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Vaters Test: Liebe wird tödlich
Vaters Test: Liebe wird tödlich
Author: Echo

Kapitel 1

Author: Echo
Noch vor zehn Minuten hatte Dominic über den „Test im dunklen Raum“ meines Vaters gelacht und den Test als altmodischen Scherz abgetan.

Jetzt lagen seine Hände um meinen Hals und drückten mich zu Boden, bis ich auf dem Teppichboden lag.

Ich bekam keine Luft. Vor meinen Augen wurde es dunkel.

„Dominic! Bist du verrückt? Was hast du da drin gesehen?!“ Verzweifelt zerrte ich an seinen Fingern. Meine Nägel hinterließen blutige Kratzer auf seinen Handrücken.

„Halt die Klappe! Ich tue der Welt einen Gefallen!“, brüllte er. Seine blutunterlaufenen Augen waren voller Abscheu.

Er rammte mir das Knie mit voller Wucht in den Bauch.

Gleißender Schmerz durchfuhr mich und raubte mir den Atem. Ich krümmte mich zusammen, unfähig zu schreien.

Er stand auf und trat mir zweimal heftig in die Rippen.

Der Schmerz, den die harte Spitze seines Lederschuhs verursachte, ließ mich beinahe das Bewusstsein verlieren.

Ohne mich noch eines Blickes zu würdigen, drehte er sich um und stürmte aus der Villa.

Ich lag auf dem Boden und rang nach Luft. In meiner Kehle schmeckte ich Blut.

Es war das fünfte Mal.

Seit meinem zwanzigsten Geburtstag war jeder Mann, der mir seine Liebe geschworen hatte, in diesen Kellerraum gegangen und als Monster wieder herausgekommen, das mir das Genick brechen wollte.

Gerade hatte ich mich mühsam am Sofa hochgezogen, als mich ein stechender Schmerz in der Brust durchfuhr.

Mein Vater, Victor Cassano, trat mich mit solcher Wucht durch den Raum, dass ich gegen den Couchtisch aus Marmor prallte. Seine Glasplatte zerbarst.

Die Leibwächter in der Villa standen reglos wie Statuen da. Keiner wagte sich zu bewegen.

In aller Ruhe zog Victor seine Anzugjacke aus. Dann nahm er einen Golfschläger aus einer Tasche neben sich.

„Nessa, das ist schon das fünfte Mal“, sagte er mit kalter Stimme. „Wieder hast du unsere Familie beschämt. Ich muss dir eine Lektion erteilen.“

Der erste Schlag traf meinen linken Arm.

Ein widerliches Knacken hallte durch das riesige Wohnzimmer. Mein Arm war gebrochen.

„Vater … warum …“ Ich biss mir auf die Lippe und starrte ihn an.

Er antwortete nicht. Der Schläger sauste nur immer wieder auf mich herab.

Eine ganze halbe Stunde lang schlug er auf mich ein.

Er brach mir damit drei Rippen und den Arm.

Er stand über mir und blickte auf meinen halbtoten Körper hinab.

„Schleppt sie in ihr Zimmer zurück“, befahl Victor. Er nahm dem Butler ein heißes Handtuch ab und wischte sich langsam und bedächtig die Hände. „Und lasst sie nicht aus den Augen.“

Ihre Ausrede lautete: „Sie ist psychisch labil.“

Spät in jener Nacht lag ich im Bett und biss auf eine Mullbinde, während ich versuchte, meinen gebrochenen Arm selbst zu richten.

Jedes Mal, wenn ein „Test“ scheiterte, bestrafte mein Vater mich dafür, dass ich die Familie beschämt hatte.

Ich hatte mich gefragt, ob ich womöglich gar nicht seine leibliche Tochter war. Doch ein heimlicher DNA-Test hatte bestätigt: In meinen Adern floss das Blut der Cassanos.

Früher hatte ich geglaubt, er hasste mich, weil er meine Mutter gehasst hatte.

Doch nach ihrem Tod hatte er jeden Heiratsvorschlag aus angesehenen Familien abgelehnt und sogar eine riesige Stiftung in ihrem Namen gegründet.

In der gesamten New Yorker Mafia galt er als der hingebungsvollste aller Paten.

Nur ich wusste, dass er ein Teufel war.

Vor Schmerzen konnte ich kaum atmen. Völlig verzweifelt rief ich meine Großmutter per Video an.

Kaum war die Verbindung hergestellt, sah sie mein Gesicht und stieß einen entsetzten Laut aus. Tränen liefen ihr über die Wangen.

„Mein Gott! Wie konnte er dir das antun!“

Keine zwanzig Minuten nach dem Gespräch quietschten vor der Villa Reifen.

Mein Onkel Marcus, selbst ein aufbrausender Mafia-Boss, trat die Haustür aus den Angeln. Ein Dutzend schwer bewaffneter Leibwächter flankierte ihn.

„Victor! Du Hurensohn! Heute jage ich dir eine Kugel in den Kopf!“, schrie Marcus und richtete seine Pistole direkt auf Victors Gesicht.

Trotz der Schmerzen klammerte ich mich ans Treppengeländer. Vielleicht würde mein Onkel mich endlich aus dieser Hölle holen.

Vor dem Lauf der Pistole blieb Victor stumm.

Er bedachte Marcus nur mit einem kalten Blick, drehte sich um und ging auf die schwere Eisentür zum Keller zu.

„Wenn du den Mut hast, komm mit rein.“

Marcus grinste höhnisch, spannte den Hahn seiner Pistole und folgte ihm. „Mal sehen, was du hier für ein Spiel treibst.“

Die Eisentür fiel krachend ins Schloss.

Im Wohnzimmer herrschte Totenstille. Mein Herz raste, und eine schreckliche Ahnung überkam mich.

Zehn Minuten.

Die Tür ging wieder auf.

Marcus trat heraus. Sein Blick hatte sich verändert.

Wut und Sorge waren verschwunden. An ihre Stelle war eine tiefe, eisige Abscheu getreten.

Er stand oben an der Treppe und sah auf mich hinab. Seine Augen waren kalt wie Eis.

„Onkel …“, flüsterte ich mit vor Entsetzen geweiteten Augen.

Diesmal zog er mich nicht schützend hinter sich. Stattdessen schoss seine Hand vor und riss mir die Saphirkette vom Hals. Sie hatte meiner Mutter gehört. Ihr letztes Geschenk an mich. Sie selbst hatte sie mir vor ihrem Tod umgelegt. Das Einzige, was mir von ihr geblieben war.

Der Verschluss riss meine Haut auf. Ich schrie und griff nach der Kette. „Nein! Gib sie mir zurück!“

„Du verdienst sie nicht“, knurrte Marcus. Seine Faust schloss sich fest um die Kette. Seine Stimme war schneidend wie Glas. „Du verdienst nichts von ihr.“

„Marcus! Was tust du da?!“, kreischte meine Großmutter und eilte herein.

Er beugte sich zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr.

Ich konnte die Worte nicht verstehen.

Aber ich sah, wie alle Farbe aus ihrem Gesicht wich. Sie sank auf einen Stuhl. Ihre sonst so gütigen Gesichtszüge verzerrten sich zu einer Fratze des Hasses.

„Nimm es ihr weg!“, schrillte sie und zeigte mit zitterndem Finger auf mich „Nimm ihr alles weg, was sie von ihrer Mutter hat! Ich habe keine Enkelin! Nicht so ein widerliches Geschöpf wie sie!“

Marcus warf mir einen letzten kalten Blick zu. Dann steckte er die Kette ein und verließ das Anwesen, ohne sich noch einmal umzudrehen. Seine Männer folgten ihm.

Der Schmerz darüber, das letzte Geschenk meiner Mutter verloren zu haben, vermischte sich mit den Qualen, die mein Vater mir zugefügt hatte, und überwältigte mich. Ich wusste nicht, wie lange ich auf dem kalten Boden gelegen hatte. Als ich wieder zu mir kam, wurde ich wie ein Sack Müll fortgeschleift. Dann wurde alles schwarz.

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