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CHAPTER 004: MAYA

Auteur: Fave Scripts
last update Date de publication: 2026-06-15 22:46:53

Das Handy vibrierte unaufhörlich auf dem Nachttisch. Ich griff danach und strich mit dem Finger über den Bildschirm, ohne hinzusehen.

„Alles Gute zum Geburtstag, Maya … Ich hoffe, du hast heute viel Spaß.“ Die Stimme war tief, aber sanft. Männlich im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Herz hämmerte. Ich setzte mich auf und riss mir die Schlafmaske vom Gesicht, als ob sie meine Wahrnehmung trübte.

Erst jetzt warf ich einen Blick auf den Bildschirm. Ziffern breiteten sich aus. Es war eine unbekannte Nummer. Ich hätte schwören können, dass ich diese Stimme kannte. Meine Augenlider flatterten unaufhörlich, während ich auf den Bildschirm starrte.

„Hallo“, fuhr die Stimme fort. Meine Brust pochte, meine Lippen öffneten sich, aber ich brachte kein Wort heraus. Dann war die Verbindung unterbrochen.

Williams Banks!

Warum rief er mich an? Einen Moment lang dachte ich, es wäre Evelyn. Natürlich folgte mein Leben einer bestimmten Routine, nichts Ungewöhnliches, nichts Besonderes.

Ein warmes Lächeln huschte über mein Gesicht. Die warme Stimme hallte in meinem Kopf wider, obwohl ich nur ein „Hallo“ herausbrachte. Jemand hatte an meinen Geburtstag gedacht. Ich lächelte erneut.

Ja! Gabriel hatte es mir versprochen. Letztes Jahr um diese Zeit hatte er meinen Geburtstag vergessen. Und dann hatte er mir versprochen, mich nächstes Jahr mit einem unvergesslichen Erlebnis zu überraschen. Und nun war es soweit.

Ich stieß mich vom Bett ab. Vielleicht sollte ich zu seinem Zimmer gehen. Meine Finger umkreisten den Türknauf, da kam mir eine Idee!

Warum sollte er mich nicht einfach suchen? Schließlich hatte er mir versprochen, mich an meinem diesjährigen Geburtstag zu überraschen. Ich würde einfach auf ihn warten. Perfekter Plan! Ich lächelte in mich hinein und huschte stattdessen ins Badezimmer.

Ich tanzte ein wenig, während ich mir schnell die Zähne putzte. Aus irgendeinem Grund hatte mein Morgen fröhlicher begonnen. Ich ging zurück ins Zimmer; Stimmen hallten durch den Flur. Ich konnte spüren, dass im ganzen Haus schon reges Treiben herrschte.

Mein Handy klingelte erneut. Diesmal war es Evelyn. Ihre hohe Stimme umschmeichelte meine Ohren. Ihre melodische Stimme sang mir ein Geburtstagsständchen. Das rührte mich fast zu Tränen.

Ich presste das Handy ans Ohr und hielt es zwischen Schulter und Arm, während ich mir das neueste rote Kleid aus dem Schrank aussuchte. Dann riss ich das Preisschild ab. Ein lautes Lachen hallte von der Decke wider. Evelyn hatte diese besondere Gabe, diese Seite an mir zum Vorschein zu bringen.

****

Eine Welle der Stille legte sich über das Haus. Es waren über zwei Stunden vergangen, seit ich das letzte Mal Stimmen im Flur gehört hatte. Ich klappte den Laptop vor mir zu, ging zur Tür und presste mein Ohr dagegen. Stille.

„Unmöglich!“, schnaubte ich. Dann ging ich zu Gabriels Zimmer hinaus, die Hand gegen die Tür gepresst, als hätte sie Zähne. Das Zimmer war düster. Kein Licht. Das Bett ordentlich gemacht. Die Vorhänge ordentlich zugezogen.

„Gabriel“, sagte ich und trat langsam ein. Ich wusste, es war ein Sakrileg, mich ohne Einladung in diesem Teil des Hauses aufzuhalten. Aber ich wollte nicht glauben, dass Gabriel das Haus wortlos verlassen hatte.

Ich ging zur Badezimmertür. „Gabriel“, rief ich diesmal etwas lauter. Doch es kam keine Antwort. Erst da dämmerte es mir. Ich war die Einzige im Haus, abgesehen von den Dienstmädchen natürlich.

Mein Magen knurrte. Ich hämmerte so heftig gegen seine Badezimmertür, dass die Rahmen wackelten. Mein Telefon klingelte in meinem Zimmer, aber wer auch immer es war, würde warten. Ich musste meinen Mann anrufen. Vielleicht hatte er ja doch etwas vor.

Ich stürmte zurück in mein Zimmer und schnappte mir das summende Telefon vom Bettlaken. Es war Evelyn. Warum rief sie an? Ich hatte ihr doch gesagt, dass mein Mann heute etwas vorhatte, als sie mich zum Einkaufen einlud.

Ich ließ ihren Anruf beenden und wischte dann wie wild über den Bildschirm. Ich wählte seine Nummer. Gabriel ging beim dritten Klingeln ran.

„Was denn jetzt?! Ich bin beschäftigt“, stöhnte er leise. In der Ferne zwitscherten Vögel. Ich verdrängte den Gedanken.

„Beschäftigt? Gabriel, hast du vergessen, dass heute …?“ Ich runzelte die Stirn. Wie konnte er nur sagen, er sei beschäftigt? Es war schließlich Sonntag! Aber er hatte mich nicht ausreden lassen.

„Im Büro ist etwas dazwischengekommen … Ein spontanes Meeting … Ja! Warte nicht auf mich. Amila und Hannah kommen heute Abend auch nicht nach Hause. Ich habe sie bei meiner Mutter abgesetzt.“

Ich hörte aufmerksam zu, während er mir jedes Wort diktierte. Amila konnte seine Mutter besuchen? Ich war schockiert. Aber das war jetzt egal. Das Gespräch war beendet, bevor ich ihn daran erinnern konnte, welcher Tag war.

Ich atmete laut aus. Meine Brust pochte heftig gegen meine Rippen. Das rote Kleid hing am Kleiderbügel und starrte mich an, höhnte mich. Ich sank zurück aufs Bett.

„Alles Gute zum Geburtstag, Maya Delaney-Steele“, spottete ich. „Keine Sorge. War ja eh nur Arbeit.“ Ich tröstete mich selbst. Wenn das doch nur funktionieren würde. Mein Finger zuckte an meinem Ehering.

Ich hatte diese Einsamkeit satt. Ich hatte es satt, mich einzuschließen und auf einen Mann zu warten, der nie auftauchte. Aber dieser Mann war mein Ehemann. Wenn er sagte, es sei Arbeit, dann war es Arbeit. Ich atmete aus, der Knoten in meiner Brust zog sich noch fester zusammen.

In diesem Moment piepte mein Handy. Eine Nachricht von Evelyn. Ich tippte sie an. Ein Bild wurde geladen. Ich richtete mich sofort auf. Das Bild, das mich anstarrte, ließ mich bis ins Mark erzittern. Mein Finger fuhr zu meinen Augen. Ich wischte sie mir heftig ab.

Gabriel und Amila am Strand, barfuß im Sand, seine Hand an ihrem Rücken, die andere hob ihr Kinn an, sodass sich ihre Lippen in einem warmen Kuss berührten. Ihr Haar schwang im Wind und schien mich zu verspotten. Ihre kleine Hannah saß im Sand.

Gabriel und Amila?! Ich konnte es nicht fassen, dass mein Instinkt mich doch nicht getäuscht hatte. Mein Herz zerriss. Gabriel hatte meinen Geburtstag schon wieder vergessen. Oder vielleicht wollte er einfach nur mit ihr zusammen sein, egal welcher Tag war.

Moment mal! Ist sie nicht seine Cousine? Die, die er angeblich bei seiner Mutter abgesetzt hatte? Ein lautes, gutturales Lachen entfuhr mir. Ich hatte genug.

Ein stechender Schmerz durchfuhr mich, als ich mit einem Ruck alles von der Kommode warf.

„Ich bin fertig!“, schrie ich. Hände krallten sich in meine Kopfhaut. Welliges schwarzes Haar fiel mir ins Gesicht.

Gabriel hatte in unserem Haus Platz für seine Geliebte geschaffen. Er hatte mir ins Gesicht gesehen und gesagt, sie sei seine Cousine.

Kein Wunder, dass sie mit so viel Verachtung an mir vorbeiging. Warum sie nie auf meine Worte reagierte. Ich war nichts als ein wertloses Stück Dreck. Dazu hatte Gabriel mich degradiert.

Moment mal! War Hannah sein Kind? War ich die Geliebte in meiner eigenen Ehe? Hatte Gabriel während unserer vierjährigen Ehe ein vierjähriges Kind?

Nur eines ergab Sinn: Amila war immer Teil seines Lebens gewesen. Ich war nur ein Werkzeug. Eine Geldmaschine. Deshalb hatte er sich nie die Mühe gemacht, mit mir Kinder zu zeugen. Ich war nur gut für Designs. Designs, die ihren verschwenderischen Lebensstil finanzierten.

Ich holte meinen Koffer heraus. Ich würde nicht auf seine Rückkehr warten. Er würde mich umstimmen. Er brauchte mich für die Firma. Aber ich hatte es satt, mich so zu geben!

Meine Hände zitterten, als ich die verdammten Scheidungspapiere unterschrieb. Dann kritzelte ich eine Nachricht auf ein leeres Blatt Papier, in der ich ihn bat, die Papiere nach seiner Rückkehr zu unterschreiben. Ich riss seine Schlafzimmertür auf. Die unterschriebenen Papiere und die Nachricht legte ich auf den Nachttisch.

Ich zog mein rotes Kleid an. Schnappte mir mein Gepäck und rollte die beiden schweren Kisten hinaus. Die Skizzen, die ich für UrbanAxis angefertigt hatte, lagen kühl in meiner Umhängetasche. Der kühle Herbstwind strich mir übers Gesicht, als ich das Grundstück betrat.

Evelyns dunkelblaue Limousine stand in der Einfahrt. Sie sprang aus dem Wagen, sobald sie mich an der Tür sah.

„Es tut mir so leid, Maya“, flüsterte sie und legte mir die Arme um die Schultern. Mein Herz schmerzte. Mein Kopf dröhnte. Aber ich hatte es satt, mich mit weniger zufriedenzugeben, als mir zustand.

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