LOGINEli
Die Nacht ist zu still.
Reglos liege ich auf der Pritsche und starre an die Decke, während das Feuer zuckende Schatten über die Holzwände wirft.
Mein ganzer Körper schmerzt. Dunkelviolette Blutergüsse breiten sich über meine Schultern aus. Der Biss brennt roh und ätzend auf meiner Haut.
Aber nichts davon ist so schlimm wie die Hitze, die durch mich kriecht. Das ist kein Fieber. Das ist er.
Das Band summt stetig und elektrisierend in mir, zieht sich durch jede Ader.
Sobald ich die Augen schließe, sehe ich ihn. Glühende goldene Augen. Blut an seinem Mund. Dieses grausame Lächeln, das sich in meine Erinnerung eingebrannt hat.
Ich versuche, die Bilder fortzuschieben. Sie haften an mir wie Rauch.
Mit zitternder Hand fahre ich über meine Brust und die angedeuteten Muskeln, als könnte ich das Feuer aus mir herausstreichen.
Meine Hand schwebt über meinen Rippen. Denk nicht an ihn. Nicht an ihn.
Doch mein Wolf regt sich, rastlos und voller Verlangen.
Das Band flammt auf. Plötzlich spüre ich Finger an meiner Hüfte. Unsichtbar. Nicht meine. Größer und wärmer, ein Daumen, der sich so fest gegen den Knochen drückt, dass mir der Atem stockt.
„Nein“, flüstere ich in den leeren Raum. „Raus aus meinem Kopf.“
Die unsichtbaren Finger gleiten tiefer über meinen Bauch und graben sich so fest in meine Haut, dass ich mich von der Pritsche aufbäume.
Verlangen zieht sich tief in mir zusammen, unerwünscht und beschämend.
Mein Puls hämmert. Ich balle die Fäuste, bis meine Nägel die Haut aufreißen, aber meine Haut verlangt trotzdem brennend nach mehr.
Die unsichtbare Hand wandert weiter hinab und streicht quälend langsam am Bund meiner Hose entlang. Ich unterdrücke einen Laut irgendwo zwischen Keuchen und Stöhnen.
Gegen meinen Willen werde ich hart. Blut schießt mir zwischen die Beine, und meine Nerven vibrieren unter den Berührungen, die gar nicht da sind.
Es fühlt sich vollkommen echt an. Die raue Spur schwieliger Fingerspitzen. Das Gewicht einer Hand, die mich auf die Matratze drückt.
„Hör auf“, hauche ich, doch meine Hüften verraten mich und bewegen sich suchend unter der unsichtbaren Hand.
Die Berührungen werden dreister, fordernder. Seine Hand erkundet mich mit ruhiger Sicherheit, als gehöre jeder Zentimeter ihm.
Fast spüre ich seinen heißen Atem an meinem Hals und seine Zähne, die über empfindliche Haut schaben.
Ich bebe, gefangen zwischen Abscheu und verzweifeltem Verlangen. In meiner Vorstellung streifen seine Lippen meine Kehle, so lebhaft, dass es mir den Atem raubt. Seine raue Stimme direkt an meinem Ohr –
Meins.
Mit einem Keuchen fahre ich hoch, als wäre ich gerade erst aus tiefem Wasser aufgetaucht.
Ich greife mir mit beiden Händen ins Haar. In der Hütte ist es still, doch meine Haut brennt unter unsichtbaren Fingerabdrücken.
Zwischen meinen Beinen pocht es, mein Schwanz drückt sich hart gegen die Hose. Ein unübersehbarer Beweis dafür, dass das Band selbst in meine intimsten Augenblicke eingedrungen ist.
Ich bin hart, und das Verlangen tut weh. Noch immer vibriert alles in mir von Berührungen, die wirklicher waren als die raue Decke unter mir.
Heiße, bittere Scham überflutet mich. Dazu hat er mich gemacht. Zu purem Verlangen, das selbst dann auf ihn reagiert, wenn er nicht einmal in der Nähe ist.
Die Empfindung klingt nur allmählich ab, wie ein Fiebertraum.
Noch immer glaube ich, seine Hände auf meiner Haut zu spüren – unsichtbare Finger, die jede Stelle als sein Eigentum beanspruchen.
Mein Wolf winselt. Er will mehr. Er will ihn. Und ich hasse den Teil von mir, der dasselbe will.
Ein Klopfen an der Tür lässt mich zusammenfahren. Ich antworte nicht. Der Riegel schiebt sich trotzdem zurück.
Jace tritt mit einem Tablett herein. Brot, Trockenfleisch und ein Blechbecher Wasser.
Ein Blick auf mich, und er runzelt die Stirn. „Du siehst beschissen aus.“
Ich lache heiser auf. Es klingt selbst in meinen Ohren kaputt. „Darum geht es doch, oder?“
Jace stellt das Tablett auffallend behutsam auf den Tisch.
Sein Blick ruht auf dem Mal an meinem Hals. „Du gewöhnst dich daran“, murmelt er.
„Woran?“ Meine Stimme bricht. „Gejagt zu werden? Jemandem zu gehören? Daran, dass ich seine Hände auf mir spüre, obwohl er gar nicht da ist?“
Jace beißt die Zähne aufeinander. „An das Band. Daran, wie es in alles eindringt, was du bist.“
Ich schüttle den Kopf und verschlucke mich beinahe an meinem bitteren Lachen. „Das ist nicht normal.“
„Für ihn schon.“ Jace lehnt an der Wand, die verschränkten Arme wie einen Schild vor der Brust. „Ronan ist nicht wie andere Alphas. Er wird nicht sanfter. Er wird dich nie um Erlaubnis bitten, und was ihm gehört, gibt er nicht wieder her.“
„Ich gehöre ihm nicht.“
„Dann kämpf“, sagt Jace ruhig. „Aber tu nicht so, als würdest du nichts spüren. Das Mal reicht bis in deine Knochen.“
Als er fort ist, strömt die Stille zurück und füllt den Raum.
Ich zupfe am Brot und zwinge ein paar Bissen hinunter, aber die eingebildeten Berührungen sind noch immer da. Sie streichen über meine Haut wie die Erinnerung an Flammen.
Ich habe nichts davon vergessen. Noch immer hallen diese unsichtbaren Hände in mir nach, noch immer quält mich ein ungestilltes Verlangen, bei dem ich die Zähne zusammenbeiße.
Unbehaglich rutsche ich hin und her. Meine Haut fühlt sich zu eng und viel zu empfindlich an.
Jede Bewegung des Stoffs auf meiner Haut erinnert mich an seine Hände und jagt mir einen neuen Schwall Verlangen durch die Adern. Das Band hat sogar meine Sinne gegen mich aufgebracht.
Ich hasse ihn. Ich hasse, dass jeder Herzschlag mich daran erinnert, dass ich nicht frei bin. Ich hasse diesen Verrat mit jedem Atemzug, mit jedem Aufflackern dieses verfluchten Bandes in mir.
Ich lege die Hand auf den Biss an meinem Hals. Die Haut ist geschwollen und berührungsempfindlich, darunter pocht das Mal. Das Summen des Bandes wird lauter, als wäre ein Knurren in mir gefangen.
Draußen heult ein Wolf. Tief. Besitzergreifend. Fordernd.
Es klingt nach ihm.
Ich schließe die Augen, lehne mich an die Wand und flüstere in die Dunkelheit: „Ich gehöre dir nicht.“
Doch das Band antwortet, leise und unerbittlich wie Gift. Meins.
Und tief in meiner Brust erwidert etwas Wildes, Gebrochenes: Ja.
RonanAls ich die Sitzung beende, zerstreuen sie sich.Jace bleibt gerade lange genug, um meinen Blick aufzufangen. In seinen Augen steht eine unausgesprochene Frage. Dann geht auch er.In der anschließenden Stille knackt und faucht das Feuer. Ich stehe am Kopfende des Tisches und trommle einmal mit den Fingern auf das zerfurchte Holz, bevor ich mein Messer aus der Scheide ziehe.Die Klinge glänzt orange im Feuerschein. Ich lege sie flach an meine Handfläche und spüre, wie das Metall in die schwielige Haut drückt. Nicht fest genug, um die Haut zu ritzen. Noch nicht.Er hat mich überrascht.Unter der hübschen Fassade dieses weich wirkenden Omegas steckt unbeugsamer Wille.Er stand vor meinem Rat und hat nicht gebettelt.Als ich Druck gemacht habe, kam die Wahrheit. Roh und abgehackt, aber ohne Ausflüchte.Solche Zuchtkäfige. Solche Strafen. Ich habe beides schon mit eigenen Augen gesehen. Eine Grausamkeit, die selbst mir zu weit geht.Und dieses Engelsgesicht, dieser verführerische Kör
EliJace weckt mich vor Sonnenaufgang mit einem harten Klopfen und ohne jede verdammte Erklärung.„Aufstehen“, knurrt er durch die Tür. „Der Rat will dich sehen.“Der Rat. Meine Brust wird eng, Panik krallt sich an meiner Kehle fest. Ich rolle von der Pritsche, noch immer tut mir vom gescheiterten Fluchtversuch gestern jeder Muskel weh, und ziehe das Hemd an, das sie mir gegeben haben.Der Stoff ist steif und stinkt nach Rauch, Leder und dem Schweiß anderer Männer. Der Biss an meinem Hals pocht mit jedem Herzschlag – eine ständige Erinnerung daran, was aus mir geworden ist.Draußen liegt Frost bissig in der Luft. Der Himmel ist fahlgrau ausgewaschen wie alte Knochen.Jace treibt mich durchs Lager, vorbei an Wachposten, die Kisten mit Munition und Silberkugeln stapeln. Das hier ist kein Zuhause. Es ist eine Kriegsmaschine, und ich soll ihr zum Fraß vorgeworfen werden.Vor uns ragt das Blockhaus auf, schwere Balken, in die Zeichen geschnitzt sind, die ich nicht kenne.Jace stößt mich du
EliDas morsche Holz um das Fenster zerfällt unter meinen verzweifelten Fingern.Seit gefühlten Stunden kratze ich daran, stemme die gezackte Kante eines abgebrochenen Stuhlbeins gegen die verrosteten Schrauben.Jeder Muskel schreit. Jeder Herzschlag dröhnt wie eine Kriegstrommel in meinem Schädel. Kalter Schweiß liegt auf meiner Haut, aber ich kann nicht aufhören. Ich werde nicht aufhören.Die erste Schraube gibt nach, und in meiner Brust regt sich etwas Wildes, Hoffnungsvolles.Ich beiße mir auf die Unterlippe, schmecke Blut und zwinge mich, bedächtig weiterzumachen. Eine vorsichtige Drehung nach der anderen.Der Riegel schabt über die Tür, und mir gefriert das Blut in den Adern.Nein. Nicht jetzt. Bitte, verdammt, nicht jetzt.Die Tür fliegt nach innen.Ronan steht in der Tür wie mein schlimmster Albtraum.Sein schwarzes Hemd hängt offen. Verschlungene Tätowierungen ziehen sich über seine Brust wie Narben aus zahllosen Kämpfen.Schweiß hat sein dunkles Haar durchfeuchtet, die Sträh
EliIch weiß nicht mehr, wann ich eingeschlafen bin.In einem Moment liege ich wie ein verwundetes Tier auf der Pritsche, sämtliche Muskeln angespannt, und starre auf die wasserfleckigen Dachsparren.Im nächsten kippt die Welt, und ich stürze in die Hölle. Ich bin woanders. An einem dunklen, stickigen Ort, an dem ich in seinem Geruch zu ertrinken drohe.Es ist Ronans Blockhaus, aber entstellt.Feuerlicht flackert über bröckelnde Steinwände, Schatten winden sich wie lebendige Wesen. Und dort wartet Ronan, breit im Eingang.Mit lauernder Ruhe kommt er auf mich zu. Das Monster, vor dem ich fliehen sollte. Doch ich bewege mich keinen verdammten Zentimeter.Zwischen meinen Rippen summt das Band dunkel und verführerisch. Jeder Schlag lässt meine Haut zugleich schaudern und glühen.Mein Wolf duckt sich und drängt sich im selben Atemzug nach vorn. Erbärmlich und voller Verlangen.Ronan erreicht mich und umfasst mein Gesicht mit seinen warmen, schwieligen Händen. Seine Finger liegen fest an me
EliDie Nacht ist zu still.Reglos liege ich auf der Pritsche und starre an die Decke, während das Feuer zuckende Schatten über die Holzwände wirft.Mein ganzer Körper schmerzt. Dunkelviolette Blutergüsse breiten sich über meine Schultern aus. Der Biss brennt roh und ätzend auf meiner Haut.Aber nichts davon ist so schlimm wie die Hitze, die durch mich kriecht. Das ist kein Fieber. Das ist er.Das Band summt stetig und elektrisierend in mir, zieht sich durch jede Ader.Sobald ich die Augen schließe, sehe ich ihn. Glühende goldene Augen. Blut an seinem Mund. Dieses grausame Lächeln, das sich in meine Erinnerung eingebrannt hat.Ich versuche, die Bilder fortzuschieben. Sie haften an mir wie Rauch.Mit zitternder Hand fahre ich über meine Brust und die angedeuteten Muskeln, als könnte ich das Feuer aus mir herausstreichen.Meine Hand schwebt über meinen Rippen. Denk nicht an ihn. Nicht an ihn.Doch mein Wolf regt sich, rastlos und voller Verlangen.Das Band flammt auf. Plötzlich spüre ic
EliSie lassen mir nicht einmal Zeit, das Blut von meinem Hals zu waschen.Jace zerrt mich am Arm auf die Beine. Sein Gesicht ist wie versteinert, als er mich wie ein Stück Aas durch das Lager schleift.Die Wölfe unterbrechen ihre Gespräche und sehen uns nach. Manche grinsen, manche schauen mitleidig, doch sie alle wissen genau, was sie da vor sich haben.Ich halte den Blick gesenkt. Der Dreck klebt noch immer an meiner nackten Haut, und die Nachtluft beißt in jeden frischen Bluterguss.Ronans Mal brennt wie eine glühende Kohle an meinem Hals. Tief in meiner Brust winselt mein Wolf – hungrig, rastlos und selbst in meiner menschlichen Gestalt verängstigt.Raus aus meinem Kopf. Raus aus mir. Raus.Jace stößt mich durch die Tür der Hütte. Schweres Holz schlägt hinter uns zu und sperrt die Kälte aus. Drinnen ist die Luft zäh wie Sirup, und ich sitze darin fest.Rauch. Eisen. Sein Geruch ist überall. Er steckt in den Holzwänden, den Teppichen, selbst in der Luft, die ich atmen muss.„Setz


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