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CHAPTER 006: MAYA

Auteur: Fave Scripts
last update Date de publication: 2026-06-17 01:38:21

Was sollte ich ihm sagen? Dass ich nur gespielt hatte? Mein Finger schwebte über der Nachricht, als wäre sie eine tickende Zeitbombe.

Schließlich klickte ich.

„Hey, Süße. Ich habe deinen Anruf verpasst. Ich habe versucht, dich zu erreichen, aber die Leitungen sind wohl nicht auf meiner Seite. Sag Bescheid, wenn du etwas brauchst.“

Mein Rücken knallte gegen das Kopfteil des Bettes. Williams war viel zu lieb. Erinnerte er sich überhaupt noch daran, dass ich Gabriels Frau war?

Nun ja, ich habe ganz andere Sorgen. Mein Leben. Ich hatte gerade eine vierjährige Ehe beendet und nichts vorzuweisen. Mir stiegen wieder Tränen in die Augen. Ich schniefte heftig und versuchte, sie zurückzuhalten. Da klingelte mein Handy. Es war meine Mutter.

Gabriel hatte sie angerufen. Darauf konnte ich schwören. Ich hielt mir die Hand vor die Nase und nahm ab.

Ihre kreischende Stimme drang an mein Ohr und durchfuhr mich wie ein Schlag. Ich hatte Recht gehabt. Gabriel hatte die arme Frau in der Hand. Ich war schockiert, als ich hörte, dass er sie nicht bedroht hatte. Er hatte ihr eine riesige Summe für ihren Unterhalt geschickt. Und jetzt will meine Mutter wissen, warum ich die Villa verlassen habe.

Ich schluckte schwer. Glaubte Gabriel etwa, ich würde zu ihm zurückrennen, nur weil er mit Geld um sich warf? Da hatte er sich aber getäuscht.

Wut stieg in mir auf, als ich auflegte. Wann hatte Gabriel meiner Mutter jemals Geld geschickt, ohne dass ich dafür extra arbeiten musste? Meistens verzögerte er sogar ihren Lohn, nur damit ich ihn anhimmelte. Und jetzt schickte er ihr Geld von seinem Privatkonto.

Meine Mutter würde mich nie verstehen. Auch sie war das Opfer einer unglücklichen Ehe, aber sie war anders. Lieber blieb sie verheiratet, als sich zu trennen.

Ich erinnerte mich daran, wie mein Vater fast jeden Abend torkelnd nach Hause kam, nur um sie anzufahren, und am nächsten Morgen tauchte sie mit blauen Flecken auf.

Dann hatte er eines Tages seine Geliebte mitgebracht und meine Mutter aus ihrem Zimmer ausgesperrt. Rate mal, was passierte? Sie schlief in meinem Zimmer, und am nächsten Morgen bat sie mich, die Frau „Tante Camilla“ zu nennen.

„Aber sie ist nicht meine Tante!“, rief ich. Ich hatte doch mitbekommen, wie sie neulich abfällig über Mama geredet hatte. Und heute Morgen will Mama, dass ich sie meine Tante nenne?

Sie tat doch alles nur für Papa. Aber er hat sie nie wertgeschätzt. Nicht ein einziges Mal fragte er, wie es ihr ging.

Ich hatte mitangesehen, wie er sie in einer Nacht schlug. Er trat ihr mehrmals in den Bauch. Mama lag in einer Blutlache auf dem Boden. Als ich eingreifen wollte, schleuderte er mich auf die Couch.

Ich rannte hinaus und holte die Nachbarin, damit sie sie ins Krankenhaus brachte. Jahre später erfuhr ich, dass Mama in jener Nacht eine Fehlgeburt erlitten hatte.

Nein! Ich stand auf. So etwas wollte ich nicht erleben. Ich würde niemals zulassen, dass mich ein Mann so behandelt.

Da schreckte ich durch einen lauten Knall an der Tür auf. Ich blieb abrupt stehen und lauschte genauer. Der Knall ertönte erneut. Ich wusste, wer es war. Also rannte ich die Treppe hinunter. Ich würde nicht zulassen, dass er in Evelyns Nachbarschaft einen Skandal veranstaltete.

Ich spähte durchs Fenster. Ich hatte Recht gehabt. Gabriel stand da und hämmerte mit jeder Sekunde lauter.

Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Dann bewegte ich mich, griff nach der Blumenvase auf dem Couchtisch und öffnete langsam die Tür.

Er sah furchtbar aus. Er sah aus, als hätte er sich zu Tode getrunken, obwohl es noch Morgen war. Dann hob er den Blick und sah mir ins Gesicht. Seine Augen wirkten stumpfer als in meiner Erinnerung.

„Da bist du ja!“, sagte er und trat einen Schritt zurück. „Du glaubst wohl, dieses Drecksloch würde dich vor mir retten? Du gehörst mir, Maya.“ Er knurrte.

„Verschwinde von hier, Gabriel!“, fuhr ich ihn an. „Du machst hier nur Theater.“

„Nicht ohne dich, Maya … Du gehörst mir! Und wenn du jemals denkst, du wärst schlau, dann werde ich dich ruinieren. Ich werde dafür sorgen, dass dich in dieser Stadt niemand einstellt!“

Meine Augen weiteten sich. Ich kannte Gabriel nur zu gut. Er bluffte nicht, das war keine leere Drohung. Natürlich besaß er alles, was nötig war, um mich untätig zu halten: die Kontakte, das Geld. Die Architekturbranche war zu umkämpft. Jeder kannte jeden, und jede Lüge von ihm würde sich wie ein Lauffeuer verbreiten.

„Das würdest du dich nicht trauen!“, knirschte ich mit den Zähnen. Ein hässliches Lachen entfuhr ihm.

„Natürlich nicht … aber nur, wenn du brav bist, da reingehst, deine Sachen packst und mit mir nach Hause kommst … Es gibt mehrere Projekte, an denen wir arbeiten können, Süße.“ Er grinste.

Dann hob er beschwichtigend den Finger und unterbrach mich. „Ich bin noch nicht fertig. Denk an deine schwache Mutter, sie braucht mich… Ganz einfach, Amila würde die Kinder kriegen, und du verdienst das Geld… Sie ist gut darin, wunderschöne Kinder wie sie zu bekommen… verstehst du das nicht?“

Mann! Am liebsten hätte ich ihm eine Faust ins Gesicht geschlagen, so fest, dass seine Lippen bluteten. Ich riss mich zusammen.

„Verschwinde!“, schrie ich mit aller Kraft und knallte ihm die Tür vor der Nase zu.

Mein Herz raste. Was, wenn er es ernst meinte? Was, wenn er nicht gelogen hatte? Ich sank gegen die Tür zu Boden.

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