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Kapitel 4

Author: Ava Sterling
last update publish date: 2026-07-27 13:34:39

„Aber er hat mir nichts gekauft… für wen hat er es dann gekauft?“

Bella saß auf der Bettkante und starrte auf Julians Handy, bis der Bildschirm dunkel wurde. Die Worte auf dieser Quittung blitzten immer wieder in ihrem Kopf auf — durchsichtige schwarze Spitze, schrittlose Höschen, Strumpfhalter, über tausend Dollar. Sie spürte einen scharfen Stich hinter den Augen. Tränen kamen schnell und heiß, liefen über ihre Wangen, bevor sie sie stoppen konnte.

„Also deshalb hat er sich so distanziert verhalten“, flüsterte sie, ihre Stimme brach. „All diese späten Nächte. All diese Quickies, bei denen er mich kaum angesehen hat. Deshalb…“

Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen und ließ die Schluchzer kommen. Der Schmerz fühlte sich tief und roh an, als würde etwas in ihrer Brust aufplatzen. Sie hatte so hart versucht, für ihn genug zu sein. Sie hatte die kleinen Zeichen so lange ignoriert. Jetzt starrte es ihr direkt ins Gesicht.

Eine plötzliche laute Stimme zerriss die Stille.

„Überraschung!!!“

Bella zuckte aufrecht, das Herz sprang ihr in die Kehle. Scarlett stürmte ohne Klopfen ins Schlafzimmer, die Arme weit geöffnet und ein strahlendes Lächeln im Gesicht, als wäre sie gerade in ihr eigenes Haus gelaufen.

Bella wischte sich schnell die Tränen ab, ihre Stimme scharf vor Schock und Verlegenheit. „Scarlett! Warum hast du nicht geklopft? Was, wenn ich mich umgezogen hätte? Was, wenn Julian hier gewesen wäre?“

Scarlett lachte leicht und schloss die Tür hinter sich, völlig unbeeindruckt. „Ach komm schon, Bella. Das ist das Familienhaus. Warum sollte ich klopfen? Es gehört uns allen. Außerdem habe ich Julian vorhin geschrieben und er sagte, du seist wahrscheinlich allein zu Hause und würdest herumhocken.“

Bella blinzelte. „Du hast Julian geschrieben?“

Scarlett winkte lässig mit der Hand, als sie sich neben sie aufs Bett fallen ließ. „Ja, nur um zu checken, ob du frei bist. Du weißt, wie er mit seinem Zeitplan ist. Immer so beschäftigt in letzter Zeit.“

Bella starrte ihre Schwester an. Scarlett sah heute besonders hübsch aus — strahlende Haut, perfekt gestyltes Haar, trug ein enges Top, das ihre Kurven betonte. Es lag etwas anderes in ihrer Energie, etwas fast zu Helles.

„Ich habe etwas gefunden“, sagte Bella leise, ihre Stimme noch dick vom Weinen. Sie zögerte, entschied sich dann, es ihr zu erzählen. „Auf Julians Handy. Eine Quittung für wirklich teure Lingerie. Die Art, die… praktisch durchsichtig und für Sex gedacht ist. Über tausend Dollar, Scarlett. Er hat sie vor zwei Tagen gekauft.“

Scarletts Augenbrauen hoben sich. Sie griff hinüber und strich Bella beruhigend über den Rücken. „Oh Schwesterchen… bist du sicher? Vielleicht ist es eine Überraschung für dich. Julian ist gestresst wegen der Arbeit, aber er liebt es, Leute zu verwöhnen, wenn er will.“

Bella schüttelte den Kopf. „Er hat mir nie so etwas gekauft. Nicht ein einziges Mal. Nicht einmal annähernd.“

Scarlett neigte den Kopf und dachte nach. „Nun, du kennst Julian. Er hasst es, wenn Dinge zu routiniert werden. Er wollte wahrscheinlich etwas Neues ausprobieren, um die Dinge aufzupeppen. Männer werden manchmal so. Erinnerst du dich, als er letztes Jahr diese teure Uhr gekauft hat? Er bekommt solche Ideen in den Kopf.“

„Woher weißt du das?“ fragte Bella leicht stirnrunzelnd. Die Art, wie Scarlett über Julian sprach, fühlte sich… vertraut an. Zu vertraut. Als wüsste sie genau, wie sein Kopf funktioniert.

„Du scheinst eine Menge darüber zu wissen, was Julian in letzter Zeit denkt“, sagte Bella langsam.

Scarlett gab ein kleines Lachen von sich und zuckte mit den Schultern. „Ich bin viel hier, weißt du? Wir reden manchmal, wenn du beschäftigt bist oder wenn er jemanden braucht, dem er sich ausquatschen kann. Dafür ist Familie da, oder?“

Die Worte hingen in der Luft. Bella beobachtete ihre Schwester genau. Scarlett checkte wieder ihr Handy, ein winziges Lächeln spielte um ihre Lippen, bevor sie es wegsteckte. Sie roch schwach nach einem reichen, männlichen Kölnischwasser, das definitiv nicht ihres war.

Bellas Magen verdrehte sich vor Unbehagen, aber sie drückte das Gefühl hinunter. Sie war wahrscheinlich nur paranoid. Das war ihre Schwester. Ihr eigenes Blut.

Dennoch blieb der Zweifel.

Sie unterhielten sich noch eine Weile. Scarlett hörte zu, während Bella einige ihrer Frustrationen ausschüttete — wie vernachlässigt sie sich fühlte, wie distanziert Julian geworden war. Scarlett nickte mitfühlend, bot Umarmungen und die richtigen Worte an. Aber hin und wieder streute sie kleine Kommentare ein, die Bella innehalten ließen.

„Julian war schon immer der Typ, der viel Aufmerksamkeit braucht“, sagte Scarlett irgendwann. „Du kannst ihm nicht vorwerfen, dass er woanders nach Aufregung sucht, wenn es zu Hause langweilig wird.“

Bella erstarrte. „Was meinst du mit ‚woanders‘?“

Scarlett blinzelte, dann lächelte sie schnell. „Ich meine nur allgemein. Du weißt, wie Männer sind.“

Das Gespräch ging weiter, aber Bellas Gedanken kreisten weiter. Warum wusste Scarlett so viel? Warum verteidigte sie Julian so glatt? Warum kam sie ins Schlafzimmer, als gehöre es ihr?

Als Scarlett schließlich aufstand, um zu gehen, drehte sich Bellas Kopf. Sie begleitete ihre Schwester zur Tür und zwang sich zu einem Lächeln, als sie sich zum Abschied umarmten.

„Ruf mich an, wenn du irgendetwas brauchst, okay?“ sagte Scarlett fröhlich. „Wir kriegen das zusammen hin. Julian ist wahrscheinlich nur dumm. Denk nicht zu viel nach.“

Sobald die Tür geschlossen war, lehnte Bella sich dagegen, ihr Kopf raste.

Was, wenn er wirklich fremdgeht…

Und was, wenn es keine Außenstehende ist?

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