auf dem Thron. Williams Dillon, ihr Butler, stand in der Nähe mit einem silbernen Tablett mit Tee.
Ich verschränkte die Arme. „Du siehst vollkommen gesund aus, Mutter. Schon wieder.”
Sie winkte dramatisch ab. „Die Ärzte sagen, Stress ist schrecklich für mein Herz. Und was stresst mich mehr als alles andere? Dass mein einziger Sohn sich weigert, sich niederzulassen. Du bist dreißig. Der Vorstand flüstert hinter deinem Rücken. Ich muss ständig Zeitungen einkassieren, die Unsinn über dich und diese schreckliche Kourtney drucken.”
„Kourtney hat mich mit meinem Rivalen betrogen”, sagte ich gleichgültig. „Mit diesem Zirkus bin ich fertig.”
Sie lehnte sich vor. „Genau deshalb brauchst du eine anständige Ehefrau. Jemanden Geeignetes. Ich habe eine Liste. Alte Familien, gute Abstammung. Wir können bis zum Herbst eine Verlobung bekanntgeben. Das wird das Unternehmen stabilisieren und die Gerüchte zum Schweigen bringen.”
Ich lachte einmal, kalt. „Ich brauche keine Liste. Ich brauche Ruhe.”
„Ruhe kommt mit Erben und einem Ring am Finger”, gab sie zurück. „Dein Vater hätte—”
„Nein”, unterbrach ich sie scharf. „Ich führe das Blackwood-Imperium. Keinen Heiratsmarkt.”
Williams räusperte sich höflich. „Soll ich mehr Tee bringen, gnädige Frau?”
„Nein”, sagte Mutter. „Carlton, hör mir zu. Ein Abendessen. Ein Mädchen von der Liste. Oder ich bleibe in diesem Krankenhausbett, bis du zustimmst.”
Ich sah auf meine Uhr. „Drohe, wie du willst. Ich habe echte Arbeit.”
Ich drehte mich zur Tür, blieb aber stehen. Mutters Druck hatte sich monatelang aufgestaut. Der Vorstand wollte Stabilität. Die Presse wollte eine Geschichte. Eine Ehefrau von ihrer Liste würde endlose Probleme bringen — verwöhnte Töchter aus gutem Hause, versteckte Absichten, noch mehr Drama. Aber eine Frau, die etwas von mir brauchte? Die konnte ich kontrollieren.
Anna Vale blitzte wieder in meinen Gedanken auf. Verzweifelt. Ehrlich. Kein Unsinn. Perfekt.
Mein Handy summte. Ich hatte kurz nach ihrem Weggehen einen schnellen Anruf gemacht. Ich hatte herausgefunden, was sie ins Krankenhaus geführt hatte. Ich verließ Mutter mitten in ihrem Protest und trat in den Flur. Davis wartete bei den Aufzügen, Tablet bereit, Anzug makellos wie immer.
„Sir”, sagte er und fiel in meinen Schritt. „Ihr Drei-Uhr-Termin wurde verschoben. Und Mrs. Veronicas Arzt bestätigt erneut — kein echter medizinischer Notfall.”
„Überraschend”, murmelte ich. „Davis, neue Aufgabe. Anna Vale. Mitte zwanzig. Mutter Helene Vale, Patientin hier. Finde alles. Bankkonten, Jobs, Vorstrafen, falls vorhanden. Schnell.”
Davis zuckte nicht mit der Wimper. „Erledigt. Die übliche Tiefe?”
„Tiefer. Familie, Freunde, jede Schuld. Besonders die Krankenhausrechnungen der Mutter. Ich habe den Betrag aufgeschnappt — zweihundertachtzigtausend.”
Wir erreichten den Privataufzug. Ich drückte den Knopf. „Und entwirf einen Ehevertrag. Geheimhaltungsvereinbarungen, Vermögensschutz, mindestens ein Jahr. Lass die Vergütung vorerst offen.”
Davis hielt mitten in seinen Notizen inne. „Heirat, Sir? Das ist plötzlich.”
Ich dachte an Annas trotziges Kinn, wie sie nicht zuckte und nicht flirtete. „Mutter will, dass ich heirate? Gut. Ich wähle. Nicht von ihrer Liste. Jemanden, den ich kontrollieren kann. Jemanden, der mich mehr braucht, als ich sie brauche.”
„Verstanden.” Davis tippte schnell. „Hintergrund bis heute Abend. Vertrag bereit zur Durchsicht morgen früh.”
Die Aufzugstüren öffneten sich zur Tiefgarage. Mein Fahrer hielt die Tür des schwarzen Bentley auf.
„Nach Hause, Sir?”, fragte der alte Butler.
„Ja.” Ich glitt auf den Rücksitz. Mein Handy leuchtete mit der ersten Datei von Davis auf. Gut.
Als wir aus dem Krankenhausparken fuhren, sprach Davis wieder vom Vordersitz. „Wenn ich darf, Sir — ein Ehevertrag so schnell… die meisten Frauen laufen vor so einer Direktheit davon.”
Ich starrte durch das getönte Fenster auf die vorbeirasende Stadt. „Diese nicht. Sie braucht das Geld für ihre Mutter. Ich brauche eine Ehefrau, die mein Leben nicht kompliziert. Ein einfaches Geschäft mit Vorteilen. Sie bekommt die Operation bezahlt. Ich bekomme Mutter vom Hals und eine Ehefrau, die ihren Platz kennt.”
Aber auch als ich es sagte, regte sich Wärme tief in meinem Innern. Das Gefühl ihrer weichen Arme in meinen Händen. Wie ihr Atem stockte, als ich eine Sekunde zu lange festhielt. Anna Vale war nicht nur eine Lösung. Sie war eine Herausforderung. Und ich gewann immer Herausforderungen.
Zurück im Herrenhaus schenkte ich mir einen Whisky ein und öffnete die vollständige Akte, die Davis geschickt hatte. Annas Gesicht füllte den Bildschirm — Krankenhaus-Sicherheitsfoto, klar und stur. Zwei schlecht bezahlte Jobs. Winzige Wohnung. Dreitausend Dollar auf dem Konto. Die Rechnungen ihrer Mutter stapelten sich jede Woche höher. John Smith als Freund aufgelistet.
Ich rief Davis an. „Füge die vollständige Krankenversicherungsklausel für Helene Vale hinzu. Sofortige Überweisung nach Unterzeichnung.”
„Okay”, antwortete er. „Sonst noch etwas?”
„Finde mehr über John Smith heraus. Stell sicher, dass er kein Problem ist.”
„Platonischer Freund laut Schulunterlagen. Bisher harmlos.”
Ich beendete den Anruf und lehnte mich in meinem Stuhl zurück. Der Whisky brannte angenehm an meiner Kehle hinunter. Mutters endloser Druck, das Geflüster des Vorstands — Anna löste alles mit einem einzigen Zug. Eine verzweifelte Frau. Sie würde unterschreiben. Sie hatte keine Wahl. Ich hatte ihre Nummer vom Krankenhaus bekommen und ihr eine Nachricht geschickt. Bis zum Morgen sollte sie zu einem Vorstellungsgespräch kommen.
Mein Handy summte. Wieder Mutter. Ich stöhnte und öffnete die Nachricht — eine weitere Forderung nach einem Abendessen mit einem ihrer Listenmädchen. Ich ignorierte es.
Aber bevor ich das Handy weglegen konnte, kam ein weiterer Anruf auf der privaten Leitung. Marco Johnsons Name leuchtete auf dem Bildschirm auf.
Ich nahm ab, die Stimme eiskalt. „Was willst du?”
Sein Lachen schlitterte wie Öl durch den Lautsprecher. „Hab gehört, du schnüffelst schon um irgendein armes Mädchen im Krankenhaus herum. Blackwood. Vorsicht. Ich weiß immer noch, wo all deine Leichen begraben sind.”
Mein Griff um das Glas wurde fester. Wie zur Hölle wusste er das schon? „Halt dich aus meinem Leben raus, Marco. Oder ich begrab dich so tief, dass du nie wieder herauskriechst.”
Ich legte auf und starrte auf die dunkle Flüssigkeit in meinem Glas. Marco war ein Problem, das nicht so leicht verschwinden würde. Aber Anna? Sie war die Antwort, die ich jetzt brauchte. Eine Ehefrau zu meinen Bedingungen. Ein Schutzschild gegen Mutters ständigen Druck.
Ich schickte Davis schnell eine Nachricht. „Der Vertrag soll morgen früh auf meinem Schreibtisch liegen. Ich will das schnell erledigt haben.”
Anna Vale hatte keine Ahnung, zu welchem Vorstellungsgespräch sie kam. Aber bis morgen würde sie es wissen. Und sie würde Ja sagen. Das taten sie immer, wenn der Preis stimmte.
Ich trank den Whisky aus und stand auf. Das Herrenhaus wirkte heute Nacht stiller. Bald würde es eine neue Herrin haben. Perfekt.
Ich bot ihr keinen Job an. Ich bot ihr eine lebenslange Haftstrafe – sie wusste es nur noch nicht.
AnnaDas Intensivzimmer war still bis auf das gleichmäßige Piepen des Herzmonitors und das leise Summen der Maschinen, die im Takt meines eigenen Pulses arbeiteten.Ich saß in dem harten Plastikstuhl, der so nah wie möglich an das Bett herangezogen war, beide Hände fest um eine von Carltons gelegt. Seine Haut fühlte sich zu kühl, zu blass gegen meine an. Das dünne Krankenhaushemd sah falsch an ihm aus – irgendwie zu klein für diesen großen Mann. Ein dicker weißer Verband bedeckte die obere rechte Seite seiner Brust, direkt unter dem Schlüsselbein, und ein klarer Sauerstoffschlauch lag unter seiner Nase. Aber seine Brust hob und senkte sich in einem gleichmäßigen, verlässlichen Rhythmus, und diese eine Tatsache war das Einzige, was mich davor bewahrte, komplett auseinanderzufallen.Ich saß dort seit fast vierzig Minuten, seit sie ihn aus dem Aufwachraum verlegt hatten. Veronica war hinausgegangen, um mit dem Chefarzt zu sprechen. Zum ersten Mal seit dem Lagerhaus waren wir nur zu zweit
AylaCarltons Hände zitterten immer noch, als er mir behutsam half, mich aufzusetzen.Das Hemd, das er mir angezogen hatte, hing locker und bedeckte das Wichtige. Er schob einen Arm um meinen Rücken und den anderen unter meine Knie, bereit, mich hochzuheben, dann schien er es sich anders zu überlegen. Stattdessen führte er mich sanft auf die Beine und hielt den größten Teil meines Gewichts an seiner Brust. Meine Beine zitterten so heftig, dass ich nicht sicher war, ob sie halten würden.„Ich habe dich“, flüsterte er erneut und drückte die Lippen an meine Schläfe. „Wir gehen. Lass uns nach Hause fahren.“Er warf einen Blick über die Schulter zu seinen Männern. Zwei von ihnen hatten Marco bereits bäuchlings und in Handschellen. Ein anderer stand über Adrian, der sich immer noch keuchend an die Wand kauerte.„Lasst sie am Leben“, befahl Carlton, die Stimme kalt und scharf. „Ich will, dass beide bei Bewusstsein sind, wenn ich mich mit ihnen beschäftige.“Die Männer nickten.Carlton drehte
Ayla Die schwere Tür schwang mit einemlangen, metallischen Kreischen auf, das mirüber den Rücken lief. Ich zuckte so heftigzusammen, dass der Kabelbinder tiefer inmeine Handgelenke schnitt. Mein Herz schluggegen meine Rippen, als wollte es fliehen. ZweiMänner betraten den kleinen cremefarbenenRaum. Den ersten erkannte ich sofort: Marco. Derselbe Mann, der mich schon einmalmitgenommen hatte. Dieselben kalten Augen. Das gleiche grausame kleine Lächeln, das sienie erreichte. Hinter ihm ging ein zweiter Mann, den ich noch nie persönlich gesehen hatte, aber ich wusste den Namen, als Marco ihnaussprach. „Schau, wer endlich wach ist“, sagte Marco mit fast fröhlicher Stimme. „Adrian, lerne Mrs. Blackwood kennen. Ayla, lerne den Mann kennen, der mir helfen wird, deinem Mann eine sehr teure Lektion zuerteilen.“ Adrian war groß, elegant und auf eineWeise gutaussehend, dass mir der Magenumdrehte. Er sah mich an, wie ein Mann etwasansieht, von dem er bereits entschieden hat, dass es ihm gehör
CarltonIch beendete die letzte Vorstandssitzung um 14:17 Uhr und setzte mich in meinen Bürostuhl.Meine Frau. Ich lächelte über die Art, wie sich das anhörte. Ich griff nach meinem Telefon, um ihr zu sagen, wie sehr ich sie vermisste.Nur – ich hatte schon zweimal angerufen, und es ging auf die Mailbox.Schlief sie? Ich lächelte, als ich mich an gestern erinnerte.Aber ich begann mir Sorgen zu machen, als ich sie noch fünfmal anrief und es immer noch dasselbe war. Mailbox.Ich runzelte die Stirn, als ein kaltes Gefühl tief in meinem Magen aufstieg. Ayla nahm meine Anrufe immer entgegen. Selbst wenn sie unter der Dusche war, rief sie innerhalb von Minuten zurück oder schickte eine kurze Nachricht. Drei unbeantwortete Anrufe hintereinander waren falsch. Alles daran war falsch.Ich wählte die Hauptleitung des Anwesens. Harris nahm beim zweiten Klingeln ab.„Mr. Blackwood.“„Wo ist meine Frau?“Es gab eine kurze Pause. „Mrs. Blackwood ist vor etwa einer Stunde an die frische Luft gegange
AylaMorgenlicht ergoss sich weich durch die Vorhänge, als ich die Augen aufdrückte.Mein Körper schmerzte auf die gründlichste Weise möglich. Jeder Muskel erinnerte mich an die Nacht zuvor – den Schreibtisch, das Bett, die Art, wie Carlton mich auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt hatte. Er war bereits angezogen, als ich die Augen öffnete, stand am Schrank und knöpfte ein knackiges weißes Hemd zu.Er bemerkte, dass ich ihn beobachtete, und durchquerte den Raum. Er beugte sich hinunter und küsste mich langsam – Geschmack von Minze und etwas Wärmerem.„Morgen, Bunny.“„Morgen.“ Meine Stimme war immer noch heiser von all dem Schreien.„Ich hatte vor, den Tag mit dir zu verbringen, Princess, aber ich muss leider für ein paar Stunden hineingehen. Notfall-Nachbereitung des Vorstands nach dem Chaos von gestern. Bleib im Bett und ruh dich aus. Das ist ein Befehl.“Ich schaffte ein schläfriges Lächeln. „Ja, Sir.“Er küsste meine Stirn, dann noch einmal meine Lippen und ging. Zwanzig
AnnaIch versuchte immer noch, meinen Atem zu fangen, der Körper schlaff gegen die kühle Oberfläche seines Schreibtischs, als Carltons Stimme durch den Nebel schnitt – tief, dunkel und mit etwas Gefährlichem an den Rändern.„Ich habe nie gesagt, dass du kommen darfst, Bunny.“Meine Augen flogen auf. Ich starrte zu ihm hinauf, immer noch benommen. „Was? Aber… aber du hast nichts gesagt, als ich gekommen bin.“Ein langsames, böses Lächeln krümmte seinen Mund. Er beugte sich über mich, immer noch vollständig angezogen, während ich halb nackt und zerstört auf seinem Schreibtisch lag, die harte Länge von ihm insistierend gegen meinen empfindlichen Oberschenkel drückend.„Oh, Bunny“, murmelte er, die Stimme pure Sünde. „Du willst kommen, stimmt’s? Lass mich dir mehrere Gründe dafür geben.“ Er strich mir eine feuchte Haarsträhne mit überraschender Sanftheit aus dem Gesicht – der Kontrast machte die Dunkelheit in seinen Augen nur intensiver. „Lass uns nach Hause fahren.“Die Fahrt zurück zum







