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Kapitel 4

Penulis: Crystal
last update Tanggal publikasi: 2026-08-07 18:44:55

Nadias Sicht

Ein lauter, ohrenbetäubender Knall aus der unteren Etage des Anwesens reißt mich aus dem Schlaf.

Ich sitze kerzengerade im Bett, während mir das Herz augenblicklich in den Hals springt.

Die Morgensonne scheint durch mein kleines Fenster und zeigt an, dass es kurz nach 08:30 Uhr ist.

Unten hallt das Geräusch von berstendem Glas, stampfenden schweren Stiefeln und hochfrequenten Schreckensschreien durch die Dielenboden.

Ich ziehe mir schnell einen dicken, übergroßen Hoodie über mein zerrissenes Hemd, schließe meine Tür auf und gehe nach unten.

Als ich das obere Ende der großen Treppe erreiche und hinunter in das formelle Wohnzimmer blicke, stockt mir der Atem.

Die Szene unten ist wie aus einem Albtraum.

Mein Onkel Lucas, meine Tante Rosalind und meine Cousins Alex und Elena knien alle auf dem polierten Marmorboden.

Ihre Hände sind hinter dem Kopf verschränkt, und direkt hinter jedem von ihnen stehen Männer in schwarzen Anzügen, die schwere, schallgedämpfte Handfeuerwaffen auf ihre Hinterköpfe richten.

In der Mitte des Raumes steht – von der Gewalt um ihn herum völlig unbeeindruckt – die Silhouette des Mannes aus der VIP-Lounge; der Mann mit den eisigen, kristallblauen Augen.

Er ist in einen dunklen, maßgeschneiderten Anzug gekleidet, der seine imposante Statur betont. In seiner linken Hand hält er eine brennende Zigarre und bläst langsam eine dicke Wolke grauen Rauchs in die angespannte, feindselige Stille des Raumes. Eine silberne Handfeuerwache steckt im Lederhalster an seiner Taille.

„Herr Romano, bitte... ich werde...“, versucht mein Onkel zu sprechen, doch der Mann hinter ihm schlägt ihm hart ins Gesicht.

Hat er gerade Herr Romano gesagt? Lorenzo Romano?

„Du bist endlich wach“, sagt Lorenzo. Seine tiefe Baritonstimme schneidet wie eine physische Klinge durch den Raum. Er blickt nicht auf, aber er weiß genau, wo ich stehe.

Langsam dreht er den Kopf; seine stechenden, eisblauen Augen fixieren die meinen. Er hebt eine einzelne handbehandschuhte Hand und bedeutet mir zu kommen. „Komm herunter, Nadia.“

Meine Beine fühlen sich wie Plastik an, doch der Anblick der auf die Bennetts gerichteten Waffen zwingt mich zur Bewegung.

Ich mache langsame, unsichere Schritte die große Treppe hinunter, während meine Hände in den Taschen meines Hoodies zittern. Als ich die unterste Stufe erreiche, halte ich an und wahre den Abstand zu ihm.

„Wa... was wollen Sie von uns?“, stammele ich; meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.

Ein kaltes, dunkles Lächeln spielt um Lorenzos Lippen.

In einer Bewegung, die so schnell ist, dass meine Augen sie nicht verfolgen können, überwindet er die Distanz zwischen uns und greift mein Handgelenk mit eisernem Griff.

Er zieht mich nach vorne und zerrt meinen Körper gegen seine harte, solide Brust.

„Was ich will?“, flüstert er. Sein heißer, nach Tabak duftender Atem streift mein Ohr und jagt mir einen Schauer reiner Angst und Adrenalin über den Rücken. „Ich bin gekommen, um eine riesige Schuld einzutreiben, piccola. Und deine Familie hat beschlossen, mir eine sehr kreative Form der Bezahlung anzubieten.“

Er lässt mein Handgelenk los, nur um mein Kinn in einen festen, unnachgiebigen Griff zu nehmen und mich zu zwingen, in sein erschreckendes, wunderschönes Gesicht zu blicken.

Er greift mit der freien Hand in seine Manteltasche und wirft einen Zettel vor meinem Onkel auf den Boden.

„Betrachte sie als die vollständige Begleichung deiner Schulden von sieben Millionen Dollar, Lucas“, sagt Lorenzo laut genug, dass es jeder im Raum hören kann. „Und hier ist ein Scheck über weitere sieben Millionen.

Du wirst mir ihre Vormundschaft übertragen und nie wieder versuchen, sie zu kontaktieren. Haben wir ein Geschäft?“

Mein Onkel Lucas, dessen Gesicht blass und vor Angst schweißüberströmt ist, zögert nicht den Bruchteil einer Sekunde.

Er krabbelt auf den Knien nach vorne, schnappt sich mit zitternden Händen das Papier vom Boden und presst es wie eine Rettungsleine an seine Brust.

„Ja! Ja, Lorenzo! Nimm sie!“, schreit Lucas mit einer Stimme heraus, die von einer widerlichen Erleichterung durchtränkt ist. „Sie gehört dir! Wir haben sie ohnehin nie gewollt. Also bitte, nimm sie einfach mit!“

„Nein!“, schreie ich, während Entsetzen und Verrat in meiner Brust explodieren. Ich beginne mich gegen Lorenzos Griff zu wehren und versuche, mein Kinn freizubekommen. „Das kannst du nicht tun! Du kannst mich nicht wie ein Tier verkaufen! Ich schulde ihm gar nichts!“

Lorenzo zuckt ob meines Gegenwehrs nicht einmal mit der Wimper. Er lässt mein Kinn langsam los, doch bevor ich wegrennen kann, stößt er mich nach hinten.

Meine Hausschuhe rutschen auf dem polierten Marmor aus, und ich schlage hart auf dem Boden auf; meine Hände Schrammen über den Stein.

Lorenzo geht vor mir in die Hocke und bläst mir einen dicken Strahl Zigarrenrauch direkt ins Gesicht. Er streckt die Hand aus; sein lederbehandschuhter Finger zwirbelt sanft eine Strähne meines dunklen Haares.

„Sieben Tage, piccola“, flüstert er mit einem tiefen, gefährlichen Schnurren, das den absoluten Ruin verspricht. „Ich gebe dir sieben Tage Zeit, deine neue Realität zu akzeptieren. Du kannst freiwillig zu meinem Anwesen kriechen, oder ich hole dich mit Gewalt. Du hast die Wahl.“

Er steht auf, rückt seine Jacke zurecht und dreht sich auf dem Absatz um. Ohne einen Blick zurück geht er aus den Haustüren hinaus, während seine bewaffneten Männer in Formation hinter ihm hergehen.

In dem Moment, in dem die schweren Eichentüren ins Schloss fallen, bricht die Anspannung im Raum zusammen.

Ich drücke mich vom Boden hoch; meine Augen brennen vor Tränen der Wut, als ich meinen Onkel anstrotze, der bereits den Scheck in seinen Händen bewundert.

„Wie konntest du das tun?“, bringe ich heraus; meine Stimme bricht. „Ich bin eure Familie! Du hast mich gerade an ein Monster verkauft!“

Meine Tante Rosalind steht auf und streicht ihr Designerkleid glatt. Sie tritt auf mich zu und schlägt mir ohne ein Wort der Warnung ins Gesicht. Die Wucht der Ohrfeige lässt meinen Kopf dröhnen, und der metallische Geschmack von Blut füllt meinen Mund.

„Wage es nicht, diesen Ton mit uns anzuschlagen, du undankbares kleines Biest!“, zischt sie; ihre Augen sind wild vor einer Mischung aus Angst und Gier. „Wir haben dich aufgenommen! Wir haben dich fünf Jahre lang gefüttert und gekleidet! Es wird langsam Zeit, dass du uns unsere Wohltätigkeit zurückzahlst. Du wirst genau das tun, was Lorenzo sagt.“

„Vergiss nicht, Nadia“, fügt mein Onkel kalt hinzu und steckt den Scheck ein. „Du hast sieben Tage Zeit. Mach ihn nicht wütend, sonst wird er dich und das, was von dieser Familie noch übrig ist, vernichten. Triff die richtige Entscheidung.“

Ich starrte sie an und hielt mir die verletzte, brennende Wange, während sie davongehen und mich allein in der Stille zurücklassen.

Ich werde nicht zu Lorenzo Romano kriechen. Ich habe sieben Tage Zeit, und ich werde so weit wie menschenmöglich von Italien wegrennen.

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