Home / LGBTQ+ / Vom Alpha Markiert: Blutschwur / Kapitel 10 – Phantomfeuer

Share

Kapitel 10 – Phantomfeuer

last update publish date: 2026-09-07 20:47:49

Eli

Die Nacht ist zu still.

Reglos liege ich auf der Pritsche und starre an die Decke, während das Feuer zuckende Schatten über die Holzwände wirft.

Mein ganzer Körper schmerzt. Dunkelviolette Blutergüsse breiten sich über meine Schultern aus. Der Biss brennt roh und ätzend auf meiner Haut.

Aber nichts davon ist so schlimm wie die Hitze, die durch mich kriecht. Das ist kein Fieber. Das ist er.

Das Band summt stetig und elektrisierend in mir, zieht sich durch jede Ader.

Sobald ich die Augen schließe, sehe ich ihn. Glühende goldene Augen. Blut an seinem Mund. Dieses grausame Lächeln, das sich in meine Erinnerung eingebrannt hat.

Ich versuche, die Bilder fortzuschieben. Sie haften an mir wie Rauch.

Mit zitternder Hand fahre ich über meine Brust und die angedeuteten Muskeln, als könnte ich das Feuer aus mir herausstreichen.

Meine Hand schwebt über meinen Rippen. Denk nicht an ihn. Nicht an ihn.

Doch mein Wolf regt sich, rastlos und voller Verlangen.

Das Band flammt auf. Plötzlich spüre ich Finger an meiner Hüfte. Unsichtbar. Nicht meine. Größer und wärmer, ein Daumen, der sich so fest gegen den Knochen drückt, dass mir der Atem stockt.

„Nein“, flüstere ich in den leeren Raum. „Raus aus meinem Kopf.“

Die unsichtbaren Finger gleiten tiefer über meinen Bauch und graben sich so fest in meine Haut, dass ich mich von der Pritsche aufbäume.

Verlangen zieht sich tief in mir zusammen, unerwünscht und beschämend.

Mein Puls hämmert. Ich balle die Fäuste, bis meine Nägel die Haut aufreißen, aber meine Haut verlangt trotzdem brennend nach mehr.

Die unsichtbare Hand wandert weiter hinab und streicht quälend langsam am Bund meiner Hose entlang. Ich unterdrücke einen Laut irgendwo zwischen Keuchen und Stöhnen.

Gegen meinen Willen werde ich hart. Blut schießt mir zwischen die Beine, und meine Nerven vibrieren unter den Berührungen, die gar nicht da sind.

Es fühlt sich vollkommen echt an. Die raue Spur schwieliger Fingerspitzen. Das Gewicht einer Hand, die mich auf die Matratze drückt.

„Hör auf“, hauche ich, doch meine Hüften verraten mich und bewegen sich suchend unter der unsichtbaren Hand.

Die Berührungen werden dreister, fordernder. Seine Hand erkundet mich mit ruhiger Sicherheit, als gehöre jeder Zentimeter ihm.

Fast spüre ich seinen heißen Atem an meinem Hals und seine Zähne, die über empfindliche Haut schaben.

Ich bebe, gefangen zwischen Abscheu und verzweifeltem Verlangen. In meiner Vorstellung streifen seine Lippen meine Kehle, so lebhaft, dass es mir den Atem raubt. Seine raue Stimme direkt an meinem Ohr –

Meins.

Mit einem Keuchen fahre ich hoch, als wäre ich gerade erst aus tiefem Wasser aufgetaucht.

Ich greife mir mit beiden Händen ins Haar. In der Hütte ist es still, doch meine Haut brennt unter unsichtbaren Fingerabdrücken.

Zwischen meinen Beinen pocht es, mein Schwanz drückt sich hart gegen die Hose. Ein unübersehbarer Beweis dafür, dass das Band selbst in meine intimsten Augenblicke eingedrungen ist.

Ich bin hart, und das Verlangen tut weh. Noch immer vibriert alles in mir von Berührungen, die wirklicher waren als die raue Decke unter mir.

Heiße, bittere Scham überflutet mich. Dazu hat er mich gemacht. Zu purem Verlangen, das selbst dann auf ihn reagiert, wenn er nicht einmal in der Nähe ist.

Die Empfindung klingt nur allmählich ab, wie ein Fiebertraum.

Noch immer glaube ich, seine Hände auf meiner Haut zu spüren – unsichtbare Finger, die jede Stelle als sein Eigentum beanspruchen.

Mein Wolf winselt. Er will mehr. Er will ihn. Und ich hasse den Teil von mir, der dasselbe will.

Ein Klopfen an der Tür lässt mich zusammenfahren. Ich antworte nicht. Der Riegel schiebt sich trotzdem zurück.

Jace tritt mit einem Tablett herein. Brot, Trockenfleisch und ein Blechbecher Wasser.

Ein Blick auf mich, und er runzelt die Stirn. „Du siehst beschissen aus.“

Ich lache heiser auf. Es klingt selbst in meinen Ohren kaputt. „Darum geht es doch, oder?“

Jace stellt das Tablett auffallend behutsam auf den Tisch.

Sein Blick ruht auf dem Mal an meinem Hals. „Du gewöhnst dich daran“, murmelt er.

„Woran?“ Meine Stimme bricht. „Gejagt zu werden? Jemandem zu gehören? Daran, dass ich seine Hände auf mir spüre, obwohl er gar nicht da ist?“

Jace beißt die Zähne aufeinander. „An das Band. Daran, wie es in alles eindringt, was du bist.“

Ich schüttle den Kopf und verschlucke mich beinahe an meinem bitteren Lachen. „Das ist nicht normal.“

„Für ihn schon.“ Jace lehnt an der Wand, die verschränkten Arme wie einen Schild vor der Brust. „Ronan ist nicht wie andere Alphas. Er wird nicht sanfter. Er wird dich nie um Erlaubnis bitten, und was ihm gehört, gibt er nicht wieder her.“

„Ich gehöre ihm nicht.“

„Dann kämpf“, sagt Jace ruhig. „Aber tu nicht so, als würdest du nichts spüren. Das Mal reicht bis in deine Knochen.“

Als er fort ist, strömt die Stille zurück und füllt den Raum.

Ich zupfe am Brot und zwinge ein paar Bissen hinunter, aber die eingebildeten Berührungen sind noch immer da. Sie streichen über meine Haut wie die Erinnerung an Flammen.

Ich habe nichts davon vergessen. Noch immer hallen diese unsichtbaren Hände in mir nach, noch immer quält mich ein ungestilltes Verlangen, bei dem ich die Zähne zusammenbeiße.

Unbehaglich rutsche ich hin und her. Meine Haut fühlt sich zu eng und viel zu empfindlich an.

Jede Bewegung des Stoffs auf meiner Haut erinnert mich an seine Hände und jagt mir einen neuen Schwall Verlangen durch die Adern. Das Band hat sogar meine Sinne gegen mich aufgebracht.

Ich hasse ihn. Ich hasse, dass jeder Herzschlag mich daran erinnert, dass ich nicht frei bin. Ich hasse diesen Verrat mit jedem Atemzug, mit jedem Aufflackern dieses verfluchten Bandes in mir.

Ich lege die Hand auf den Biss an meinem Hals. Die Haut ist geschwollen und berührungsempfindlich, darunter pocht das Mal. Das Summen des Bandes wird lauter, als wäre ein Knurren in mir gefangen.

Draußen heult ein Wolf. Tief. Besitzergreifend. Fordernd.

Es klingt nach ihm.

Ich schließe die Augen, lehne mich an die Wand und flüstere in die Dunkelheit: „Ich gehöre dir nicht.“

Doch das Band antwortet, leise und unerbittlich wie Gift. Meins.

Und tief in meiner Brust erwidert etwas Wildes, Gebrochenes: Ja.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Vom Alpha Markiert: Blutschwur   Kapitel 194 – Die Rückkehr des Rates

    MaraDer Ratssaal fühlt sich jetzt anders an.Keine Anspannung sättigt die Luft, keine Dringlichkeit. Und weil wir seltener tagen, bleibt zwischen den Sitzungen endlich genug Zeit, den Raum gründlich zu lüften.Ronan hat sein Blockhaus inzwischen verlassen, schlendert aber irgendwo draußen mit Eli über das Lagergelände und hält seine Hand. Ich hatte nicht das Herz, die beiden zu unterbrechen.Also sitze ich am Kopfende des langen Tisches, umgeben vom vertrauten Kreis der älteren Wölfe. Zwischen uns liegen Karten ausgebreitet. Die Tinte der letzten Grenzkorrekturen glänzt noch feucht auf dem Papier. Das Licht aus den hohen Fenstern ist kalt, aber stetig, und spiegelt sich in den eisernen Beschlägen und den Messingkanten der großen Türen.Es ist seltsam, wieder zu Hause zu sein und alles so friedlich vorzufinden.„Fangen wir an“, sage ich. Meine Stimme trägt mühelos durch den Raum. Jahrelange Befehlsgewalt hinterlässt Spuren.„Silvercrest hat einen neuen Alpha: Kieran von Silvercrest. E

  • Vom Alpha Markiert: Blutschwur   Kapitel 193 – Morgen und Gnade

    EliIch erwache träge. Die Welt kehrt in kleinen, zufriedenen Schritten zu mir zurück.Durch die Fensterläden tropft Licht in dünnen goldenen Streifen, warm genug zum Berühren und sanft genug, dass es nicht wehtut. Das Feuer ist zu Glut heruntergebrannt. Die Luft riecht nach uns, und meine Haut trägt noch immer die Spuren dessen, was wir einander angetan haben.Hinter mir ist Ronan schon halb wach. Ich spüre sein solides Gewicht, seinen Arm um meine Taille, als hätte er dort eigenhändig einen Riegel geschmiedet. Er atmet tief und gleichmäßig, die Nase an meinen Nacken gedrückt. Seine Bartstoppeln schaben über die schwachen Spuren der vergangenen Nacht.Diese Ruhe fühlt sich verdient an. Keine Geräusche vom Rudel, keine Nachrichten, kein Krieg, den wir planen müssen. Nur die kleinen Laute eines Zuhauses. Das Knacken des Holzes, das sich setzt. Das Flüstern seines Atems. Mein eigener Herzschlag, der erst noch lernen muss, langsamer zu werden und zu glauben, dass ich wirklich ein Zuhause

  • Vom Alpha Markiert: Blutschwur   Kapitel 192 – Mal und Spiegel

    RonanDie zweite Nacht brennt ruhiger. Erst im Nachklang entsteht der wirkliche Schaden, wenn die ganze Intensität unserer Hingabe sich in uns festsetzt.Eli sitzt auf der Bettkante, seine Haut im Mondlicht wie mit Silber überhaucht. Die Spuren, die ich gestern Nacht auf ihm hinterlassen habe, blühen wie Beweise einer Eroberung. Jeder einzelne blaue Fleck ist ein präzises Zeichen meines Besitzanspruchs. Er bestätigt, dass Eli sich danach sehnt, was ich ihm gebe, und ich gebe ihm nur, was sein fordernder Trotz ertragen kann.In einer flachen Schale zerreibe ich Knochenasche und vermische sie mit Blut zu einem dünnen, glänzend schwarzen Pigment. Es riecht schwach nach weit entfernten Feuern und dem Nachhall von Asche. Nach dem alten, erbarmungslosen Duft von Schwüren, die länger halten sollen als das Leben. Die Farbe hinterlässt auf allem, was sie berührt, bleibende Flecken. Genau wie es sein soll.Eli beobachtet mich. Seine Lider sind schwer, doch in seinen Augen liegt die scharfe Vorf

  • Vom Alpha Markiert: Blutschwur   Kapitel 191 – Das Spiel des Gehorsams

    EliAls ich aufwache, riecht das Blockhaus nach Holzrauch, schwerem Leder und dem intensiven metallischen Duft von Samen und Schweiß.Ich bin auf eine Weise wund, die sich lehrreich anfühlt. Als hätte mein Körper über Nacht eine neue Sprache gelernt.Die Innenseiten meiner Schenkel schmerzen, und an Kehle und Hüften zeichnen sich Küsse in Form blauer Flecken ab. Ronan ist bereits aufgestanden und halb angezogen. Die Linie seines Rückens ist eine Lektion in Selbstbeherrschung.Er kocht Kaffee. Dieser Mann verströmt schon vor dem Frühstück Beherrschung, und das kann ich unmöglich zulassen.„Alpha“, krächze ich mit rauer Stimme. „Du solltest dich im Nachglanz deiner furchteinflößenden Manneskraft sonnen und nicht irgendwelche Abläufe organisieren.“Er sieht über die Schulter zu mir, nur eine Braue hochgezogen. Das allein verspricht Ärger. „Du solltest dich ausruhen.“„Ausruhen ist langweilig“, murmele ich und strecke mich, bis die Spuren an meinen Rippen protestieren. „Genau wie du.“Er

  • Vom Alpha Markiert: Blutschwur   Kapitel 190 – Das Kreuz und der Atem

    RonanDas Blockhaus hält den Atem an, während Eli nackt dasteht und der Feuerschein an seinen Seiten emporleckt wie etwas, das kosten möchte, was es berührt.Sein Duft durchzieht die Luft. Eine scharfe, berauschende Mischung aus Wolf, Schweiß und dem rohen Biss des Verlangens. Ich spüre ihn an meinen Rippen knistern, einen Schmerz, der keiner ist, einen Hunger, der nicht weiß, wo er endet, und nicht akzeptiert, dass er das niemals tun wird.Als ich von der Kontrolle der Grenzen zurückkehre, umkreist Eli bereits das Kreuz. Seine Finger geistern über das dunkel gebeizte Holz, als hinge daran alles, was er sich wünscht.„Wirst du mich darum bitten lassen?“, schnurrt er. Ich antworte nicht. Das ist nicht nötig. Seine Pupillen sind weit, seine Haut ist vom ruhelosen Gehen und vom Verlangen gerötet. Sein frecher Mund krümmt sich schon zu der vertrauten Herausforderung.„Alpha“, sagt er und zieht das Wort in die Länge, als schmeckte es gut. „Mir ist langweilig.“Langsam und gemessen gehe ich

  • Vom Alpha Markiert: Blutschwur   Kapitel 189 – Ein Grollen in der Stille

    EliIch sinke hinunter, als hätte die Schwerkraft mich gerufen. Der Boden ist vom Feuer warm, und mein Magen macht einen Satz, als er dicht vor mich tritt. Die Welt schrumpft auf ihn und das Gefühl seines Daumens, der im Kupferring in Form eines Unendlichkeitszeichens an meinem Hals hängt.„Hände“, sagt er und reicht mir seinen Gürtel. Noch nicht, um mich zu fesseln, nur damit ich ihn halte. Ich wickle ihn um meine Handflächen und spüre, wie es sich später anfühlen wird, wenn er die echten Fesseln benutzt. Er beobachtet, wie die Erkenntnis mich trifft, und merkt sie sich.„Das ist keine Prüfung. Es ist eine Erinnerung.“ Mit einem Fingerknöchel hebt er mein Kinn. „Atme für mich.“Das tue ich. Darin bin ich besser geworden. Er legt die Hand auf meinen Scheitel und sieht mit Ehrfurcht auf mich hinab. Mein Körper schwenkt eine Flagge. Mein Mund wird trocken. Ich will alles. Er gibt mir nichts außer diesem Gewicht und seinem Blick, der wie ein feierliches Versprechen auf mir ruht.„Jetzt s

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status