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AVA
Ich hasse es, hierherzukommen. Es ist nach jedem Training oder Spiel immer dasselbe: halb nackte Jungs, die mit ihrem Waschbrettbauch angeben, als hätten wir ihn nicht alle schon gesehen. Ein paar Mädchen hängen herum, die meisten von ihnen Cheerleader, die sich in die Arme der Spieler kuscheln wie Trophäen. Sie fühlen sich wie die Größten, so als würde nicht schon nächste Woche ein anderes Mädchen ihren Platz in diesen Armen einnehmen. Ich hole tief Luft, während mein Blick zu den Worten wandert, die in die dicke, schalldichte Tür geschnitzt sind. „St. Wynter’s Titans.“ Ich murmle den Namen vor mich hin, als hätte ich ihn nicht schon tausendmal gesehen, als wäre er nicht auf Trikots und Bannern aufgedruckt … und auf Luke Westbrook, dem Typen, wegen dem ich hier bin. Schon wieder hasse ich es, hierherzukommen. Aber ich muss. Denn als Freundin von Luke Westbrook, dem Goldjungen von St. Wynter’s, dem Star-Quarterback und Campus-Star, ist das meine Rolle. Nach jedem Training, jedem Spiel, jedem Sieg … wird von mir erwartet, dass ich hier bin, im Umkleideraum von St. Wynter’s. Ob ich will oder nicht. Ich öffne die Tür und gehe hinein. Natürlich drehen sich ein paar Köpfe um. „Oh, Westbrooks Mädchen.“ „Liegt’s an mir, oder hat sie mehr Kurven bekommen?“ „Luke bringt dich um, wenn sie das hört.“ Es entsteht eine Pause, dann kommen die üblichen Lächeln. Wer will schon auf Lukes schlechte Seite geraten, indem er sein Mädchen nicht wie eine Königin behandelt? Ich lächle zurück, wie immer. Als würde es mich interessieren. Ich gehe weiter durch den vertrauten Raum und lasse meinen Blick in jede Ecke schweifen. Ich hoffe nur, dass ich Luke oder wenigstens einen seiner engen Freunde entdecke, damit ich den Blicken entkomme, die gerade an meinem Körper kleben. „Ava.“ Ich höre eine Stimme vor mir. Ich schaue auf und atme erleichtert aus. Endlich jemand, den ich kenne. Einer der wenigen Menschen, für die ich in meinem Leben wirklich dankbar bin. Unsere Freundschaft ist kein sorgfältig ausgehandelter Vertrag, der den Geschäften unserer Eltern nützen soll. Er ist nicht der Sohn vom Geschäftspartner meines Vaters oder jemand, den meine Mutter für Networking ausgesucht hat. Er ist einfach nur Mason. Mein einziger männlicher Freund. Mason zieht mich in eine Umarmung, tritt dann einen Schritt zurück, und die Mundwinkel heben sich zu einem Lächeln. „Ich habe dich gestern Abend vermisst. Warum bist du nicht an unseren Spot gekommen? Wir haben auf dich gewartet, dich sogar angerufen und bestimmt fünf Nachrichten geschickt.“ „Ich bin eingeschlafen. Ich war so müde, ich brauchte einfach Ruhe. Tut mir leid“, lüge ich. Wie soll ich ihm denn die Wahrheit sagen? Dass meine Mom mich nicht rausgelassen hat, weil sie ein schlechtes Gefühl hatte, wenn ich das Haus verlasse? Lächerlich? Genau. „Geht’s dir jetzt gut?“ fragt er, und seine Augen sind voller Sorge. „Ja. Mir geht’s gut“, sage ich. „Hast du Luke gesehen?“ „Natürlich, du bist hier wegen deines Typen“, neckt Mason. „Er müsste in einem der Zimmer in der hinteren Ecke sein. Schau in 011 oder 012. Ich hab ihn reingehen sehen, weiß nur nicht mehr, welches.“ „Dein Gedächtnis ist Scheiße“, sage ich. „Willst du mir deins leihen?“ „Niemals.“ „Bis später. Ich hab noch ein paar Dinge zu erledigen.“ „Haben diese Dinge etwas mit einer bestimmten Brünetten zu tun?“ „Verdammt.“ Er ist so töricht in seine Freundin verliebt. Es ist irgendwie süß. Irgendwie widerlich. Ich bin nicht eifersüchtig auf ihre Liebe. Vielleicht wünsche ich mir einfach nur so etwas, eine Liebe, die leicht ist, eine Liebe, die sich anfühlt wie Zuhause. Vielleicht sollte ich gar nicht so denken. Verdammt, ich habe einen Freund. Ich gehe zur hinteren Ecke des Umkleideraums und bleibe vor zwei Türen stehen. Zimmer 011 und Zimmer 012. Ich muss wohl eine aussuchen. Ich hoffe, ich habe Glück und Luke ist drin. Wenn nicht, versuche ich die andere. Ich hole Luft, raffe mich zusammen und gehe auf 011 zu. Ich klopfe nicht. Ich halte nicht einmal inne, um nachzudenken. Ich drücke die Tür einfach auf. Mein Mund fällt auf, als ich die Szene vor mir sehe. Ein halbnackter Typ, die Arme um ein halbnacktes Mädchen geschlungen, ihre Münder verschlingen sich gegenseitig, als würden sie verhungern. Wie zur Hölle küsst jemand so? Als hing sein ganzes Leben davon ab? Ich sollte mich bewegen. Ich sollte mich umdrehen, so tun, als wäre ich nicht gerade in etwas hineingelaufen, das ganz klar nicht für meine Augen bestimmt war. Aber ich tue es nicht. Ich stehe hier und starrte wie eine Idiotin, als wüsste ich nicht mehr, wie man weggeht. „Starr weiter so, und ich denke noch, du willst mitmachen.“ Mein Herz setzt aus, und in dem Moment sehe ich sein Gesicht. Kai Cooper. Verdammt noch mal Kai Cooper. Der Bad Boy, den jedes Mädchen meiden sollte, aber selten tut. Der, von dem ich mich absichtlich ferngehalten habe – bis jetzt. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich sollte weglaufen. Ich sollte hier so schnell wie möglich raus. Aber es ist, als wären meine Füße am Boden festgeklebt. Ich betrachte sein Gesicht etwas genauer. Sein Haar ist feucht, unordentlich, Strähnen kleben an seinem Gesicht, als hätte jemand die Hände hindurchgezogen. „Das nehme ich als Ja“, sagt er, die Stimme tief und sanft. „Du kannst gerne mitmachen, Whitmore.“ Sein Blick wandert langsam über mich, von meinen Zehen bis ganz hinauf zu meinen Augen. Ich halte seinen Blick aus, unsicher, ob er mich anschaut oder durch mich hindurch. Und der Ausdruck in seinem Gesicht? Er genießt das so sehr. Alles davon. „Kai“, murmelt das Mädchen, das vor ein paar Minuten noch in seinem Mund war. Ich schätze, sie hat es satt, da zu stehen und uns zuzusehen. „Hey“, murmelt Kai zurück, die Augen geschlossen, während er sie erneut küsst. Dann öffnet er sie und schaut direkt zu mir. Das ist so dumm. Ich bin dumm. Was zum Teufel mache ich hier überhaupt noch? Ich gehe einen Schritt zurück. Noch einen – und dann stoße ich gegen jemanden. Ich drehe mich um, und mein Herz bleibt stehen. Luke. Er schaut mich nicht an. Seine Augen sind auf Kai gerichtet, und in ihnen flackert etwas Scharfes. Wut? Eifersucht? Bei Luke ist beides schon eine große Sache. Beides zusammen? Noch schlimmer.AVAIn dem Moment, in dem der Professor den Hörsaal verlässt, drehe ich mich zu meiner besten Freundin. Sie klebt immer noch am Handy und lächelt, als hätte man ihr Front-Row-Tickets zum Himmel in die Hand gedrückt. Das allein sagt mir genau, wem ihr lovesick Arsch gerade schreibt.„Glaubst du, ich sollte Kai beim Training zuschauen gehen?“ murmele ich unter dem Atem. Es ist weniger eine Frage an sie und mehr ich, die laut denkt.Gemma blinzelt zu mir hoch, die Augenbrauen heben sich. „Sorry, war das an mich gerichtet?“Ich schnaube. „Ja, ich rede mit dir.“ Dann seufze ich, diesmal weicher. „Glaubst du, es ist okay, wenn ich heute Kai beim Training zuschauen gehe? Im Stadion?“Eine Linie bildet sich zwischen ihren Augenbrauen. „Ich dachte, du wolltest die Dinge erstmal low-key halten? Nicht, dass es was ausmacht, weil jeder mit funktionierenden Augen schon was vermutet.“Ich hebe eine Schulter in einem Zucken. „Ich weiß. Aber ich vermisse ihn.“Es ist etwas über eine Woche her, seit
KAIAls ich auf sie runterschaue, immer noch auf den Knien, mit diesen weiten, unschuldigen Augen zu mir hochstarrend, als hätte sie nicht gerade meine Seele aus meinem Körper gezogen und jeden Tropfen davon geschluckt – das zieht an jeder verdammten Saite in meiner Brust. Es lässt mich sie in die Arme nehmen wollen, jeden Zentimeter ihrer Haut mit meinen Händen waschen, ihr Lieblingsessen kochen und jeden Zentimeter ihres Gesichts küssen, bis sie an mir einschläft.Wie ich ihr gerade gesagt habe… ich habe keine verdammte Ahnung, wie jemand wie sie bei jemandem wie mir gelandet ist. Ein Stück Scheiße, der nichts getan hat, um diese Art von Liebe zu verdienen. Aber ich weiß eines mit absoluter Gewissheit – ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, sie zu lieben, mich um sie zu kümmern und verdammt noch mal sicherzustellen, dass sie nie bereut, mich gewählt zu haben.Gleichzeitig werde ich sicherstellen, dass ich sie für jeden anderen ruiniere. Ich werde sie auf Arten berühre
AVAIst das real, oder bin ich einfach wieder in einer meiner wilden Fantasien verloren? Mein Kopf spult alles in einem Rush zurück – der Spaziergang, den er vorgeschlagen hat, die Art, wie er zugegeben hat, dass mein Bruder ihm geholfen hat, einen Ort auszusuchen, der Weinkeller, in den er mich geführt hat, die Nerven, die er zu verstecken versucht und gescheitert ist… und dann sein Geständnis.Das ist verdammt real.Kai hat mich gefragt. Er hat gerade diese drei perfekten Worte gesagt. Er hat mir gesagt, dass er mich liebt.Es ist nicht alles in meinem Kopf. Es ist kein Wunschdenken. Es ist passiert. Nach all den Nächten, in denen ich wach lag und mich fragte, ob er mich jemals bitten würde, seine Freundin zu sein, all den Malen, in denen ich mich fragte, ob wir für immer undeutlich bleiben würden – halb drin, halb draußen. Nachdem ich so sehr wollte, ihn zu fragen, wohin wir steuern, es aber nie getan habe, mich zurückgehalten habe, weil ich nicht ruinieren wollte, was auch imm
KAIIhr Mund öffnet sich, als würde sie etwas sagen wollen, aber nichts kommt raus. Ihre Lippen pressen sich wieder zusammen, eine kleine Linie bildet sich zwischen ihren Augenbrauen. Sie schaut mich an, als hätte ich mich gerade in jemanden verwandelt, den sie nicht vollständig erkennt – jemanden, den sie in Echtzeit neu lernen muss.Meine Hände ballen sich unter dem Tisch auf dem Schoß zu Fäusten. Ich spüre das Zucken in den Fingern, das unruhige Tippen, das anfängt, obwohl ich versuche, es zu stoppen. Ich weiß genau, warum ich das tue.Weil die Antwort direkt da in ihrem Gesicht geschrieben steht – und es ist nicht die Reaktion, die ich mir vorgestellt habe.Oh, fuck.War ich zu schnell? Habe ich gerade alles ruiniert, indem ich ihr gesagt habe, ich will sie zu meiner machen, wie ein Idiot, der null Geduld hat? Wer zum Teufel sagt so etwas, bevor überhaupt Essen auf den Tisch kommt? Vor einem Drink? Bevor sie eine Chance hat, den verdammten Ort einzuatmen, zu dem ich sie gebracht h
AVA„Ich kann nicht,“ platze ich heraus. Es rutscht raus, bevor ich überhaupt merke, dass ich spreche. Es ist das Einzige, was Sinn ergibt, mit dem Schock und der Peinlichkeit, die mich würgen.„Was meinst du mit ‚ich kann nicht‘?“ fragt Kai, die Augenbrauen ziehen sich zusammen.„Ich kann da nicht mit dir reingehen. Ich kann nicht.“ Ich schüttle den Kopf. „Warum sind wir überhaupt hier?“Dann trifft mich ein schrecklicher, dummer Gedanke.Was, wenn die Titans drinnen sind? Was, wenn das wieder so eine St.-Wynters-Team-Sache ist, eines dieser ‚exklusiven‘ Dinner, mit denen sie gerne angeben? Genau die Art Scheiß, die Luke früher abgezogen hat. Und wenn das der Fall ist, dann ist er da drin. Die Cheerleader sind da drin. Die Hälfte der verdammten Schule ist da drin.Und ich stehe hier in Jeansshorts und einem basic Top wie ein Idiot.Bevor Kai den Mund öffnen kann, unterbreche ich ihn. „Wenn das irgendeine Party mit deinen Teamkollegen und wem auch immer ist, gehe ich nicht rein. Ich h
AVAIch öffne Kais Text, seine Antwort auf mein „wo bist du“ kommt so schnell. Es ist, als hätte er da gesessen mit den Augen am Handy geklebt und darauf gewartet, dass ich ihn anschreibe.Kai: Sollte das eine Frage sein? Ich bin im Auto und warte auf dich, Ma’am.Ein Lachen rutscht aus mir. Ich kann ihn praktisch tippen sehen – Augenbrauen zusammengezogen, Kiefer angespannt und so tun, als wäre er nicht genervt, obwohl er es definitiv ist. Was mich nur noch härter lachen lässt.Er hat mir vor ein paar Minuten schon gesagt, dass er draußen ist. Ich weiß genau, wo er ist. Ich bin absichtlich nervig und ragebaite ihn. Warum? Weil ich kann.Und weil nach dem, was er gestern in der Küche seines Onkels abgezogen hat, er es verdient. Nicht, dass er es nicht wiedergutgemacht hätte… hat meine Beine so sehr zittern lassen, dass ich dachte, sie würden einknicken, hat mich so laut schreien lassen, dass ich immer noch peinlich berührt bin, wenn ich dran denke.Die Erinnerung flackert schnell







