LOGINMara wachte schreiend auf.
"Wer bist du?!"
Mit einem Mal wich ihr das Blut aus dem Gesicht. Sie taumelte so schnell zurück, dass sie vom Bettrand stürzte; der Schmerz zwischen ihren Schenkeln schrie beim Aufprall, ihr Knie prallte gegen den harten Boden.
Sie packte die Laken und zog sie sich um.
"Du bist… du bist nicht mein Ehemann."
Die Gestalt rührte sich. Er drehte sich um, hob das Gesicht vom Kissen und ein Paar bernsteinfarbene Augen kam zum Vorschein.
Sie kannte diesen Blick.
Jeder Wolf in diesem Rudel kannte diese Augen.
Derick Wellington stemmte sich mit nacktem Oberkörper gegen das Kopfteil des Bettes und kniff die Augen zusammen, als er sie ansah.
Ihr standen die Haare zu Berge, als sie sich selbst schlug, und nichts geschah. Oh Gott, sie träumte nicht. Sie hatte seinen Rücken gekratzt, an seiner Haut geknabbert – der Beweis, dass sie es letzte Nacht tatsächlich getan hatten.
„Wie konnten wir… wie konntest du… oh Göttin, hast du das geplant? Bist du hierhergekommen und hast mich ausgenutzt, während mein Mann weg war? Ist das deine Art, dich an ihm zu rächen? Denn was auch immer dein Problem mit Caleb ist, mich dafür zu benutzen, macht dich zur erbärmlichsten Person überhaupt.“
„Ich erinnere mich nicht.“ Seine Stimme klang heiser und verwirrt. „Ich weiß nicht, wie ich reingekommen bin. Ich erinnere mich nur … ans Trinken?“ Er blickte sich um, seine Kleidung lag verstreut auf dem Boden. Er stand vom Bett auf, und sie schloss die Augen fest. Sie hasste es, dass sie einen Blick auf seinen Hintern erhaschen konnten. Er griff nach seiner Hose und zog sie an.
"Du erinnerst dich nicht? Du erinnerst dich nicht daran, in das Schlafzimmer deines Neffen gekommen zu sein und mit seiner Frau in seinem Ehebett geschlafen zu haben?! Du hast mich ausgenutzt! Meine Sinne waren... Ich dachte, du wärst Caleb."
Er wandte sich ihr zu. „Und ich dachte, du wärst meine Frau. Ich weiß nicht mehr, wie ich hierhergekommen bin oder warum. Ich erinnere mich nur daran, dass ich getrunken habe und … mich seltsam gefühlt habe, sonst nichts.“ Der Schleier ihres Fetts klebte noch immer an seinen Lippen.
Ihr Herz sank.
Sie musste etwas tun, sie musste Caleb etwas sagen. Panisch rappelte sie sich auf ihre pummeligen Füße und stürmte aus der Tür. Beinahe stieß sie mit einem Dienstmädchen zusammen.
„Chef! Was –“
„Merith“, sagte sie und packte ihren Arm. „Hast du meinen Mann gesehen? Bitte, es ist… es ist dringend.“
"Luna, stimmt etwas nicht?"
„Merith, bitte beantworte einfach die Frage.“
„Ich habe den Alpha zuletzt in den Gästezimmern gesehen, meine Luna. Letzte Nacht. Ich glaube, er hatte dort etwas zu erledigen.“
Sie atmete erleichtert auf. Er war da, Gott sei Dank.
"Danke schön."
Sie rannte den Flur entlang und ignorierte alle anderen, bis sie vor dem Gästezimmer stehen blieb. Darüber hing das „Zutritt verboten“-Schild, was bedeutete, dass er drinnen war und nicht gestört werden wollte. Doch es war dringend, und sie konnte nicht warten. Leise drehte sie den Knauf und öffnete die Tür einen Spaltbreit.
„Cal—“ Das Wort wurde zu einem Flüstern und erstarb in ihrer Kehle.
Mira Wellington lag nackt über ihm, ihr dunkles Haar bedeckte seine Brust wie eine Decke, und ihre Beine waren ineinander verschlungen. Sie waren so ineinander vertieft, dass sie nicht hörten, wie sie hereinkam.
„Sie gibt sich ständig selbst die Schuld.“ Calebs Stimme klang amüsiert. „Sie glaubt, ihre Gebärmutter sei verflucht, und verbringt die Hälfte ihrer Zeit damit, die Mondgöttin anzuflehen, was sie falsch gemacht hat. Sie hat keine Ahnung, dass ich ihr seit dem ersten Monat unserer Ehe Verhütungspulver ins Essen mische. Es ist fast schon zu einfach.“
Mira lachte leise und drückte ihre Lippen an seine Wange. „Du bist schrecklich.“
„Ich bin pragmatisch. Als ich sie heiratete, ging ich davon aus, dass sie ein Alpha-Wolf war. Ich würde es niemals zulassen, dass ein Omega meine Kinder gebiert.“
Maras Finger waren eiskalt. Der Türrahmen war der einzige Grund, warum sie noch stand.
„Die Nichole-Blutlinie bringt durch und durch eines der reinsten Alpha-Blute hervor, ihre toten Schwestern waren Alphas. Sie hätte an mindestens einer ihrer Stellen sterben sollen, damit ich eine von ihnen hätte heiraten können.“
Sie merkte erst, dass sie weinte, als sie die Nässe an ihrem Kiefer spürte.
Sie spürte, wie sich jemand leicht an ihren Rücken schmiegte. Dericks Arm schnellte vor und drückte die Tür auf. Mira schrie auf, klammerte sich an die Bettdecke und rappelte sich auf. Er ging an ihr vorbei ins Zimmer.
"Hallo, meine Frau. Schönen Morgen, nicht wahr?"
Panisch presste sie die Handflächen zusammen. „D-Derick, das ist nicht … das ist nicht …“
„Wie es aussieht? Es ist doch ganz offensichtlich.“
In seinem Tonfall war nicht die geringste Spur von Wut zu hören.
Aber sie? Es fühlte sich an, als wäre ihr eine Klinge mitten ins Herz gerammt und immer weiter gedreht worden, bis kein Fleisch mehr da war, das das Messer halten konnte. Ihre Knie zitterten und ihre Hände ballten sich zu schwachen Fäusten.
Sie wollte ihn fragen, warum. Sie wollte ihn fragen, welchen Theaterkurs er besucht hatte, um sie die letzten drei Jahre so gut täuschen zu können. Doch er kam ihr zuvor.
„Mara. Warum bist du in Laken eingewickelt und warum steht mein Onkel mit freiem Oberkörper hinter dir?“
Caleb war aus dem Bett aufgestanden; er trug nichts außer einer nassen, zerknitterten Unterhose, die ihm tief um die Hüften hing.
"Ich – Caleb, du… d-du –"
„Sie zu verhören, obwohl sie auf frischer Tat ertappt wurde“, kicherte Derick. „Die Heuchelei ist selbst für dich zu groß, Neffe.“
Sein Blick schnellte zu Derick. „Ich kann mich nicht erinnern, mit dir gesprochen zu haben. Trottel.“
Ein Flammenblitz flackerte in Dericks bernsteinfarbenen Augen auf, und für einen kurzen Augenblick war der Raum von dichten, erstickenden Pheromonen erfüllt.
„Pass auf deinen Ton auf, Junge. Ich bin nicht dein Vater. Ich werde nicht zögern, dir das Ding, das du Kehle nennst, zu zertrümmern.“
Calebs Muskeln traten deutlich sichtbar unter seiner Haut hervor. Mit drei Schritten durchquerte er den Raum, packte ihr Handgelenk und zerrte sie in den Flur. Sie stolperte hinter ihm her und warf einen kurzen Blick über die Schulter, um zu sehen, wie Derick ihnen nachsah, bevor er sich umdrehte und ins Zimmer ging. Die Tür schloss sich hinter ihm. Sie hörte Miras Stimme flehend anschwellen, bevor sie verstummte.
Dann zog Caleb sie in ihre Gemächer und stieß sie durch die Tür.
Sie schlug hart auf dem Boden auf.
"Sag mir, dass du meinen Feind nicht wie eine Hure gefickt hast."
Sie stemmte sich vom Boden hoch.
"Sag mir, dass du nicht mit seiner Frau geschlafen hast – ah!"
Seine Handfläche traf ihre Wange und schleuderte sie mit dem Gesicht voran auf den Teppich. Seine nackten Füße drückten ihren Kopf noch fester gegen ihre Wange. Vor Angst war sie unter seiner Kraft wie gelähmt.
„Merke dir meine Worte, Mara. Noch heute Morgen wirst du wegen Hochverrats vor dem gesamten Rudel gehängt.“
Crystal hatte in ihrem ganzen Leben noch nie so viele Treppen gesehen.Das Rudelhaus war ein Labyrinth aus Gängen und gewundenen Treppen, von denen jede zu einem anderen Flügel, einem weiteren Flur, einem weiteren Raum führte, der dem vorherigen zum Verwechseln ähnlich sah. Sie irrte bereits seit zwanzig Minuten umher und versuchte, den Weg zurück zur Haupthalle zu finden, und sie war sich ziemlich sicher, dass sie dreimal an derselben Rüstung vorbeigekommen war."Verloren?"Sie wirbelte herum. Milo stand am Ende des Korridors, die Arme verschränkt, an die Wand gelehnt. Sein Lächeln war unbeschwert, seine Augen warm. Er hatte seine Patrouillenuniform gegen ein einfaches Hemd und eine Hose getauscht und sah irgendwie noch besser aus als beim Frühstück.„Ich habe mich nicht verirrt“, sagte Crystal und hob das Kinn. „Ich bin auf Erkundungstour.“„Denselben Flur dreimal erkunden?“Sie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. „Du hast mich beobachtet?“„Ich habe auf dich gewartet.“ Er s
Im Morgenlicht lag Mara noch im Bett, Azilla an Dericks Brust geschmiegt, beide atmeten langsam und gleichmäßig.Sie stützte sich auf einen Ellbogen und beobachtete sie, ihr Herz hin- und hergerissen zwischen Staunen und Furcht. Dericks Gesicht war im Schlaf entspannt, die harten Züge waren weicher geworden, die ständige Anspannung in seinem Kiefer hatte sich endlich gelöst. So sah er jünger aus. Weniger wie der kalte, beherrschte Fremde, der ihre Wohnung betreten hatte, und mehr wie der Mann, der ihren Sohn die ganze Nacht über im Arm gehalten hatte.Azilla rührte sich, seine kleine Hand hob sich und tätschelte Dericks Kinn. „Papa“, murmelte er noch halb im Schlaf.Derick öffnete die Augen. Er blinzelte, einen Moment lang desorientiert, dann blickte er auf das Kind in seinen Armen. Ein langsames Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Es war das erste echte Lächeln, das sie je von ihm gesehen hatte, unbefangen und warmherzig."Guten Morgen, Kleiner."Azilla kicherte, nun hellwa
Das Weinen begann kurz vor Tagesanbruch.Mara erwachte vom Schluchzen Azillas, klein und verängstigt in der Dunkelheit. Er zappelte neben ihr, in die Decke verheddert, sein kleines Gesicht vor Verwirrung und Angst verzerrt."Pst, Baby, alles gut." Sie griff nach ihm, aber er wich zurück, desorientiert von dem ungewohnten Zimmer, dem fremden Bett, den Schatten, die nicht zu ihrer Wohnung in Vadania gehörten.„Mama, Mama, wo sind wir?“ Seine Stimme überschlug sich zu einem Wehklagen. „Ich will nach Hause!“Maras Herz zersprang. Sie nahm ihn in die Arme, doch er wehrte sich, seine kleinen Fäuste drückten gegen ihre Brust, seine Schreie wurden lauter. Sie hatte ihn schon einmal so gesehen, in den schlimmsten Nächten in Vadania, wenn die Albträume kamen und er nicht mehr zwischen Traum und Wachen unterscheiden konnte."Azilla, mein Schatz, schau mich an. Mama ist da. Mama ist direkt hier."Doch er war schon zu weit gegangen, verloren in seiner Angst. Seine Schreie hallten von den Steinmaue
Mara hat nicht geschlafen.Sie lag im Dunkeln, Azilla an ihre Seite geschmiegt, Dericks Wärme strahlte vom anderen Bettrand herüber, und sie starrte an die Decke, bis ihr die Augen schmerzten. Die Stimme aus dem Flur hallte immer wieder in ihrem Kopf wider, die Worte kreisten wie Geier.Das Kind von Selene wird der Schlüssel sein.Sie wusste nicht, was es bedeutete. Sie wusste nicht, ob es eine Warnung oder eine Drohung war. Aber eines wusste sie mit Sicherheit: Wer auch immer diese Worte gesprochen hatte, hatte direkt vor der Tür gestanden. Nah genug, um ihn zu berühren. Nah genug, um ihn zu töten.Und sie hatte nichts getan. Sie stand einfach nur da, wie erstarrt, während Derick sich beschützte.Was für eine Luna sie doch entpuppte!Neben ihr murmelte Azilla im Schlaf etwas und bewegte sich, sein kleiner Fuß drückte gegen ihren Oberschenkel. Wider Willen lächelte sie, rückte ihn zurecht und zog ihm die Decke um die Schultern. Er war so klein. So zerbrechlich. Der Gedanke, dass ihm j
Derick bewegte sich mit der lautlosen Anmut eines Raubtiers auf die Tür zu, sein Körper angespannt und bereit. Mara packte Azilla und zog ihn an ihre Brust; ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie kaum atmen konnte.Die Stimme war verklungen, doch die Worte hallten in der Stille nach.Das Kind von Selene wird der Schlüssel sein.Derick presste sein Ohr an die Tür und lauschte. Nach einem langen Moment schüttelte er den Kopf und drehte langsam den Griff, um die Tür nur so weit zu öffnen, dass er in den Flur sehen konnte.Leer.Er trat hinaus und suchte den Flur in beide Richtungen ab. Nichts. Keine Fußspuren. Kein Geruch. Nur die kalten Steinwände und das flackernde Fackellicht.Er kam wieder hinein und schloss die Tür hinter sich ab. Sein Gesichtsausdruck war grimmig.„Weg“, sagte er. „Was auch immer es war, es ist nicht mehr da.“„Was war es?“, fragte Mara mit zitternder Stimme. „Was bedeutete es?“„Ich weiß es nicht.“ Er ging zum Fenster und zog die Vorhänge zu, um die Nacht auszusper
Die Stille, nachdem Calebs Schritte verklungen waren, war schlimmer als seine Worte.Mara stand wie erstarrt mitten in Dericks Gemächern, den Rücken an die Wand gepresst, ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie es in der Kehle spürte. Azilla schlief ungerührt weiter, sein kleiner Brustkorb hob und senkte sich in einem Rhythmus, der sie sonst beruhigte. Doch heute Nacht konnte sie nichts beruhigen.Sie ging zum Bett und setzte sich neben ihren Sohn. Ihre Hände zitterten, als sie ihm eine Locke von der Stirn strich. Er sah Derick so ähnlich. Das gleiche dunkle Haar, der gleiche markante Kiefer. Selbst im Schlaf hatte er noch etwas von seinem Vater in seinen Gesichtszügen.Aber was, wenn das keine gute Sache wäre?Was wäre, wenn Caleb Recht gehabt hätte? Was wäre, wenn Derick das Monster gewesen wäre und sie direkt in seine Falle getappt wäre?Nein. Sie schüttelte den Kopf und verdrängte den Gedanken. Caleb war ein Lügner. Er hatte sie jahrelang belogen, manipuliert und unter Drogen gesetz







