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Kapitel 2

Author: Echo
Heftiger Schmerz riss mich aus der Bewusstlosigkeit.

Ich lag auf dem Rasen hinter der Villa. Der Nachtwind fuhr mir bis in die Knochen.

Krähen am Brunnen hielten mich für eine Leiche und pickten nach den Wunden an meinem Körper.

Ich kämpfte gegen den Schwindel an und taumelte zurück in mein Zimmer. Dabei gab ich keinen Laut von mir.

Ich hatte genug von den endlosen Misshandlungen. Ich konnte nicht einfach auf meinen Tod warten. Ich musste mich selbst retten.

Nachdem mein dritter Verlobter mich verlassen hatte, hatte ich die Polizei gerufen. Ich hatte vermutet, dass man die Männer in diesem Raum hypnotisierte. Doch die Polizei hatte einen Arzt hinzugezogen, der keine Anzeichen für Hypnose gefunden hatte.

Meine Verlobten hatten mich tatsächlich gehasst. Aus tiefstem Herzen.

Die Familienältesten und das Personal hatten vor der Polizei behauptet: „Sie halluziniert, weil sie Drogen nimmt.“

Am Ende hatten die Polizisten mich angeschrien: „Verschwenden Sie nicht unsere Zeit!“ Dann waren sie gegangen.

Zur Strafe hatte Victor mich eine Woche lang in den ungeheizten Weinkeller gesperrt.

Kein Essen. Nur Eiswasser.

Auch einen Fluchtversuch hatte ich unternommen.

Doch wohin ich auch ging, die Leibwächter meines Vaters fanden mich immer.

Ich war sicher, dass irgendwo in meinem Körper ein Ortungssender steckte.

Nach wochenlangem vorsichtigem Abtasten hatte ich ihn endlich gefunden.

Ich taumelte ins Badezimmer und schloss die Tür ab. Mein Blick fiel auf eine scharfe Schere auf der Ablage.

Ich biss fest in ein Handtuch, stach mir die Schere in den linken Arm und schnitt den winzigen Chip aus dem Gewebe unter meiner Haut heraus.

Blut lief mir den Arm hinunter.

Kurz bevor ich vor Schmerzen ohnmächtig wurde, gelang es mir, meine beste Freundin Sarah anzurufen.

„Hilf mir … bring die Polizei mit.“

Eine Stunde später zerrissen Sirenen die Stille auf dem Anwesen.

Sarah stürmte mit Polizisten und Sanitätern in mein Zimmer.

„Victor! Du Tyrann!“, schrie sie, als sie mich blutüberströmt sah, und packte ihn am Revers. „Was hast du Nessa angetan?! Sie ist deine Tochter! Warum tust du ihr so etwas an?“

Die Polizisten betrachteten die Szene mit gerunzelter Stirn.

„Herr Cassano, Sie haben uns einiges zu erklären.“

„Officer“, erwiderte Victor, ohne die geringste Verärgerung zu zeigen. Er rückte seine Krawatte zurecht und setzte ein makelloses, falsches Lächeln auf. „Das ist alles ein Missverständnis. Folgen Sie mir bitte einen Moment in den dunklen Raum. Dann klärt sich alles auf.“

Schon wieder der dunkle Raum.

Mein Herz setzte aus. Wie eine Schlange schnürte sich die Verzweiflung um meinen Hals.

„Gehen Sie nicht hinein!“, schrie ich, warf mich vor die Beine des Beamten und klammerte mich mit aller Kraft daran. „Bitte, ich flehe Sie an, gehen Sie da nicht rein!“

„Beruhigen Sie sich bitte.“ Der Polizist löste meine Hände von seinen Beinen. „Wir gehen der Sache auf den Grund.“

Sie gingen hinein.

Wieder schloss sich die schwere Eisentür.

Zitternd sank ich auf den Boden.

Zehn Minuten später.

Mit einem Knall wurde die Tür aufgerissen.

Der Polizist stürmte mit finsterem Gesicht heraus.

Klatsch! Klatsch!

Ohne zu zögern verpasste er mir zwei heftige Ohrfeigen.

Ich stürzte zu Boden. Meine Ohren dröhnten.

„Wenn diese Körperkamera nicht mitlaufen würde, würde ich Ihnen selbst eine Kugel verpassen“, knurrte er und sah mich voller Ekel an.

Sarah war fassungslos. „Sie können sie doch nicht einfach schlagen! Ich werde mich beschweren!“

Er drehte sich zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr.

Sarah erstarrte.

Langsam wandte sie sich wieder mir zu. Ihre Augen waren vor Entsetzen weit aufgerissen, als sähe sie ein Monster.

„Nessa … du widerst mich an“, sagte Sarah mit zitternder Stimme. „Du bist menschlicher Abschaum.“

Ohne mich noch einmal anzusehen, drehte sie sich um und rannte aus der Villa.

„Hören Sie mir gut zu“, warnte der Beamte kalt. „Wenn Sie noch einmal die Polizei wegen ihres Unsinns belästigen, bringe ich Sie persönlich in ein Hochsicherheitsgefängnis.“

„Aber sie sieht aus, als wäre sie halb totgeschlagen worden …“, sagte die Polizistin und sah mich mitleidig an.

Der Polizist zog seine Kollegin mit sich und flüsterte ihr im Gehen etwas zu.

Die Frau, die gerade noch Mitleid mit mir gehabt hatte, sah mich nun mit derselben Abscheu an.

Alle Hoffnung war fort. Wie eine Leiche lag ich auf dem kalten Boden.

Warum? Warum?

Victor blickte auf mich hinab. „Sieh dir an, wie viel Ärger du mir gemacht hast.“

„Wie soll ich dich jetzt bestrafen?“

„Werft sie in die alten Hundezwinger hinter dem Haus“, befahl er kalt. „Dort kann sie über ihre Taten nachdenken. Drei Tage lang.“

Die Leibwächter schleiften mich in einen dunklen, stinkenden Eisenkäfig.

Bissige, ausgehungerte Hunde musterten mich gierig.

Ich kämpfte gegen die Bewusstlosigkeit an und wehrte ihre Angriffe mit letzter Kraft ab.

Doch es gab weder Wasser noch Essen. Nur endlose Dunkelheit und beißende Kälte.

Sobald ich auch nur einen Moment unachtsam war, würde einer von ihnen seine Zähne in mein Fleisch schlagen.

Drei Tage lang war jede Sekunde die Hölle.

Nach drei Tagen zeigte Victor endlich Gnade und ließ mich herausholen.

Die vorbeigehenden Dienstmädchen starrten mich mit einer Mischung aus tiefstem Ekel und Angst an.

Man warf mich zurück in mein Zimmer und schloss die Tür ab.

Gerade als ich glaubte, ich würde hier bei lebendigem Leib verrotten, hörte ich ein leises Klicken im Schloss.

Es war Maya, das Kindermädchen, das mich großgezogen hatte.

Leise schlüpfte sie herein. In den Händen trug sie eine Schüssel mit heißem Wasser und Medikamente.

Als sie meine Verletzungen sah, füllten sich ihre Augen mit Tränen.

Ihre Hände zitterten, während sie meine Wunden reinigte. Sie flüsterte, doch ihre Stimme war fest.

„Wir fliehen. Ich hole dich aus diesem Höllenloch.“

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