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Kapitel 3

Author: Echo
„Maya …“, schluchzte ich und klammerte mich an sie.

In dieser kalten, wahnsinnigen Familie war sie die einzige Wärme, die mir geblieben war.

„Hab keine Angst, Nessa. Heute Nacht wechseln die Wachen ihre Schicht. Ich bringe dich durch den alten Hundedurchlass im hinteren Zaun. Ich habe Ersparnisse. Wir fahren in eine andere Stadt und kommen nie wieder zurück.“

Ich nickte und kämpfte gegen die Tränen an.

Es wurde Nacht. In der Villa herrschte Totenstille.

Ich folgte Maya. Im Schatten der Mauern schlichen wir Schritt für Schritt zum Garten hinter dem Haus.

Die Freiheit lag direkt auf der anderen Seite dieses Zauns.

Gerade als wir die Lücke erreichten, flammten blendende Suchscheinwerfer auf.

Die weißen Lichtkegel bannten uns auf der Stelle.

Wie ein Geist in der Nacht stand Victor mit einem Dutzend Leibwächtern vor uns.

„Guten Abend, Maya, Nessa“, sagte er tonlos.

Mein Kopf war wie leer gefegt. Vor Angst wagte ich nicht einmal zu atmen.

Es war vorbei. Alles war vorbei.

Doch Victor war nicht wütend. Er befahl niemandem, mich zu schlagen.

Er trat nur auf Maya zu und starrte sie an.

„Du willst sie mitnehmen? Gut“, sagte Victor ruhig. „Du musst nur meinen dunklen Raum betreten. Wenn du wieder herauskommst, stehen die Tore weit offen. Ich halte euch nicht auf.“

Schon wieder dieser dunkle Raum!

„Nein! Auf keinen Fall!“, schrie ich und packte Maya am Arm. „Maya, bitte geh nicht hinein! Das ist eine Falle! Er macht ein Monster aus dir!“

Ich wollte die Freiheit nicht mehr. Ich durfte den letzten Menschen auf der Welt, dem noch etwas an mir lag, nicht auch noch verlieren.

Maya wandte sich um und nahm meine kalten Hände in ihre.

Ihr Blick war sanft, aber voller Entschlossenheit.

„Nessa, hör mir zu.“ Sie strich mir die zerzausten Haare glatt. „Ich habe dich aufwachsen sehen. Ich weiß, wer du bist. Mir ist egal, welche Geheimnisse in diesem Raum lauern. Mir geht es nur um dich.“

„Aber die anderen haben alle …“

„Vertrau mir“, unterbrach Maya mich. „Ich komme wieder heraus und bringe dich fort von hier.“

Sie ließ meine Hand los und folgte Victor ohne das geringste Zögern zu der Tür, die in die Hölle führte.

In jener Nacht wartete ich bis zum Morgengrauen in meinem Zimmer.

Der erste Sonnenstrahl fiel auf mein Gesicht, als sich die Tür öffnete.

Doch es war nicht Maya. Es war ein Dienstmädchen mit kalter Miene.

Sie warf mir einen Umschlag vor die Füße und ging.

Mit zitternden Händen öffnete ich ihn.

Darin lag ein einziges Blatt Papier. In Mayas vertrauter Handschrift standen zwei Worte, die mich tiefer schnitten als jede Klinge: „Stirb einfach.“

Ich starrte auf das Papier. Meine Tränen waren versiegt.

Ich hörte, wie mein eigenes Herz starb.

Meine Hoffnung war zerfallen. Nicht einmal Asche war übrig.

Zwei Stunden später wurde die Tür erneut aufgetreten.

Victor schritt herein und baute sich über mir auf. Ich lag zusammengekauert auf dem Boden.

„Das ist der Preis für deinen Fluchtversuch“, sagte er tonlos. Seine Augen waren voller Verachtung.

Als ich ihn so selbstherrlich vor mir stehen sah, fing ich an zu lachen.

Mein Lachen wurde lauter, wild und außer Kontrolle. Ich klang wie eine Wahnsinnige.

Mit zerzausten Haaren und getrocknetem Blut auf der Haut rappelte ich mich auf und sah ihm direkt in die Augen.

„Bist du jetzt zufrieden?!“, kreischte ich. „Jetzt, wo du mich so siehst?! Ich laufe nicht mehr weg! Aber wenn ich schon sterbe, will ich verdammt noch mal wissen, warum!“

„Lass mich in den dunklen Raum! Ich will ihn sehen! Sofort!“

Victor sah mich an. Eine seltsame Regung flackerte in seinen Augen auf.

Er senkte die Reitgerte und schwieg lange.

„Gut“, sagte er schließlich.

Die Dämmerung brach herein. Die untergehende Sonne war blutrot.

Ich folgte Victor die Treppe zum Keller hinunter.

Die Luft wurde kälter. Ein erstickender Druck legte sich um mich.

Klang!

Langsam öffnete sich die schwere Eisentür vor mir.

Keine Foltergeräte. Keine Dämonen. Nur grelles, kaltweißes Licht und ein riesiger Bildschirm, der eine ganze Wand einnahm.

Ich starrte darauf. Meine Pupillen weiteten sich, und das Blut gefror mir in den Adern.

All das Unbegreifliche, all die Menschen, die mich verraten hatten, ergaben plötzlich einen Sinn. Einen so absurden und zugleich so logischen Sinn.

Kein Wunder.

„Kein Wunder, dass niemand mich heiraten wollte. Es liegt daran, dass …“

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